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Kurs Metastasierten Brustkrebs verstehen: Lektion 5 von 6

Leben mit metastasiertem Brustkrebs

Die Diagnose metastasierter Brustkrebs zu verarbeiten, geht nicht von heute auf morgen. Und das muss es auch nicht. Setzen Sie sich nicht unter Druck und lassen Sie sich von niemandem unter Druck setzen. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um sich mit der neuen Lebenssituation vertraut zu machen und mit ihr umgehen zu lernen.

Video Transkript

Wie ist die Prognose bei metastasiertem Brustkrebs?

Metastasierter Brustkrebs kann auch heute noch nicht geheilt werden. Das Ziel der Behandlung des metastasierten Brustkrebs ist es, die Verlangsamung des Krankheitsfortschrittes herbeizuführen, vielleicht sogar ein temporäres Stoppen der Erkrankung, sodass diese Erkrankung mehr als chronifizierte, als chronische Erkrankung betrachtet werden kann, die man über viele Monate und Jahre hinweg gut behandeln und managen kann.

Welche Faktoren haben Einfluss auf meine Prognose?

Es gibt keine Regeln, wie man sich am besten verhält. Aber eine gesunde Lebensführung, ein Durchführen der Therapie, die Interaktion mit den betreuenden Ärzten sind wahrscheinlich der beste Garant dafür, dass eine Therapie auch möglichst lange erfolgreich ist.

Kann ich mit dieser Erkrankung weiterhin mein gewohntes Leben führen?

Ich denke, Sie können und Sie sollen auch Ihr gewohntes Leben, soweit dies aufgrund der Nebenwirkungen möglich ist, weiterführen. Es ist ganz wichtig, dass man im Arbeitsprozess bleibt, wenn dies möglich ist. Es ist ganz wichtig, dass man auch seine sozialen Verpflichtungen wahrnimmt. Natürlich ist und bleibt man auch im metastasierten Stadium noch ein Mensch. Und das ist ganz wichtig, dass man die sozialen Funktionen, die man in der Vergangenheit wahrgenommen hat, auch weiterhin wahrnimmt.

Was ist ein/e Psycho-OnkologIn?

Psycho-Onkologen sind speziell ausgebildete Psychologen, die eine große Erfahrung auf dem Gebiet der Beratung von Krebspatienten haben, die einem von einem anderen Winkel vielleicht eine Hilfestellung bei der Bewältigung der Erkrankung geben und die unbedingt in diesem Krankheitsstadium mit ins Behandlungsteam aufgenommen werden sollen.

Was kann ich selbst tun, um so gut wie möglich mit meiner Erkrankung zu leben?

Wichtig ist, offen und ehrlich mit den Ängsten umzugehen, diese Ängste auch auszusprechen, Beschwerden und Symptome zu kommunizieren, denn dann kann die Therapie angeglichen oder adaptiert werden. Wenn die Ärztin oder der Arzt nicht weiß, was Ihre Probleme sind und wie belastend die Nebenwirkungen für Sie wirklich sind, kann er oder sie nicht richtig agieren. Deswegen ist es ganz wichtig, diese offene Kommunikation mit dem betreuenden Arzt und mit der betreuenden Ärztin weiterhin zu führen.

Wo erhalte ich Unterstützung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus?

Ganz wichtig ist, dass Sie Ihre betreuende Ärztin und Ihren betreuenden Arzt aktiv befragen, welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt. Es gibt in Österreich und in Deutschland Brustkrebs-Schwestern, Breast Care Nurses, die sich auf die Betreuung von Männern und Frauen mit Krebserkrankungen spezialisiert haben.

Es gibt Selbsthilfeorganisationen. Es gibt die österreichische Krebshilfe in Österreich, die eine erste Anlaufstelle sein kann und die Ihnen auch in der Zeit nach der aktiven Behandlung mit Rat und Tat zur Verfügung steht.

Habe ich Anspruch auf Pflegegeld beziehungsweise einen Behindertenpass?

Als Patientin mit einem fortgeschrittenen Mammakarzinom haben Sie durchaus Anspruch auf einen Behindertenpass bzw. auf eine Pflegehilfe. Dies ist aber abhängig von dem Ausmaß der Erkrankung, von der Anzahl der Vortherapien und den Symptomen und Beschwerden, die man als Patientin aufweist. Aber im Prinzip ist es immer hilfreich, sich in diesen Fragen an eine Sozialarbeiterin zu wenden oder an eine Breast Care Nurse, die Ihnen hier sicherlich sehr gut Auskunft geben kann.

Auf den Punkt gebracht

Umgehen mit der Diagnose

  • Psycho-OnkologInnen sollten bei metastasiertem Brustkrebs unbedingt Teil des Behandlungsteams sein.
  • Breast Care Nurses sind spezialisiert auf die Betreuung von Brustkrebspatientinnen und können Ihnen auch bei vielen nichtmedizinischen Problemen weiterhelfen.

Metastasierter Brustkrebs: eine chronische Erkrankung

Das Auftreten von Metastasen hat eine gravierende Konsequenz: Eine Heilung im eigentlichen Sinn ist in diesem Stadium nicht mehr möglich. Die Krankheit kann nicht endgültig überwunden werden, sie wird die betroffenen Frauen für den Rest ihres Lebens begleiten.

Durch Fortschritte in der Behandlung in den vergangenen Jahren kann metastasierter Brustkrebs allerdings besser denn je kontrolliert werden. Neue Erkenntnisse und Therapie-Ansätze können das Fortschreiten der Erkrankung bremsen und Symptome lindern. Kam die Diagnose früher einem Todesurteil gleich, darf man heute von einer chronischen Erkrankung sprechen, mit der viele Patientinnen noch lange und gut weiterleben können.

Die Krankheit als Teil des Lebens

Wie viele andere chronische Erkrankungen auch, ist ein fortgeschrittenes Mammakarzinom ohne Behandlung tödlich. Es macht jedoch einen großen Unterschied, ob man sich selber als „unheilbar“ oder als „chronisch“ krank ansieht. „Chronisch“ klingt weniger belastend als „unheilbar“ und es entspricht genauso den Tatsachen.

Eine Erkrankung wie metastasierter Brustkrebs ist eine große Herausforderung und verlangt Ihnen viel ab. Zugleich rückt sie die wichtigen Dinge in den Mittelpunkt des Lebens. Mit wem und womit will ich meine Zeit verbringen? Was will ich noch erfahren oder erleben? Viele Patientinnen gehen bewusster und dankbarer durchs Leben und spüren es intensiver als zuvor. Die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit birgt die Chance zu erkennen, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Wo bekomme ich Unterstützung?

Ihr Behandlungsteam besteht aus ÄrztInnen, PflegerInnen, SozialarbeiterInnen. Suchen Sie sich dafür Menschen, denen Sie vertrauen und auf Augenhöhe begegnen können.

Nehmen Sie die Hilfe Ihrer nächsten Menschen an. Sprechen Sie mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin, Ihrer Familie, Ihren Freunden so viel wie möglich über die Dinge, die Sie beschäftigen.

Sie sind nicht allein! In Selbsthilfeorganisationen oder auch Facebook-Gruppen können Sie sich mit anderen betroffenen Frauen austauschen.

Ängste sind ganz normal. Sollten sie jedoch überhand nehmen und Sie lähmen, ist es gut, sich psychologische Hilfe zu suchen.

Welche Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung gibt es?

Es gibt verschiedenste finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, dazu zählen zum Beispiel:

  • Pflegegeld (bei Chemotherapie)
  • Familienhilfe (wenn Haushalt und Familie versorgt werden)
  • Berufsunfähigkeits- oder Invalidenpension
  • Zuschüsse zur Psychotherapie
  • Rezeptgebührenbefreiung

Informationen bekommen Sie bei Ihrer Sozialversicherung oder bei Krebs-Beratungsstellen.

Was Sie selbst tun können

Als mündige Patientin mitentscheiden

Vergessen Sie nicht: Sie stehen als Patientin im Mittelpunkt. Um Sie geht es!

Je mehr Sie über Ihre Erkrankung und die Behandlung wissen, umso stärker werden Sie sich fühlen. Niemand kann besser über Ihr Befinden Bescheid wissen als Sie selber. Mündige Patientinnen fühlen sich weniger ohnmächtig.

Die Lebensqualität in den Mittelpunkt rücken

Wenden Sie sich jenen Dingen zu, die Ihnen Freude bereiten. Lassen Sie sich verwöhnen und gönnen Sie sich alles, was Ihnen gut tut. Alles, was hilft, ist erlaubt.

Wenn Sie Schmerzen haben, zögern Sie nicht, Ihre ÄrztInnen nach lindernden Medikamenten zu fragen. Sie sollen nicht leiden, sondern leben.

Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Träume

Lassen Sie sich nicht von Ihrer Krankheit bestimmen. Sie sind die Chefin. Schmieden Sie Pläne, blicken Sie in die Zukunft.

Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit? Was wollten Sie schon immer einmal machen? Nehmen Sie sich bewusst Zeit für diese Aktivitäten.

Bleiben Sie aktiv und in Bewegung

Seien Sie so aktiv wie möglich. Gehen Sie hinaus in die Natur, treffen Sie geliebte Menschen. Auch ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft kann viel bewirken.

Je aktiver und zufriedener Sie sind, umso stärker sind auch Ihre Abwehr- und Selbstheilungskräfte.

Wussten Sie schon

Die Prognose bei metastasiertem Brustkrebs verbessert sich ständig. Zwar kann sich der Verlauf von Frau zu Frau deutlich unterscheiden, aber allgemein kann immer mehr von einer chronischen Erkrankung gesprochen werden. Auch wenn die Erkrankung fortan ein steter Begleiter sein wird, haben immer mehr Patientinnen trotz Metastasen noch viele Jahre zu leben.

PP-AL-AT-0038 | Geprüft Univ.-Prof. Dr. Christian Singer: Stand 10.12.2018

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