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Kurs Behandlung der rheumatoiden Arthritis: Lektion 1 von 7

Überblick zur Therapie der rheumatoiden Arthritis

Die rheumatoide Arthritis ist derzeit noch nicht vollständig heilbar. Die Behandlungsmöglichkeiten werden jedoch immer besser und erfolgversprechender. In folgendem Video erklärt Ihnen Doz. Dr. Johannes Grisar unter anderem, welche Ziele die Therapie der rheumatoiden Arthritis verfolgt, welche Medikamente zur Anwendung kommen und wie ein typischer Therapiezyklus aussieht. Darüber hinaus erfahren Sie in dieser Lektion, wie Sie selbst zum Therapieerfolg beitragen können, und erhalten einen Einblick in die Zukunft der Arthritis-Behandlung.

Worin bestehen die Ziele der Arthritis-Therapie?

Ging es bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis früher vor allem darum, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Beschwerden möglichst gering zu halten, gestalten sich die Therapieziele mittlerweile dank zahlreicher neuer Behandlungsmöglichkeiten deutlich ehrgeiziger. Heute liegt die Zielsetzung darin, die Krankheit zum Ruhen – medizinisch: in Remission – zu bringen. Das bedeutet: Krankheitsaktivitäten sollten weder für Sie noch für Ihren Arzt erkennbar sein. Damit sind Sie zwar nicht geheilt, fühlen sich jedoch so.

Die ganzheitlich ausgerichtete Behandlung fußt weitgehend auf folgenden drei Säulen:

  • medikamentöse Therapie, beispielsweise mit immunmodulierenden Substanzen, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder zu stoppen
  • physiotherapeutische, ergotherapeutische und physikalische Maßnahmen zum Erhalt der Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit der Gelenke
  • Patientenschulungen, die Sie über die rheumatoide Arthritis informieren und Sie befähigen, positiv und kompetent mit der Erkrankung, den Medikamenten und den nicht-medikamentösen Behandlungsmaßnahmen umzugehen.

Sollten diese Therapieansätze keinen ausreichenden Erfolg bringen, bleibt die operative Behandlung als letzter Ausweg.

Wie ist die Prognose bei rheumatoider Arthritis und von welchen Faktoren hängt der Therapieerfolg ab?

Ohne adäquate Behandlung kann die rheumatoide Arthritis die betroffenen Gelenke so weit zerstören, dass ihre Beweglichkeit immer mehr verlorengeht und sie zuletzt ganz versteifen. Die Folge sind starke Schmerzen und ein großer Verlust an Lebensqualität. Da neben den Gelenken häufig auch innere Organe wie die Lunge und das Herz involviert sein können, kann die durchschnittliche Lebenserwartung unbehandelter Rheumapatienten reduziert sein.

Durch das rechtzeitige Einsetzen moderner Therapiemaßnahmen lassen sich dauerhafte Schäden vermeiden. Das Risiko für bleibende Gelenkschäden halbiert sich, wenn die Behandlung innerhalb von sechs Monaten nach Ausbruch der Erkrankung beginnt. Die Chance, die rheumatoide Arthritis aufzuhalten und Beschwerdefreiheit zu erreichen, kann sich bei rechtzeitigem Therapiebeginn bis um das Dreifache erhöhen.

Ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Behandlung der rheumatoiden Arthritis ist Ihre aktive Mitarbeit. Das betrifft nicht nur die konsequente Einnahme Ihrer Medikamente, sondern auch ausreichend Bewegung sowie eine gesunde Ernährung.

Wie können Patienten selbst zum Therapieerfolg beitragen?

Um die rheumatoide Arthritis optimal zu bekämpfen, ist mehr nötig als wirksame Medikamente und eine ärztlich verordnete Physio-, Ergo- oder physikalische Therapie. Nicht zuletzt ist Ihr persönlicher Einsatz gefragt. Eine Ernährungsumstellung kann ebenso zum Behandlungserfolg beitragen wie eine moderate sportliche Betätigung und Stressbewältigung mithilfe von Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenem Training.

Es gibt zwar keine spezielle Rheumadiät, allerdings haben sich bezüglich der Ernährung einige Grundregeln bewährt. So empfiehlt etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., auf fettreiche tierische Lebensmittel und Eier wenn möglich zu verzichten und fetthaltige Milchprodukte durch fettreduzierte zu ersetzen. Essen Sie wöchentlich maximal zwei Portionen mageres Fleisch und bringen Sie ebenso oft Fisch, vor allem fette Arten wie Hering, Lachs oder Makrele, auf den Tisch. Nehmen Sie reichlich Obst und Gemüse zu sich, um Ihrem Körper ausreichend Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe zuzuführen, und verwenden Sie beim Braten und Kochen sowie für Salate pflanzliche Öle wie Raps-, Lein- oder Walnussöl. Außerdem sollte Ihr Ernährungsbestandteil folgende Bestandteile enthalten:

  • täglich drei bis vier Gramm Kohlehydrate je Kilogramm Körpergewicht, damit Sie fit durch den Tag kommen,
  • Eiweiße, die den Knochenbau stärken und daher besonders wichtig für Menschen mit rheumatoider Arthritis sind.

Wussten Sie, dass die Wirkung einer Ernährungsumstellung erst nach etwa drei Monaten einsetzt? Geben Sie nicht gleich auf, wenn zunächst trotz gesunder Ernährung keine adäquate Verbesserung Ihres Gesundheitszustandes eintritt, sondern lassen Sie Ihrem Körper Zeit, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft Doz. Dr. Johannes Grisar: Stand Februar 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.