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Kurs Lebensqualität bei Myelom & Lymphom: Lektion 5 von 12

Ernährung während und nach einer Chemotherapie

Beim Thema Essen und Trinken sind sich Krebspatienten und -patientinnen oft unsicher. Man findet viele Tipps zur Ernährung während der Krebsbehandlung. Experten beurteilen „Krebsdiäten“ jedoch meist kritisch, da sie oft belastend und einseitig sind. Viel wichtiger ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung unter der Berücksichtigung der individuellen Ausgangssituation (Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen, Übergewicht oder krankheitsbedingter Gewichtsverlust). Während einer Chemotherapie können außerdem Nebenwirkungen auftreten, die die Nahrungsaufnahme beeinflussen.

Im Folgenden finden Sie einige allgemeine Tipps, wie eine gesunde Ernährung aussieht, und wie man ernährungstechnisch mit Begleitfolgen der Chemotherapie umgehen kann.

Ernährung während einer Chemotherapie

Generell gilt während einer Chemotherapie: Versuchen Sie nicht, sich an eine bestimmte Diät zu halten. Das ist nicht die Zeit, in der das Essen zum zusätzlichen Stress werden sollte. Gönnen Sie sich alles, was Ihnen gut tut. Essen Sie dann, wann Sie Appetit haben. Zu viele Ballaststoffe oder Rohkost sind während einer Therapie oft weniger gut verträglich. Achten Sie darauf, welche Signale Ihr Körper Ihnen sendet und richten Sie sich möglichst danach. Oft weiß der eigene Körper am besten, was gut für ihn ist.

Während einer Chemotherapie können Nebenwirkungen auftreten, die die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen.

Bei Geschmacksstörungen kann es helfen, mit mehr Kräutern zu würzen, damit die Nahrung trotzdem schmeckt. Auch ein Spritzer Zitronensaft kann manchmal helfen, einen unangenehmen Geschmack zu neutralisieren.
Manchmal schmecken bestimmte Dinge plötzlich nicht mehr, dafür hat man Lust auf Dinge, die man sonst nicht mochte. Passen Sie Ihren Speiseplan an Ihren ganz persönlichen Appetit an.

Bei Durchfall und Erbrechen ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zuzuführen, zum Beispiel auch in Form von salzigen Flüssigkeiten wie Bouillon. Wer unter Durchfall leidet, sollte Rohkost, frisches Obst und blähendes Gemüse besser meiden.

Leiden Sie unter Übelkeit, dann sind mehrere, kleine Mahlzeiten meist besser verträglich. Toast, Zwieback und Reis sind besonders magenschonend. Milchprodukte und Obst vertragen manche Patienten in flüssiger Form besser (zum Beispiel ein Smoothie mit Joghurt).

Kommt es zu Entzündungen im Mund oder der Speiseröhre, sollten Sie keine Säure (Fruchtsaft, Essig) und keine scharfen Gewürze zu sich nehmen. Oft hilft es auch, wenn die Nahrung nur wenig gekaut werden muss. Hier eignen sich Cremesuppen und pürierte Speisen, aber auch Hackfleischgerichte, Nudeln oder Fisch.

Bei Gewichtsverlust sollte man bewusst kalorienreichere Lebensmittel essen. Statt Wasser zu trinken, können Gemüse- oder Fruchtsäfte (wer mag mit einem Schuss Öl) oder Milchshakes wichtige Nährstoffe liefern.

Es gibt einige Nahrungsmittel, die man während einer Therapie meiden sollte. Nicht alle Medikamente vertragen sich mit jedem Getränk oder Lebensmittel. Tabletten sollte man nie mit Milch einnehmen. Grapefruits und Grapefruitsaft sollte man generell meiden, da die Frucht mit vielen Arzneimitteln in Wechselwirkung tritt. Kaffee, Schwarztee, Cola-Getränke und alkoholische Getränke können unter Umständen ebenfalls mit einigen Wirkstoffen reagieren.

Nach der Chemotherapie: Welche Lebensmittel man zu sich nehmen sollte

Die Beeinflussung einer bestehenden Krebserkrankung oder des Therapieerfolges ist durch Ernährung alleine nicht möglich. Eine gesunde, ausgewogene Kost, die ausreichend Antioxidantien, ungesättigte Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe enthält, kann den Körper jedoch optimal in seiner Selbstheilungskraft unterstützen.

Essen Sie möglichst viele frische, unverarbeitete Lebensmittel. Gemüse liefert wertvolle Vitamine und Spurenelemente. Früchte haben viele Vitamine. Besonders Beerenfrüchte enthalten zudem große Mengen an Antioxidantien.

Statt auf Zucker und Weißmehlprodukte sollten Sie möglichst oft auf Vollkorn zurückgreifen. Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen oder Erbsen sind reich an Mikronährstoffen, Ballaststoffen und Antioxidantien.

Außerdem benötigt der Körper ungesättigte Fettsäuren in ausreichender Menge. Öle wie Olivenöl, Rapsöl, Leinöl, Maiskeimöl, Weizenkeimöl und Distelöl sind reich an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Bestimmte essentielle Omega-3-Fettsäuren findet man in fettreichem Fisch (Lachs, Thunfisch, Makrele oder Hering).

Welche Nahrungsmittel Krebspatienten meiden sollten

Um den Körper nicht zusätzlich zu belasten, empfehlen Experten, möglichst auf Nahrungsmittel mit künstlichen Zusatzstoffen zu verzichten. Bei einigen Substanzen ist eine zellschädigende oder krebserregende Wirkung nachgewiesen worden und gerade Krebspatienten und -patientinnen sollten diese meiden.

Dazu gehören die offensichtlichen Kandidaten wie übermäßiger Alkoholkonsum und Zigarettenrauch (aktives oder passives Rauchen), aber auch einige weitere Stoffe. Acrylamid entsteht beim Grillen, Backen und Frittieren bei hohen Temperaturen. Kartoffelchips, Pommes oder industriell hergestellte Kekse enthalten oft Acrylamid und sollten daher nicht zu häufig gegessen werden. Alternativ kann man diese Lebensmittel selber herstellen und möglichst kurz bei geringer Hitze backen. 4-Methylimidazol (kurz: 4-MEI) ist ein Zusatzstoff, der in Zuckercouleur (E150c) enthalten ist. Dieser wird als brauner Farbstoff zum Beispiel in Cola verwendet und erwies sich in Tierversuchen als krebserregend.

Während und nach der Chemotherapie: Hilfreiche Ernährungs-Tipps

Viel trinken ist wichtig. Über den Tag verteilt immer wieder kleinere Mengen trinken. Ideal sind eineinhalb bis zwei Liter am Tag, am besten Wasser oder Tee. Bei Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust eignen sich auch kalorienreiche Getränke, wie zum Beispiel ein Obst- oder Gemüse-Smoothie. (Tipp: Stellen Sie einen gefüllten Krug und ein Glas bereit, dadurch werden Sie tagsüber immer wieder ans Trinken erinnert.)

Nahrungsergänzungsmittel sollten nie ohne den Rat eines Arztes eingenommen werden und sind meist auch nicht notwendig. In bestimmten Fällen kann die Gabe von Eisen und Vitamin C zur Entzündungshemmung und Blutbildung nützlich sein.

Das Drumherum spielt eine große Rolle dabei, wie gut uns das Essen schmeckt und wie wir es genießen können. Achten sie auf eine angenehme Umgebung, richten Sie die Mahlzeit besonders appetitlich an. Manchen Menschen schmeckt das Essen mit Ablenkung (wie zum Beispiel Fernsehen) besser.

Hilfe beim Essen kann in bestimmten Phasen notwendig sein. Vielleicht sind Sie zu müde oder zu kraftlos. Dann können schon Kleinigkeiten hilfreich sein, die Angehörige oder Pflegepersonal für Sie tun. Scheuen Sie sich nicht zu fragen, wenn Sie statt am Bett lieber am Tisch essen möchten, wenn Sie kleingeschnittenes Essen besser zu sich nehmen können oder Ihnen Gesellschaft beim Essen hilft.

Der Arzt kann helfen und beratend zur Seite stehen, sobald Patienten und Patientinnen sich mit der Ernährung unwohl fühlen, plötzliche Appetitlosigkeit oder Unverträglichkeiten auftreten.

Genießen Sie Ihr Essen. Was man nie vergessen sollte: Essen ist immer auch ein Stück Lebensqualität. Gönnen Sie sich ruhig etwas, wenn Ihnen danach ist. Dunkle Schokolade und Rotwein enthalten sogar Polyphenole, die antioxidativ wirken.

Geprüft Dr. Adalbert Weißmann: Stand 21.03.2018

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