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Kurs Polyneuropathie bei Krebs verstehen: Lektion 1 von 7

Polyneuropathie

Was ist Polyneuropathie? Was sind ihre Ursachen? Welche Nerven sind betroffen und warum? Ist Polyneuropathie eine seltene Erkrankung? Das sind einige der Fragen, die Betroffene besonders interessieren.

In dieser Lektion unseres Online-Kurses „Polyneuropathie bei Krebs verstehen“ erfahren Sie von OA Dr. med. Adalbert Weißmann Allgemeines und Grundsätzliches zur Erkrankung der Polyneuropathie, zu ihrer Entstehung und zur Art ihres Erscheinens.

Video Transkript

Was ist eine Polyneuropathie?

Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, die im Rahmen von internistischen Erkrankungen auftreten kann. Sie kann aber auch, so wie es heute unser Thema ist, durch Chemotherapie ausgelöst werden.

Was sind die häufigsten Ursachen für Polyneuropathie?

Die häufigsten Ursachen der Polyneuropathie sind allgemein gesehen Erkrankungen wie

  • Diabetes,
  • Alkohol-Abusus
  • und Vitaminmangel-Zustände.

Bei onkologischen Patienten sind es naturgemäß die Grunderkrankung selbst bzw. auch verschiedene chemotherapeutische Medikamente, die dieses Problem verursachen können.

Kann eine Polyneuropathie psychosomatische Ursachen haben?

Eine Polyneuropathie, eine echte Polyneuropathie kann nicht psychosomatisch verursacht werden. Es können wohl Symptome, die ähnlich einer Polyneuropathie sind, vorgespiegelt werden. Die ursächliche Erkrankung ist davon jedoch sicherlich unabhängig.

Spielen genetische Faktoren auch eine Rolle?

Es gibt sehr seltene genetische Erkrankungen, die zu Polyneuropathie führen. Diese können mit entsprechenden diagnostischen Tests ausgeschlossen werden. Sie spielen üblicherweise im klinischen Alltag kaum eine Rolle.

Wie unterscheiden sich Polyneuropathie bei Diabetes und bei Krebs?

Prinzipiell können die Symptome einer Polyneuropathie bei Diabetes und bei Krebs sehr ähnlich sein.

Allerdings sind die Ursachen naturgemäß unterschiedlich.

Auch die Behandlungsmöglichkeiten decken sich zum Teil. Und möglicherweise gibt es bei den Chemotherapie-induzierten Polyneuropathien zusätzlich noch die Möglichkeit, verschiedene Medikamenten-Kombinationen zu vermeiden.

Welche Nerven sind überwiegend betroffen?

Überwiegend betroffen sind im Rahmen einer Polyneuropathie die Nerven, die die längsten Strecken zurücklegen. Das sind die Nerven, die die Beine versorgen und die Hände, so dass die Symptome zuerst an Zehen und an den Fingern auftreten.

Auf den Punkt gebracht

  • Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven.
  • Genetische Faktoren spielen kaum eine Rolle.
  • Eine Polyneuropathie hat keine psychosomatischen Ursachen.
  • Es sind überwiegend die längsten Nerven (v.a. Beine und Hände) betroffen.

Bei der Polyneuropathie handelt es sich um eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, weshalb sie auch Periphere Neuropathie genannt wird. Wie viele Begriffe in der medizinischen Fachsprache entstammen auch diese beiden dem Altgriechischen: „Peripher“ bedeutet „am Rande befindlich“, „Poly-“ bedeutet „mehrere, viele“. Betroffen sind bei einer Polyneuropathie also mehrere Nerven in randständigen Bereichen des Körpers.

Wie entsteht eine Polyneuropathie?

Eine Polyneuropathie ist die Folge einer Schädigung von Nerven. Diese kann auf unterschiedliche Weise zustande kommen:

Es gibt Substanzen, die eine direkte schädigende Wirkung auf die Nerven ausüben.

Eine solche Wirkung nennt man in der Medizin „neurotoxisch“. Zu den Substanzen mit nervenschädigender Wirkung zählen Alkohol, manche Medikamente, aber auch krankhafte Eiweißstoffe, die im Rahmen von Krebserkrankungen entstehen.

Weiters kann Vitaminmangel eine Polyneuropathie nach sich ziehen.

Der Aufbau der Myelinscheide, welche die Nervenzellen isolierend umhüllt, ist auf das Vorhandensein von Vitaminen angewiesen. Sind diese nicht in ausreichendem Maß verfügbar, führt das zu einer mangelhaften Umscheidung und damit zur Schädigung der Nerven.

Die Nervenschädigung kann auch durch eine Störung der Durchblutung bedingt sein.

Nerven werden durch kleinste Blutgefäße mit den notwendigen Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Ist diese Versorgung beeinträchtigt, kann das eine Schädigung der Nerven zur Folge haben.

Wann kann eine Polyneuropathie auftreten?

Die mit Abstand häufigsten Grunderkrankungen, die zu einer Polyneuropathie führen können, sind der Diabetes mellitus und Alkoholmissbrauch. Diese beiden Ursachen allein sind für 60% aller Polyneuropathie-Erkrankungen verantwortlich.

Auch Nierenfunktionsstörungen können mit Polyneuropathie einhergehen.

Bei den Mangelerscheinungen sind es vor allem die Vitamine B1, B6 und B12 sowie das Vitamin E, deren Mangel eine Polyneuropathie nach sich ziehen kann.

Von großer Bedeutung sind Polyneuropathien im Rahmen von Krebserkrankungen bzw. einer Chemotherapie, auch wenn sie – in absoluten Zahlen gemessen – zu den selteneren Erscheinungen zählen.

In etwa 20 % der Fälle lässt sich keine Grunderkrankung finden und bleibt die Ursache ungeklärt. Man spricht dann von einer primären oder idiopathischen Polyneuropathie.

Anatomische Voraussetzungen

Das periphere Nervensystem umfasst alle Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks.

Eine Nervenzelle besteht aus dem Zellkörper, in dem sich der Zellkern befindet, und Nervenfortsätzen. Die Zellkörper der peripheren Nerven befinden sich im zentralen Nervensystem, jene der Hirnnerven im Gehirn, jene der Spinalnerven im bzw. in der Nähe des Rückenmarks. Von dort führen die Nervenfortsätze zu den jeweiligen Zielorganen bis in die entferntesten Körperspitzen. Diese Nervenfortsätze nennt man Axone. Axone, etwa zur Versorgung der Beine, können über einen Meter lang sein.

Qualitativ unterscheidet man sensible Nerven, motorische Nerven und Nerven des vegetativen (autonomen) Nervensystems. Letztere versorgen das Blutgefäßsystem und innere Organe. Eine Veranschaulichung von sensiblen und motorischen Nerven sehen Sie in folgender Abbildung.

In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle betrifft eine Polyneuropathie sensible Nerven, es können aber auch motorische oder seltener vegetative Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wie häufig ist die Polyneuropathie?

Die Inzidenz bezeichnet die Anzahl der Neuerkrankungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Für die Polyneuropathie schwanken die Zahlen zwischen 60 und 120 pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Das bedeutet, dass in Österreich und der Schweiz jährlich jeweils bis zu 10.000 Personen neu an Polyneuropathie erkranken; in Deutschland bis zu 100.000 Menschen.

Wussten Sie schon

Die Polyneuropathie ist keine seltene Erkrankung. Ihre Ursachen können vielfältig sein. Die Symptome jedoch sind meistens ähnlich und zeigen ein typisches Krankheitsbild. Am häufigsten betroffen sind sensible Nervenfasern.

Geprüft OA Dr. Adalbert Weißmann: Stand Juli 2018

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