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Kurs Behandlung der rheumatoiden Arthritis: Lektion 4 von 7

Schwellung und Schmerzen bei rheumatoider Arthritis

Gelenkschwellungen und Schmerzen zählen zu den unangenehmsten Symptomen einer rheumatoiden Arthritis. In dieser Lektion erfahren Sie, was gegen Rheumaschmerzen und Schwellungen hilft und wie Sie die Gelenkbelastung reduzieren können. Außerdem erhalten Sie Informationen zum Thema Injektionen ins Gelenk und zu den Nebenwirkungen entzündungshemmender Schmerzmittel. Einen tieferen Einblick in das Themenfeld Schwellungen und Schmerzen bietet Ihnen Doz. Dr. Johannes Grisar in unserem Video.

Video Transkript

Welche Möglichkeiten gibt es, um Schmerzen zu minimieren?

Prinzipiell sollten bei einer guten oder optimalen Therapie keine Schmerzen bestehen. Wenn jetzt aber die Erkrankung im Anfangsstadium ist oder es zu einem Schub kommt, leidet der Patient natürlich unter Schmerzen. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

Es gibt einmal die klassischen sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika,  die schmerzhemmend und bis zu einem geringeren Grad auch entzündungshemmend wirken.

Dann gibt es andere Analgetika.

Eine weitere Möglichkeit zur Hemmung von Schmerzen wäre natürlich eine kurzfristige Kortisontherapie, die zu einem Rückgang der Schwellung und dadurch auch der Schmerzen führt.

Und auf längere Sicht natürlich ist es die typische Therapie der Polyarthritis mit DMARDs oder auch Biologika oder Januskinase-Inhibitoren, die zu einer Linderung der Schmerzen oder eigentlich idealerweise zur kompletten Beseitigung der Schmerzen führen sollte.

Welche Möglichkeiten gibt es, um die Belastung für die Gelenke zu reduzieren?

Die Belastungen für die Gelenke, die natürlich vor allem, wenn sie entzündet sind, sehr schmerzhaft sind, kann ich mit Schonung oder Vermeidung von schmerzhaften Bewegungen lindern, aber auch eine sehr wirkungsvolle Maßnahmen sind hier Schienen, also insbesondere im Bereich der Hände oder der Finger, dass eben Gelenke, die entzündet und die sehr schmerzhaft sind, durch Schienen sozusagen zumindest kurz- bis mittelfristig ruhiggestellt werden und dadurch der Reiz der Bewegung, der bei einer Entzündung immer schmerzhaft ist, gestoppt wird.

Können Medikamente die Gelenksschwellung verbessern?

Ja, auf alle Fälle. Also die Gelenkschwellung sollte idealerweise durch eine suffiziente Therapie komplett bekämpft werden. Ziel ist es bei einer Therapie, dass gar kein Gelenk mehr geschwollen ist. Die Schwellung ist auch immer ein Indikator für Schmerz, aber auch potenziell, dass Gelenkssubstanz zerstört werden kann. Das heißt: Das Ziel ist es, absolute Gelenksschwellungen zu verhindern oder so niedrig wie möglich zu halten. Und das erreichen wir mit all diesen Therapien, die wir schon erwähnt haben, also Basismedikamente, Biologika, Januskinase-Inhibitoren, wenn es  sein muss auch Kortison oder nicht-steroidale Antirheumatika.

Sind Injektionen ins Gelenk sinnvoll?

Injektionen ins Gelenk sind dann sinnvoll, wenn es ein oder sehr wenige Gelenke, sind die hier sehr geschwollen sind, weil ich durch diese Injektion mit einem Lokalanästhetikum und einem Kortison meist doch relativ rasch eine Verbesserung erzielen kann, die aber jetzt nicht meine Basistherapie ersetzt, aber zumindest kurzfristig für einige Tage zu einer Verbesserung führt. Außerdem kann ich bei einer Infiltration oder Injektion ins Knie zum Beispiel, wenn das Knie stark geschwollen ist, auch Gelenksflüssigkeit abpunktieren, was einmal zu einer Verbesserung des Schmerzes und der Funktion führt.

Gibt es Risiken bei entzündungshemmenden Schmerzmitteln?

Ja, die Verwendung von nicht-steroidalen Antirheumatika auf Dauer und in hoher Dosierung ist schon nebenwirkungsbehaftet.

Vor allem ist hier zu nennen die Wirkungen auf den Magen. Also es kann zu einem erhöhten Risiko von Magengeschwürbildungen führen. Deshalb ist an und für sich empfohlen, das auch mit einem Magenschutz in Kombination zumindest für einen längeren Zeitraum einzunehmen.

Weiters ist bei einer längeren Einnahme auch eine gewisse Beeinflussung der Nierenfunktion möglich.

Und außerdem kann das sogenannte kardiovaskuläre Risiko, also die Risiken für das Herzkreislaufsystem, auch bei längerer Einnahme gesteigert werden.

Das heißt: Hier ist anzumerken: Nicht-steroidale Antirheumatika oder schmerz- und entzündungshemmende Medikamente sollten auch auf Dauer nicht in hoher Menge eingenommen werden, und eine ideale Therapie zielt ja auch darauf hin ab, dass man diese Medikamente gar nicht braucht bzw. nur sehr selten benötigt.

Soll ich bei den Schmerzmedikamenten sparen?

Prinzipiell, wenn der Schmerz stark ist, sollte man natürlich nicht mit Medikamenten sparen, sondern man sollte schon danach streben, dass der Schmerz verbessert wird, allerdings nicht nur mit Schmerzmedikamenten, sondern das wäre dann schon ein Hinweis, den Rheumatologen aufzusuchen und die Therapie zu ändern, dass ich eben nicht nur die Schmerztherapie über längere Zeit in hoher Dosis nehme, sondern dass die Therapie geändert wird und ich dann diese Schmerzmedikamente nicht mehr benötige.

Auf den Punkt gebracht

Schwellung und Schmerzen

  • Wenn die Krankheit gut eingestellt ist, sollten keine Schmerzen auftreten.
  • Treten doch Schmerzen auf, so können nicht-steroidale Antirheumatika, andere Analgetika und Kortison kurzfristig helfen, allerdings sollte in so einem Fall der Rheumatologe konsultiert werden.

Was hilft bei Rheumaschmerzen?

Erste Warnzeichen der rheumatoiden Arthritis sind oftmals Schmerzen in den Fingern und den Handgelenken, zum Teil aber auch in den Füßen. Typischerweise sind die Beschwerden morgens am schlimmsten und können über Stunden anhalten. In vielen Fällen kann schon eine Reduzierung der Gelenkbelastung Erleichterung bringen, häufig sind aber auch Medikamente erforderlich, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Reduzierung der Gelenkbelastung

Starke Belastungen können eine zusätzliche Verschlechterung beziehungsweise eine vermehrte Destruktion erkrankter Gelenken hervorrufen. Deshalb empfiehlt es sich, die Gelenkbelastung möglichst gering zu halten. Zum einen heißt das, eventuell vorhandenes Übergewicht zu reduzieren. Zum anderen können im Alltag auch Hilfsmittel wie Bandagen, Tapeverbände oder Schienen, beispielsweise aus dem Sanitätsfachhandel oder vom Bandagisten, zur Anwendung kommen, um Ihre Gelenke so gut wie möglich zu stützen und zu schonen. Keinesfalls sollten Sie auf Bewegung verzichten, da dies zu Schäden in den Gelenken führen kann, die sich nicht wieder beheben lassen.

Medikamente

Die bei rheumatoider Arthritis verwendeten Schmerzmedikamente unterteilen sich in zwei Gruppen:

  • reine Schmerzmittel (Analgetika) und
  • schmerz- und entzündungshemmend wirkende nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR).

Analgetika sind dann sinnvoll, wenn Sie Schmerzen haben, ohne dass eine Entzündung vorliegt. Typische Medikamente dieser Gruppe sind Novalgin, Flupirtin, Paracetamol und verschiedene Opioide. Im Vergleich zu den nichtsteroidalen Antirheumatika treten Nebenwirkungen bei den reinen Schmerzmitteln sehr viel seltener auf.

NSAR kommen zur Anwendung, wenn den Schmerzen eine Entzündung zugrunde liegt. Um unerwünschte Begleiterscheinungen wie Magen- und Darmprobleme, Bluthochdruck oder Nierenfunktionsstörungen zu vermeiden, sollten Sie keinesfalls mehr Tabletten einnehmen, als Ihnen Ihr Arzt verordnet hat. Auch ist es nicht ratsam, verschiedene nichtsteroidale Antirheumatika miteinander zu kombinieren.

Was hilft gegen die Gelenkschwellung?

Nichtsteroidale Antirheumatika können Gelenkschwellungen verringern. Allerdings handelt es sich hierbei lediglich um eine symptomatische Therapie. Der eigentliche Krankheitsverlauf wird davon nicht beeinflusst. Gleiches gilt für Kortisonpräparate, die sich dank ihrer stark entzündungshemmenden Wirkung gut dazu eignen, Gelenkentzündungen und die damit verbundenen Schwellungen zu bekämpfen.

Injektionen in die Gelenke

Liegt trotz sonst wirksamer Basistherapie eine erhebliche Gelenkschwellung vor, besteht die Möglichkeit ein an Kristalle gebundenes, lokal wirkendes Kortisonpräparat direkt in das betroffene Gelenk zu injizieren. Wegen seiner Bindung an die Kristalle kann das Kortison kaum in den Blutkreislauf übertreten, sodass eine ungünstige Wirkung auf den gesamten Organismus nicht zu befürchten ist. Selten können vorübergehende Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten, die jedoch harmlos sind und maximal ein bis zwei Tage andauern.

Welche Nebenwirkungen haben entzündungshemmende Schmerzmittel?

Die Wirkung entzündungshemmender Präparate beruht auf der Hemmung der körpereigenen Schutzhormone, den Prostaglandinen. Diese schützen beispielsweise den Magen-Darm-Trakt, das Herz-Kreislauf-System und die Nieren. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen daher Magenschleimhautentzündungen mit Geschwürbildungen, Nierenschädigungen und Herz-Kreislauf-Probleme. Diese unerwünschten Begleiterscheinungen lassen sich gering halten, indem die geringstmögliche Dosis gewählt wird und die Einnahme nicht länger als unbedingt notwendig erfolgt.

Hätten Sie gedacht, dass auch Hausmittel aus Großmutters Zeiten bei Schmerzen und Schwellungen durch rheumatoide Arthritis helfen? Heilerde-Wickel können ebenso Linderung bringen wie Umschläge mit Arnikablüten, Senfkompressen, Kohlwickel oder kühle Topfenauflagen.

Kühlende Wickel

Topfenwickel und kalte Heilerde-Wickel empfehlen sich beispielsweise in akuten Phasen, in denen das heiße Gelenk nach Abkühlung schreit, während warme Heilerde-Wickel Linderung bei einem Kältegefühl im Gelenk verschaffen.

Die Anwendung funktioniert folgendermaßen:Kühlender Topfenwickel

  • Streichen Sie den Topfen oder die mit kaltem oder warmem Wasser angerührte Heilerde etwa 5 Millimeter dick auf eine Gazebinde.
  • Legen Sie die Binde mit der bestrichenen Seite auf Ihre Haut und fixieren Sie sie mit einem Baumwolltuch oder einem Verband.
  • Lassen Sie den Topfen oder die Heilerde so lange drauf, bis sich der Wickel nicht mehr kalt bzw. warm anfühlt. Je nach Stärke der Entzündung dauert das zwanzig Minuten bis zwei Stunden.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft OA Doz. Dr. Johannes Grisar: Stand Februar 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.