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Kurs Tagebuch schreiben zur Unterstützung bei Krebs: Lektion 2 von 6

Welche Formate von Tagebüchern gibt es?

Es gibt viele Arten von Tagebüchern, mit den unterschiedlichsten Gestaltungsmöglichkeiten. Im folgenden Kapitel stelle ich dir die wichtigsten Formate vor, die dir eine erste Orientierungshilfe bieten und dabei helfen können, dass für dich passende zu finden.

Das klassische Tagebuch

Das klassische Tagebuch besteht meist aus einem Blankobuch und ist erhältlich mit oder ohne Schloss. Für die ersten Schreibversuche reichen aber auch ein Schulheft oder lose Blätter aus, die du beispielsweise in einem Ordner sammelst. Mit der Zeit findet man heraus, auf welchem Papier und Papierformat man am liebsten seine Gedanken und Gefühle festhalten möchte. Auch der Stift kann beim Schreiben von Bedeutung sein. Er sollte gut in der Hand liegen und je nach Vorlieben das persönliche Schriftbild unterstützen.

Meine Erfahrungen mit einem klassischen Tagebuch

Ich schreibe zum Beispiel am liebsten mit einem schwarzen Füller auf cremefarbenen und unliniertem Papier, auf dem sich das Geschriebene nicht auf der Rückseite durchdrückt und vervollständige meine Texte mit Zeichnungen und Erinnerungsstücken, wie getrockneten Blüten, Fotografien und Konzertkarten. Manche Textpassagen hebe ich zudem mit unterschiedlichen Markern hervor, um Stimmungen besser darzustellen oder Zitate und Gedichte festzuhalten, die mir besonders am Herzen liegen.

Das Dankbarkeitstagebuch

Dankbarkeitstagebuch

Das Dankbarkeitstagebuch lenkt den Blick auf die schönen Momente unseres Lebens, für die wir dankbar sind. Falls du gerade erst die Diagnose Krebs erhalten haben solltest, denkst du dir nun vielleicht: “Dankbar? Wofür soll ICH dankbar sein? ICH HABE KREBS!”. Dann hast du mit deinem Einwand natürlich recht. Aber ich kann dir versichern, dass sehr viele von uns an Krebs erkrankte Menschen sehr große Dankbarkeit für die unterschiedlichsten und manchmal für die kleinsten Dinge des Lebens empfinden. Die Vorlage kannst du hier herunterladen und ausdrucken.

Als Beispiel mag genannt sein:

Heute spürte ich den Wind besonders intensiv auf meiner Haut!

Der wertvolle Austausch mit meinem Mann schenkte mir Kraft und Zuversicht!

Der Tee duftet wunderbar aromatisch!

Mein Enkel hat ein schönes Bild für mich gemalt!

Auf diese Art, kann dich ein täglich geführtes Dankbarkeitstagebuch dabei unterstützen, deinen Blick auf die schönen Momente deines Lebens zu richten. Mehr über diese wertvolle Achtsamkeitsübung, erfährst du im Kurs “Den Alltag meistern als Mutter mit Krebs” in der Lektion “Kraft der Rituale“.

Das Fototagebuch

Mit einem Fototagebuch können wir ganz leicht Momentaufnahmen festhalten und diese mit schriftlichen Notizen und Zeichnungen vervollständigen. Ein Fototagebuch ist zudem eine schöne Erinnerungsstütze für die Momente des Lebens, an die wir uns gerne erinnern und das wir jederzeit zur Hand nehmen können. Dies ist eine wunderschöne Erweiterung zu unseren Bildordnern auf unseren Smartphones oder PCs, die dort zu oft ein trauriges Dasein fristen und meist viel zu selten betrachtet werden.

Der Kalender als Tagebuch

Wochenplaner

Viele Kalender bieten gute Raumstrukturen, um neben Terminen kurze persönliche Notizen festzuhalten. Der Nachteil: sollte dir an einem Tag der Sinn nach mehr Text sein, findest du unter Umständen nicht ausreichend Platz, deine Gedanken schriftlich zu notieren. Gegebenenfalls kannst du dir an dieser Stelle mit zusätzlichen Zetteln behelfen, die du anschließend im Kalender an entsprechender Stelle hinterlegst. Die klare Struktur eines Kalenders unterstützt gerade Anfänger durch seine Aufteilung, sich im Festhalten von Erlebnissen zu üben. Die Vorlage kannst du hier herunterladen und ausdrucken.

Das Bullet Journal

Zunehmender Beliebtheit erfreut sich das Bullet Journal, das der US-amerikanische Designer Ryder Carroll entwickelte. Das Bullet Journal ist ein codiertes System, welches dabei helfen soll, Ordnung und Struktur in die täglichen Aufgaben zu bringen und deinen Tag, deine Woche, deinen Monat und dein Jahr zu planen. Das Bullet Journal wird mit eigenen Tools ganz nach den persönlichen Bedürfnissen erstellt in einem leeren Notizbuch angelegt und bietet viel Raum für die eigene Kreativität.

Wie ist ein Bullet Journal aufgebaut?

Das Herz eines Bullet Journals ist der Index, dem sich auf den folgenden Seiten der Jahresplaner anschließt. Nach dem Jahreskalender folgt der Monatskalender. Darin werden beispielsweise auf der linken Seite Daten und Wochentage hinterlegt und rechts bleibt freier Platz für Notizen, anstehende Aufgaben, Termine oder to-do Listen. Anschließend folgt für jeden einzelnen Tag eine Tagesübersicht. Jede Seite wird mit einer Seitenzahl versehen und im Index hinterlegt.

Wie wird das Bullet Journal verwendet?

Auf diese Art, erstellst du dein persönliches Bullet Journal. Durch den Index behältst du die Übersicht über die folgenden Seiten. Aufgaben und Termine, die sogenannten Bullet Points, werden nach Erledigung markiert. Konnten Aufgaben nicht erledigt werden, werden sie durch eine entsprechende Codierung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Zwischen den einzelnen Tools besteht die Möglichkeit, zum Beispiel Einkaufslisten, Therapiepläne, Geburtstagsplaner, Wunschzettel, Gesprächsleitfaden für Arztgespräche oder Ideenlisten zu sammeln. Frei gehaltene Seiten im Bullet Journal bieten sich für charmante Zeichnungen an oder aber um Bilder einzufügen.

Du bist nicht so kreativ oder hast nicht die Zeit um das Ganze selbst anzulegen?

Grundsätzlich kann man das Bullet Journal selbst in einem leeren Notizbuch anlegen. Falls du gerne etwas mehr Orientierung hast, findest du in der Lektion “Mein ganz persönliches Tagebuch” einige Kalender-Vorlagen zum Ausdrucken. Indem du jene Vorlagen, die dir zusagen, ausdruckst, lochst, und in einem Ringbuch sammelst, kannst du dir dein individuelles Tagebuch zusammenstellen. Da du im Ringbuch die Reihenfolge der Seiten fortlaufend ändern kannst, kannst du den Index in der Regel weglassen.

Deine persönliche Bullet Journal Legende

Um deine Aufgaben im Bullet Journal zu kategorisieren, kannst du deinen eigenen Codierungs-Schlüssel mit Symbolen festlegen. Mit diesen kannst du die Inhalte in deinem Tagebuch auf einfache aber hübsche Weise verschiedenen Kategorien zuordnen, damit sie schon auf den ersten Blick leicht zu erfassen sind. Oft werden für Aufgaben Vierecke verwendet und für Termine kleine Kreise. Ist die Aufgabe oder der Termin erledigt, kannst du das Symbol ausmalen.

Icon Praktischer TippBeispiel für eine persönliche Bullet Journal Legende

  • Aufgabe IconAufgabe
  • Erledigt IconErledigt
  • Termin IconTermin
  • Erledigt IconTermin erledigt
  • X IconTermin abgesagt
  • Pfeil rechts IconTermin verschoben
  • Rufzeichen IconWichtig
  • Fragezeichen IconFrage
  • Ballon IconGeburtstag
  • Herz IconKinder
  • Hantel IconSport
  • Glühbirne IconInspiration

Ganz nach deinen Bedürfnissen

Der Grundgedanke hinter dem Bullet Journal ist, dass du es so anpasst, dass es für dich am praktikabelsten ist. Du kannst z.B. den Monatskalender weglassen, wenn du im Jahresplaner schon genügend Platz für deine Monatsnotizen hast. Wenn du lieber in Wochen planst als in einzelnen Tagen, kannst du statt der Tagesübersicht auch einfach eine Wochenübersicht verwenden.

Clustern

Cluster Lebensmut

Mit Clustern kannst du sehr gut Stimmungen einfangen und für dich darstellen. Dazu schreibe ein Wort in die Mitte einer Seite und zeichne einen Kreis um dieses herum. Um den Begriff in der Mitte notierst du nun weitere Begriffe, die dir spontan zum Ursprungswort einfallen und umrande diese ebenfalls mit einem Kreis und verbinde die Worte von Assoziation zu Assoziation mit einem Strich. Das Clustern kannst du für dich selbst zur Reflektion stehen lassen oder aber auch in nahezu jeder anderen Tagebuchform ergänzend zu deinen Aufzeichnungen einfügen. Die Vorlage kannst du hier herunterladen und ausdrucken.

Ernährungs- oder Schmerztagebuch

Für manche Krebspatienten, wird ein Ernährungs- oder Schmerztagebuch von Vorteil sein. Ein Schmerztagebuch ist eine Dokumentation bei chronischen oder regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden. Mit dem Ernährungstagebuch verhält es sich ganz ähnlich. Viele Krebspatienten oder je nach Art der vorliegenden Krebserkrankung, haben Probleme, sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren oder ihren täglichen Flüssigkeitsbedarf abzudecken. Hier kann ein Ernährungstagebuch helfen. Beide Formate dienen der Verlaufs- und Therapiekontrolle und ermöglichen eine individuelle Anpassung und Einstellung von Medikamenten oder einen bestehenden Ernährungsplan anzupassen. Ausführliche Informationen zum Führen eines Schmerztagebuches findest du an dieser Stelle bei Selpers.

Ein digitales Tagebuch

Neben den schriftlichen Formaten gibt es natürlich auch die Möglichkeit, sein Tagebuch digital in einem Dokument auf seinem PC, Tablet oder in Tagebücher-Apps auf seinem Smartphone oder auf Webseiten zu führen. Diese können neben der schriftlichen und bildlichen Form auch im Audioformat geführt werden. Die Gestaltungsmöglichkeiten für die digitalen Formen eines Tagebuchs sind dabei äußerst vielseitig.

Tagebücher auf Webseiten können vor der Öffentlichkeit vollständig geschlossen oder aber als Blog in einem öffentlichen Online-Tagebuch verwendet werden. Das öffentliche Führen eines Blogs erfreut sich zunehmender Beliebtheit unter KrebspatientInnen jeglichen Alters.

Probiere dich aus

Ich hoffe, ich konnte dir eine gute Vorstellung der unterschiedlichen Formate eines möglichen Tagebuchs aufzeigen. Welches für dich letztendlich geeignet sein wird – probiere dich aus. Und sei nicht enttäuscht, wenn das Favorisierte sich nicht gleich als das Richtige für dich herausstellt, dann versuche es entweder zu einem späteren Zeitpunkt nochmals oder versuche dich an einem weiteren Format. In der folgenden Lektion zeige ich dir, wie du die Scheu vor einem leeren Blatt Papier verlierst.

Geprüft Nicole Kultau: Stand Mai 2020

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