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Kurs Behandlung der rheumatoiden Arthritis: Lektion 1 von 7

Überblick zur Therapie der rheumatoiden Arthritis

Die rheumatoide Arthritis ist derzeit noch nicht vollständig heilbar. Die Behandlungsmöglichkeiten werden jedoch immer besser und erfolgversprechender. In folgendem Video erklärt Ihnen Doz. Dr. Johannes Grisar unter anderem, welche Ziele die Therapie der rheumatoiden Arthritis verfolgt, welche Medikamente zur Anwendung kommen und wie ein typischer Therapiezyklus aussieht. Darüber hinaus erfahren Sie in dieser Lektion, wie Sie selbst zum Therapieerfolg beitragen können, und erhalten einen Einblick in die Zukunft der Arthritis-Behandlung.

Video Transkript

Welches Ziel hat die Behandlung der rheumatoiden Arthritis?

Das Ziel der Behandlung der chronischen Polyarthritis ist das Erreichen einer Remission, sprich: eines Stillstandes oder, wenn man so will, eines Schlafens in Anführungszeichen der Erkrankung. Sollte dies, aus was für Gründen auch immer, nicht erreichbar sein, kann man sich auch mit einer niedrigen Krankheitsaktivität zufriedengeben.

Es ist so, dass es in der Rheumatologie und von den rheumatologischen Gesellschaften verschiedene Aktivitäts-Scores entwickelt wurden, die auch eigentlich breit von den Rheumatologen angewendet werden und anhand derer, die ich auch bei jeder rheumatologischen Visite erhebe, kann ich feststellen, in was für einer Krankheitsaktivität sich der Patient befindet. Und hier, wie gesagt, ist das Ziel eine Remission beziehungsweise, wenn das nicht geht, eine niedrige Krankheitsaktivität.

Wovon hängt die Prognose bei rheumatoider Arthritis ab?

Die Prognose bei der chronischen Polyarthritis hängt von einer Fülle von Faktoren ab.

Ein sehr wichtiger Faktor ist die Erkrankungsdauer. Wir wissen aus einer Vielzahl von Studien, dass die chronische Polyarthritis, je früher sie behandelt wird, einen umso besseren Verlauf hat. Das heißt: Ein sehr wichtiges Ziel ist es, dem Patienten nach Ausbruch der Erkrankung sehr rasch einem Rheumatologen zuzuführen und mit einer adäquaten Behandlung zu beginnen. Hier wissen wir, dass das die frühe Behandlung, auch den ganzen weiteren Krankheitsverlauf und das sogenannte Outcome positiv beeinflusst.

Weitere wichtige Faktoren, die eine Rolle spielen, ist das sogenannte Antikörper-Profil. Es gibt hier laborchemisch diskutierbar Antikörper, zum Beispiel den Rheumafaktor oder die Anti-CCP-Antikörper. Die müssen auch in die Prognose und in die Therapie-Entscheidungen mit einbezogen werden.

Ein weiteres wichtiges Tool sind die Entzündungszeichen, sind die Entzündungsparameter, hier vor allem die Blutsenkung. Ist das CRP hoch, dann ist das auch für die Prognose wichtig. Das heißt: Bei hohen Entzündungszeichen würde ich eher zu einer aggressiveren Therapie tendieren.

Und ein weiteres sehr wichtiges Argument oder prognostischer Faktor ist das Vorliegen von Erosionen oder Usuren bereits im Röntgen. Also wenn man in einem Röntgenbild schon am Anfang Veränderungen sieht, dass hier die chronische Polyarthritis schon Schäden angerichtet hat, werde ich das auch in meine prognostischen Überlegungen mit einbeziehen.

Welche Medikamente werden üblicherweise verschrieben?

Bei chronischer Polyarthritis gibt es eine Vielzahl von Medikamenten, die uns zur Verfügung steht, und man muss auch dazu sagen: Gott sei Dank, sagen wir Rheumatologen, wächst diese Anzahl an Medikamenten auch in letzter Zeit stetig.

Eine sehr wichtige Therapie ist die sogenannte Basistherapie, die mit sogenannten konventionellen Disease-Modifying Antirheumatic Drugs (DMARDs)durchgeführt wird. Das sind Medikamente, die sozusagen die Basis der Therapie bilden und einmal zu einem Stillstand oder zu einer niedrigen Krankheitsaktivität führen sollten.

Helfen diese Medikamente nicht ausreichend, stehen uns andere Medikamente zur Verfügung. Da sind zum einen die Biologika. Das sind Medikamente, die bestimmte  Entzündungsfaktoren neutralisieren oder bestimmte Zellkontaktvorgänge blockieren.

Und dann gibt es noch seit relativ Kurzem die sogenannten Januskinase-Inhibitoren. Das sind Medikamente, die ein bestimmtes Entzündungssignal in der Zelle blockieren können.

Weiters in der Therapie der chronischen Polyarthritis wird Kortison angewendet. Allerdings sollten wir eher danach trachten, dies möglichst wenig zu verwenden. In sehr frühen Krankheitsstadien, wenn die Basistherapie noch nicht greift, da kann es öfter möglich sein, dass wir doch Kortison verwenden, da Kortison die Eigenschaft hat, sehr rasch zu einer Entzündungshemmung zu führen. Wir sollten aber, wie gesagt, versuchen, Kortison dauerhaft zu vermeiden.

Und dann gibt es noch die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika. Das sind Medikamente, die vor zu Schmerz- und zu einer geringgradigen Entzündungshemmung führen, die aber auch im Prinzip im Krankheitsverlauf vermieden werden sollten. Das heißt: Eine optimale Therapie besteht aus einer Therapie mit einem DMARD plus/minus einem Biologikum oder einem Januskinase-Inhibitor.

Wie sieht ein typischer Therapiezyklus für Betroffene aus?

Prinzipiell ist in der Behandlung der chronischen Polyarthritis meist eine ambulante Behandlung ausreichend.

Es ist empfohlen, am Anfang, wenn die Erkrankung neu diagnostiziert worden ist, dass es einmal sehr wichtig ist, den Patienten darüber aufzuklären, zu schulen: Was ist die Erkrankung überhaupt? Wie ist der Verlauf? Auch die Medikamente etwas näherzubringen. Und dafür brauche ich am Anfang relativ viel Zeit.

Dann ist eben die Phase, wo die Therapie eingestellt wird, wo man sozusagen nach einer Therapie sucht, die der Patient einerseits gut verträgt und die ihm auch gut hilft. Auch hier kann es nötig sein, dass man kurzfristigere Kontrollen mit einem Intervall von einigen Wochen oder einem Monat benötigt.

Wenn der Patient dann gut eingestellt ist, reicht es eigentlich auf alle Fälle, wenn man die Kontrollen alle drei Monate durchführt. Und im Rahmen dessen sollte auch eigentlich immer eine Blutkontrolle erfolgen, da diese Medikamente doch auch laborchemisch kontrolliert werden sollten.

Was kann ich als PatientIn zum Erfolg der Therapie beitragen?

Als Patient kann man doch einiges dazu beitragen.

Prinzipiell mal wichtig ist es, achtsam zu sein, was an und für sich eh meistens passiert: Hilft mir die Therapie? Bin ich wirklich schmerzfrei? Kann ich auch in den Bewegungen die Dinge im Alltag gut meistern, ohne dass ich an meine Krankheit erinnert werde?

Natürlich ist es auch wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen.

Und ein weiterer wichtiger Faktor sind natürlich, auch wenn es einem gut geht, die regelmäßigen Kontrollen beim Rheumatologen.

Genauso ist es wichtig, dem Rheumatologen eventuelle Nebenwirkungen oder bestimmte Dinge, die einem auffallen unter einer Therapie, zu melden.

Wo könnte die Zukunft der rheumatoiden Arthritis-Behandlung liegen?

Prinzipiell ist es so, dass wir in den letzten 15 Jahren eine wirkliche Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung gestellt bekommen haben mit einer Fülle von verschiedenen Wirkmechanismen, die uns sehr geholfen haben, diese Erkrankung gut oder suffizient, wie wir es nennen, zu behandeln.

Allerdings gibt es immer noch genügend Patienten, die wir auch mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten nicht vollständig in dieser Remission, in dieses Schlafen der Krankheitsaktivität bringen können. Dadurch ist auf alle Fälle noch ein Handlungsbedarf.

Es ist nicht so, dass wir die chronische Polyarthritis heilen können. Mit der neuen Substanzklasse der Januskinase-Inhibitoren steht uns sicher ein sehr vielversprechendes neues Wirkprinzip zur Verfügung. Diese Medikamente können, im Gegensatz zu den meisten anderen modernen Medikamenten, also sprich Biologika, oral eingenommen werden und haben eine kurze Halbwertszeit. Das birgt doch gewisse Vorteile für den Patienten und auch im Falle von Nebenwirkungen.

Und ansonsten ist die Forschung weiterhin im Fluss. Wir können auch in den nächsten Jahren oder Dekaden, denke ich, damit rechnen, dass wir unser Arsenal noch weiter verbreitern und die Erkrankung suffizient und erfolgversprechend behandeln können.

Auf den Punkt gebracht

Überblick zur Therapie der rheumatoiden Arthritis

  • Je früher eine rheumatoide Arthritis behandelt wird, umso besser verläuft sie für gewöhnlich.
  • Patienten können durch die planmäßige Einnahme der Medikamente, regelmäßige Kontrollen beim Rheumatologen und Achtsamkeit zum Therapieerfolg beitragen.

Worin bestehen die Ziele der Arthritis-Therapie?

Ging es bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis früher vor allem darum, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Beschwerden möglichst gering zu halten, gestalten sich die Therapieziele mittlerweile dank zahlreicher neuer Behandlungsmöglichkeiten deutlich ehrgeiziger. Heute liegt die Zielsetzung darin, die Krankheit zum Ruhen – medizinisch: in Remission – zu bringen. Das bedeutet: Krankheitsaktivitäten sollten weder für Sie noch für Ihren Arzt erkennbar sein. Damit sind Sie zwar nicht geheilt, fühlen sich jedoch so.

Die ganzheitlich ausgerichtete Behandlung fußt weitgehend auf folgenden drei Säulen:

  • medikamentöse Therapie, beispielsweise mit immunmodulierenden Substanzen, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder zu stoppen
  • physiotherapeutische, ergotherapeutische und physikalische Maßnahmen zum Erhalt der Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit der Gelenke
  • Patientenschulungen, die Sie über die rheumatoide Arthritis informieren und Sie befähigen, positiv und kompetent mit der Erkrankung, den Medikamenten und den nicht-medikamentösen Behandlungsmaßnahmen umzugehen.

Sollten diese Therapieansätze keinen ausreichenden Erfolg bringen, bleibt die operative Behandlung als letzter Ausweg.

Wie ist die Prognose bei rheumatoider Arthritis und von welchen Faktoren hängt der Therapieerfolg ab?

Ohne adäquate Behandlung kann die rheumatoide Arthritis die betroffenen Gelenke so weit zerstören, dass ihre Beweglichkeit immer mehr verlorengeht und sie zuletzt ganz versteifen. Die Folge sind starke Schmerzen und ein großer Verlust an Lebensqualität. Da neben den Gelenken häufig auch innere Organe wie die Lunge und das Herz involviert sein können, kann die durchschnittliche Lebenserwartung unbehandelter Rheumapatienten reduziert sein.

Durch das rechtzeitige Einsetzen moderner Therapiemaßnahmen lassen sich dauerhafte Schäden vermeiden. Das Risiko für bleibende Gelenkschäden halbiert sich, wenn die Behandlung innerhalb von sechs Monaten nach Ausbruch der Erkrankung beginnt. Die Chance, die rheumatoide Arthritis aufzuhalten und Beschwerdefreiheit zu erreichen, kann sich bei rechtzeitigem Therapiebeginn bis um das Dreifache erhöhen.

Ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Behandlung der rheumatoiden Arthritis ist Ihre aktive Mitarbeit. Das betrifft nicht nur die konsequente Einnahme Ihrer Medikamente, sondern auch ausreichend Bewegung sowie eine gesunde Ernährung.

Wie können Patienten selbst zum Therapieerfolg beitragen?

Um die rheumatoide Arthritis optimal zu bekämpfen, ist mehr nötig als wirksame Medikamente und eine ärztlich verordnete Physio-, Ergo- oder physikalische Therapie. Nicht zuletzt ist Ihr persönlicher Einsatz gefragt. Eine Ernährungsumstellung kann ebenso zum Behandlungserfolg beitragen wie eine moderate sportliche Betätigung und Stressbewältigung mithilfe von Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenem Training.

Es gibt zwar keine spezielle Rheumadiät, allerdings haben sich bezüglich der Ernährung einige Grundregeln bewährt. So empfiehlt etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., auf fettreiche tierische Lebensmittel und Eier wenn möglich zu verzichten und fetthaltige Milchprodukte durch fettreduzierte zu ersetzen. Essen Sie wöchentlich maximal zwei Portionen mageres Fleisch und bringen Sie ebenso oft Fisch, vor allem fette Arten wie Hering, Lachs oder Makrele, auf den Tisch. Nehmen Sie reichlich Obst und Gemüse zu sich, um Ihrem Körper ausreichend Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe zuzuführen, und verwenden Sie beim Braten und Kochen sowie für Salate pflanzliche Öle wie Raps-, Lein- oder Walnussöl. Außerdem sollte Ihr Ernährungsbestandteil folgende Bestandteile enthalten:

  • täglich drei bis vier Gramm Kohlehydrate je Kilogramm Körpergewicht, damit Sie fit durch den Tag kommen,
  • Eiweiße, die den Knochenbau stärken und daher besonders wichtig für Menschen mit rheumatoider Arthritis sind.

Wussten Sie, dass die Wirkung einer Ernährungsumstellung erst nach etwa drei Monaten einsetzt? Geben Sie nicht gleich auf, wenn zunächst trotz gesunder Ernährung keine adäquate Verbesserung Ihres Gesundheitszustandes eintritt, sondern lassen Sie Ihrem Körper Zeit, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft Doz. Dr. Johannes Grisar: Stand Februar 2018

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