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Kurs Lebensqualität bei Myelom & Lymphom: Lektion 3 von 12

Umgang mit Polyneuropathie

Polyneuropathien entstehen durch Nervenschädigungen. Ihre Auswirkungen sind für Betroffene oft belastend. Taubheitsgefühle, Brennen, Kribbeln und Stechen sind nicht nur schmerzhaft, sondern können auch dazu führen, dass das Tastgefühl in Händen oder Füßen mehr oder weniger stark eingeschränkt ist.

Der Arzt wird die Polyneuropathie medikamentös oder vielleicht auch mit Physiotherapie, Ergotherapie, bestimmten Badeanwendungen und Elektrotherapien behandeln.

Wir möchten Ihnen hier Tipps geben, was Sie selbst tun können, um sich oder Ihrem Angehörigen das Leben zu erleichtern.

Bei einigen Patienten bilden sich Neuropathien nur sehr langsam oder gar nicht zurück. In diesen Fällen sind bestimmte Vorkehrungen notwendig, die langfristig den Alltag erleichtern. Entscheiden Sie selbst, welche der folgenden Tipps für Ihre ganz persönliche Situation hilfreich sein könnten.

Tipps für Lymphom- und Myelom-Patienten zum Umgang mit peripheren Polyneuropathien (PNP)

Arzt informieren

Teilen Sie Ihrem Arzt – vor allem während einer laufenden Therapie – unbedingt mit, sobald sie mögliche Polyneuropathie-Symptome bei sich beobachten. Sie müssen keine Angst haben, dass deshalb die Behandlung abgebrochen wird. Eine rechtzeitige Umstellung der Therapie, niedrigere Dosierung oder andere Darreichungsformen können Polyneuropathien verhindern oder bewirken, dass sie sich vollständig zurückbilden.

Umgang mit Schmerzen

Bei Polyneuropathien kann es zu stechenden oder brennenden Schmerzen kommen. Nicht immer kann oder will man diese mit Schmerzmitteln lindern. Alternative Tipps zum Umgang mit Schmerzen finden Sie hier im Kapitel “Was hilft gegen Schmerzen?”.

Besser schlafen

Polyneuropathien sorgen manchmal dafür, dass der Nachtschlaf gestört ist. Ihr Arzt kann Ihnen entsprechende Medikamente verschreiben, die Sie besser einschlafen oder durchschlafen lassen. Eine Alternative: Vielleicht helfen Ihnen Entspannungsübungen beim Einschlafen. Informationen zur Entspannung finden Sie im Kapitel “Entspannung und Psyche”.

Hilfe annehmen

Polyneuropathien schränken ein. In stark ausgeprägten Fällen ist das Greifen und Halten von Gegenständen nicht mehr so einfach möglich. Andere PatientInnen laufen unsicher, da das Gefühl in den Füßen fehlt. Um Unfälle zu vermeiden: Sprechen Sie offen mit Ihren Freunden und Angehörigen darüber. Lassen Sie sich helfen.

Die Umgebung sichern

Wer sich unsicher bewegt, sollte alle Stolperfallen (Teppichränder, Kanten) entfernen. Gutes Schuhwerk mit festen Sohlen – auch in der Wohnung – kann besseren Halt geben. Auch Hilfsmittel wie Krücken, Rollator oder Haltegriffe im Bad können nützlich sein. Vor allem bei länger andauernden Polyneuropathien lohnen sich solche Anschaffungen.

Verletzungen vorbeugen und erkennen

Wer kein Gefühl in Händen oder Füßen hat, bemerkt kleine Verletzungen oft gar nicht. Professionelle Fußpflege oder Maniküre hilft, um Verletzungen beim Nagelschneiden zu vermeiden. Feste Schuhe schützen die Füße. Schutzhandschuhe können bei Arbeiten getragen werden, bei denen man sich leicht Kratzer oder Schnitte holen kann.

Schutz vor Kälte

Verschlechtern sich Ihre Probleme bei Kälte? Dann schützen Sie sich besonders gut bei kaltem Wetter, zum Beispiel mit warmem Schuhwerk und isolierenden Handschuhen. Auch Getränke und Speisen sollten nicht eisgekühlt sein.

Alternative Heilmethode

Alternative Heilmethoden wie die Akupunktur scheinen bei einigen Patienten die Beschwerden zu lindern.

Vorsicht

Ein letzter Tipp: Betrachten Sie manche Ratschläge mit Vorsicht. Viele Menschen kennen Neuropathien aus dem Diabetes-Bereich. Mittel, die hier helfen, nutzen bei Lymphom- oder Myelompatienten oft nichts. Manchmal wird zu Sport und Bewegung geraten. Dies sollte jedoch immer vorher mit dem Arzt besprochen werden, auch im Hinblick auf eine mögliche Verletzungsgefahr, wenn Gefühlsstörungen in den Füßen und Beinen bestehen. Vorsicht auch bei Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. Vitamine), denn sie schaden manchmal mehr als sie nutzen.

Geprüft Dr. Adalbert Weißmann: Stand 21.03.2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.