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Kurs Lebensqualität bei Myelom & Lymphom: Lektion 8 von 12

Bewegung und Sport können die Lebensqualität verbessern

Experten befürworten ein Bewegungsprogramm

Bis vor einigen Jahren wurde Patienten und Patientinnen mit einem Multiplen Myelom, Lymphom oder Leukämie grundsätzlich Ruhe verordnet. Heute weiß man, dass Bewegung sich fast immer positiv auf Körper und Psyche auswirkt, wenn sie an den Betroffenen angepasst wird. Ansonsten kommt es oft zu einem regelrechten Teufelskreis: Fehlende Bewegung führt zu eingeschränkter Beweglichkeit und einem Abbau der Muskeln, die Kraft nimmt ab, Betroffene haben weniger Energie und Lust etwas zu machen und bewegen sich noch weniger. Gezielte Bewegung oder leichter Sport können helfen, diesem Abbau entgegen zu wirken. Leiden Patienten oder Patientinnen unter Fatigue (Erschöpfungs-Syndrom), hilft ein Bewegungsprogramm oft gegen diese Müdigkeit. Nähere Informationen zum Thema Fatigue finden Sie im Kapitel “Umgang mit Fatigue”. Auch das Immunsystem profitiert von Bewegung. Weitere Tipps zur Stärkung des Immunsystems finden Sie im Kapitel “Bewegung kann hilfreich sein”. Sport kann außerdem die Selbstheilungskräfte anregen. Auch bei Depressionen und Ängsten kann die körperliche Aktivität helfen, die Krankheit zu bewältigen und wieder Vertrauen in sich und seine Kräfte zu finden.

Bewegung und Sport auch während einer Therapie?

Je fitter man in eine Chemotherapie, Operation, Stammzelltransplantation oder Bestrahlung geht, desto besser übersteht man sie oft.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, sich auch während oder direkt nach einer Therapie körperlich zu betätigen. Gemäßigte Bewegung kurbelt das Immunsystem an und bewirkt oft, dass Therapien sogar besser vertragen werden.

Liegt jedoch eine Anämie, Polyneuropathie oder eine akute Infektion vor, wird der Arzt von Bewegung vielleicht für einen gewissen Zeitraum ganz abraten. Auch wenn die Therapie das Herz belastet, kann Sport riskant sein. Die Art und der Umfang der Bewegung sollte deshalb immer mit dem Arzt abgestimmt werden.

Tipps: Das passende Bewegungsprogramm

Pauschale Empfehlungen kann es hier nicht geben, da die Möglichkeiten der Bewegung sehr stark vom Alter, der Art der Erkrankung, der Art der Therapie, dem Allgemeinzustand und von Begleiterkrankungen abhängig sind. Hören Sie im Zweifelsfall auf ihren eigenen Körper. Überfordern sie sich nie und nehmen Sie sich Ruhephasen, wann immer Sie das Bedürfnis danach haben.

Sport in der Gruppe

In der Gruppe macht vielen Menschen Sport einfach mehr Spaß. Die Motivation steigt, wenn man einen festen Termin zum Sport hat. Das kann ein Verein, ein Kurs, eine Rehasportgruppe oder einfach eine regelmäßige Verabredung mit einem Freund oder einer Freundin sein.

Wo findet man passende Kurse?

Wer sich bewegen möchte, sich aber einem Sportprogramm für gesunde Menschen nicht gewachsen fühlt, der findet zahlreiche Möglichkeiten.

In Kliniken und Rehabilitations-Einrichtungen werden physiotherapeutische Kurse und Patienten-gerechte Kurse angeboten. Große Kliniken bieten zudem oft die Möglichkeit, sich in einer Sprechstunde gezielt zu einem Sportprogramm beraten zu lassen.

In der Krebsnachsorge übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung in vielen Fällen die Kosten für bestimmte Kurse in Reha-Einrichtungen oder Sportvereinen. Viele Kassen können Tipps geben, wo solche Kurse angeboten werden.

Volkshochschulen bieten oft Kurse, die sich auch für Krebspatienten eignen. Fragen Sie im Zweifel nach, welcher Kurs machbar ist.

Auch der Behindertensportverband (Para-Sport Austria), die Österreichische Bundes-Sportorganisation (BSO) und lokale gemeinnützige Sportvereine bieten Rehasportgruppen oder können Ihnen verschiedene Kurse in Ihrer Region empfehlen.

Krebsberatungsstellen und Selbsthilfegruppen geben ebenfalls gerne Auskünfte zu Bewegungsprogrammen und Sportangeboten.

Welche Sportart ist die richtige?

Wer körperlich noch nicht voll belastbar ist, für den eignen sich gemäßigte Sportarten. Dazu gehören Spaziergänge, kürzere Wanderungen, Nordic Walking, langsameres Schwimmen, Radfahren (in flachem Gelände), Standardtanz oder Yoga. Auch Hausarbeiten und Gartenarbeit können anstrengend sein und sorgen für Bewegung. Wer schon verhältnismäßig fit ist und sein Bewegungsprogramm steigern möchte, kann auf intensivere Sportarten wie Joggen, Rudern, Ballsportarten, zügiges Schwimmen oder Fitnesstraining mit Gewichten umsteigen.

Im Folgenden finden Sie einige Ideen für unterschiedliche Bewegungsarten:

Aufwärmen

Fangen Sie jede Bewegung immer mit einigen Minuten Aufwärmtraining an, um den Körper auf „Betriebstemperatur“ zu bringen und Verletzungen vorzubeugen. Gute Übungen sind: Schulterkreisen, auf der Stelle marschieren oder Kreisen der Arme.

Ausdauertraining

Übungen für die Ausdauer stärken das Herz-Kreislauf-System und machen belastbarer. Wichtig: Die Übungen sollen Sie nicht atemlos machen oder stark zum Schwitzen bringen. Passen Sie das Training an ihre ganz eigenen Voraussetzungen an. Gute Übungen sind: Spaziergengehen, Nordic Walking, Wandern, Schwimmen oder Skilanglauf. Für den Beginn kann ein sogenanntes Intervalltraining sinnvoll sein. Wechseln Sie drei Minuten zügiges Gehen immer mit einer Minute Pause ab.

Krafttraining

Krafttraining baut Muskeln auf und erhöht die Kraft. Aufgebaute Muskulatur stützt den Körper und beugt so Beschwerden wir Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen vor. Das Krafttraining muss nicht im Fitnesscenter an Geräten durchgeführt werden. Viele Übungen lassen sich auch zuhause mit dem eigenen Körpergewicht oder kleine Hanteln ausführen. Das Programm sollte aber am besten mit einem Experten abgestimmt werden, da eine falsche Ausführung zu Fehlbelastungen führen kann.

Balance- und Koordinationsübungen

Das Gleichgewicht und die Körperbalance können Sie mit einfachen Übungen stärken. Mögliche Übungen sind das Stehen auf einem Bein (dabei können Sie sich zu Beginn zur Sicherheit mit der Hand festhalten), rückwärts gehen, Knie anheben, die Ferse zum Po heben oder das seitliche Beinheben. Wer sich steigern will, der verlagert die Übungen auf einen instabileren Untergrund (z.B. eine doppelt zusammengelegte Yogamatte).

Beweglichkeit

Dehnübungen helfen, die Flexibilität von Muskeln und Sehnen zu erhalten. Sie verbessern die Gelenkigkeit und lockern die Muskulatur. Jede Übung sollte langsam durchgeführt werden (nicht ruckartig). Die Position sollte man mindestens 10 (besser 20 bis 30) Sekunden lang gehalten werden. Wählen Sie für sich individuell Übungen aus, die Arme, Waden, Oberschenkel oder Rücken dehnen. Viele nützliche Anleitungen und Ideen für Dehnübungen bekommen Sie in Kursen oder online.

Onko-Walking

Speziell für Krebspatienten ausgerichtet ist das sogenannte Onko-Walking. Normales Gehen oder Nordic Walking wird nach einer speziellen Technik ausgeführt, die Sie sich am besten in einem Kurs zeigen lassen.

Geprüft Dr. Adalbert Weißmann: Stand 21.03.2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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