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Kurs Metastasierten Brustkrebs verstehen: Lektion 1 von 6

Was ist metastasierter Brustkrebs?

Wenn sich Zellen in der Brustdrüse unkontrolliert zu teilen beginnen, entsteht ein Tumor. Bösartige Tumore die sich aus Drüsenzellen entwickeln, werden Karzinome genannt. Und da für die weibliche Brust auch der Fachbegriff Mamma verwendet wird, wird Brustkrebs auch als Mammakarzinom bezeichnet. Aus einem solchen Tumor können sich Zellen lösen und in andere Körperregionen gelangen. Es kann zu einem Tochtergeschwulst kommen, einer sogenannten Metastase. Dann spricht man von metastasiertem Brustkrebs.

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Wann spricht man von metastasiertem Brustkrebs?

Die meisten Fälle von Brustkrebs können komplett entfernt werden. Man spricht dann von einem frühen Mammakarzinom. Manchmal, und wir schätzen, dass es in etwa zehn Prozent der Fälle ist, hat es der Krebs schon geschafft, in andere Organe zu wandern. Dann spricht man von metastasiertem Brustkrebsstadium.

Wie häufig ist metastasierter Brustkrebs?

Bei uns in Europa, schätze ich, wird etwa jeder zehnte Fall von Brustkrebs in einem metastasierten Stadium diagnostiziert. Das heißt: Brustkrebs kann nicht mehr komplett entfernt werden, sondern ist bereits in andere Organe gewandert.

Wie entstehen Metastasen?

Wie Metastasen entstehen, das wissen wir heute immer noch nicht genau. Aber wir gehen davon aus dass eine kleine Subpopulation von Zellen, also Zellen, die bestimmte Eigenschaften haben, mit der Zeit in andere Organe wandern und sich dort niederlassen. Die schlafen dann oft über viele Jahre und wachen dann aufgrund von Signalen, die wir heute noch nicht genau kennen, auf. Sie beginnen dann zu wachsen und Tochtergeschwüre zu bilden. Dann spricht man von metastasiertem Stadium.

Woher weiß man, dass es sich um Metastasen und nicht um einen weiteren Tumor handelt?

Lange Zeit konnte man das tatsächlich nicht unterscheiden, ob es sich beim Auftreten einer Tochtergeschwulst in der Leber oder in der Lunge um eine Metastase handelt, oder ob es sich um einen neuen Lungentumor handelt. Inzwischen versuchen wir immer mehr, Biopsien durchzuführen. Das heißt: Es wird eine histologische Sicherung durch eine feine Nadel Punktion oder eine sogenannte kleine Biopsie durchgeführt. Diese gewonnenen Gewebestücke werden dann im Mikroskop untersucht. Und dann kann man inzwischen zweifelsfrei feststellen, ob es sich um eine Absiedlung eines Mammakarzinoms handelt, oder ob es sich um einen neuen Krebs in einem anderen Organ handelt.

Gibt es besondere Risikofaktoren, an metastasiertem Brustkrebs zu erkranken?

Es gibt bestimmte Tumorbiologien, also bestimmte Eigenschaften, die ein Tumor mitbringt, die ihn besonders aggressiv machen, das heißt: Die ihn in die Lage versetzen, Tochtergeschwülste auszubilden. Das sind zum Beispiel sogenannte triple-negative Mammakarzinome. Das sind Karzinome, die so entartet sind und so wenig einer normalen Brustzelle gleichen, dass sie wahrscheinlich sehr, sehr rasch wachsen können und biologisch sehr aggressiv sind. Das ist zum Beispiel eine typische Biologie eines Krebses, der gerne Metastasen macht.

Aber es gibt auch das sogenannte HER2-positive Mammakarzinom. HER2-positive Tumore sind ausgezeichnet durch das Vorhandensein von Eiweißmolekülen auf der Oberfläche von Zellen. Wenn diese Eiweißmoleküle, die wir HER2 nennen, vorhanden sind einer gewissen Anzahl, dann wissen wir dass diese Tumoren auch gerne in andere Organe wandern.

Allerdings gibt es gerade in dieser Gruppe von Tumoren inzwischen sehr gute Behandlungsmöglichkeiten, um hier eine Metastasierung zu verhindern.

Warum wird in der Brustkrebsnachsorge nicht gezielt nach Metastasen gesucht?

Wir suchen sehr wohl nach Metastasen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Das heißt: Wenn ein Brustkrebs diagnostiziert wird, untersuchen wir jene Organe, in denen es häufig zum Absiedeln von Metastasen kommt. Das sind:

  • die Leber,
  • die Lunge,
  • die Knochen,
  • in manchen Fällen auch das Gehirn.

Anschließend führen wir eine sogenannte adjuvante (unterstützende) Therapie durch. Das kann eine Chemotherapie sein, das kann eine antihormonelle Therapie sein, das kann eine Antikörpertherapie sein.

Aber wir führen in der Folge keine sogenannten Staging-Untersuchungen mehr durch.  Wir suchen also nicht in den darauffolgenden Jahren proaktiv nach Tumoren, weil wir wissen, dass dadurch kein zusätzliches Lebensjahr gewonnen werden kann. Durch das frühe Erkennen von Metastasen gelingt es uns nach wie vor nicht, die Überlebenschancen deutlich zu verbessern. Aber das Intervall, das heißt die Zeit, in der eine Chemotherapie dann in der Folge verabreicht wird, wird länger.

Aus diesem Grund orientieren wir uns mehr an den Menschen selbst, an den Symptomen, an Beschwerden von Personen. Die leiten uns dann an, eine gezielte Untersuchung durchzuführen.

Erhöht eine erbliche Vorbelastung das Risiko, an metastasiertem Brustkrebs zu erkranken?

Eine erbliche Vorbelastung bedeutet eigentlich, dass in der Familie Fälle von Brust- und Eierstockkrebs bereits aufgetreten sind.

In solchen Fällen sind Veränderungen in den BRCA1- und BRCA2-Genen, also den Brustkrebsgenen, häufig die Ursache für das Entstehen der Krebserkrankung. Besonders jene Krebsfälle, die auf eine Veränderung von BRCA1 zurückgeführt werden können, haben einen bestimmten Tumortyp, der gerne Metastasen verursacht. Es handelt sich hier um sogenannte triple-negative Mammakarzinome. Die kommen besonders häufig bei Frauen vor, die eine BRCA-Mutation in sich tragen. Und diese Karzinome sind leider Gottes mit einem sehr aggressiven biologischen Verhalten assoziiert.

Können auch bei früher Erkennung eines Brusttumors bereits Metastasen bestehen?

Häufig ist es so, dass, wenn ein Tumor klein ist zum Zeitpunkt der Erkrankung, wenn er es noch nicht geschafft hat, in die Lymphknoten zu wandern, die Prognose sehr günstig ist. Aber es gibt natürlich auch Tumoren, besonders hier wieder die triple-negativen Mammakarzinome, bei denen auch sehr kleine und frühe Krebsstadien bereits Metastasen verursachen können. Das heißt: Die Entfernung eines kleinen Tumors bei triple-negativen Mammakarzinomen bedeutet nicht automatisch, dass der Krebs nicht metastasiert sein kann.

Auf den Punkt gebracht

Was ist metastasierter Brustkrebs?

  • Von metastasiertem Brustkrebs spricht man, wenn der Krebs bereits in andere Organe gewandert ist.
  • Nach der Diagnose Brustkrebs wird gezielt nach Metastasen gesucht, aber in der Folge wird nicht mehr routinemäßig nach Metastasen gesucht.

Brustkrebs im Frühstadium

Dank routinemäßig durchgeführter Vorsorgeuntersuchungen werden 90 Prozent der Brustkrebs-Fälle in einem frühen Stadium entdeckt. Der Tumor ist zwar über die Gewebegrenzen der Brustdrüse hinaus gewachsen, hat aber noch keine Metastasen in anderen Organen oder Lymphknoten gebildet. Die Chancen für Patientinnen mit Krebs im Frühstadium stehen gut, nach einer Tumor-Entfernung und etwaigen Folgetherapien geheilt zu sein.

Metastasierter Brustkrebs

Das Auftreten von Metastasen ändert die Situation grundlegend. In diesem Stadium kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass eine Heilung im eigentlichen Sinn möglich ist. Mit den zurzeit zur Verfügung stehenden Therapie-Möglichkeiten kann die Krankheit jedoch häufig kontrolliert und über lange Zeit in Schach gehalten werden. Für Betroffene bedeutet das, dass eine chronische Erkrankung fortan ihr Leben begleiten wird.

Können Metastasen schon sehr früh auftreten?

Nur in ca. 10 Prozent der Fälle von neu diagnostiziertem Brustkrebs sind bereits Metastasen vorhanden.

Wie häufig kommt es zu einer Metastasierung bei Brustkrebs?

Etwa jede sechste Frau muss im Verlauf einer Brustkrebs-Erkrankung mit dem Auftreten von Metastasen rechnen. In der Hälfte der Fälle treten Metastasen innerhalb der ersten fünf Jahre nach Diagnose auf.

Warum kommt es zu einer Bildung von Metastasen?

Wann und warum es zu einer Bildung von Metastasen kommt, weiß man immer noch nicht genau. Nicht alle Tumore neigen zu Metastasierung und nicht alle Zellen, die es in andere Körperregionen schaffen, sind fähig, Metastasen zu bilden. Man weiß heute, dass verstreute Tumorzellen über einen langen Zeitraum still bleiben können und erst später aktiv werden.

Wie entstehen Metastasen?

Die weibliche Brust enthält Blutgefäße zur Versorgung des Gewebes sowie Lymphbahnen, die überschüssige Gewebsflüssigkeit ableiten. Über diese Wege können Tumorzellen aus dem sogenannten Primärtumor in der Brust in andere Körperbereiche gelangen.

Wie entstehen Metastasen bei Brustkrebs

Dagegen arbeitet das körpereigene Immunsystem. Es kann Tumorzellen erkennen und zerstören. Warum manche Tumorzellen durch das Netz der körpereigenen Immunabwehr schlüpfen, ist noch nicht genau bekannt. Offenbar entwickeln sie Gegenstrategien, um sich zu tarnen. Finden sie dann die richtigen Bedingungen vor, können sie sich festsetzen und weiter teilen. Es entsteht eine Tochtergeschwulst, eine Metastase.

Nicht alle Brusttumoren metastasieren gleich häufig. Die Gefahr einer Absiedlung in andere Organe hängt stark von der Beschaffenheit des Tumors und seinen Zelleigenschaften ab. Manche verhalten sich aggressiver als andere, deshalb ist die genaue Bestimmung des Primärtumors wichtig. Sie wird ganz zu Beginn einer Krebsdiagnose vorgenommen.

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin darüber, welcher Tumor vorliegt und was das bedeutet. Das hat entscheidenden Einfluss auf das weitere Vorgehen.

Wussten Sie schon

Der Befund von Metastasen wiegt in jedem Fall schwer. Aber die Behandlungsmöglichkeiten erweitern sich ständig und eröffnen Wege, mit der Erkrankung umzugehen.

PP-AL-AT-0038 | Geprüft Univ.-Prof. Dr. Christian Singer: Stand 10.12.2018

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Bilder: michaelheim, Solar22 | Bigstock

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