5. Untersuchungen zur Diagnose der Multiplen Sklerose

Kann ich selber feststellen, ob ich Multiple Sklerose habe?

Es gibt zwar einige Symptome, die sehr verdächtig für eine Multiple Sklerose (MS) sind, aber kein eindeutiges Zeichen. Je nachdem, welche Nerven und Gehirnareale angegriffen werden, können sich unterschiedlichste Symptome bemerkbar machen.

Erst mit den Ergebnissen mehrerer Diagnoseverfahren und Testungen ist die sichere Diagnose einer MS möglich.

Welche Untersuchungen werden bei Verdacht auf MS gemacht?

Um eine MS festzustellen, werden neben einem ausführlichen Gespräch und der körperlichen Untersuchung einige technische Untersuchungen durchgeführt.  Zu den Untersuchungen gehören:

  • MRT (Magnetresonanztomografie): Bei Verdacht auf MS werden Entzündungsherde im Bereich des Nervensystems sichtbar.Gegebenenfalls wird dazu ein Kontrastmittel verabreicht, das frische Entzündungsherde besonders zuverlässig darstellt.
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und Funktionsfähigkeit:  So kann zum Beispiel eine Beeinträchtigung des Sehnervs gemessen werden.
  • Lumbalpunktion: Eine geringe Menge von Nervenwasser (Liquor) wird entnommen und untersucht.

Um andere Erkrankungen auszuschließen, ist auch eine Blutuntersuchung erforderlich.

Erfahren Sie in der Lektion MRT und Lumbalpunktion bei Multipler Sklerose in der Online-Schulung Multiple Sklerose verstehen wie die Untersuchungen ablaufen.

In welchen Situationen im Alltag sollte ich aufpassen?

Die Diagnose Multiple Sklerose heißt nicht, dass Sie Ihren Alltag komplett umstellen müssen. Das wichtigste ist, dass Sie Neuerungen im Alltag gut für sich annehmen können und kontinuierlich umsetzen. Besonders wichtig sollte Ihnen sein auf sich selbst und das eigene Befinden noch mehr zu achten und Ihre Bedürfnisse entsprechend anzupassen. Eine realistische Einschätzung Ihrer eigenen Grenzen wird hilfreich sein Ihren Alltag positiv zu gestalten.

Kann man eine Multiple Sklerose immer am MRT erkennen?

Ja, denn mit einer MRT-Untersuchung lässt sich mit sehr hoher Sicherheit eine Entzündung im Gehirn und Rückenmark nachweisen. Nicht jeder Entzündungsherd macht sich klinisch durch Beschwerden bemerkbar. Zur besseren Einordnung gibt es internationale radiologische Kriterien (McDonald-Kriterien), die erfüllt sein müssen, damit die Diagnose einer MS gestellt werden kann.

Kann eine MS auch ohne Lumbalpunktion diagnostiziert werden?

Aktuell wird weiterhin empfohlen eine Lumbalpunktion bei Verdacht auf MS durchzuführen. Studien haben gezeigt, dass ohne eine Liquoruntersuchung falsche Diagnosen häufiger sind. Bei einer MS zeigen sich spezielle autoimmune Zellen, sogenannte oligoklonale Banden, die im Liquor nachgewiesen werden können. Dadurch werden andere Erkrankungen ausgeschlossen, die ebenfalls Entzündungsherde im Gehirn verursachen können und anders therapiert werden müssen.

Wie gehe ich damit um, wenn ich keine klare Diagnose erhalte?

Es gibt zwei besondere Krankheitsbilder, die einer MS sehr ähnlich sind, aber nicht die typischen Diagnosekriterien erfüllen:

  • Das radiologisch isolierte Syndrom (RIS): Es sind in der MRT-Untersuchung Entzündungsherde sichtbar, die auch bei einer MS zu finden sind. Meist handelt es sich hierbei um einen Zufallsbefund. Es treten jedoch keine MS-typischen körperlichen Symptome auf.
  • Das klinisch isolierte Syndrom (KIS): Es tritt eine Episode von neurologischen Beschwerden auf, zum Beispiel eine Sehnervenentzündung, die mindestens 24 Stunden andauert. Es gibt in der MRT-Untersuchung jedoch keine MS-typischen Entzündungsherde im Gehirn und Rückenmark.

Bei etwa 50-60% der Betroffenen geht das RIS oder KIS im Verlauf in eine MS über. Dies ist kein Grund zur Beunruhigung. Sobald Sie einen Schub oder eine Verschlechterung bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin/Ihren Arzt.

Durch regelmäßige Verlaufskontrollen und eine engmaschige Beobachtung kann ein Fortschreiten oder der Übergang in eine MS frühzeitig entdeckt und entsprechend behandelt werden. In vielen Fällen verschwinden die Krankheitszeichen spontan und führen zu keiner MS.

Warum ist es manchmal schwierig die Diagnose Multiple Sklerose eindeutig zu stellen?

Die uncharakteristischen und vielfältigen Anfangsbeschwerden führen dazu, dass selbst erfahrene MedizinerInnen manchmal Schwierigkeiten haben die Diagnose zu sichern.

Auch der zeitliche Verlauf ist nur schwer vorherzusagen. Manche Symptome bestehen nur eine Zeit lang und verschwinden bis zu einem gewissen Grad oder vollständig. Um einen Verdacht auf MS zu bestätigen, sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Manchmal vergehen mehrere Monate, bevor alle Befunde vorliegen und in der Zusammenschau ein schlüssiges Bild ergeben.

Geprüft Dr.in Doris Hauer: Stand Dezember 2022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.