Ein zentrales Merkmal der Myasthenia gravis ist die belastungsabhängige Muskelschwäche. Das bedeutet: Ausgeruht funktionieren die Muskeln oft noch relativ gut. Mit zunehmender Belastung oder bei wiederholten Bewegungen lässt die Muskelkraft jedoch nach.
Der Grund dafür liegt in einer gestörten Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. Normalerweise setzt der Nerv bei jeder Bewegung den Botenstoff Acetylcholin frei. Dieser bindet an spezielle Andockstellen (Rezeptoren) am Muskel und löst so die Muskelanspannung aus.
Bei Myasthenia gravis sind viele dieser Andockstellen durch Autoantikörper blockiert oder zerstört.
- Dadurch stehen deutlich weniger funktionsfähige Rezeptoren zur Verfügung.
- Das Nervensignal kommt zwar grundsätzlich noch an, ist aber abgeschwächt.
- Bei wiederholten Bewegungen nimmt die Wirksamkeit der Signalübertragung weiter ab. Das Signal reicht zunehmend nicht mehr aus, um den Muskel zuverlässig zu aktivieren.
- Die Folge ist eine rasch zunehmende Schwäche. Nach einer Pause kann sich die Signalübertragung wieder stabilisieren. Dadurch verbessert sich die Muskelkraft für eine gewisse Zeit, bevor sie bei erneuter Belastung wieder nachlässt.
Diese Schwäche kann grundsätzlich jede Muskelgruppe betreffen. Häufig berichten Patient:innen von Doppelbildern oder einem hängenden Augenlid, vor allem nach längerem Lesen, Autofahren oder Bildschirmarbeit. Auch das Kauen, Schlucken oder Sprechen kann mit zunehmender Dauer anstrengend werden. Andere Betroffene bemerken eine Schwäche in Armen oder Beinen, etwa beim Treppensteigen oder bei Arbeiten über Kopf.
