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Kurs Polyneuropathie bei Krebs verstehen: Lektion 5 von 7

Behandlung einer Polyneuropathie

Kann man eine Polyneuropathie verhindern? Ist eine bestehende Polyneuropathie behandelbar? Welche Möglichkeiten gibt es und an wen können Sie sich wenden? Und was können Sie als PatientIn selber tun, um etwaige Krankheitssymptome zu lindern und ein Stück Lebensqualität zurückzugewinnen?

In dieser Lektion wenden wir uns abschließend der Therapie der Polyneuropathie zu.

Video Transkript

Kann man das Auftreten einer Polyneuropathie vermeiden oder mildern?

Man kann das Auftreten der Polyneuropathie eigentlich nur komplett vermeiden, indem man keine neurotoxischen Substanzen verwendet.

Sollte man in eine Behandlungssituation kommen, die das nicht erlaubt,

  • sollte man eine Applikationsform wählen, die die Neuropathie möglichst nicht fördert, eventuell eine subkutane Verabreichungsmöglichkeit.
  • sollte man die Intervalle der Medikation entsprechend verträglich wählen.
  • sollte man die Geschwindigkeit der Infusionen möglichst lang und moderat halten.
  • und man sollte gegebenenfalls kumulative Gesamtdosen, die das Auftreten einer Neuropathie nahezu garantieren, vermeiden.

Gibt es etwas das ich tun kann, um eine Verschlechterung zu verhindern?

Ja, unbedingt. Es ist ganz, ganz wichtig, das Auftreten von neuropathischen Beschwerden rechtzeitig zu melden bzw. mit Ihrem Arzt zu besprechen, damit gegebenenfalls entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.

Gibt es Medikamente mit denen eine Polyneuropathie behandelt werden kann?

Es gibt durchaus die Möglichkeit medikamentöser Therapien, sei es systemisch in Form von Tabletten, wobei verschiedene Substanzklassen wie Antiepileptika, Antidepressiva und auch Schmerzmedikamente wie Opiate zur Anwendung kommen. Es gibt allerdings für spezielle Situationen auch die Möglichkeit, lokale Therapiemaßnahmen mit Medikamenten, die in Pflasterform appliziert werden können, anzuwenden.

Wird bei einer Polyneuropathie die Chemotherapie angepasst?

Die Möglichkeit einer Anpassung der Chemotherapie, sollten neuropathische Probleme auftreten, sollte jedenfalls besprochen werden. Es geht gegebenenfalls um einen Wechsel des Präparates, wenn das im Rahmen der onkologischen Situation möglich ist, oder auch um die Änderung einer Applikationsform oder eines Applikationsrhythmus.

Wohin kann ich mich wenden, um Verständnis und Hilfe bei einer Polyneuropathie zu erhalten?

Jedenfalls an Ihren behandelnden Onkologen/Hämatologen. Sie sollten aber durchaus auch die Hilfestellung von Psycho-Onkologen, von physikalischen Therapeuten und auch Ihrer Familie und Ihres Freundeskreises aufgreifen.

Auf den Punkt gebracht

  • Es ist wichtig, dass Sie das Auftreten neuropathischer Beschwerden rechtzeitig Ihrem behandelnden Onkologen/Hämatologen melden.
  • Achten Sie auf das Auftreten der entsprechenden Symptome und auf Kommentare von aufmerksamen Freunden oder Ihrer Familie.
  • Auch Psychoonkologen sowie Familie & Freunde können Sie unterstützen.

Eine einzelne therapeutische Maßnahme ist bei einer Polyneuropathie selten erfolgversprechend. Um die Erkrankung umfassend anzugehen, setzt die Fachmedizin in der Behandlung der Polyneuropathie auf ein Drei-Säulen-Prinzip.

1. Ausschaltung der Ursache(n) der Polyneuropathie

Vorrangig in der Therapie der Polyneuropathie ist die Ausschaltung des oder der nervenschädigenden Faktoren. Diese erste Therapiesäule ist also stark von der Grunderkrankung abhängig.

Im Falle einer Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie bei Krebs steht die Änderung oder Anpassung der chemotherapeutischen Medikamentengabe im Vordergrund. Sofern möglich, wird auf ein weniger nervenschädigendes Präparat umgestellt. Wichtig ist, dass dies so früh wie möglich geschieht, um bleibende Schädigungen zu verhindern. Es ist in aller Regel leichter, einer Nervenschädigung vorzubeugen als eine bestehende Schädigung rückgängig zu machen.

In jedem Fall angepasst werden kann die Verabreichung der Medikamente. Eine Verabreichung unter die Haut ist für den Körper weniger belastend als eine Verabreichung in die Vene. Auch die Geschwindigkeit der Verabreichung kann ohne Einbußen für die Wirksamkeit des Chemotherapeutikums verändert werden. Langsam ist schonender als schnell, und es macht keinen Unterschied, ob die Medikamente innerhalb einer Stunde oder eines längeren Zeitraums verabreicht werden.

2. Medikamente gegen Missempfindungen und Schmerzen

Gegen die Empfindungsstörungen und/oder Schmerzen, die im Rahmen einer Polyneuropathie auftreten, können verschiedene Medikamente helfen. Oft wirken bestimmte Antidepressiva oder Antiepileptika. Auch klassische Schmerzmittel kommen bei einer Nervenschädigung zum Einsatz, die gegebenenfalls mit Morphinen kombiniert werden können.

Für all diese Medikamente gilt, dass Sie sie nur unter ärztlicher Anleitung und Kontrolle einnehmen sollten!

Zur lokalen Behandlung von Symptomen kann Ihr Arzt/Ihre Ärztin mit schmerzlindernden Wirkstoffen präparierte Pflaster verschreiben, die direkt an den betroffenen Arealen angebracht werden.

Eine noch in Forschung befindliche Therapiemöglichkeit bei Polyneuropathie stellen Hanfpflanzenextrakte dar. Ihre Eignung wird in Fachkreisen derzeit intensiv diskutiert. Informationen darüber erhalten Sie von SchmerztherapeutInnen und PsychoonkologInnen.

3. Physikalische Therapien und Aktivität

Die dritte Therapie-Säule umfasst den großen Bereich physio- und ergotherapeutischer Maßnahmen sowie physikalischer Therapien wie Strom- oder Kälte/Wärme-Behandlungen.

Das Besondere und Bedeutungsvolle an all diesen Maßnahmen ist, dass sie nicht nur Symptome lindern können. Bewegungsreize stimulieren die Nerven und können zu ihrer Regeneration beitragen. Das kann zu einer aktiven Verbesserung der neuropathischen Erkrankung führen.

Dasselbe gilt für körperliche Aktivität und sportliche Bewegung. Empfehlenswert sind dreimal wöchentlich 60 bis 90 Minuten Sport unter medizinischer Anleitung. So lassen sich polyneuropathische Symptome bekämpfen, vor allem auch Schmerzen. Bedenken Sie dabei jedoch, dass durch manche Symptome der Polyneuropathie wie etwa Balanceunsicherheiten die Mobilität verringert und die Verletzungsgefahr erhöht sein kann. Klären Sie daher mit Ihrem Behandlungsteam ab, welche Übungen Sie problemlos durchführen können.

Viele PatientInnen machen die Erfahrung, dass Inaktivität der Polyneuropathie Vorschub leistet. Das Wichtigste überhaupt in der Therapie ist deshalb der Wille zur Aktivität. Seien Sie selber so aktiv, wie es Ihnen möglich und verträglich ist. Schmerzen und Inaktivität führen oftmals in einen Teufelskreis. Ihn zu durchbrechen, erhöht Ihre Mobilität und Ihre Lebensqualität.

Wussten Sie schon

Dass physiotherapeutische und physikalische Therapien sowie körperliche Bewegung nicht nur symptomlindernd wirken, sondern durch die Stimulation der Nerven zu deren Regeneration führen können?

Geprüft OA Dr. Adalbert Weißmann: Stand Juli 2018

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