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Kurs Lebensqualität bei Myelom & Lymphom: Lektion 1 von 12

Fatigue: Wie Betroffene mit der Müdigkeit und Erschöpfung umgehen können

Fatigue (ausgesprochen: „Fatieg“) wird auch Fatigue-Syndrom oder Erschöpfungs-Syndrom genannt. Diese besondere Form der Müdigkeit begleitet verschiedene chronische Erkrankungen, zum Beispiel Krebs. Hier erfahren Sie alles, was es über Fatigue zu wissen gibt, wie man damit umgeht und was man dagegen tun kann.

Fatigue ist mehr als normale Müdigkeit

Müde oder erschöpft fühlt sich jeder ab und zu. Doch die Fatigue unterscheidet sich deutlich davon. Während ein gesunder Mensch sich nur ausruhen und richtig ausschlafen muss, um wieder fit zu sein, lässt sich bei dem Vorliegen eines krankhaften Erschöpfungssyndromes die Schwäche durch Schlaf nicht überwinden. Für Außenstehende ist diese extreme Müdigkeit oft schwer nachzuvollziehen. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene darüber sprechen.

Fast alle Patienten und Patientinnen mit Multiplen Myelom oder Lymphom sind ein oder mehrmals im Lauf ihrer Erkrankung und deren Therapie von Fatigue betroffen. Bei vielen Betroffenen ist es sogar das Symptom, das am schwerwiegendsten in Erscheinung tritt und am belastendsten empfunden wird. Die Ursachen für die Fatigue können sehr unterschiedlich sein. Meist spielen mehrere Auslöser zusammen (multifaktorielle Entstehung). Wichtig ist, mit dem Arzt darüber zu sprechen, damit eine Diagnose und Behandlung möglich ist.

Mögliche Ursachen für die Fatigue

  • Die Tumorerkrankung selbst
  • Depressionen, depressive Verstimmungen und andere psychische Faktoren
  • Schlafstörungen
  • Fieber und Schmerzen, die Kraft rauben
  • Muskelabbau durch fehlende Bewegung
  • Nebenwirkung der Behandlungen
  • Begleiterkrankungen und Organschäden
  • Anämie durch Veränderungen am blutbildenden System bzw. Knochenmark
  • Hormonelle Einflüsse (Schilddrüse, Nebenniere …)
  • Appetitverlust und Mangelernährung
  • Infektionen

Was gegen das Fatigue-Syndrom hilft

Häufig halten Betroffene die Erschöpfung für eine normale, nicht zu ändernde Begleiterscheinung der Erkrankung oder der Behandlung. Sie denken, dass sie „da jetzt durch müssen“ oder möchten nicht unnötig jammern, denn sie sind ja „nur müde“. Dabei kann die Ursache der Fatigue oft behandelt werden oder die Symptome gemindert werden. Im Folgenden haben wir Tipps zusammengestellt, die ergänzend beim Umgang mit Fatigue helfen können.

Alltag anpassen

Zu welcher Tageszeit fühlen Sie sich am fittesten? Legen Sie Aktivitäten in diesen Zeitraum. Gönnen Sie sich Pausen und erleichtern Sie sich körperlich anstrengende Arbeiten soweit wie möglich.

Helfen lassen

Sagen Sie offen, wenn Ihnen etwas zu viel wird. Erklären Sie Freunden und Familien, was Fatigue ist und warum Sie dadurch im Moment weniger leistungsfähig sind. Nehmen Sie Hilfe dankend an.

Bewegung und Sport

Regelmäßige Bewegung wirkt der Müdigkeit entgegen und kann Fatigue mindern. Experten empfehlen dreimal die Woche ein Sportprogramm, das individuell an die Leistungsfähigkeit des Einzelnen angepasst ist.

Das richtige Bewegungsprogramm finden

Gerade für Patienten mit Fatigue ist es oft schwer, die Energie für regelmäßige Bewegung zu finden. Sport klingt oft nach Leistung und Anstrengung. Das muss aber nicht sein: Finden Sie für sich die Art von Bewegung, die Ihnen Spaß macht und die Sie leisten können. Für den Beginn reicht vielleicht schon ein Spaziergang, angepasste Physiotherapie oder leichte Dehnübungen. Mehr Tipps zur Bewegung finden Sie im Kapitel “Bewegung kann hilfreich sein”.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Spurenelementen, wenig tierischen Fetten und viel frischem Obst und Gemüse kann sich positiv auf die Fatigue auswirken. Wichtig außerdem: Genug trinken. Weitere Tipps zur Ernährung bei Krebserkrankungen finden Sie im Kapitel “Gesunde Ernährung”.

Achtsamkeit – auf die „innere Stimme“ hören

Achten Sie auf Ihren Körper und finden Sie heraus, wann Ihre Hochs und Tiefs sind. Was macht Sie besonders müde? Wann fühlen Sie sich gut? Ein sogenanntes „Fatigue-Tagebuch“ (siehe unten) kann helfen, sich über seine ganz individuellen Müdemacher und Fitmacher besser klar zu werden.

Schlaf, Entspannung und Ruhephasen

Gönnen Sie sich Ruhephasen am besten schon dann, bevor die große Erschöpfung zuschlägt. Wichtig ist auch ausreichender Schlaf in der Nacht. Ist der Nachtschlaf gestört kann der Arzt etwas dagegen empfehlen (oft reichen schon pflanzliche Mittel aus). Oft können auch Entspannungsübungen (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung) oder fernöstliche Meditationstechniken wie Tai-Chi, Qigong oder Yoga helfen, Entspannung zu finden. Mehr zum Thema Entspannung finden Sie im Kapitel „Entspannung und Psyche“.

Akzeptieren

Fast jeder, der unter Fatigue leidet, kennt es: Selbstzweifel kommen auf. Man ist wütend auf sich selber, weil man die einfachsten Dinge nicht schafft. Der Umgang mit Fatigue wird einfacher, wenn man sie als (vorübergehende) Einschränkung des Alltags akzeptiert. Finden Sie Ihren ganz eigenen Weg, mit der Müdigkeit zurecht zu kommen, ohne sich unter Druck zu setzen.

Das Fatigue-Tagebuch

Fatigue kann sich individuell ganz unterschiedlich äußern. Für Fatigue-Betroffene aber auch für den Arzt ist es wichtig herauszufinden, was gut tut, was müde macht und zu welchen Zeiten man sich am fittesten und belastbarsten fühlt. Auf diese Zeiten lassen sich dann Unternehmungen, Bewegungsprogramme oder sonstige Tätigkeiten legen.

Wie füllt man das Fatigue-Tagebuch richtig aus?

Hier sehen Sie beispielhaft, wie ein Fatigue-Tagebuch für einen Tag aussehen könnte. Sinnvoll ist es, das Tagebuch über mehrere Wochen zu führen und anschließend auszuwerten. Tragen Sie alle Gelegenheiten ein, an denen Sie sich müde fühlen, aber auch wenn Sie sich besonders fit fühlen.

Geprüft Dr. Adalbert Weißmann: Stand 21.03.2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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