2. Früh-Symptome bei Multipler Sklerose erkennen

Welche ersten Symptome treten bei der Multiplen Sklerose häufig auf?

Viele Menschen mit MS geben Sehstörungen als erstes Symptom an. Eine Sehnervenentzündung verursacht verschwommenes Sehen, eingeschränktes Farbensehen, das Sehen von Doppelbildern oder Schmerzen bei Augenbewegungen. Bei dieser sogenannten „Retrobulbärneuritis“ findet die Augenärztin/der Augenarzt in der Untersuchung häufig keine sichtbare Entzündung am Auge.

Auch Gefühlsstörungen mit Missempfindungen auf der Haut treten häufig als frühes Symptom auf. Diese beschränken sich meist auf eine Körperhälfte und führen dazu, dass sich beispielsweise Hände und Füße plötzlich taub oder kribbelig anfühlen. Wenn Muskeln verkrampfen und sich steif anfühlen, können Probleme beim Schreiben oder Kraftlosigkeit bei bestimmten Tätigkeiten auftreten.

Im Verlauf der MS können weitere Symptome auftreten:

  • Schmerzen: durch direkte Schädigung von Nerven oder durch Muskelverspannungen und Krämpfe verursacht
  • Übermäßiger Harndrang oder Blasenschwäche
  • Probleme mit der Verdauung
  • Schlafstörungen
  • Störungen von Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Konzentrationsprobleme
  • Depressive Verstimmung, Antriebslosigkeit, Angststörungen

Wie kann ich meine Symptome besser einschätzen?

MS-Symptome treten nicht schlagartig wie bei einem Schlaganfall oder vorübergehend wie bei einer Muskelverspannung auf.
Die Symptome treten auf, bauen sich weiter auf und bleiben anschließend für einen gewissen Zeitraum bestehen.

Wenn Ihnen diese Art von Symptomen auffällt, besprechen Sie dies mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt. Ihre Beschwerden können dann weiter abgeklärt werden.

Wie äußert sich Schwindel bei der Multiplen Sklerose?

Gleichgewichtsprobleme und Schwindel können auftreten, wenn bestimmte Gehirnbereiche betroffen sind, die die Koordination und den kontrollierten Bewegungsablauf steuern. Durch eine Änderung der Position, beispielsweise vom Liegen zum Stehen, kann ein schwummeriges Gefühl ausgelöst werden. Das fühlt sich in etwa so an, wie leicht betrunken zu sein.

Auch ein unsicherer Gang und die Neigung in eine Richtung können auftreten. Sowohl im Schub als auch in der weiterführenden Behandlung gibt es für diese Symptomatik entsprechende Therapieoptionen.

Wann machen sich Symptome im Alltag am stärksten bemerkbar?

Eine vorübergehende Erhöhung der Körpertemperatur, beispielsweise durch Fieber oder heißes Wetter, kann zu einer plötzlichen Verschlechterung von Symptomen führen. Durch die Wärme wird die Funktion der Nerven beeinträchtigt, sodass sich Beschwerden verstärken. Dies wird als „Uhthoff-Phänomen“ bezeichnet.

Auch Stress, außergewöhnliche Belastungen und Schlafmangel wirken sich negativ auf die MS aus und begünstigen das Auftreten von neuen Symptomen und Schüben.

Woher kommt das Gefühl der Erschöpfung bei Multipler Sklerose?

Ausgeprägte Erschöpfung, anhaltende Müdigkeit und Antriebsschwäche werden als Fatigue bezeichnet. Fatigue ist ein sehr häufiges MS-Symptom und kann verschiedene Ursachen haben. Schädigungen im Nervensystem selbst können die Symptome hervorrufen.

Andere Symptome wie Schlafstörungen, Bewegungseinschränkungen oder Infektionen können ebenfalls die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken. Mit einer MS-Behandlung kann die Erschöpfung jedoch eingedämmt werden, sodass der Alltag problemlos gemeistert werden kann.

In der Lektion Beschwerden bei Multipler Sklerose behandeln in der Online-Schulung Multiple Sklerose behandeln erfahren Sie, welche Therapien es gegen die Fatigue gibt und was Sie selbst im Alltag tun können.

Geprüft Dr.in Doris Hauer: Stand Dezember 2022 | Quellen und Bildnachweis

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