3. Die passende Therapie bei Morbus Parkinson

Wirkungsschwankungen bei Morbus Parkinson

Weil im fortgeschrittenen Morbus Parkinson das Gehirn Dopamin nicht mehr so gut speichern kann, kann es vermehrt zu Wirkungsschwankungen kommen. Indem Sie auf die korrekte Einnahme der Medikamente achten und auftretende Symptome genau beobachten und mit Ihrem Behandlungsteam besprechen, kann eine bestmögliche Anpassung der Therapie sichergestellt werden.

Wirkungsschwankungen verstehen

Im Verlauf der Erkrankungen bemerken viele PatientInnen, dass es zu deutlichen Schwankungen der Beweglichkeit im Tagesverlauf kommt. Das bezeichnet man als Wirkungsschwankungen oder Fluktuationen. On-Phasen, in denen die Medikamente gut wirken und es möglicherweise auch zu unwillkürlichen Überbewegungen kommt, wechseln sich mit Off-Phasen, in denen die Medikamente nicht gut wirken, ab. Off-Phasen treten dabei besonders häufig am Morgen und am Nachmittag auf. Damit Ihre Ärztin/Ihr Arzt Ihre Therapie bestmöglich an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen kann, muss sie/er mit Ihnen gemeinsam herausfinden, ob es sich dabei um Wearing-off oder unvorhersehbare On-Off-Fluktuationen handelt.

Was ist Wearing-off?

Wearing-off sind Wirkungsschwankungen bei denen die Off-Phasen gut auf den Einnahmezeitpunkt zurückzuführen sind. Sie als PatientIn können dabei wahrscheinlich gut vorhersagen, wann nach der Einnahme der Medikamente sich die Symptome bessern und ab wann es wieder zu einer Verschlechterung der Motorik kommt.

Was sind On-Off-Fluktuationen?

Anders als beim Wearing-off sind bei On-Off-Fluktuationen sind die Wirkungsschwankungen relativ unabhängig vom Einnahmezeitpunkt und lassen sich schwer vorhersagen. Hier kommt es unerwartet zu einer Verschlechterung der Motorik.

Einnahme der Medikamente optimieren

Vor und nach Einnahme der Medikamente sollten Sie darauf achten ungefähr eine Stunde keine Nahrung zu sich zu nehmen. So wird die Aufnahme der Tablette nicht durch die Nahrungsaufnahme eingeschränkt und sie kann richtig wirken. Zusätzlich sollten Sie mit dem Schlucken der Tablette genügend Flüssigkeit trinken.

Wie kann ich sicherstellen, dass ich meine Medikamente rechtzeitig einnehme?

Sorgen Sie dafür, dass Sie Ihre Medikamente an einem gut erreichbaren und sichtbaren Platz aufbewahren. Bereiten Sie, wenn möglich im Voraus für die Woche, die Medikamente in verschiedenen Boxen vor, dann haben Sie diese immer griffbereit. Falls Sie dazu neigen, die Einnahme zu vergessen, macht es Sinn, dass Sie sich einen Wecker oder Alarm auf dem Handy stellen.

Anpassung der Therapie bei Morbus Parkinson

Zu Beginn wird Parkinson meist mit Medikamenten in Tablettenform (eine sogenannte orale Therapie) behandelt. Im Verlauf der Erkrankung muss diese Therapie häufig angepasst werden. Dabei stehen verschiedene Möglichkeiten zu Verfügung, je nachdem wie sich die Symptome äußern.

Therapieanpassungen verstehen

Therapieanpassungen können nötig werden, wenn die aktuellen Medikamente die Symptome der Erkrankung nicht mehr wie gewünscht kontrollieren oder zu viele Nebenwirkungen haben. Wenn es im Verlauf der Erkrankung zu Wirkungsschwankungen kommt, gibt es mehrere Möglichkeiten zur Anpassung der Therapie:

  • Die L-Dopa-Therapie kann angepasst werden, indem Ihre Ärztin/Ihr Arzt zum Beispiel die Einnahmeintervalle verkürzt. Das ist nur bis zu einem gewissen Grad möglich.
  • Zudem kann Ihnen Ihre Ärztin/Ihr Arzt bei Bedarf zusätzliche Medikamente wie MAO-B-Hemmer oder COMT-Hemmer verschreiben. Diese verlängern die Wirkdauer von L-Dopa, indem sie den Abbau von Dopa und Dopamin im Körper hemmen.
  • Eine weitere Möglichkeit ist ein Wechsel auf andere Präparate. Zur Verfügung stehen zum einen dopaminähnliche Substanzen (Dopaminagonisten) und zum anderen Medikamente, die statt über das Dopaminsystem über andere Nervenüberträgersysteme wirken.

Als Notfallmedikament kann Apomorphin unter die Haut gespritzt zum Einsatz kommen. Bei ungenügender Wirkung der beschriebenen medikamentösen Maßnahmen können Pumpentherapien oder die tiefe Hirnstimulation zum Einsatz kommen.

Sich auf eine Therapieanpassung einstellen

Mit der Veränderung der Therapie kann es zu einer Umstellung Ihrer Lebensgewohnheiten kommen. Eventuell müssen Sie öfters Medikamente einnehmen. Dann sollten Sie darauf achten, dass Sie Ihre Mahlzeiten günstig planen, um verzögerter Aufnahme des Medikaments im Magen-Darm-Trakt entgegenzuwirken. Falls Sie auf ein anderes Präparat wechseln, behalten Sie im Auge, wie sich die Beschwerden und Symptome verändern. Dafür kann es sinnvoll sein ein Symptomtagebuch zu führen.

Wussten Sie schon

Morbus Parkinson verläuft für jeden Menschen anders und die Behandlung ist komplex. Die richtigen Medikamente und deren Einnahmeintervall werden individuell für jede Patientin/jeden Patienten gesucht und müssen fortlaufend angepasst werden. Nach einigen Jahren guten Ansprechens auf die gewählte Therapie treten oft Wirkungsschwankungen und als Nebenwirkung unwillkürliche Überbewegungen (Dyskinesien) auf. Es werden größere Anpassungen nötig. Auch wenn die orale Therapie nicht mehr die gewünschte Wirkung erzielt gibt es eine Vielzahl an Therapiemöglichkeiten, aus denen Ihre Ärztin/Ihr Arzt die für Sie passendsten auswählt.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Morbus Parkinson

Die Parkinson-Therapie besteht aus mehreren Säulen, die neben medikamentösen Maßnahmen auch nicht-medikamentöse Therapien und Anpassungen in Bereichen Ihres täglichen Lebensstils miteinschließt. Neben der Wirkung, die Sie durch regelmäßige Bewegung erreichen können (mehr dazu unter „Fortschreiten des Morbus Parkinson“), können Sie auch durch die richtige Ernährung selbst einiges zur Verbesserung Ihrer Symptome beitragen.

Eine Vielzahl nicht-medikamentöser Maßnahmen können hilfreich sein

  • Die Ergotherapie hilft dabei mit speziellen Übungen die motorischen Fähigkeiten und die Geschicklichkeit zu trainieren und mit speziellen Hilfsmitteln Bewegungsabläufe zu erleichtern, die Ihnen schwerfallen.
  • Die Physiotherapie unterstützt Sie dabei durch gezielte Übungen Ihre Beweglichkeit zu erhalten und ist besonders bei Freezing oder Gleichgewichtsstörungen hilfreich.
  • Die Logopädie kann bei Sprech- oder Schluckproblemen helfen.
  • Die Diätologie unterstützt Sie dabei eine für Sie gesunde und schmackhafte Ernährungsweise umzusetzen und beim Vorsorgen oder Behandeln von Verdauungsproblemen.

Die psychischen Auswirkungen der Erkrankung und der zunehmende Verlust der Selbständigkeit können als belastend empfunden werden und die körperlichen Beschwerden sogar noch verstärken. Psychotherapeutische Betreuung ist hilfreich beim Umgang mit der psychischen Belastung. Gemeinsam werden Strategien entwickelt, um schwierige Situationen zu vermeiden oder zu meistern.

Ernährungstipps für PatientInnen im fortgeschrittenen Stadium von Morbus Parkinson

Die sogenannte mediterrane Ernährung ist gesund und fördert allgemein das Wohlbefinden. Außerdem hat sie einen positiven Einfluss auf Parkinson-Symptome, indem Sie die Verdauung fördert. Im Zuge der insgesamt abnehmenden Beweglichkeit des Körpers wird beim fortgeschrittenen Morbus Parkinson auch die Nahrung nicht mehr so schnell verdaut und Verstopfungen nehmen zu. Durch eine Anpassung der Ernährung können Sie dem entgegenwirken. Wichtig ist, dass Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Zudem sollten Sie darauf achten, über die Nahrung genügend Ballaststoffe aufzunehmen. Diese sind vor allem in pflanzlichen Nahrungsmitteln, also Obst und Gemüse, in besonderem Maße auch in Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten, enthalten.

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Geprüft Univ.-Prof. Dr. med. Walter Pirker: Stand Februar 2021

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