1. Myasthenia gravis einfach erklärt

Was ist Myasthenia gravis?

Myasthenia gravis, auch Myasthenie genannt, ist eine Erkrankung des Immunsystems. Hier liegt auch die Hauptursache für Myasthenia gravis: Normalerweise schützt uns das Immunsystem vor Krankheitserregern wie Viren oder Bakterien. Bei Myasthenia gravis gerät dieses System jedoch aus dem Gleichgewicht. Der Körper bildet sogenannte Autoantikörper, also Abwehrstoffe, die sich fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen richten.

Durch eine Kombination aus Blockade und Schädigung kommt es zu einer gestörten Signalübertragung vom Nerv zum Muskel. Die elektrische Nachricht vom Nerv kommt beim Muskel nicht mehr stark genug an. Für Sie als Betroffene:r bedeutet das:

  • Die Muskeln sind grundsätzlich funktionsfähig, verlieren aber bei wiederholter oder längerer Belastung zunehmend an Kraft.
  • Viele Patient:innen berichten, dass Bewegungen anfangs noch gut gelingen, später jedoch deutlich schwerer fallen oder gar nicht mehr möglich sind.

Was passiert bei der Erkrankung an der neuromuskulären Endplatte?

Damit sich ein Muskel bewegen kann, muss ein Signal vom Nerv auf den Muskel übertragen werden. Dieser Übergang findet an der sogenannten neuromuskulären Endplatte statt. Die neuromuskuläre Endplatte ist die Kontaktstelle zwischen Nerv und Muskel.

Im gesunden Zustand schüttet der Nerv den Botenstoff Acetylcholin aus. Dieser bindet an spezielle Rezeptoren am Muskel und löst dort die Muskelanspannung aus.

Bei Myasthenia gravis sind viele dieser Rezeptoren durch Autoantikörper blockiert oder geschädigt. Zusätzlich können Abwehrreaktionen des Immunsystems an dieser Kontaktstelle entstehen, die die Signalübertragung weiter beeinträchtigen. Besonders bei wiederholten Bewegungen reicht die Signalstärke dann nicht mehr aus. Die Folge ist eine rasche Ermüdung oder Schwäche der betroffenen Muskulatur.

Warum gehört Myasthenia gravis zu den Autoimmunerkrankungen und was heißt das konkret?

Myasthenia gravis zählt zu den Autoimmunerkrankungen, weil sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Vergleichbare Fehlsteuerungen des Immunsystems gibt es auch bei anderen Erkrankungen wie Rheuma oder Lupus. Bei Myasthenia gravis betrifft die fehlgeleitete Immunreaktion jedoch gezielt die Verbindung zwischen Nerv und Muskel.

Im Alltag heißt das konkret: Die Muskelschwäche ist nicht konstant, sondern nimmt vor allem bei andauernder oder wiederholter Belastung zu. Häufig funktionieren Bewegungen zu Beginn noch gut und lassen dann nach. Diese Schwankungen können sich auch im Tagesverlauf zeigen und sind ein typisches Merkmal der Erkrankung. Wichtig ist zu wissen, dass diese Veränderungen kein Zeichen von mangelnder Anstrengung oder fehlender Motivation sind, sondern eine direkte Folge der gestörten Signalübertragung im Körper.

Kraft bewusst einteilen

Mit Myasthenia gravis ist es besonders wichtig, die eigene Energie gut zu nutzen und einzuteilen.

Das kann Ihnen helfen:

  • Planen Sie anstrengende Tätigkeiten möglichst zu Zeiten, an denen Sie sich kräftiger fühlen.
  • Legen Sie rechtzeitig Pausen ein – nicht erst, wenn die Erschöpfung sehr stark ist.
  • Vermeiden Sie viele gleichartige Bewegungen direkt hintereinander.
  • Nehmen Sie Schwäche als Signal Ihres Körpers ernst. Sie ist kein Zeichen persönlichen Versagens.
  • Besprechen Sie die Symptomatik mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. So kann Ihnen langfristig geholfen werden.

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    Ao. Univ.-Prof. Dr. Fritz Zimprich, PhD: Stand Juni 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Immunantwort
    Reaktion des Immunsystems auf Organismen oder Substanzen, die es für schädlich hält. Das Abwehrsystem des Körpers kann nach einer durchgemachten Krankheit oder nach einer Impfung einen Krankheitserreger erkennen. Das Immunsystem reagiert und bekämpft den Krankheitserreger.