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Kurs Beweglichkeit bei rheumatoider Arthritis: Lektion 3 von 7

Sport bei rheumatoider Arthritis

Gehören Sie zu denen, die wegen ihrer rheumatoiden Arthritis auf Sport verzichten? Dadurch berauben Sie sich einer guten Möglichkeit, Ihre Schmerzen zu lindern sowie Ihre Gelenkbeweglichkeit und damit auch Ihre Lebensqualität zu verbessern. Wir verraten Ihnen in dieser Lektion, welche Sportarten sich für Rheumapatienten eignen, welche speziellen Trainingsempfehlungen es gibt und wie Sie am besten mit dem Sport anfangen.

Video Transkript

Worauf sollten Menschen mit rheumatoider Arthritis bei sportlichen Aktivitäten besonders achten?

Regelmäßige sportliche Aktivitäten stärken die Muskulatur, die Sehnen, den Kapsel-Band-Apparat und erhalten die Gelenksbeweglichkeit. Das ist ganz wichtig für Patienten mit rheumatoider Arthritis. Sie müssen aber unbedingt darauf achten, dass diese Bewegungen möglichst gelenksschonend sind. Ruhende, homogene Bewegungen sind zu empfehlen. Entzündete Gelenke sollen möglichst wenig belastet werden.

  • Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis sind meist die Fingergelenke betroffen. Deshalb ist beispielsweise Klettern, wo die Hände relativ stark belastet werden, keine geeignete Sportart für Patienten mit rheumatoider Arthritis.
  • Sind vor allem die Gelenke der unteren Extremitäten betroffen, muss man eine Sportart auswählen, die hier relativ wenig belastend ist, beispielsweise Fahrradfahren.
  • Unabhängig von der ausgewählten Sportart ist die technisch richtige Ausführung der Bewegung ganz wichtig. Durch regelmäßige Kontrollen von sportmedizinischer oder therapeutischer Seite kann die korrekte Bewegungsausführung überprüft werden.
  • Für manche Patienten, speziell wenn sie unter großen Schmerzen und Morgensteifigkeit leiden, ist es nicht sinnvoll, in der Frühe zu trainieren.

Dieser gelenksschonende Gedanke sollte nicht nur bei sportlichen Aktivitäten bestehen, sondern auch bei Alltagsaktivitäten wie Hausarbeit oder Gartenarbeit.

Gibt es spezielle Vorsichtsmaßnahmen für Menschen mit rheumatoider Arthritis?

Die besten Vorsichtsmaßnahmen sind eine gute sportmedizinische Beratung bei der Auswahl der Sportart und eine individuelle Trainingsplanerstellung. Dazu gehört ein Belastungstest. Das ist nicht nur wichtig zur Planung des Ausdauertrainings, sondern auch zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos.

Der Einstieg ins Krafttraining kann durch die Verwendung etwas geringerer Gewichte mit einer höheren Wiederholungszahl, also mehr im Sinne eines Kraftausdauertrainings erleichtert werden.

Im Vordergrund sollte bei jedem Training, und das gilt natürlich ganz speziell für Patienten mit rheumatoider Arthritis, der gesundheitsfördernde Gedanke stehen. Mit Trainingsgeräten wie Sie sie hier sehen dürfen Sie nur dann trainieren, wenn keine akute Entzündung besteht, Sie in Remission sind, und die Gelenke stabil und nicht deformiert sind.

Es ist sicherlich nicht sinnvoll für jemanden, der bisher nicht sehr körperlich aktiv war, sich bei Diagnosestellung in einem Fitnesscenter einzuschreiben. Hilfreich kann es aber sein, in einer medizinischen Einrichtung unter Anleitung und Hilfestellung von ärztlicher und therapeutischer Seite mit solch einem Training zu beginnen.

Welche Sportarten sind für Menschen mit rheumatoider Arthritis besonders geeignet?

Für Patienten mit rheumatoider Arthritis sind spezielle Sportarten, die möglichst viele Gelenke bewegen und die Muskulatur kräftigen geeignet. Dazu zählen: Yoga, Tai Chi, Pilates, Radfahren mit dieser geschienten Bewegung, ähnlich wäre beispielsweise Skilanglauf, Walken speziell auf weichem Untergrund und sportliche Aktivitäten im Wasser. Denn hier ist der Druck auf die Gelenke relativ gering. Es könnte sein Schwimmen, Unterwassergymnastik oder Aqua-Jogging.

Nicht geeignet sind Sportarten mit einer hohen Stoßbelastung auf die Gelenke oder hohem Verletzungsrisiko. Beispiele wären Tennis, Fußball oder Kampfsportarten.

Gibt es Trainingsempfehlungen für Menschen mit rheumatoider Arthritis?

Ausdauertraining wird empfohlen mit mittlerer Intensität durchzuführen, am besten drei- bis fünfmal pro Woche mit einer Trainingseinheit von mindestens 30 Minuten Dauer.

Krafttraining sollte mit geringer bis moderater Intensität durchgeführt werden. Hier kann das eigene Körpergewicht oder Hilfsmittel wie Therabänder zum Einsatz kommen. Es kann aber auch beispielsweise mit Gewichten an Trainingsmaschinen trainiert werden. Hier werden empfohlen 8 bis 15 Wiederholungen mit einer Intensität entsprechend 40 bis 70 Prozent des Einwiederholungsmaximums. Zu achten ist auf eine langsame, korrekte Bewegungsausführung. Im Anschluss an das Training darf nicht auf Dehnungsübungen vergessen werden.

Einwiederholungsmaximum ist das Gewicht das sich ein einziges Mal stemmen kann — also nicht fünfmal und nicht zwanzigmal, sondern einmal, und dann bin ich komplett erschöpft.

Auf den Punkt gebracht

Sport bei rheumatoider Arthritis:

Mit sportmedizinischer Beratung und einem individuellen Trainingsplan, der in Abhängigkeit vom Gesundheits- und Trainingszustand erstellt wird, kann ein Rheumapatient, so er keine akute Entzündung hat, eigentlich alles machen.

Welche Sportarten eignen sich für Patienten mit rheumatoider Arthritis?

Grundsätzlich können Sie alle Aktivitäten ausüben, die Ihre Gelenke nicht überbelasten. Dazu zählen vor allem:

  • Ausdauersportarten wie Radfahren, Nordic Walking und Tanzen
  • Wassersportarten wie Wassergymnastik, Aquajogging oder Schwimmen
  • Kräftigungsübungen wie leichtes Gewichtstraining zur Stärkung Ihrer Arm-, Bein- und Rückenmuskeln
  • sanfte Bewegungsformen wie Yoga, Tai Chi oder Pilates

Vorsicht ist geboten bei sogenannten Impulssportarten wie Squash, Fußball oder Tennis, da die damit verbundenen heftigen Dreh- und Stoßbewegungen problematisch für Ihre Gelenke sein können. Außerdem gehen rheumatische Erkrankungen häufig mit einer erhöhten Sturz- und Knochenbruchgefahr einher, weshalb sich Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko grundsätzlich weniger eignen.

Welche speziellen Trainingsempfehlungen gibt es für Menschen mit rheumatoider Arthritis?

Damit der Sport seine positiven Wirkungen entfalten kann, ist es wichtig, das Training auf die mit der Erkrankung verbundenen speziellen Anforderungen auszurichten. Folgende Werte können Ihnen als Anhaltspunkte dienen:

Ausdauertraining bei rheumatoider Arthritis

Ausdauertraining

  • mittlere Intensität
  • 3 bis 5 Mal pro Woche
  • mindestens 30 Minuten
  • 50 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz

Krafttraining

  • geringe bis moderate Intensität
  • 8 bis 15 Wiederholungen
  • 40 bis 70 Prozent des Einwiederholungsmaximums

Ich habe lange keinen Sport gemacht – wie fange ich an?

Richten Sie sich bei der Auswahl Ihrer Sportart danach, welche Gelenke betroffen sind. Handelt es sich um die Fingergelenke, eignen sich beispielsweise Laufen oder Nordic Walking. Haben Sie hingegen Knieprobleme, empfehlen sich Schwimmen oder Aqua-Work-out.

Wichtig ist, dass Sie sich zu Beginn nicht gleich zu viel zumuten. Falscher sportlicher Ehrgeiz kann Ihren Körper, vor allem Ihre Gelenke, schnell überfordern. Absolvieren Sie lieber mehrere kleine Einheiten, als sich komplett zu verausgaben. Lassen Sie es ruhig angehen und gönnen Sie sich ausreichend Pausen.

Beherzigen Sie außerdem immer diese Ratschläge:

  • Starten Sie Ihre körperlichen Aktivitäten immer mit Aufwärmen und beenden Sie Ihre körperlichen Aktivitäten immer mit Abwärmen und Dehnen. Beginnen Sie langsam.
  • Überlasten Sie sich nicht. Sehen Sie den Sport als Entspannung, nicht als Wettkampf.
  • Verspüren Sie während des Trainings oder im Anschluss daran Schmerzen, sollten Sie eine Pause einlegen und gegebenenfalls Ihren Arzt aufsuchen.

Sie werden sehen: Wenn sich erste Erfolge einstellen, macht der Sport umso mehr Spaß. Sobald Sie etwas fitter sind, können Sie die Trainingsintensität und/oder die Trainingsdauer erhöhen.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Katharina Kerschan-Schindl: Stand Februar 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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