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Kurs Metastasierten Brustkrebs verstehen: Lektion 4 von 6

Nach der Diagnose – Nächste Schritte

Mit der Diagnose metastasierter Brustkrebs treten viele neue Fragen auf: Was passiert als nächstes, nachdem die Diagnose fortgeschrittenes Mammakarzinom gestellt wurde? Welche Faktoren sind für die Therapiewahl von Bedeutung? Und welche Therapien stehen grundsätzlich zur Verfügung?

Welche Behandlung für Sie als Patientin die richtige ist, hängt vom molekularen Subtyp des Tumors und der Metastasen ab. Aber auch Ihre individuelle Lebenssituation sollte berücksichtigt werden. Denn im Zentrum der Behandlung steht der Erhalt Ihrer Lebensqualität.

Video Transkript

Was sind die nächsten Schritte, wenn die Diagnose metastasierter Brustkrebs vorliegt?

Wenn wir eine Brustkrebs-Metastase vermuten, so werden wir zunächst immer versuchen, eine histologische Sicherung herbeizuführen. Das heißt: Wir werden das betroffene Organ punktieren, um eine Gewebeprobe zu gewinnen. Diese Gewebeprobe wird dann unter dem Mikroskop untersucht. Und wenn sich dann die Diagnose Metastase bestätigt, wird die Patientin stets in ein interdisziplinäres Tumorboard eingebracht. Dort werden dann die optimalen Therapien und die nächsten Schritte genau besprochen.

Wo sollte ich mich behandeln lassen?

Ganz wichtig ist, dass betroffene Frauen in einem Brust-Gesundheitszentrum betreut werden, das über eine große Erfahrung in der Behandlung von fortgeschrittenen Mammakarzinomen verfügt. Inzwischen ist die Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms sehr speziell geworden. Es gibt eine Reihe von modernen und wirksamen Therapien. Aber diese Therapien müssen natürlich von Experten angeboten werden. Und daher ist es eben so wichtig, sich einem Experten anzuvertrauen.

Gibt es Zentren, die auf metastasierten Brustkrebs spezialisiert sind?

Größere Brust-Gesundheitszentren beschäftigen sich natürlich auch mit dem fortgeschrittenen Mammakarzinom. Und da werden Sie auch Experten finden, die gerade dieses fortgeschrittene Brustkrebsstadium besonders gut erkennen und auch entsprechende Therapien bereitstellen können. Bitte beachten Sie auch, dass gerade beim fortgeschrittenen Brustkrebs, wo es ja keine Therapie gibt, die zu einer Heilung führt, es besonders wichtig ist, auch die Möglichkeit zu haben, an Studien teilzunehmen. Denn hier können Sie besonders innovative moderne Behandlungsmöglichkeiten haben, die vielleicht routinemäßig Ihnen in einen kleineren Haus nicht angeboten werden können.

Was ist eine Zweitmeinung und wann ist sie sinnvoll?

Eine Zweitmeinung ist das Befragen eines anderen Kollegen oder einer anderen Kollegin über die Einschätzung vom Krankheitsstadium, über die Einschätzung einer möglicherweise bereits empfohlenen Therapie. Das kann man durchaus einmal machen lassen, denn es ist ganz gut, dass man die Therapien auch von einem Kollegen oder einer Kollegin bestätigt bekommt. Immer dann wenn zwei Ärzte eine Meinung haben, dann sollte man mit dieser Meinung gehen. Wenn zwei Ärzte drei Meinungen haben, dann sollte man sich vielleicht an einen dritten Spezialisten wenden.

Warum ist die Bestimmung der genauen Tumorart wichtig?

Je genauer wir einen Tumor klassifizieren und einteilen können, desto genauer können wir ihn auch behandeln. Es ist ganz wichtig, festzustellen, ob ein Tumor z.B. Östrogen- oder Progesteron-Rezeptoren trägt, ob an seiner Oberfläche HER2-Eiweißmoleküle vorhanden sind. Denn das hilft uns jetzt schon sehr genau, eine gezielte und individualisierte Behandlung des Krebses, egal ob im frühen oder im späten Stadium, durchzuführen.

Mehr und mehr spielen auch genetische oder genomische Klassifikationen eine Rolle. Denn die helfen uns in der Zwischenzeit mit, spezielle Therapien für ganz bestimmte Tumor-Eigenschaften einzusetzen. Und wir tun das inzwischen mit einem zunehmend guten Erfolg.

Welche Aspekte sollten bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden?

Es ist ganz wichtig, bei Therapie Entscheidungen die individuellen Aspekte der Patienten zu berücksichtigen: Andere Erkrankungen, Partnerschaft, Kinder – all das ist bei der Überlegung, welche Therapie verabreicht werden soll, natürlich von großer Bedeutung. Auch die Frage, ob bereits mehrere Therapien im metastasierten Stadium verabreicht worden sind. Das alles spielt natürlich eine große Rolle bei der Auswahl der optimalen Behandlung.

Inwiefern spielen meine Lebensumstände bei der Therapiewahl eine Rolle?

Beim fortgeschrittenen Brustkrebs kann man keine Heilung mehr erreichen, immer noch nicht, obwohl es inzwischen sehr gute und sehr wirksame Medikamente gibt, die zumindest die Lebensqualität erhalten lassen. Deswegen ist es ganz, ganz wichtig, dass Sie im Gespräch mit dem betreuenden Arzt, mit der betreuenden Ärztin auch auf diesen Aspekt immer wieder hinweisen: Wie ist Ihre derzeitige Lebenssituation? Wie bereit sind Sie, eine aggressivere Therapie hinzunehmen, wo es doch vielleicht eine schonendere Alternative gibt? Deswegen spricht natürlich die individuelle Situation bei der Behandlung gerade in diesem Stadium eine sehr, sehr große Rolle.

Wie schnell muss ich mich für eine bestimmte Therapie entscheiden?

Üblicherweise führen ja Beschwerden und Symptome zur Diagnose des fortgeschrittenen Brustkrebs. Und aus diesem Grunde macht es auch Sinn, zügig und rasch mit der Behandlung der Symptome zu beginnen, um damit den Leidensdruck etwas zu minimieren. Und das kann man durch ein frühes Einsetzen der Therapie erreichen.

Wie kann ich mich gut auf die Therapie vorbereiten?

Das Gespräch mit der betreuenden Ärztin, das Gespräch mit dem betreuenden Arzt ist wahrscheinlich die wichtigste Voraussetzung dafür, dass man eine Therapie besonders gut verträgt. Denn wichtig ist auch, dass einem Ängste genommen werden, dass einem die Therapie erklärt wird. Und das kann am besten die betreuende Ärztin, der betreuende Arzt oder eine Breast Care Nurse.

Auf den Punkt gebracht

Nach der Diagnose – Nächste Schritte

  • Die Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs ist sehr speziell und sollte in einem Brustgesundheitszentrum mit viel Erfahrung erfolgen.
  • Die genaue Einteilung des Tumors ist wichtig für die gezielte Behandlung.
  • Ihre individuellen Bedürfnisse sollten in die Therapieentscheidung mit einfließen.

Eine wichtige Rolle bei der Wahl der richtigen Therapie spielen die molekularen Subtypen, in die Brusttumore je nach HER2-Status, Hormonrezeptorstatus und Proliferationsmarker eingeteilt werden.

Molekulare Subtypen bei Brustkrebs

Tumorzellen tragen an ihrer Zelloberfläche Eiweißstrukturen. Über diese Rezeptoren können Botenstoffe die Zelle zum Wachstum oder zur Zellteilung anregen.

Bislang bekannt sind bei Brustkrebszellen drei Arten von Rezeptoren:

ER

Hormonrezeptoren (HR) für das Geschlechtshormon Östrogen

PR

Hormonrezeptoren (HR) für das Geschlechtshormon Progesteron

HER

HER2-Rezeptoren für den Wachstumsfaktor hEGF

Mehr über die verschiedenen Rezeptoren und deren Bedeutung erfahren Sie im Kurs “Hormonrezeptoren und Brustkrebs”.

Je nach Vorhandensein dieser Rezeptoren können Brusttumore in Subtypen unterteilt werden.

Welche Subtypen gibt es?

HR-positive Tumore: Die Zellen tragen Rezeptoren für Östrogen und/oder Progesteron. Je nach Wachstumsrate wird dieser Tumortyp in die Untergruppen luminal A (Ki-67 niedrig) und luminal B (Ki-67 hoch) eingeteilt.

HER2-positive Tumore: Die Zellen tragen HER2-Rezeptoren.

Triple negative Tumore: Die Zellen weisen keinen der drei Rezeptortypen auf.

Warum ist die Bestimmung des Subtyps so wichtig?

Bedeutsam ist diese Unterteilung, weil sie große Auswirkung auf die Art der Behandlung hat.

HR-positiv etwa bedeutet, dass ein Tumor hormonabhängig ist, also auf Anreize durch die Hormone Östrogen oder Progesteron reagiert. Medikamente, die Hormonrezeptoren blockieren, machen sich diesen Umstand therapeutisch zu Nutze.

Der Subtyp sagt auch etwas über die Aggressivität eines Tumors aus. HER2-positive und triple negative Tumore verhalten sich aggressiver und metastasieren häufiger und früher. In diesem Fall wird eher auf eine Chemotherapie zurückgegriffen.

Neben dem Rezeptorstatus kann aber auch das Tumorwachstum einen Einfluss auf die Einteilung in verschiedene Subtypen haben. Das Tumorwachstum wird durch den Proliferationsindex (Ki67 oder MIB1) gemessen. Eine hohe Proliferation bedeutet dass der Tumor rasch wächst und eher aggressiv ist. Allerdings bedeutet eine hohe Proliferation auch, dass eine Chemotherapie besonders gut wirkt.

Überblick über die Therapieformen

Je nach Art des Brusttumors, wird dann die passende Behandlung ausgewählt. Grundsätzlich werden die Behandlungsoptionen in lokale und systemische Therapien eingeteilt. Lokale Behandlungen richten sich auf bestimmte Körperstellen, systemische wirken im gesamten Körper. Die ganzkörperliche Behandlung ist bei metastasiertem Brustkrebs vorrangig. Sie soll verstreute Tumorzellen und Metastasen erreichen und das Fortschreiten der Erkrankung bremsen.

Lokale Therapien

Operation

Metastasierter Brustkrebs: Operative Entfernung

Operation

Die operative Entfernung des Primärtumors, von Lymphknotenmetastasen oder Fernmetastasen kann in manchen Fällen notwendig sein.

Strahlentherapie

Metastasierter Brustkrebs: Punktuelle Strahlentherapie

Strahlentherapie

Bei Knochenmetastasen ist eine punktuelle Strahlentherapie eine wichtige Maßnahme.

Systemische Therapien

Anti-Hormontherapie

Metastasierter Brustkrebs: Anti-Hormontherapie

Anti-Hormontherapie

Eine Anti-Hormontherapie kommt bei hormonabhängigen Tumoren zum Einsatz. Sie ist verträglicher als eine Chemotherapie.

Chemotherapie

Metastasierter Brustkrebs: Chemotherapie

Chemotherapie

Eine Chemotherapie wirkt rascher, ist aber auch belastender. Sie ist angezeigt, wenn eine Antihormon-Therapie nicht die gewünschte Wirkung entfaltet oder bei Tumoren, die auf eine solche nicht ansprechen (etwa triple negative Tumore).

Antikörper-Therapie

Metastasierter Brustkrebs: Antikörpertherapie

Antikörper-Therapie

Eine Antikörper-Therapie richtet sich gegen die Rezeptoren bei HER2-positiven Tumoren. Sie kann auch in Kombination mit einer Antihormon-Therapie oder Chemotherapie erfolgen.

Genaueres erfahren Sie im Kurs „Behandlung von metastasiertem Brustkrebs“.

Therapieentscheidung: Erhalt einer guten Lebensqualität

Die richtige Therapie muss für jede Patientin individuell gefunden werden. Gesundheitszustand, Alter, individuelle Lebenssituation oder bereits vorangegangene Behandlungen fließen in die Entscheidung mit ein. Idealerweise werden alle Fragen von einem fächerübergreifenden Behandlungsteam mit Ihnen besprochen.

Sollten Sie Zweifel haben, ob bestimmte Maßnahmen für Sie die richtigen sind, zögern Sie nicht, eine Zweitmeinung einzuholen. Im Zentrum der Behandlung steht vor allem Ihre Lebensqualität. Erkundigen Sie sich und notieren Sie Ihre Fragen, damit Sie sie beim Arztbesuch nicht vergessen.

Fragen zu Ihrer Behandlung, die Sie stellen können

  • Was sind meine Therapieoptionen?
  • Kann diese Therapie mein Leben verlängern oder meine Beschwerden kontrollieren?
  • Was wäre, wenn ich auf diese Therapie verzichte?
  • Wie lange dauert es, bis ich Erfolge der Therapie spüre?
  • Was sind die Nebenwirkungen?
  • Muss ich dafür ins Krankenhaus, und wenn, wie lange?

Sprechen Sie mit Angehörigen und anderen Patientinnen: Was sind Ihre Ängste, was Ihre Erwartungen an eine Therapie. Ziel ist es, die beste und verträglichste Behandlung für Sie zu finden.

So behalten Sie den Überblick

Tipp: Legen Sie einen Ordner mit wichtigen Informationen an!

Um einen Überblick über Befunde, Termine usw. zu bewahren, ist es hilfreich, einen Ordner anzulegen, in dem Sie wichtige Informationen sammeln wie z. B.

  • Telefonnummern (behandelnde ÄrztInnen, Spitalsabteilungen, Apotheke, Selbsthilfeorganisationen, Sozialversicherung)
  • Befunde
  • Rechnungen etc.

Wussten Sie schon

Die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs hat in den vergangenen Jahren beachtliche Fortschritte gemacht und es wird weiter intensiv geforscht. Fragen Sie Ihren Arzt/Ihre Ärztin, ob es für Sie von Nutzen sein könnte, an einer Studie mit neuen Medikamenten teilzunehmen.

PP-AL-AT-0038 | Geprüft Univ.-Prof. Dr. Christian Singer: Stand 10.12.2018

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit metastasiertem Brustkrebs“

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Bilder: Solar22, Vikivector, djvstock, Pikovit | Bigstock

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