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Kurs Beweglichkeit bei rheumatoider Arthritis: Lektion 1 von 7

Körperliche Aktivität: Bewegung und Training

Prinzipiell können Menschen mit rheumatoider Arthritis alle Aktivitäten ausüben, die ihre Gelenke nicht übermäßig belasten. Wichtig ist jedoch, dass sie sich zu Beginn nicht zu viel zumuten und sich ausreichend Pausen gönnen. In dieser Lektion informieren wir Sie darüber, ob die sportliche Betätigung Risiken mit sich bringt, und räumen mit Mythen und Halbwahrheiten rund um das Thema Rheuma und Sport auf.

Video Transkript

Was ist der Unterschied zwischen Bewegung und Training?

Bewegung entsteht durch Anspannung von Skelettmuskulatur, meist größeren Muskelgruppen, und führt zu einer Zunahme des Energieverbrauchs, verglichen zur Ruhestellung.

Bewegung kann unterschiedlich intensiv sein:

  • Körperliche Aktivitäten niedriger Intensität empfinden Sie kaum anstrengend.
  • Jene mittlerer Intensität, da können Sie noch sehr gut reden.
  • Bei körperlichen Aktivitäten höherer Intensität sind nur kurze Wortwechsel möglich.

Training ist eine zielorientierte, strukturierte und wiederholte Bewegungsform. Sie hat zum Ziel, unterschiedliche Komponenten von Fitness, dazu gehört Kraft, Ausdauer, Koordination, Flexibilität und eventuell auch Schnelligkeit, zu verbessern.

Warum ist körperliche Aktivität wichtig?

Schon bald nach Beginn von Bewegung werden Sie sich seelisch wie auch körperlich besser fühlen. Wird über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig Sport betrieben, so bringt dies weitere Vorteile. Denn mit zunehmendem Alter kommt es zu einer niedriggraden, unterschwelligen Entzündung und damit einhergehend chronischen Erkrankungen älterer Menschen. Regelmäßige sportliche Aktivitäten hemmen die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe, sogenannter Zytokine. Und dies bedeutet: Sport bedingt eine Reduktion dieser niederschwelligen Entzündung, reduziert chronische Krankheiten, verbessert die Lebensqualität und führt eventuell zu einer Verlängerung des Lebens.

Warum ist körperliche Aktivität bei rheumatoider Arthritis wichtig?

Dieser gesundheitsfördernde Effekt ist gerade für Sie als Rheuma-Patienten sehr wichtig, denn Patienten mit rheumatoider Arthritis haben eine um 20 bis 30 Prozent reduzierte kardiovaskuläre Leistungsfähigkeit. Zwei Drittel der Betroffenen leiden an muskulärer Schwäche, sogenannter Kachexie. Das Sturz- und Knochenbruchrisiko ist erhöht und das psychische Wohlbefinden durch die chronische Erkrankung beeinträchtigt.

Die Entzündung führt auch zu Veränderungen im Stoffwechsel. Beispielsweise werden die Blutfette verändert. Das Risiko, Diabetes zu bekommen, steigt. Oder auch das kardiovaskuläre Risiko. Beispiele wären ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall.

Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt nicht nur den direkten Problemen der Erkrankung, sondern auch den Begleiterkrankungen entgegen.

Warum schränken PatientInnen mit rheumatoider Arthritis Ihre körperlichen Aktivitäten ein?

Patienten mit rheumatoider Arthritis schränken sehr häufig ihre körperlichen Aktivitäten ein. Schmerzen, Müdigkeit, diese typische Abgeschlagenheit und, man muss sagen: meist unbegründete Angst vor einer Verschlechterung der Symptomatik sind die wesentlichen Barrieren, körperlich aktiv zu sein.

Welche Bedeutung hat sportliche Aktivität für Menschen mit rheumatoider Arthritis?

Patienten mit rheumatoider Arthritis haben, so sie sportlich aktiv sind, weniger Schmerzen. Rheumaschübe treten seltener auf und sind von kürzerer Dauer.

So wie vorher erwähnt bei den Gesunden führt auch bei Patienten mit einer entzündlichen Gelenkserkrankung sportliche Aktivität zu einer Reduktion der entzündungsfördernden Zytokine, Interleukin 6, TNF alpha beispielsweise. Dieser Effekt scheint dosisabhängig zu sein: Je mehr jemand körperlich aktiv ist, umso mehr ist dieser entzündungshemmende Effekt. Regelmäßige sportliche Aktivitäten sind somit ein ganz wesentlicher Teil der Patientenbehandlung. Ich möchte aber betonen: nur ein Teil. Sportliche Aktivitäten können und sollen eine medikamentöse Therapie nicht ersetzen.

Auf den Punkt gebracht

Sportliche Aktivitäten:

  • hemmen die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe
  • sind damit ein wichtiger Faktor der Therapie
  • sollen die medikamentöse Therapie aber keineswegs ersetzen

Mythen und Fakten rund um Rheuma und Sport

Hartnäckig halten sich zu diesem Thema Gerüchte und Halbwahrheiten, die nicht wenige Patienten davon abhalten, sich ausreichend zu bewegen. Wir wollen an dieser Stelle einiges richtigstellen.

Welche Antwort ist korrekt?
Bei Rheuma sollte ich mich möglichst wenig bewegen, um meine Gelenke zu schonen.
Bei Rheuma ist Bewegung wichtig, um die Gelenke, Bänder und Muskeln zu stärken.

Richtig!

Falsch!

Welche Antwort ist korrekt?
Mit rheumatoider Arthritis muss ich meinen Sport nicht zwangsläufig aufgeben.
Mit rheumatoider Arthritis muss ich auf meinen Sport verzichten.

Richtig!

Falsch!

Welche Antwort ist korrekt?
Ich bin zu müde, um regelmäßig Sport zu machen.
Der Verzicht auf Aktivitäten macht mich noch müder.

Richtig!

Falsch!

Welche Antwort ist korrekt?
Für jeden gibt es eine passende Sportart.
Sport ist nichts für mich. Ich war noch nie gut darin.

Richtig!

Falsch!

Welche Antwort ist korrekt?
Sport kann einen Rheumaschub auslösen.
Sport führt zu weniger Rheumaschüben.

Richtig!

Falsch!

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Mythen und Fakten rund um Rheuma und Sport

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Bringt sportliche Betätigung für Menschen mit Rheuma Risiken mit sich?

Grundsätzlich gilt, dass falsch ausgeführtes Training immer gewisse Risiken birgt. Davor sind auch körperlich gesunde Personen nicht gefeit. Bei Rheuma ist es besonders ratsam, dass Sie sich vor Aufnahme einer sportlichen Betätigung von Ihrem behandelnden Arzt und einem Sportmediziner untersuchen zu lassen. Dabei wird in Abhängigkeit Ihres momentanen Gesundheitszustandes und Ihrer Fitness geklärt, welche Bewegungsformen und in welcher Intensität diese für Sie infrage kommen.

Studien zufolge ist es bei Rheuma im Frühstadium oder langsam fortschreitender Erkrankung insgesamt eher unwahrscheinlich, dass sportliche Aktivitäten die Gelenke zusätzlich schädigen. Haben Sie bisher keinen oder nur wenig Sport getrieben, sollten Sie es jedoch langsam angehen lassen, damit sich Ihre Muskeln und Gelenke an das Training gewöhnen können. Denken Sie immer daran, dass es beim Rheumasport auf den Gesundheitsaspekt ankommt, nicht auf das Erzielen von Bestleistungen.

Wie kann ich die Intensität meiner Bewegung richtig einschätzen?

Um die Trainingsintensität einschätzen zu können, benötigen Sie nicht zwingend eine Pulsuhr oder ein Fitnessarmband. Verlassen Sie sich einfach auf Ihr Gefühl. Folgende Tabelle gibt Ihnen eine kleine Hilfestellung:

Atemfrequenz Schweißbildung Reden möglich? Singen möglich?
leichte Intensität normal kaum oder gar nicht problemlos problemlos
moderate Intensität leicht erhöht leichtes Schwitzen nach ca. 10 Minuten problemlos nein
hohe Intensität tief, viel schneller als sonst intensives Schwitzen kaum noch nein

Welche Übungen sind sicher und hilfreich?

Da die rheumatische Arthritis bei jedem Patienten anders verläuft, gibt es kein allgemein gültiges Übungskonzept. Vorzugsweise klären Sie mit einem Arzt oder einer Ärztin, welche Übungen sich für Sie persönlich am besten eignen. Eine Ergo- oder Physiotherapie bietet Ihnen Gelegenheit, mit den Therapeuten zu besprechen, welche Übungen über die Behandlung hinaus zu empfehlen sind.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Katharina Kerschan-Schindl: Stand Februar 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.