1. Fortschreiten der Erkrankung

Transkript

In fortgeschrittenen Stadien des Morbus Parkinson kommt es zu Wirkungsschwankungen und es treten Symptome auf, die nicht mehr so gut auf Medikamente ansprechen. Wie wirkt sich das auf die Lebenserwartung aus? Wie verläuft die Parkinson Krankheit? Univ.-Prof. Dr. Walter Pirker beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie verläuft eine Parkinson-Erkrankung?

Die Parkinson-Erkrankung läuft langsam voranschreitend über viele Jahre, und man kann grob einige Stadien irgendwie unterscheiden.

  • Das erste ist: Vor der Diagnose beherrschen oft unspezifische Frühsymptome den Patienten. Das wäre zum Beispiel: Viele Patienten haben lange schon vor Ausbruch der Erkrankung eine Schlafstörung, die man als REM-Schlafverhaltensstörung bezeichnet, ein Ausleben von Träumen im Schlaf, oder eine Riechstörung. Eines Tages werden dann die typischen motorischen Frühsymptome der Erkrankung auffällig, z.B. ein Zittern oder eine Verkrampfung oder eine Verlangsamung von Bewegungen, reduziertes Mitschwingen eines Armes. Diese motorischen Symptome führen dann meistens zur Diagnose, und die Diagnose dann meistens zu einer Therapie. Wenn Sie eine klassische Parkinson-Krankheit haben, wird die Therapie in aller Regel zu einer Verbesserung der Motorik führen. Das ist also das frühe Stadium der Erkrankung, in dem Sie ein stabiles Ansprechen auf die Medikamente haben, die sogenannten Flitterwochen der Parkinson-Krankheit.
  • Im Laufe der Zeit verkürzt sich die Wirkdauer der Parkinson-Medikamente. Und mit dieser verkürzten Wirkdauer wird vor der jeweilig nächsten Medikamenteneinnahme eine Verschlechterung der Symptomatik auffällig: Der Patient entwickelt sogenannte Off-Phasen. Das wäre jetzt z. B.: Sie wachen morgens auf, spüren einen Krampf im Bein, die Zehen stellen sich auf, Sie fangen zu schwitzen an, Sie haben vielleicht Schmerzen bei der Verkrampfung. Sie sind kleinschrittig, nehmen das erste Parkinson-Medikament ein, die erste Tablette, und die Symptomatik bessert sich nach 20, 30 Minuten. Sie waren also in einer Off-Phase und haben dann eine Besserung. Das ist das mittlere Stadium der Parkinson-Krankheit, in der diese Wirkungsschwankungen und zum Teil auch Überbewegungen in der Phase guter Beweglichkeit sogenannte Dyskinesien das Krankheitsbild beherrschen.
  • Und dann gibt’s ein stärker fortgeschrittenes Stadium der Parkinson-Krankheit, ich würde es als das dritte Stadium der Krankheit bezeichnen, in der Symptome die Oberhand gewinnen, die leider auf die Parkinson-Medikamente nicht mehr so gut ansprechen. Das heißt nicht, dass die Patienten überhaupt nicht auf die Medikamente ansprechen, sondern eher, dass zusätzlich zu jenen Symptomen, die auf die Medikamente ansprechen, wie Zittern, Steifigkeit, Bewegungsverlangsamung, einfach Symptome auftreten, die eben nicht ansprechen. Das sind einerseits motorische Symptome wie eine stärker vorgebeugte Haltung, Gehblockaden beim Gehen, eine Haltungsinstabilität, die dann zu Stürzen führen kann, eine stärkere Sprechstörung, Schluckprobleme, aber auch nicht-motorische Symptome, wie z.B. eine geistige Veränderung. Das sind dann Probleme, die eher das stark fortgeschrittene, vielleicht dritte Stadium der Parkinson-Krankheit dann dominieren.

Wie schnell verschlechtert sich eine Parkinson-Erkrankung?

Eine klassische Parkinson-Erkrankung sollte sich nicht schnell verschlechtern. Das wäre sehr, sehr ungewöhnlich. Wir haben ja hier eine langsam voranschreitende Erkrankung mit einem sehr, sehr langsamen Nervenzellverlust im Gehirn vor uns, die über viele, viele Jahre, und wenn sie früh beginnt, über Jahrzehnte geht, sodass plötzliche Verschlechterungen etwas äußerst Ungewöhnliches sind.

Wenn man von einer raschen Verschlechterung spricht, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Entweder haben wir hier keine echte Parkinson-Krankheit, keine klassische Parkinson-Krankheit vor uns, sondern eine sogenannte atypische Parkinson-Krankheit. Leider haben 10 Prozent der Menschen mit einer Parkinson-Symptomatik keine klassische Parkinson-Krankheit, sondern so einen atypischen Parkinson, der leider ein schlechteres Ansprechen auf die Parkinson-Medikamente und ein rascheres Voranschreiten zeigt. Das ist die eine Möglichkeit.
  • Und die andere Möglichkeit bei raschen Veränderungen ist immer die Möglichkeit einer Begleiterkrankung. Die Begleiterkrankung kann sein ein Schlaganfall, eine Zuckerkrankheit, aber kann auch sein, dass einfach der Patient, vor allem, wenn das ältere Menschen sind, zu wenig trinkt und einfach ausgetrocknet ist oder mangelernährt ist oder einen Vitaminmangel hat. All das ist möglich.

Das heißt: Eine rasche Veränderung im Krankheitsverlauf, die sollte immer Anlass für eine Abklärung sein.

Warum ist es sinnvoll, Angehörige zu Kontrollterminen mitzubringen?

Ja, die Parkinson-Erkrankung ist ja eine sehr, sehr facettenreiche Erkrankung, vor allem, was wir heute wissen. Es ist keine rein motorische Erkrankung, sondern von Beginn an haben die meisten Patienten auch psychische Veränderungen, vielfältige Veränderungen im autonomen Nervensystem, und es passieren auch Dinge, die der Patient selbst nicht erlebt.

Wenn wir nur an die Frühphase der Erkrankung denken, an die ganz, ganz frühe Phase bereits vor Auftreten der klassischen motorischen Probleme: Ein Teil der Patienten hat in dieser Phase eine Schlafstörung, die man als REM-Schlafverhaltensstörung bezeichnet. Dieser Fachterminus ist nichts anderes als sozusagen das Ausleben von Träumen im Schlaf. Ein gesunder Mensch wird, wenn er in einem Tiefschlaf ist und dann in eine sogenannte REM-Schlafphase kommt, in eine Traumschlafphase, eine erschlaffte Körpermuskulatur haben. Nur die Atemmuskulatur ist aktiv, und die Augenbewegungen sind aktiv. Daher kommt dieser Begriff ja: Rapid Eye Movements (abgekürzt REM).

Im Traumschlaf bei Menschen mit Parkinson kommt es bereits im Frühstadium teilweise zu einem Verlust der Muskelerschlaffung in diesem REM-Schlaf, und das bedeutet, dass Patienten ihre Träume auszuleben beginnen. Das bedeutet, wenn ich davon träume, dass ich jemandem davonlaufe, werden meine Beine zu laufen beginnen. Wenn ich träume, dass ich irgendwie Fussball spiele oder einen Gegner, mit dem ich irgendwie kämpfe, ihn irgendwo hintrete, dann werden meine Beine ausschlagen. Und der Patient selbst ist aber im Schlaf. Das heißt: Hier kann der Partner ganz, ganz wesentliche anamnestische Informationen mitliefern. Das ist das eine.

Das zweite ist auch: Bereits im Frühstadium gibt es manchmal seelische Veränderungen, Konzentrationsprobleme, über die ein Partner manchmal ganz wesentliche zusätzliche Auskunft geben kann. Auch motorische Veränderungen fallen ja den Patienten manchmal gar nicht so auf. Das ist z.B. das reduzierte Mitschwingen eines Arms beim Gehen. Das fällt oft den Angehörigen eher auf als der betroffenen Patientin oder dem Patienten selbst. Also auch da haben wir sehr, sehr viel Information von den Angehörigen.

Der nächste Schritt ist: Wenn wir mit einer Therapie beginnen, dann sind wir natürlich sozusagen sehr, sehr dankbar, wenn wir gute Information, ein gutes Feedback vom Patienten kriegen: „Ja, das ist besser geworden. Darauf habe ich angesprochen.“ Oder: „Ich habe auch diese Nebenwirkung entwickelt.“ Auch hier kann ein Partner oder ein Angehöriger ganz wesentliche Zusatzinformationen geben.

Der dritte Baustein ist natürlich immer, dass die Ärztin oder der Arzt überprüfen muss: Wie hat sich die Motorik des Patienten verändert durch die Medikation?

Und im Krankheitsverlauf treten immer mehr komplexe Symptome hinzu, wo die Angehörigen ganz, ganz wesentliche Hilfestellungen geben können, und zwar, was die Informationen über den Zustand der Patientin oder des Patienten betrifft.

Das andere ist aber auch: Die Betreuung der betroffenen Menschen ist immer auch eine Motivationsarbeit. Das ist vielleicht, jetzt greife ich vor bei dieser Frage, die Parkinson-Therapie besteht ja immer aus zwei großen Bestandteilen:

  • Das eine ist die medikamentöse Therapie.
  • Das andere ist aber auch die eigene Bewegung und nicht-medikamentöse Therapie.

Und jedes Gespräch dient auch der Motivation des Betroffenen, mehr Bewegung zu machen. Am besten hat man gewissermaßen einen Behandlungsvertrag und vereint mit dem Patienten, wie viel Bewegung er machen sollte. Und auch da können die Angehörigen eine ganz wesentliche Hilfestellung leisten.

Verlauf des Morbus Parkinson

Der Verlauf einer Parkinson-Erkrankung ist für jede Patientin/jeden Patienten unterschiedlich. Dennoch gibt es einige typische Stadien mit charakteristischen Symptomen, die durchlaufen werden.

Verlauf der Erkrankung

Morbus Parkinson ist eine chronisch voranschreitende, derzeit nicht heilbare Erkrankung. Dabei gehen Nervenzellen des Gehirns, welche den Botenstoff Dopamin betreffen, verloren. In der Regel passiert das langsam über viele Jahre, aber der Verlauf kann von PatientIn zu PatientIn sehr unterschiedlich sein.

Frühes Stadium

Da diese Nervenzellen äußerst wichtig für den Ablauf von Bewegungen sind, kommt es zu motorischen, also die Bewegung betreffenden, Symptomen. Dazu zählen vor allem Bewegungsarmut und langsamere Bewegungsabläufe (Bradykinesie, Akinese), Muskelsteifigkeit (Rigor), Gleichgewichtsprobleme (posturale Instabilität) oder Zittern in Ruhe (Tremor). Zu Beginn sind die Symptome meist leichter und betreffen nur eine Körperhälfte oder treten nur hin und wieder auf.

Fortgeschrittener Morbus Parkinson

Im Verlauf der Krankheit werden die Symptome stärker, da mehr Nervenzellen verloren gehen. Sie treten dann meist über einen längeren Zeitraum auf und machen eine intensivere medikamentöse Behandlung notwendig. Es treten Symptome in den Vordergrund, die nicht mehr so gut auf Parkinson-Medikamente ansprechen. Als Nebenwirkung der Therapie kann es beispielsweise zu unwillkürlichen Bewegungen (Dyskinesien) kommen. Auch Auswirkungen auf Psyche und Denkprozesse werden häufiger. Es kann nötig werden, die Therapie an die neuen Gegebenheiten anzupassen, um die Symptome bestmöglich zu kontrollieren.

Tipp für Angehörige

Als Angehörige/r sind Sie eine wichtige Informationsperson für die Ärztin/den Arzt. Sie können sich vor dem Arzttermin überlegen, welche Veränderungen Ihnen bei Ihrer Angehörigen/Ihrem Angehörigem aufgefallen sind. Haben sich die körperlichen Symptome verschlechtert oder sogar gebessert? Haben Sie das Gefühl Ihre Angehörige/Ihr Angehöriger ist in letzter Zeit ängstlicher geworden und unternimmt weniger? Oder gibt es Situationen, in denen sie/er Dinge wahrnimmt, die nicht wirklich da sind? Manche dieser Symptome, wie etwa ungewöhnliche Bewegungen, fallen Ihnen vielleicht eher auf als der/dem Betroffenen selbst. Hier können Sie einen wichtigen Beitrag zur bestmöglichen Linderung der Symptome leisten, indem Sie Ihre Beobachtungen mitteilen.

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Wie kann die Ärztin / der Arzt einschätzen, ob die Erkrankung weiter fortschreitet?

Das ist immer die Frage an den Patienten selbst: „Sehen Sie gegenüber dem letzten Besuch, dem Zeitraum seit der letzten Kontrolle, eine Veränderung?“

  • Diese Veränderung kann eine Besserung sein durch eine Medikation,
  • es kann ein stabiler Verlauf sein,
  • oder es kann eine Verschlechterung sein.

Da kann uns der Patient sehr helfen. Auch die Angehörigen können uns helfen, wie sie das wahrnehmen.

Und das andere ist natürlich immer die Untersuchung der Ärztin, des Arztes: Wie ist der Zustand des Betroffenen? Hat sich motorisch etwas verbessert? Hat sich motorisch etwas verschlechtert? Den Expertinnen und Experten können hier auch standardisierte Bewegungsskalen helfen, um die Veränderung der Motorik im Zeitverlauf wirklich auch gut erfassen zu können.

Und beides, also die Wahrnehmung des Betroffenen, aber auch der Angehörigen, und eben auch die ärztliche Untersuchung, das lässt dann gemeinsam den Schluss zu: Ja, hier hat sich tatsächlich etwas verschlechtert.

Was ist typisch für einen fortgeschrittenen Morbus Parkinson?

Ja, das kommt darauf an, wie man jetzt fortgeschritten definiert.

Ein wesentliches Merkmal in der, würde ich sagen, zweiten Phase der Parkinson-Erkrankung ist das Auftreten von Wirkungsschwankungen.

In der Frühphase der Erkrankung wirken die Parkinson-Medikamente kontinuierlich. Die Betroffene, der Betroffene nimmt keine Veränderung wahr, wenn er seine Tabletten schluckt, weil die Tabletten, vor allem L-Dopa, das das am längsten wirksame Medikament, also sozusagen am stärksten wirksame Parkinson-Medikament ist, in der Frühphase der Erkrankung eine sehr, sehr lang anhaltende Wirkung hat, wahrscheinlich über Wochen.

Im Verlauf der Erkrankung verkürzt sich die Wirkdauer der Parkinson-Medikamente, insbesondere von L-Dopa, und der Patient beginnt zu spüren: „Ich nehme die Dopa-Tablette ein, und in einer halben Stunde, Stunde spüre ich eine Verbesserung. Bevor ich die nächste Tablette einnehme, sagen wir jetzt z.B. mittags, wird der Patient vielleicht einmal eine halbe Stunde, eine Stunde vorher eine motorische Veränderung wahrnehmen, eine Verschlechterung. Vielleicht tritt wieder ein Zittern auf. Vielleicht tritt wieder ein Schmerz auf. Vielleicht tritt eine seelische Veränderung wie z.B. Ängstlichkeit auf. Der Patient nimmt die nächste Tablette und spürt nach einer halben Stunde, Stunde wieder eine Besserung seines Zustands.

Das ist etwas, was man als Wirkungsschwankungen oder Fluktuationen bezeichnet.

In der Phase der besten Wirkung der Parkinson-Medikamente entwickeln dann viele Patienten Überbewegungen, die sogenannten Dyskinesien, und diese Kombination aus verkürzter Wirkdauer, die Wirkungsschwankungen auslöst, und auf der anderen Seite abnormen Überbewegungen in der Phase guter Beweglichkeit, das bezeichnet man als motorische Komplikationen. Und diese motorischen Komplikationen dominieren das mittlere Krankheitsstadium.

Im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium, im weiter fortgeschrittenen Parkinson-Stadium, ich würde hier eher von einer dritten Phase sprechen, wobei das ein sehr, sehr gradueller Übergang ist, treten dann Symptome in den Vordergrund, die nicht mehr so gut auf Parkinson-Medikamente ansprechen. Das ist dann wirklich ein stärker fortgeschrittenes Parkinson-Stadium:

  • Eine starke Haltungsstörung, eine verstärkte Gangstörung mit Gehblockaden, eingeschränkte Halte- und Stellreflexe, die dann bei Richtungswechsel zu Stürzen führen können,
  • aber auch verstärkte autonome Symptome: starkes Schwitzen, massive Verstopfung, Harninkontinenz,
  • auch geistige Veränderungen: Konzentrationsabnahme bis hin zu einer wirklich eindeutigen Demenz, die ein Teil der Patienten entwickelt.

Da muss man dann wirklich von einem stark fortgeschrittenen Stadium sprechen.

Welche Rolle spielen bildgebende Verfahren in der Verlaufsbeurteilung?

Die bildgebenden Verfahren spielen eine große Rolle in der Diagnostik am Beginn. Wenn wir einen Menschen sehen, der typische oder weniger typische Parkinson-Symptome entwickelt, werden wir immer eine sogenannte strukturelle Bildgebung machen. Das ist eine Magnetresonanztomografie des Gehirns idealerweise, oder, wenn dagegen Gründe sprechen, z.B. ein Herzschrittmacher, der mit so einem MRT-Gerät nicht vereinbar ist, wird man eine Computertomografie des Gehirns machen, um strukturelle Veränderungen im Gehirn auszuschließen, die diese Grundlage dieser Parkinson-Krankheit sind.

Jetzt gibt es im späteren Krankheitsverlauf zwei gute Gründe, nochmal eine Bildgebung zu machen. Das eine wäre: Der Patient spricht nicht so gut an auf die Parkinson-Medikamente, wie wir uns das erhofft haben. Dann ist eine wahrscheinliche Möglichkeit, dass das eine atypische Parkinson-Krankheit ist. Für die Diagnose dieser Erkrankung kann andererseits wieder die Magnetresonanztomographie sehr, sehr hilfreich sein. Es gibt aber auch einige nuklearmedizinische Untersuchungen, die da helfen können, wie die Zuckerstoffwechseluntersuchung des Gehirns z.B., das FDG-PET.

Wozu werden im Verlauf der Erkrankungen der L-Dopa-Test und der Apomorphin-Test eingesetzt?

Ja, also der L-Dopa-Test spielt eine ganz wesentliche Rolle in der Abklärung von Patienten vor einer operativen Parkinson-Therapie.

Bevor man sich zu diesem Schritt entscheidet, zur tiefen Hirnstimulation, muss ganz, ganz klar belegt sein, dass der Patient ein sehr gutes Ansprechen auf die Parkinson-Medikamente hat.

Das ist etwas, was für den Patienten durchaus anstrengend ist. Meistens werden die Patienten dazu auch stationär aufgenommen. Dazu nimmt man sein letztes Parkinson-Medikament am Abend und lässt die Morgenmedikamente weg. Früh morgens um acht oder neun erfolgt dann üblicherweise eine ärztliche Untersuchung im sogenannten Off, also ohne Medikation, was ja für viele Betroffene auch sehr belastend ist, weil dieser Off-Zustand unangenehm ist.

Dann bekommt man üblicherweise entweder die normale Morgenmedikation oder, wenn es um einen wirklich ganz spezifischen Dopa-Test vor einer Parkinson-Operation geht, üblicherweise eine etwas höhere Dosis von L-Dopa in Form von löslichem Dopa. Und damit wird dann verglichen, wie die Motorik vor Einnahme des Parkinson-Medikaments und nach Einnahme des Parkinson-Medikaments ist.

Dieser Unterschied ist vor allem bei Parkinson-Operationen ein starker Indikator dafür, wie gut der Patient auf die operative Therapie ansprechen wird.

Ergänzt kann dieser Dopa-Test vor einer operativen Parkinson-Therapie auch durch den Apomorphin-Test werden. Apomorphin ist ein sogenannter Dopamin-Agonist. Er bindet an denselben Bindungsstellen im Gehirn wie Dopa. Das Medikament wird hier nur unter die Haut, subkutan, verabreicht, und die Wirkung setzt viel rascher ein, üblicherweise innerhalb von 10 Minuten. Und das Ansprechen, das Ausmaß des Ansprechens, wenn man die richtige Dosis von Apomorphin erreicht, sollte vergleichbar mit Dopa sein.

Also auch der Apomorphin-Test ist etwas, was man für die präoperative Abklärung verwenden kann. Der Apomorphin-Test ist aber auch wichtig, um austesten zu können, wie hoch die individuelle Dosis eines Parkinson-Patienten für Apomorphin ist. Apomorphin ist ein ausgezeichnetes Medikament für plötzliche Off-Zustände. Da gibt’s das Medikament in Form eines Pens.

Und wenn man herausgefunden hat, was die richtige individuelle Dosis ist, kann man diesen Pen dann im Alltag für schwere Off-Phasen verwenden. Man muss nur wissen: Welche Dosis braucht der Patient? Weil diese Dosis individuell sehr, sehr unterschiedlich ist.

Etwas anderes, wo dann der Apomorphin-Test auch sehr hilfreich sein kann, ist, wenn man einen Patienten dann auf Apomorphin in Pumpenformen einstellt. Auch da ist das dann sehr, sehr hilfreich, wenn man abschätzen kann, wie viel ein Patient auch in der Dauertherapie brauchen wird.

Untersuchungen bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson

Damit Ihre Ärztin/Ihr Arzt einschätzen kann, wie schnell die Erkrankung fortschreitet und ob Ihre Therapie angepasst werden muss, sind Ihre Angaben äußerst wichtig. Daher kann es hilfreich sein, wenn Sie sich vor Kontrollterminen in Ruhe überlegen, wie Ihr derzeitiger Zustand ist und wie er sich im Vergleich zum letzten Termin verändert hat.

Behalten Sie den Verlauf Ihrer Erkrankung im Blick

Indem Sie ein detailliertes Symptomtagebuch führen, können Sie genau darstellen, wie Ihr Befinden mit der Medikamenteneinnahme zusammenhängt. Darin halten Sie Ihre Symptome und deren Veränderung im Tagesverlauf für einige Tage oder Wochen schriftlich fest. Aber auch indem Sie die folgenden Fragen in Ruhe daheim beantworten, können Sie Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt wertvolle Hinweise zur Anpassung Ihrer Therapie geben. Mit dem Download am Ende dieser Seite können Sie die Fragen ausdrucken und Ihre Antworten ergänzen.

  • Hat sich mein Zustand aus meiner Sicht seit der letzten Kontrolluntersuchung/dem letzten Arztbesuch verändert? Kam es zu einer Verbesserung, einer Verschlechterung, oder gab es einen stabilen Verlauf?
  • Kann ich noch alles machen, was ich vor 6 Monaten machen konnte?
  • Kann ich genau das was ich tun will immer genau dann machen, wenn ich es will?
  • Sind die Symptome über den ganzen Tag gleich oder verändern Sie sich im Verlauf des Tages und bessern sich durch die Einnahme der Medikamente? Falls sie sich verändern, sind die Symptome zu bestimmten Tageszeiten besonders stark?

Standardisierte Skalen zur Verlaufsbeobachtung und Stadieneinteilung

Zusätzlich zu Ihren Beobachtungen helfen Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt so genannte Skalen beim Einschätzen Ihres Krankheitsverlaufes. Skalen beurteilen Symptome aufgrund ihres Schweregrades und können dadurch dazu beitragen Veränderungen leichter zu erkennen. Bei Parkinson werden vor allem die Skala nach „Hoehn & Yahr“ und die „Unified Parkinson’s Disease Rating Scale“ (UPDRS) verwendet.

Wie funktioniert die Hoehn & Yahr-Skala?

Die Diagnoseskala nach Hoehn & Yahr teilt Morbus Parkinson grob in fünf Stadien ein. Die Einteilung orientiert sich an motorischen Symptomen wie der Haltungsinstabilität und berücksichtigt nicht-motorische Symptome nicht.

Wie funktioniert die UPDRS?

Die UPDRS ist deutlich komplexer als die Skala von Hoehn & Yahr. Dabei sieht sich Ihre Ärztin/Ihr Arzt an, wie sich die Krankheit auf Ihr Verhalten, Ihre Denkleistung, Stimmung und Aktivitäten des alltäglichen Lebens auswirkt. Zusätzlich werden Sie motorisch auf Haltungsstabilität, Gang und verschiedene Bewegungen untersucht. Als letztes werden Komplikationen der Krankheit, beispielsweise Dyskinesien und Fluktuationen, beurteilt.

L-Dopa-Test und Apomorphin-Test im Verlauf der Erkrankung

Den L-Dopa-Test und den Apomorphin-Test kennen viele PatientInnen aus der Phase der Diagnosestellung. Diese Tests werden im Verlauf der Erkrankung eingesetzt, um vor dem Einsatz von fortgeschrittenen Therapieoptionen deren Wirksamkeit zu testen beziehungsweise die passende Dosis zu ermitteln. Mehr zu den fortgeschrittenen Therapiemöglichkeiten erfahren Sie unter „Nicht-orale Therapiemöglichkeiten“.

Transkript

Kann eine Parkinson-Erkrankung wieder besser werden?

Ja, also eine Parkinson-Erkrankung wird besser, wenn sie gut auf Therapie anspricht. Das ist sozusagen das Übliche.

Spontan wird eine Parkinson-Erkrankung in der Regel nicht besser. Sie ist eine chronisch voranschreitende Erkrankung. Die Erkrankung ist gegenwärtig auch unheilbar.

Die Symptome können aber mit medikamentöser Therapie und nicht-medikamentöse Therapie deutlich gelindert werden.

Man weiß ja auch: Die Lebenserwartung der Parkinson-Patienten hat sich nach der Einführung der Dopa-Therapie Ende der 60er Jahre massiv verbessert. D.h., da sieht man also: Das ist ein Medikament, das wirklich auch langfristig anspricht und langfristig zu einer Verbesserung der Lebensqualität führt.

Welche Faktoren beeinflussen das Voranschreiten beim Morbus Parkinson?

Also es gibt zwei, drei Dinge, glaube ich, die wichtig sind.

  • Wahrscheinlich das Wichtigste ist das Voranschreiten des Nervenzellverlusts. Die Parkinson-Krankheit ist ja eine neurodegenerative Erkrankung. Was ist das? Das sind Erkrankungen, bei denen bestimmte Nervenzellen im Gehirn verloren gehen, ohne dass man die Ursache genau kennt. Im Gegensatz zu einem Schlaganfall passiert da nix akut, sondern aufgrund erblicher Grundlagen, bestimmter Umwelteinflüsse, die chronisch sehr lange wirken, gehen hier Nervenzellen sehr, sehr langsam über Jahre und Jahrzehnte verloren. Und wahrscheinlich ist die Dynamik, d. h. die Geschwindigkeit dieses Nervenzellverlustes in bestimmten Hirnregionen ganz entscheidend für das Voranschreiten der Symptome, auch der Erkrankung.
  • Das zweite ist natürlich: Wir versuchen diesem Nervenzellverlust entgegenzuwirken. Und da gibt’s einerseits die medikamentöse Therapie, die Symptome deutlich verbessern kann, sodass wir häufig beobachten, dass Patienten, die sehr, sehr gut ansprechen, zehn Jahre nach Beginn der Therapie in einem besseren motorischen Zustand sind als vor Beginn der Parkinson-Therapie, obwohl ja in diesen zehn Jahren sicher der Nervenzellverlust vorangeschritten ist. Also, es gibt einfach Patienten, die sehr, sehr gut ansprechen.
  • Und das dritte ist: Parkinson-Therapie, nicht nur medikamentöse Therapie. Wir wissen auch, dass nicht medikamentöse Maßnahmen den Verlauf der Erkrankung und vor allem die Symptome deutlich beeinflussen. Dazu gehört ganz, ganz zentral Bewegung. Bewegung ist also ganz was Entscheidendes. Man weiß, dass Patienten, Menschen, die immer sehr aktiv Sport betrieben haben, die haben schon von vornherein ein niedrigeres Parkinson-Risiko. Und wenn sie an Parkinson erkranken, haben sie eine langsamere motorische Verschlechterung. Und auch wenn man während der Parkinson-Krankheit noch sehr viel Sport und Bewegung macht, hat das auch einen sehr, sehr günstigen Einfluss auf die Symptome. Und die eigene Bewegung und der Sport kann natürlich noch, wenn spezielle Probleme auftreten, unterstützt werden durch spezifische, nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie, wenn es um Sprech- und Schluckprobleme geht.

Ist meine Lebenserwartung beeinträchtigt, wenn ich Parkinson im fortgeschrittenen Stadium habe?

Das ist eine schwierige Frage.

Man muss jetzt Folgendes sagen: Vor Einführung der Dopa-Therapie in den 60er Jahren war die Parkinson-Krankheit wirklich eine sehr, sehr schwere Erkrankung mit einer deutlich verkürzten Lebenserwartung.

Die Einführung der Dopa-Therapie dann vor 50 Jahren hat zu einer massiven Verbesserung der Lebensqualität und der Lebenserwartung der Parkinson-Patienten geführt. Man weiß sogar: In den ersten Jahren der Parkinson-Krankheit, in den ersten 5, 10 Jahren ist die Lebenserwartung vergleichbar mit der Allgemeinbevölkerung.

Man muss nur sagen: Es gibt dann natürlich nach 15, 20 Jahren eine Situation, in der die Krankheit von vielen Problemen dominiert wird, die nicht mehr so gut auf Parkinson-Medikamente anspricht.

Und in diesen Phasen können z.B. Stürze mit den daraus resultierenden Verletzungsfolgen, aber auch z.B. die Schluckstörungen mit daraus resultierenden Lungenentzündungen tatsächlich auch zu lebensbedrohlichen Konsequenzen und zu einer Verkürzung des Lebens führen.

Prognose bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson

Wie schnell die Erkrankung fortschreitet hängt vor allem von der Entwicklung des Nervenzellverlustes ab und davon, wie gut die Symptome durch medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen gelindert werden können.

Lebenserwartung bei Morbus Parkinson

Die Einführung der L-Dopa-Therapie, bei der durch Medikamente der Dopaminspiegel im Körper erhöht wird, hat seit den 60er-Jahren zu einer massiven Verbesserung der Lebenserwartung und Lebensqualität von Parkinson-PatientInnen geführt. In den ersten 5-10 Jahren der Erkrankung ist die Lebenserwartung von Parkinson-PatientInnen heute vergleichbar mit der Allgemeinbevölkerung. Im späteren Verlauf können sich Verletzungen nach Stürzen oder Lungenentzündungen durch Schluckstörungen auf die Lebenserwartung auswirken. Daher ist es wichtig, dass Symptome bestmöglich kontrolliert werden.

Körperliche Bewegung und Sport auch im fortgeschrittenen Stadium

Einen besonders wichtigen Beitrag können Sie selbst durch regelmäßige körperliche Bewegung leisten. Bewegung und körperliches Training haben einen günstigen Einfluss auf die Symptome und den Verlauf der Erkrankung. Sie steigern nicht nur das Wohlbefinden, sondern verbessern auch die motorische Koordination in Bezug auf Gangsicherheit, Körperhaltung und selbstständiges Bewegen. Was Sie dabei beachten sollten:

  • Als Parkinson-PatientIn sollten Sie bei Bewegung und Sport besonders auf Ihre körperliche Kondition, den Grad der Beweglichkeit und etwaige Begleiterkrankungen achten. Schnelle Sportarten wie Tennis oder Skifahren sind ungünstig, da dabei ein erhebliches Verletzungsrisiko besteht.
  • Besser geeignet sind auch im fortgeschrittenen Stadium vor allem Ausdauersportarten wie Wandern, Schwimmen, Nordic Walking, Radfahren oder auch Tanzen.
  • Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, welche Sportarten Ihnen Spaß machen und geeignet sind.
  • Das Verletzungsrisiko lässt sich zusätzlich verkleinern, indem Sie Bewegungseinheiten gut mit der Einnahme Ihrer Medikamente abstimmen. Trainieren Sie vor allem dann, wenn Ihre Medikamente am stärksten wirken.
  • Zusätzlich zur regelmäßigen Bewegung im Alltag können Physiotherapie oder Krankengymnastik Sie dabei unterstützen, passende Übungen zu erlernen oder spezielle Muskelgruppen zu stärken, um beispielsweise Gleichgewichtsstörungen auszugleichen.

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Geprüft Univ.-Prof. Dr. med. Walter Pirker: Stand Februar 2021

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