4. Gerätegestützte Therapiemöglichkeiten bei Parkinson

Levodopa-Pumpe bei Morbus Parkinson

Die Levodopa-Pumpe (auch L-Dopa-Pumpe genannt) ist eine Therapieoption bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson, die auf eine kontinuierliche Aufnahme des Wirkstoffes L-Dopa direkt über den Dünndarm setzt. Die L-Dopa-Pumpe kommt auch bei älteren PatientInnen in Frage, bei denen beispielsweise eine tiefe Hirnstimulation keine Option mehr ist.

Wie funktioniert die L-Dopa-Pumpe?

Das Prinzip der L-Dopa-Pumpe besteht darin, dass eine vorprogrammierte Dosis an Levodopa über eine Sonde direkt in den Dünndarm gelangt und von dort in den Körper aufgenommen wird. Damit umgeht man mögliche Wirkungsschwankungen durch verzögerte Magen- und Darmbewegungen. Dabei wird schon im Vorfeld die Wirksamkeit getestet und die richtige Dosierung ermittelt. Nach der Entscheidung für eine dauerhafte L-Dopa-Therapie wird in einem kleinen operativen Eingriff im Krankhaus die Sonde mit dem Schlauch über die Bauchdecke in den Magen/Dünndarm gelegt. Dies geschieht unter Vollnarkose.

Wie wirkt sich eine L-Dopa-Pumpe auf den Alltag aus?

Die L-Dopa-Pumpe, welche aus der eigentlichen Pumpe und einer Kassette mit dem Wirkstoff besteht, tragen die PatientInnen immer mit sich. Aufgrund der Lage der Sonde, die durch die Bauchdecke in den Magen und von dort bis in den Dünndarm führt, muss diese regelmäßig kontrolliert und die Pflege äußerst sorgfältig durchgeführt werden. Neben geschultem Personal können das auch die Patientin/der Patient selbst oder Angehörige durchführen. Durch eine gewissenhafte Kontrolle können mögliche Komplikationen, wie das Verrutschen des Schlauchs im Dünndarm, frühzeitig erkannt und behoben werden. Anders als bei der Apomorphin-Pumpe oder der tiefen Hirnstimulation ist bei der L-Dopa-Therapie meist keine orale Begleitmedikation mehr erforderlich.

Apomorphin-Pumpe bei Morbus Parkinson

Die Apomorphin-Pumpe ist eine Therapiemöglichkeit beim fortgeschrittenen Morbus Parkinson, die auf dem Dopaminagonisten Apomorphin beruht. Das Prinzip der Apomorphin-Pumpe besteht darin, dass durch eine kleine Nadel Apomorphin subkutan, also in das Gewebe unter der Haut, verabreicht wird.

Wie funktioniert die Apomorphin-Pumpe?

Das therapeutische System besteht aus einem kleinen Apparat, der die Pumpe enthält, einer Spritze, die darauf gesetzt wird und einem Schlauch mit einer zarten Nadel am Ende. Das Apomorphin gelangt über die Nadel, die ins Gewebe am Bauch eingestochen und täglich gewechselt wird, in den Körper. Die Einstellung auf die richtige Dosis erfolgt im Krankenhaus mithilfe eines Apomorphin-Tests. Dort erlernen Sie auch wie das System zu verwenden und die Nadel zu legen ist. Die meisten Parkinson-PatientInnen benutzen die Pumpe nur tagsüber, die Infusion kann aber auch rund um die Uhr verabreicht werden.

Wie wirkt sich eine Apomorphin-Pumpe auf den Alltag aus?

Bei einer Therapie mit einer Apomorphin-Pumpe tragen Sie tagsüber eine kleine Tasche, welche die Pumpe enthält, bei sich. Vor allem bei Dyskinesien werden mit dieser Therapieform häufig deutliche Verbesserungen erzielt. Andere Medikamente können durch den Einsatz der Apomorphin-Pumpe meist deutlich reduziert aber nicht ganz ersetzt werden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Hautreaktionen an der Einstichstelle. Um dem vorzubeugen sollte auf die nötige Hygiene geachtet und die Einstichstelle täglich gewechselt werden. Apomorphin kann, wie andere Dopaminagonisten auch, neuropsychiatrische Symptome wie Verwirrtheit, Halluzinationen und Impulskontrollstörungen hervorrufen.

Tiefe Hirnstimulation bei Morbus Parkinson

Bei der tiefen Hirnstimulation werden durch eine Art Hirnschrittmacher bestimmte Areale im Gehirn erregt, um so eine bessere Funktionsfähigkeit zu erreichen. Diese Therapieform ist nur für eine relativ kleine Gruppe von Parkinson-PatientInnen geeignet. Bei jüngeren PatientInnen ist sie deutlich wirksamer, weshalb Sie bei PatientInnen über 70 nicht eingesetzt wird. Wenn psychische Probleme wie Demenz oder Depressionen vorliegen oder PatientInnen stark ausgeprägte Sprech- oder Gleichgewichtsstörungen haben, kann sie nicht eingesetzt werden. Für das Einsetzen ist ein operativer Eingriff nötig, daher müssen PatientInnen körperlich in einem guten Zustand sein.

Wie funktioniert die tiefe Hirnstimulation?

Bei der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden in einem operativen Eingriff in das Gehirn eingebracht. Diese Elektroden werden durch ein unter der Haut verlaufendes Verbindungskabel mit einem kleinen Stimulator (auch als Hirnschrittmacher bezeichnet) verbunden. Der Stimulator sendet leichte elektrische Impulse an die Elektroden im Gehirn und stimuliert so bestimmte Areale im Gehirn, die bei Parkinson krankhaft verändert sind. Schon vor der Operation wird durch einen L-Dopa-Test untersucht, wie sich die tiefe Hirnstimulation voraussichtlich auf die Symptome auswirkt.

Wie wirkt sich die tiefe Hirnstimulation auf den Alltag aus?

Der Hirnschrittmacher und die Elektroden schränken im Alltag nur wenig ein und es benötigt keiner speziellen Unterstützung durch Angehörige oder Pflegende. Symptome wie Zittern, eingeschränkte Beweglichkeit, Muskelstarre oder Dyskinesien lassen sich durch die tiefe Hirnstimulation deutlich verbessern. Andere Symptome wie Freezing, Gleichgewichtsprobleme und Sprechstörungen können dadurch nur geringfügig verbessert werden. In einigen Fällen kann die tiefe Hirnstimulation diese Symptome sogar verschlechtern. Auch bei der tiefen Hirnstimulation müssen zusätzlich weiterhin Medikamente eingenommen werden.

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Geprüft Univ.-Prof. Dr. med. Walter Pirker: Stand Februar 2021

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