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Kurs Metastasierten Brustkrebs verstehen: Lektion 3 von 6

Diagnoseverfahren bei metastasiertem Brustkrebs

Beim Verdacht auf Brustkrebs mit Metastasen ist eine Reihe von Untersuchungen nötig, um eine endgültige Diagnose zu stellen. Die Zeit bis dahin ist eine Zeit des Bangens in der man mit vielen neuen Situationen und Begriffen konfrontiert wird. Diese Lektion soll Ihnen dabei helfen, die einzelnen Schritte der Diagnose von Metastasen bei Krebs besser zu verstehen.

Video Transkript

Welche Rolle spielen Symptome bei der Früherkennung von Metastasen?

Auch wenn diese Früherkennungsuntersuchungen uns immer mehr erlauben, fortgeschrittenen Brustkrebs früh zu entdecken, so ist es doch wichtig, dass man sich selbst auch immer wieder hinsichtlich von Symptomen und Beschwerden genau evaluiert. Der menschliche Körper ist das wahrscheinlich genaueste und sensibelste Messinstrument. Daher ist es eben so wichtig, auf Beschwerden und Symptome zu achten und im Falle von Unklarheiten einen Arzt aufzusuchen.

Welche Untersuchungen werden bei Verdacht auf metastasierten Brustkrebs durchgeführt?

Bei Verdacht auf metastasierten Brustkrebs untersuchen wir typischerweise die Leber, die Lunge und die Knochen.

Und es gibt eine Reihe von Techniken, mit denen man das sehr effektiv tun kann:

  • Die Computertomographie untersucht Leber und Lunge,
  • die Szintigraphie typischerweise die Knochen.
  • Inzwischen findet die PET-Untersuchung immer mehr Eingang in die Durchuntersuchungen. Hier kann der gesamte Körper in Einem untersucht werden.

Werden diese Untersuchungen routinemäßig durchgeführt?

Wir untersuchen zunächst immer jenes Organ, in dem wir die Metastase vermuten. Im Falle von Atemnot ist das zunächst die Lunge. Und wenn wir dann in der Lunge eine Metastasierung feststellen, so untersuchen wir in der Folge auch alle anderen relevanten Organe. Dazu gehören beispielsweise die Leber, die Knochen oder das Gehirn.

Was passiert bei der Computer-Tomographie?

Bei der Computertomographie (CT) wird der Körper, wenn Sie so wollen, digital in Scheiben geschnitten. Es werden kleine dünne Schichten, die die Leber oder die Lunge beinhalten, untersucht. Und das erlaubt uns sehr genau und sehr exakt, Metastasen zu lokalisieren, zu vermessen und das Ansprechen auf eine Therapie zu evaluieren.

Was passiert bei der Knochenszintigraphie?

Bei der Knochenszintigraphie wird Patienten eine radioaktive Flüssigkeit in die Armvene eingespritzt. Nach einer entsprechenden Wartezeit wird die Aufnahme der radioaktiven Flüssigkeit in das Knochen- und Skelettsystem untersucht. Und immer da, wo es zu einer vermehrten Aufnahme von Kontrastmittel kommt, sehen wir, dass möglicherweise sich dahinter eine Metastase des Knochens verbirgt. Und das wird dann üblicherweise mit einer noch präziseren Untersuchung, der sogenannten Magnetresonanztomografie (MRT) genauer abgeklärt.

Was passiert bei der PET-Untersuchung?

Die PET-Untersuchung ist eine immer noch sehr kostspielige und aufwendige Untersuchung. Dabei wird ein Kontrastmittel über die Armvene eingespritzt wird und die Aufnahme dieses Kontrastmittel in den unterschiedlichsten Organen untersucht. Immer da, wo man eine gesteigerte Aufnahme des Kontrastmittels sehen kann, muss vermutet werden, dass sich Metastasen befinden.

Der Vorteil des PETs ist, dass mit einer Untersuchung der gesamte Körper begutachtet werden kann.

Was versteht man unter der „TNM-Klassifikation“ des Tumors?

Die TNM-Klassifikation ermöglicht uns Ärzten, auf einen Blick das Stadium, das Erkrankungsausmaß und die Prognose einer Patientin einzuschätzen. „T“ steht für die Tumorgröße, „N“ steht für den Befall von Lymphknoten, und „M“ ist eine Information, ob der Krebs bereits metastasiert hat, das heißt, ob es sich um ein frühes oder ein fortgeschrittenes Krebsstadium handelt.

Was versteht man unter „Grading“?

„Grading“ gibt uns ein Bild vom biologischen Verhalten eines Tumors, also eine Art erster Überblick über die Frage: „Ist der Tumor sehr aggressiv, oder hat er ein eher gutmütiges biologisches Verhalten?“

Wir teilen in drei Stufen ein: G1, G2 und G3. Dabei bedeutet G1, dass der Tumor von seinem biologischen Verhalten aufgrund der Begutachtung im Lichtmikroskop eher als gutmütiger einzuschätzen ist, also weniger häufig Metastasen macht. Und G3 ist natürlich genau das Gegenteil: Diese Tumoren wachsen sehr rasch, wachsen sehr gerne in die Umgebung hinein und führen letztendlich häufig zum Auftreten von Metastasen, sind also besonders ungünstig in ihrer Prognose.

Auf den Punkt gebracht

Diagnoseverfahren bei metastasiertem Brustkrebs

  • Das genaueste Messinstrument zur Entdeckung von Metastasen ist immer noch der eigene Körper, daher sollten Sie genau auf mögliche Symptome achten.
  • Bei Verdacht auf Metastasen werden Leber, Lunge und Knochen durch Computer-Tomographie, Knochenszintigraphie oder PET-Untersuchung untersucht.

Wie wird der Primärtumor diagnostiziert?

Erste Hinweise auf eine Veränderung in der Brust ergeben sich häufig aus einer Tastuntersuchung. Von einem Tastbefund sollte man sich jedoch nicht allzu sehr beunruhigen lassen; es gibt mehr gutartige Brusttumore als bösartige.

Bei auffälligem Tastbefund oder im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung wird eine Mammographie durchgeführt. Damit lassen sich auch kleine, noch nicht tastbare Knötchen und Mikroverkalkungen erkennen.

Bei sehr dichtem Drüsengewebe kann ein ergänzender Ultraschall (Sonographie) der Brust Aufschluss geben.

Eine Magnetresonanztomographie (MRT) wird durchgeführt, wenn Befunde aus den Voruntersuchungen fraglich sind, wenn eine hohe familiäre Brustkrebs-Vorbelastung besteht oder bei Patientinnen mit Brustimplantaten.

Das Ergebnis von Mammographie, Ultraschall oder MRT wird mit der BIRADS-Klassifikation (Breast Imaging Reporting And Data System) eingestuft.

Was bedeutet BIRADS?

BIRADS 1: Negativ, normales Erscheinungsbild

BIRADS 2: Gutartiger Befund, normales Erscheinungsbild

BIRADS 3: Wahrscheinlich gutartiger Befund

BIRADS 4: Verdächtige Veränderung, möglicherweise bösartig

BIRADS 5: Hochgradiger Verdacht auf Bösartigkeit

Endgültige Klarheit über die Art einer Gewebeveränderung bringt oft erst eine Biopsie. Eine mittels einer Hohlnadel entnommene Gewebeprobe wird unter dem Mikroskop feingeweblich untersucht. So lassen sich die Zellmerkmale eines etwaigen Tumors zweifelsfrei bestimmen. Eine Biopsie wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist in der Regel nicht schmerzhaft.

Wie diagnostiziert man Metastasen?

Steht die Diagnose Brustkrebs zweifelsfrei fest, wird im Gespräch mit den behandelnden ÄrztInnen das weitere Vorgehen besprochen. Welche Schritte nun gesetzt werden, ist abhängig von der Art und der Größe des Tumors und davon, ob die der Brust nächstgelegenen Lymphknoten Auffälligkeiten zeigen.

Gegebenenfalls werden folgende Untersuchungen durchgeführt, um Metastasen auszuschließen.

Skelettszintigraphie

Diagnoseverfahren bei metastasiertem Brustkrebs: Skelettszintigraphie

Skelettszintigraphie

Eine schwach radioaktive Substanz wird injiziert. Sie reichert sich in Geweben mit erhöhtem Stoffwechsel (wie z. B. Knochenmetastasen) an und kann über eine „Strahlenkamera“ sichtbar gemacht werden.

Sonographie

Sonographie eines Mammakarzinoms

Sonographie

Ein Ultraschall des Oberbauchs dient der Suche nach Lebermetastasen.

Lungen-Röntgen

Diagnoseverfahren bei metastasiertem Brustkrebs: Lungenröntgen

Lungen-Röntgen

Ein Lungen-Röntgen (auch Röntgen Thorax) wird gemacht, um Lungenmetastasen auszuschließen.

Computertomographie (CT)

Diagnoseverfahren bei metastasiertem Brustkrebs: Computertomographie

Computertomographie (CT)

Eine CT kann anstelle von Ultraschall oder Lungen-Röntgen erfolgen und liefert Schnittbilder der untersuchten Körperregion.

Ergeben sich aus diesen Untersuchungen Hinweise auf Metastasen oder unklare Befunde, können zwei weitere Verfahren Aufschluss geben.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Magnetresonanztomographie (MRT) der Brust

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die Magnetresonanztomographie (MRT) liefert feinste Schnittbilder vor allem von weichen Körpergeweben.

Positronenemissionstomographie (PET)

Diagnoseverfahren bei metastasiertem Brustkrebs: Positronenemissionstomographie (PET)

Positronenemissionstomographie (PET)

Eine PET funktioniert wie die Szintigraphie über die Anreicherung einer schwach radioaktiven Substanz. Die für die PET verwendete Strahlung ermöglicht aber besonders detailgenaue Bilder.

Kombination von PET und CT (PET/CT)

Diagnoseverfahren bei metastasiertem Brustkrebs: CT

Kombination von PET und CT (PET/CT)

Durch eine PET/CT können die hochauflösende Schnittbilder der Computertomographie mit den nuklearmedizinischen Daten einer Positronen-Emissions-Tomografie kombiniert werden.

Auch im Fall einer Metastase bringt erst die Biopsie absolute Gewissheit. In der Regel wird deshalb von verdächtigen Arealen eine Gewebeprobe entnommen. Primärtumor und Metastasen können hinsichtlich ihrer Zelleigenschaften verschieden sein.

Was bedeuten die Begriffe Staging und TNM?

Nach Untersuchung des Tumors (T), der Lymphknoten (N für Nodi) und etwaiger Metastasen (M) wird das Stadium der Erkrankung eingeschätzt. Dies geschieht mittels der TNM-Klassifikation und wird Staging genannt.

Die TNM-Klassifikation (vereinfachte Darstellung)

T N M
0 Kein Tumor Keine LK-Metastasen Keine Fernmetastasen
1 Tumor < 2 cm Bewegliche LK-Metastasen in der Achselhöhle Fernmetastasen
2 Tumor 2 bis 5 cm Fixierte LK-Metastasen in der Achselhöhle
3 Tumor > 5 cm LK-Metastasen im Bereich des Schlüsselbeins oder entlang der inneren Brustarterie
4 Tumor infiltriert Haut oder Brustwand

Auf Basis dieser Kriterien wird eine Brustkrebs-Erkrankung in Stadien von I bis IV eingeteilt.

Zum Beispiel: T1N2M0 = Stadium II. Sind Metastasen vorhanden (M1), liegt ein Stadium IV vor.

Was bedeutet Grading?

Mit Grading wird der Grad der Gut- bzw. Bösartigkeit eines Tumors festgelegt. Abhängig davon, wie sehr sich die Tumorzellen von gesunden Körperzellen unterscheiden, unterscheidet man 3 Grade:

G1 Gut differenziert
G2 Mittelgradig differenziert
G3 Schlecht differenziert (stark von Normalgewebe abweichend)

Wussten Sie schon

Der Körper ist das feinste Messinstrument. Das eigene Empfinden ist sehr sensitiv. Patientinnen, die auf ihren Körper achten, können Veränderungen zum Teil sehr früh spüren. Die eigene Körperwahrnehmung ist deshalb genauso wichtig wie medizinische Untersuchungen.

PP-AL-AT-0038 | Geprüft Univ.-Prof. Dr. Christian Singer: Stand 10.12.2018

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit metastasiertem Brustkrebs“

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Befundbilder freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Doz. Dr. Michael Hubalek; stockdevil | Bigstock

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