2. Symptome des fortgeschrittenen Morbus Parkinson

Transkript

Wie verändern sich die Symptome wie Freezing und Tremor beim fortgeschrittenen Morbus Parkinson? Wie äußert sich Parkinson-Demenz? Univ.-Prof. Dr. Walter Pirker beantwortet die wichtigsten Fragen zu den körperlichen und psychischen Symptomen von Parkinson im fortgeschrittenen Stadium:

Warum frieren Parkinson-PatientInnen manchmal mitten in der Bewegung ein?

Die Frage klingt relativ einfach, ist aber nicht einfach zu beantworten.

Was wir wissen ist, dass dieses Einfrieren in der Bewegung, das ist ja etwas, was man besonders beim Gehen wahrnimmt, und da wird eben der englische Ausdruck für ein Einfrieren, „Freezing“ dafür verwendet. Das ist: Der Patient geht, der Mensch geht, und besonders z.B. im Bereich von Türschwellen oder wenn der Mensch umdreht, wenn der Betroffene die Richtung wechselt beim Gehen, kommt es plötzlich zu einer Gehblockade. Meistens treten dann die Betroffenen so ein bisschen aus dem Stand, um aus diesem Einfrieren wieder herauszukommen.

Was man weiß ist, dass das bereits im Frühstadium, vor allem im hohen Alter auftreten kann und dann meistens auf Medikation anspricht. Also es ist etwas, was mit dem Dopaminmangel, der Krankheit ja zugrunde liegt, zunächst einmal zu tun hat. Im Verlauf der Erkrankung kann aber dieses Ansprechen leider verloren gehen. Dann sind es also Mechanismen, die nicht mehr rein von Dopamin abhängig sind, sondern wo auch der Untergang anderer Nervenzellsysteme beiträgt zu diesem Klebenbleiben. Man glaubt, dass das vor allem Veränderungen in tiefen Teilen des Gehirns, im sogenannten Hirnstamm sind, die da dazu beitragen.

Aber auch in diesem Stadium, wenn das Freezing nicht mehr so gut auf Medikamente anspricht, kann man noch immer mit physiotherapeutischen Maßnahmen oft einen Einfluss auf das Freezing nehmen.

Was man weiß ist, dass hier offensichtlich die Hirnrinde durch den Dopaminmangel und durch die anderen Veränderungen im Hirnstamm nicht mehr so gut angesteuert werden kann.

Und es gibt aber alternative Routen, alternative Wege, wie die Hirnrinde doch die Bewegung in Gang setzen kann. Und das ist etwas, was man z.B. in der Physiotherapie trainieren kann, indem man z.B. gewisse optische Signale am Boden, wie z.B. Querstreifen am Boden, oder einen Stock, der sozusagen ein Hindernis vor dem Fuß darstellt, dazu benützen kann, dass der Betroffene drübersteigen kann und dann die Bewegung wieder in Gang bringen kann.

Warum kommt es im Verlauf der Erkrankung vermehrt zu unwillkürlichen Bewegungen?

Das erste, was man betonen muss: Ohne Parkinson-Medikamente gibt’s keine Überbewegungen. Die Überbewegungen sozusagen entstehen aus einem Wechselspiel aus dem Nervenzellverlust bei der Parkinson-Krankheit und den Medikamenten, vor allem der Dopa-Therapie.

Dann das zweite, was man verstehen muss ein bisschen dazu ist: Wie wirkt Dopa eigentlich? Die Parkinson-Krankheit ist charakterisiert durch einen Verlust von Nervenzellen, die Dopamin produzieren. Dopamin ist ein Nervenüberträgerstoff, der sehr, sehr wichtig ist für die Bewegung. Er sozusagen spielt eine große Rolle in der Auswahl der richtigen Bewegung und in der Unterdrückung unwichtiger Bewegungen. Der Dopamin-Mangel löst dann die typischen Symptome der Parkinson-Krankheit aus, vor allem den Bewegungsmangel, der das am stärksten die Krankheit kennzeichnende Symptom ist.

Was wir machen in der Parkinson-Therapie, ist einfach ein Ersatz dieses Dopamins, das so wichtig ist als Nervenüberträgerstoff für die Bewegung.

Jetzt gibt’s einen großen Unterschied zwischen der natürlichen Freisetzung von Dopamin und der medikamentös zugeführten Dopa-Therapie. Dopa wird im Gehirn dann ja zu Dopamin verwandelt.

  • Im Normalzustand wird das Dopamin im Gehirn sehr regelmäßig aus den Nervenzellen freigesetzt. Das heißt, dass in den Zentren, in den Gehirnzentren, wo dieses Dopamin bindet, wo die Dopaminrezeptoren sind, immer günstige Bedingungen sind, die die richtigen Bewegungen erlauben.
  • In der medikamentösen Parkinson-Therapie sind diese Bedingungen leider nicht gegeben. Wir geben Dopa in Tablettenform zu Beginn der Erkrankung dreimal am Tag, dann vielleicht viermal, fünfmal am Tag. Und das bedeutet, dass das Gehirn kurz nach der Aufnahme sehr viel Dopa bekommt. Und dann sinkt der Dopa-Spiegel nach einiger Zeit, nach ein, zwei Stunden wieder ab. Das heißt: Das Gehirn ist im Gegensatz zum Normalzustand mit stark schwankenden Dopa-Spiegeln konfrontiert. Und diese stark schwankenden Dopa-Spiegel beeinflussen dann die Zellen, die Nervenzellen, die die Dopamin-Rezeptoren tragen, also wo das Dopamin seine Wirkung entfaltet, und führen zu einer Fehlfunktion in diesen Nervenzellen. Das ist dann letztendlich ausschlaggebend für die Entwicklung von Überbewegungen.

Wie verändert sich das Zittern im Verlauf der Erkrankung?

Das Zittern ist eigentlich ein Symptom, eigentlich fast das einzige motorische Symptom, das sich im Verlauf der Erkrankung wenig verändert.

Man muss jetzt sagen: Zittern, das Ruhezittern ist etwas, was dreiviertel aller Patienten mit klassischer Parkinson-Krankheit entwickeln. Das spricht im Frühstadium der Erkrankung bei der Mehrheit der Patienten sehr gut auf die Parkinson-Medikamente an. Es gibt eine kleine Gruppe von Patienten, die hat da Probleme, wo das Zittern dann nicht so gut auf die Medikamente anspricht. Bei vielen Patienten ist es dann über Jahre exzellent kontrolliert. Und wenn die Patienten dann Wirkungsschwankungen entwickeln, dann entwickeln sie ja sogenannte Off-Phasen, in denen das Zittern wieder auftreten kann. Und dieses Zittern in der Off-Phase kann ziemlich störend sein. Das ist dann ein guter Grund für eine Anpassung der Parkinson-Medikamente.

Veränderte Bewegung bei Morbus Parkinson

Das Einfrieren mitten in der Bewegung (Freezing), unwillkürliche Überbewegungen (Dyskinesien) oder das für Parkinson bekannte Zittern in Ruhe (Tremor) können im Verlauf der Erkrankung verschiedene Bewegungsabläufe immer mehr erschweren. Es gibt jedoch einige Tricks und Hilfsmittel, die im Alltag mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson unterstützen können.

Kann ich gegen die Bewegungsblockaden (Freezing) trainieren?

Das Freezing ist dadurch charakterisiert, dass plötzlich eine Bewegung nicht mehr weiter ausgeführt werden kann. Typisch ist dies insbesondere beim Gehen. Oftmals helfen schon kleine Tricks, um das Weiterbewegen zu erleichtern:

  • Klatschen Sie Sich selbst auf den Oberschenkel des Beines mit dem Sie starten wollen. Dadurch erzeugen Sie einen äußeren Reiz, um die Blockade zu überwinden.
  • Wenn Sie während dem Gehen Musik hören, wird durch den Rhythmus der Gang flüssiger und der Bewegungsbeginn erleichtert. Dazu eignet sich vor allem Musik, die weder zu schnell noch zu langsam ist, sondern im Bereich des normalen Gehtempos liegt.
  • Falls Sie beobachten, dass es bei Ihnen daheim Orte gibt, an denen Sie häufig Bewegungsblockaden haben, hilft es diese Orte mit einem bunten Klebeband zu markieren. Sie können dann bewusst über die optische Barriere hinwegsteigen und so das Weitergehen vereinfachen.

Tricks wie diese sind besonders wirkungsvoll, wenn Sie regelmäßig trainiert werden. Vor allem mit Hilfe von Physiotherapie lassen sich rasch Fortschritte erzielen und es zeigen sich Erfolge.

Hilfsmittel für Parkinson-PatientInnen im Alltag

Zur Verfügung stehen spezifische Hilfsmittel wie beispielsweise Essbesteck, das Zittern ausgleicht. Oftmals sind es auch recht einfache Dinge und etwas Aufmerksamkeit beim Einkauf, die im Alltag viel Zeit und Geduld sparen können.

Bewusst einkaufen bei Parkinson

Beim Kauf von Kleidung sollten Sie beispielsweise auf die Verschlüsse achten. Reiß- und Klettverschlüssen, Druckknöpfen oder auch großen Knöpfen sollten Sie den Vorrang geben. Kleine Knöpfe sind schwer zu handhaben. Allgemein lassen sich leichte und weite Kleidungsstücke besser an- und ausziehen, besonders wenn diese aus einem Material sind, das gut rutscht und elastisch ist.

Tipps für den Alltag mit Parkinson von den ExpertInnen

Beobachten Sie, welche Tätigkeiten Ihnen im Alltag besondere Probleme bereiten. Besprechen Sie diese mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder Ihrer Ergotherapeutin/Ihrem Ergotherapeuten. So erhalten Sie Information über Möglichkeiten zur Unterstützung und erfahren, worauf Sie beim Kauf und der Nutzung achten sollten. Für viele Bereiche wie Körperhygiene, Essen und Trinken gibt es nützliche Hilfsmittel und Ihr/e ErgotherapeutIn kennt sicher auch einige Tricks, die Ihnen den Alltag mit Ihren Symptomen erleichtern.

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Welche psychischen Veränderungen können bei Parkinson auftreten?

Also bei der Parkinson-Krankheit können eine Unzahl von seelischen Veränderungen auftreten.

Es ist so, dass Patienten mitunter bereits im Stadium vor Auftreten der klassischen motorischen Symptome Zittern, Bewegungsverlangsamung, eine psychische Veränderung wahrnehmen. Die Lebensfreude kann etwas abnehmen, also so diese Freude, auch der Elan kann etwas abnehmen. Das können wirklich ganz auffällige Frühsymptome sein.

Es kann eine richtiggehende Depression ein Erstsymptom der Parkinson-Krankheit sein.

Diese frühen psychischen Veränderungen können auf die medikamentöse Parkinson-Therapie dann mitunter ganz gut ansprechen.

Ein Teil der Patienten entwickelt aber eine Depression. Die Depression ist also ein ganz wichtiges Begleitsymptom der Parkinson-Krankheit, die im Querschnitt ungefähr immer ein Drittel unserer Patienten betrifft. Diese Depression sollte man auch behandeln. Das ist ganz wichtig, weil die Depression in einem sehr, sehr engen Verhältnis zur Lebensqualität steht. Also wer depressiv ist als Parkinson-Patient, hat eine schlechtere Lebensqualität. Deswegen ist die Behandlung der Depression ganz, ganz wichtig.

Etwas, was auch sehr, sehr früh auftreten kann, bereits vor Auftreten der motorischen Symptome, ist eine verstärkte Ängstlichkeit, also eine Angststörung. Angststörungen treten ja häufig schon in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter auf. Wenn im höheren Lebensalter bei einem Menschen, der nie ängstlich war, verstärkte Ängstlichkeit auftritt, dann ist das wirklich auch ein Warnzeichen in Richtung einer Parkinson-Krankheit. Ängstlichkeit ist etwas ganz, ganz Wichtiges und auch Belastendes.

Und etwas, was dann auch auftreten kann, sind psychische Veränderungen infolge der Medikamente. Dazu gibt es zwei Gruppen von psychiatrischen Symptomen.

  • Das eine sind sogenannte Impulskontrollstörungen, die bereits im früheren Krankheitsverlauf auch bei jüngeren Patienten auftreten können.
  • Und das andere sind Halluzinationen, die eher ein Symptom der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit sind.

Auf welche Weise können sich Psychosen bei Parkinson äußern?

Psychotische Probleme sind also relativ häufige Symptome der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit.

Sie werden das vielleicht selbst mal wahrgenommen haben. Eine sehr subtile Veränderung ist z.B., dass Patienten das Gefühl haben: Da ist jemand im Raum, der nicht wirklich da ist. Oder es steht jemand hinter mir an der Supermarktkasse. Da steht aber gar niemand. Dass dieses Gefühl der Anwesenheit muss keineswegs unangenehm sein. Es gibt also Betroffene, die sagen: „Das ist schön. Weil da ist mein Hund, der schon vor langem verstorben ist. Da habe ich einfach das Gefühl: Der ist bei mir im Raum.“ Also das muss absolut nichts Unangenehmes sein. Es ist aber etwas, worüber Sie die Ärztin oder den Arzt informieren sollten. Weil das ist sozusagen eine ganz, ganz milde Form der Halluzination, also von Trugwahrnehmungen, ist dieses Anwesenheitsgefühl, etwas, das sehr, sehr viele Parkinson-Patientinnen und -Patienten entwickeln.

Etwas, was auch ein mildes Symptom ist, das nicht weiter erschreckend häufig ist, ist so, dass im weiteren peripheren Gesichtsfeld so irgendwelche Schatten vorbeihuschen. Man nennt das Passage-Halluzinationen. Man kann nicht sagen, was das wirklich ist. Aber irgendwie ist da etwas komisch, ja, sehr flüchtig.

Eine dritte Veränderung, die sehr mild ist, keineswegs jetzt behandlungsbedürftig, aber trotzdem auch worüber man sprechen sollte, sind sogenannte illusionäre Verkennungen. Vielleicht haben Sie es selber gesehen: Sie schauen in einen Baum oder in den Busch. Das sind einfach Blätter. Und plötzlich haben Sie das Gefühl: Da ist ein Gesicht drin. Oder es ist ein Tier drin. Oder Sie haben das Gefühl: Da ist eine Eule oder sonst irgendwas. Und in Wahrheit kommen Sie dann drauf. Sie schauen länger hin – da ist überhaupt nichts gewesen. Das ist etwas, was man als Illusion und illusionäre Verkennung bezeichnet.

Diese drei Dinge sind milde, halluzinatorische Phänomene, die entstehen aus einer Wechselwirkung zwischen den Veränderungen im Gehirn bei der Parkinson-Krankheit und den Parkinson-Medikamenten. Diese ganz milden Veränderungen, die muss man nicht behandeln. Es ist nur wichtig, dass man drüber Bescheid weiß.

Es gibt nämlich einen Teil der Patientinnen und Patienten, bei denen werden diese Symptome stärker und es treten richtiggehende Halluzinationen auf. Diese Halluzinationen sind meistens visuell. Es gibt auch andere Formen von Halluzinationen, also von Trugwahrnehmungen. Die Parkinson-Patientinnen, -Patienten sehen meistens etwas. Und wenn ich etwas sehe, wo überhaupt nix ist, also ich sehe ein Gesicht oder eine Person, das sind bei Parkinson-Patienten häufiger belebte Objekte, also Personen oder Tiere, auf einer weißen Wand oder einfach im Himmel, wo überhaupt nichts ist, dann ist es eine richtiggehende geformte visuelle Halluzination.

Im Frühstadium, wenn das erstmals auftritt, werden viele Patientinnen und Patienten das als Trugwahrnehmung als solche auch interpretieren. Das ist ganz, ganz typisch für sogenannte organische Halluzinationen, dass diese Einsicht in diesen irrealen Charakter dieser Halluzinationen noch erhalten ist. Und das kann manchmal auch ganz lustig oder eigenartig, aber nicht bedrohlich sein. Es kann aber auch bedrohliche Ausmaße annehmen.

Und im Verlauf der Erkrankung entwickeln vor allem Patienten, die unter sonstigen geistigen Veränderungen leiden, auch manchmal das Problem, dass sie diese Halluzinationen nicht mehr als irreal wahrnehmen.

Das können harmlose Kinder sein, aber auch bedrohliche Gestalten, und das kann für die Patienten dann wirklich ganz, ganz schrecklich sein. Vor allem, wenn das nächtlich auftritt oder die Patienten allein sind, können solche Halluzinationen äußerst belastend sein. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt muss man diese Halluzinationen unbedingt behandeln.

Zu welchen Verhaltensstörungen kann es bei Parkinson kommen und warum?

Also es gibt eine Reihe von Verhaltensstörungen, die typisch sind für die Parkinson-Krankheit.

Ein Teil dieser Störungen entstehen aus einer Wechselwirkung zwischen dem Nervenzellverlust im Gehirn und der Wirkung der Parkinson-Medikamente.

Das ist ein bisschen so zu sehen, wie bei den Dyskinesien. Ein gesunder Mensch, wenn er also ein Dopa einnehmen würde, würde auch keine Dyskinesien entwickeln. Ein Mensch mit Parkinson-Krankheit entwickelt als Reaktion auf die Parkinson-Medikamente diese Dyskinesien. Und so entwickeln Parkinson-Patienten auch leichter Verhaltensstörungen infolge der Parkinson-Medikamente.

Beginnen wir mal bei einem Problem, das mitunter auch junge Menschen haben, die betroffen sind, und zwar in einem relativ frühen Krankheitsstadium. Das sind die sogenannten Impulskontrollstörungen.

Diese stehen vor allem mit einer Medikamentengruppe in starker Verbindung. Das sind die sogenannten Dopamin-Agonisten. Die Dopamin-Agonisten wirken an denselben Bindungsstellen im Gehirn wie das Dopamin oder das Dopa, das wir medikamentös zuführen und das dann in Dopamin verwandelt wird. Die Dopamin-Agonisten wirken nur etwas schwächer, aber dafür viel länger anhaltend. Das Tolle bei diesen Medikamenten ist: Wir können sie heute dadurch, dass es Retard-Tabletten gibt, einmal täglich zuführen. Also das ist eine praktische Parkinson-Therapie, vor allem für jüngere Patienten, die vielleicht noch im Beruf stehen, die dann nur eine Tablette am Tag schlucken müssen, und damit ist es getan. Das ist also die Dopamin-Agonisten-Therapie. Dopamin-Agonisten machen aber häufiger als Dopa eben so genannte Impulskontrollstörungen, und dazu können leider auch sehr bedrohliche Symptome gehören:

  • Das ist jetzt z.B. eine verstärkte Sexualität. Das kann mild sein, kein großes Drama. Aber das kann so weit gehen, dass Ehen wirklich in Folge dieses Problems zerbrechen.
  • Ein zweites Problem ist Spielsucht. Das ist ganz was Bedrohliches, weil es ja auch zum finanziellen Zusammenbruch persönlich und von Familien führen kann.
  • Ein drittes Problem ist pathologisches Essen mit Gewichtszunahme. Und ein viertes Problem kann auch Kaufsucht sein.

Da gibt’s auch ein bisschen Geschlechtsunterschiede zwischen betroffenen männlichen und weiblichen Patientinnen.

Aber diese Impulskontrollstörungen sind ein ganz, ganz großes Problem. Und man weiß mittlerweile, dass wahrscheinlich bis zu vierzig Prozent der Patienten, die Dopamin-Agonisten einnehmen, diese Probleme entwickeln können. Also das ist etwas, worüber man mit der Betreuerin oder mit dem Betreuer wirklich offen sprechen sollte, weil was hier harmlos beginnt, manchmal wirklich existenzbedrohend werden kann.

Ein weiteres Problem, das betrifft eher Patienten in einem fortgeschrittenen Parkinson-Stadium, ist das sogenannte Punding. Das ist eine pathologische Überaktivität. Das ist nicht so sehr mit Dopamin-Agonisten assoziiert, sondern generell mit allen Parkinson Medikamenten, vor allem auch mit Dopa. Auf gut Wienerisch würde man das als Wurschteln bezeichnen. Da sind die Patienten, die ständig irgendwas tun müssen. Sie können nicht stillhalten, müssen ständig was basteln oder räumen. Was die Patienten tun, hängt oft mit ihren früheren Interessen zusammen. Es gibt auch Betroffene, die immer gern Handarbeiten gemacht haben und die dann Tag und Nacht stricken oder sticken oder was auch immer. Und dieses Punding wird von den Betroffenen als entspannend erlebt. Sie können aber schwer damit aufhören. Und das führt dann dazu, dass auch die Nachtruhe oft nicht eingehalten wird und dass sich die Patienten dann am Ende völlig erschöpfen. Das ist nicht leicht behandelbar. Und manchmal bleibt nichts anderes über, als die Parkinson-Medikation etwas zu reduzieren, dass diese Patienten aus diesem Teufelskreislauf herauskommen – sogar um den Preis einer gewissen motorischen Verschlechterung.

Psychische Symptome bei Morbus Parkinson

Die Parkinson-Erkrankung ist in erster Linie für ihre motorischen Symptome bekannt. Nicht-motorische Symptome wie psychische Veränderungen können den Alltag der Betroffenen jedoch mindestens genauso stark beeinflussen, insbesondere in den späteren Stadien der Erkrankung.

Überblick über mögliche psychische Veränderungen

Psychische Veränderungen können in allen Stadien der Parkinsonerkrankung auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium sind das besonders folgende:

  • Mit der Krankheit entsteht oftmals eine veränderte Stimmungslage, die sich im Verlust von Interessen, einer Verminderung des Appetits, erhöhter Ängstlichkeit und vermehrter Hoffnungslosigkeit und Pessimismus zeigt. Die Ausprägung der depressiven Symptome kann mit dem Ausmaß der körperlichen Einschränkungen und der dadurch bedingten Beeinträchtigungen im Leben zusammenhängen, aber auch unabhängig davon auftreten. Da depressive Episoden den Verlauf der Parkinson-Krankheit negativ beeinflussen, sollten Sie diese unbedingt im Arztgespräch ansprechen.
  • Es kann auch zum Nachlassen der Gedächtnisleistung bis hin zur Demenz Anders als bei der Alzheimer-Demenz stehen bei der Parkinson-Demenz jedoch nicht Merk- und Gedächtnisprobleme im Vordergrund, sondern andere kognitive Einschränkungen wie Aufmerksamkeitsstörungen und geistige Verlangsamung.
  • Parkinson kann auch mit psychotischen Störungen wie Alpträumen, Wahnvorstellungen, Verwirrtheitszustände und Halluzinationen einhergehen. Beim fortgeschrittenen Morbus Parkinson sind das insbesondere optische Halluzinationen, also Trugwahrnehmungen. Das bedeutet, dass etwas gesehen wird, was nicht wirklich da ist und kann auch durch die Parkinson-Medikamente verursacht werden.
  • Insbesondere Dopaminagonisten können außerdem Impulskontrollstörungen hervorrufen. Dazu zählen verstärkte Sexualität, Spielsucht, krankhaftes Essen oder Kaufsucht und im fortgeschrittenen Stadium besonders sogenanntes Punding, ein krankhaftes Spielen, Sortieren und Kramen.
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Bei welchen Tätigkeiten benötigen PatientInnen im fortgeschrittenen Stadium häufig Unterstützung?

Ja, das können alle Bereiche des Lebens irgendwann sein.

  • Also für viele Menschen wird die Mobilität das dominierende Problem sein. Das bedeutet, dass die Gehstrecke im Verlauf der Erkrankung abnimmt, dass Gehblockaden auftreten. Das kann natürlich auch dann, wenn dazu eine starke Sturzgefährdung tritt, weil das Klebenbleiben, das Freezing, sehr massiv ist und die Halte- und Stellreflexe zunehmend schlechter werden und die Haltung stärker nach vor oder zur Seite gebeugt wird, dann kann auch einfach die Sturzgefährdung so ein Problem darstellen, dass der Betroffene überhaupt nicht mehr alleine gehen kann. Oder viele Patienten gehen noch innerhalb ihres Wohnbereichs mit einem Vierradmobil oder mit einem Rollator, können aber das Haus nur mit einer Hilfsperson verlassen. Und damit sind natürlich alle Lebensbereiche, die mit Mobilität zu tun haben, massiv eingeschränkt.
  • Eine weitere Einschränkung ist natürlich, wenn die manuelle Geschicklichkeit abnimmt. Häufig sind Haushaltstätigkeiten dann gemeinsam mit dem Stehen gehen, wenn das nicht funktioniert, wenn dann auch sozusagen die manuelle Geschicklichkeit abnimmt, kann alles im Haushalt deutlich erschwert werden, bis zur eigenen Körperpflege, bis zum Zubereiten von Essen, aber auch bis hin zu Mahlzeiten kann deutlich erschwert sein.
  • Wenn die Sprechweise immer schlechter verständlich wird, wird natürlich die Kommunikation massiv erschwert.
  • Und wenn autonome Symptome in den Vordergrund rücken, wenn eine massive Verstopfung da ist oder wenn eine massive Reizblase bis hin zu Inkontinenz da ist, werden natürlich die Betroffenen auch in diesen Lebensbereichen sehr, sehr viel Hilfe brauchen.

Parkinson ist leider eine Erkrankung, bei der die soziale Unterstützung und die pflegerische Unterstützung im fortgeschrittenen Stadium sehr, sehr wichtig sein kann.

Welche kognitiven Probleme können im fortgeschrittenen Stadium von Morbus Parkinson auftreten?

  • Das können sehr milde Veränderungen sein im Sinne von Konzentrationsproblemen oder einer reduzierten Aufmerksamkeitsspanne. Das heißt, man kann sich nicht zu lange auf ein Gespräch, auf einem irgendeinen Inhalt konzentrieren.
  • Ein weiteres Problem, das wir sehr häufig beobachten, ist, dass das Denken einfach langsamer wird. Das ist etwas, was man auch in der Kommunikation mit den Betroffenen wahrnimmt, dass es einfach länger braucht.
  • Ein drittes Problem, das die Patienten oft sehr, sehr stört, ist, dass die Flüssigkeit der Sprechweise abnimmt, weil das Wortfinden nicht so gut funktioniert. Das ist für Umstehende oft gar nicht so auffällig. Das heißt, die Wortflüssigkeit nimmt ab. Das kann von den Patienten als äußerst, äußerst lästig wahrgenommen werden.

Das sind aber alles Veränderungen, die insgesamt relativ harmlos sind.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung gibt aber Patienten, bei denen die Aufmerksamkeit wirklich stark abnimmt, wo wirklich auch Verwirrtheitszustände auftreten können und schließlich auch eine Abnahme der Planungsfähigkeit, Dinge zu organisieren und zu planen, deutlich zutage tritt. Das merkt man dann manchmal, wenn Patienten gerne Dinge beginnen, irgendetwas in der Wohnung zu räumen oder irgendetwas vorzubereiten und das aber nicht zu Ende führen können. Das ist auch etwas, was Betroffene sehr stören kann.

Und schließlich gibt es wirklich Patienten, die auch erhebliche Gedächtnisprobleme mit einer starken Vergesslichkeit entwickeln oder auch Probleme, räumlich wahrzunehmen, oder auch Dinge räumlich zu konstruieren. Diese räumlich-konstruktiven Fähigkeiten können bei der Parkinson-Krankheit auch gestört sein.

Woran kann man eine Parkinson-Demenz frühzeitig erkennen?

Ja, das ist nicht so ganz einfach, weil es ein gradueller Übergang ist.

Viele Menschen haben milde Veränderungen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit, die man nicht als Demenz klassifizieren würde. Wenn das aber etwas ist, was dann über Monate und Jahre schlechter wird und das Alltagsleben wirklich merkbar beeinflusst, dann muss man von einer Demenz sprechen.

Die Symptome sind dieselben wie bei milden Veränderungen, nur dass hier Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme nicht mehr subtil sind, sondern wirklich stören. Auch die geistige Verlangsamung kann wirklich erheblich sein.

Manchmal ist es überraschend, wenn eine Patientin oder ein Patient wirklich im Denken sehr stark verlangsamt ist, aber noch sehr, sehr gut orientiert ist und ein ganz gutes Gedächtnis hat.

Aber trotzdem: Diese massive geistige Verlangsamung und auch die Aufmerksamkeitsprobleme können im Alltag so stark werden, dass man von einer Demenz sprechen muss.

Und auch auf der anderen Seite natürlich: Auch dann treten natürlich auch häufig auch Probleme mit dem Gedächtnis auf. Dann werden Termine vergessen, Dinge verlegt. Ein bisschen so wie bei der Alzheimer-Krankheit. Wobei hier die Gedächtnisstörungen üblicherweise nicht das erste ist, sondern eher ein späteres Symptom.

Zunehmende Abhängigkeit bei Morbus Parkinson

Im fortgeschrittenen Stadium einer Parkinson-Erkrankung sind Betroffene durch die eingeschränkte Mobilität, abnehmende Geschicklichkeit, Probleme bei der Kommunikation und Auswirkungen auf Denkprozesse im Alltag in verschiedenen Bereichen wie Haushaltstätigkeiten und Körperpflege zunehmend auf Unterstützung angewiesen. Das kann für PatientInnen wie Angehörige eine große Umstellung bedeuten. Versuchen Sie diesen Prozess zu Ihrer aller Vorteil vorausschauend und bewusst mitzugestalten.

Als Parkinson-PatientIn die eigene Unabhängigkeit wahren

Manchmal schießen Angehörige bei der gut gemeinten Unterstützung ungewollt über das Ziel hinaus. Sie übernehmen auch Aufgaben, die die/er Betroffene selbst erledigen möchte und kann. Falls Sie merken, dass das bei Ihnen der Fall ist, kann es hilfreich sein, das offen anzusprechen. Zur Orientierung kann der Grundsatz „So viel Hilfe wie nötig und so wenig Hilfe wie möglich“ dienen. Überlegen Sie sich, wo Sie Unterstützung benötigen und welche Tätigkeiten Sie weiterhin selbstständig durchführen können und wollen. Besprechen Sie dies mit Ihren Angehörigen.

Morbus Parkinson als offizielle Behinderung

Wenn die Selbstständigkeit zunehmend eingeschränkt ist kann es hilfreich sein, den Grad der Behinderung offiziell feststellen zu lassen. Dadurch haben Sie Anspruch auf verschiedene Hilfen und finanzielle Förderungen. Der Grad der Behinderung wird in Österreich in Prozent angegeben und ist dabei von der Schwere der Erkrankung abhängig. Die Einschränkungen die mit einer Parkinson-Erkrankung einhergehen werden dabei in der sogenannten Einschätzungsverordnung folgendermaßen eingeordnet:

  • 20-40%: Leichte Symptome mit generell verlangsamter Mobilität
  • 50-60%: Mäßige Symptomatik mit zusätzlich zunehmenden Demenzzeichen und depressiver Stimmungslage, Mobilität zunehmend vermindert, zunehmende Wirkungsschwankungen und Perioden, in welchen die Medikamente nicht mehr so gut wirken.
  • 70-100%: Schwere Symptomatik mit zunehmenden Demenzzeichen und depressiver Stimmungslage, Mobilität deutlich herabgesetzt, Starre in Mimik und Verhalten

Beträgt der Grad der Behinderung mindestens 50%, zählt man um Kreis der begünstigten Behinderten und hat Anspruch auf einen Behindertenpass. Genauere Informationen dazu erhalten Sie beim Sozialministeriumservice.

Tipps für Angehörige: Professionelle pflegerische Hilfe in Anspruch nehmen

Sie als Angehörige/r haben eine tragende Rolle im Leben eines Verwandten mit Morbus Parkinson. Eventuell möchten Sie die Aufgabe der Pflege nicht abgeben. Möglicherweise haben Sie das Gefühl dadurch der Erkrankten/dem Erkrankten etwas Schlechtes zu tun. Machen Sie sich bewusst, dass es für die/den PatientIn und für Sie als Angehörige/n sehr stützend und hilfreich sein kann, professionelle Pflege in Anspruch zu nehmen. Keine Pausen, weil die Pflege neben Job, Familie und anderen Verpflichtungen jegliche Zeit in Anspruch nimmt, führen am Ende nur dazu, dass Sie selbst ausbrennen. Um weiterhin die bestmögliche Unterstützung bieten zu können, dürfen Sie nicht vergessen auch für sich selbst zu sorgen und Ihre Energiereserven zu füllen.

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Geprüft Univ.-Prof. Dr. med. Walter Pirker: Stand Februar 2021

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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