5. Einen guten Umgang finden

Was kann ich für mein eigenes psychisches Wohlbefinden tun?

Sie wollen und können auch für die/den Betroffenen da sein und sie/ihn unterstützen. Ganz wichtig aber dabei ist: Vergessen Sie bitte nicht auf sich selbst zu schauen. Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse und Grenzen.

Folgende Hilfsmaßnahmen können hierbei helfen:

  • Austausch mit anderen betroffenen Angehörigen
  • Hilfsangebote von Organisationen (HPE in Österreich etc.)
  • Entspannungstechniken
  • Abgrenzung versuchen
  • Begleitende psychotherapeutische Verfahren/psychologische Betreuung

An wen kann ich mich wenden, wenn ich auf Dauer nicht mehr weiterweiß?

Hier ist ganz wichtig: Holen Sie für sich selbst die notwendige Unterstützung. Es gibt einige Möglichkeiten Ihren eigenen Kummer zu reduzieren:

  • Termin mit BehandlerInnen
  • Psychologische Unterstützung
  • Soziales Umfeld (FreundInnen etc.)
  • Selbsthilfegruppen

Wichtig ist: Trauen Sie sich über die Erkrankung und Ihre Sorgen zu sprechen. Die Schizophrenie ist eine Erkrankung, die mit vielen Vorurteilen belastet ist. Umso notwendiger ist ein offenerer Umgang mit dem Krankheitsbild.

Was kann gegen die Angst vor erneuten Schüben helfen?

Der beste Umgang mit Schüben ist: Haben Sie Respekt davor, aber keine Angst.

Dass ein weiterer Schub auftritt, ist nicht vollkommen ausgeschlossen. Denken Sie sich: Ich werde mich darum kümmern, sollte es soweit sein. Versuchen Sie sich nicht davor schon damit zu belasten.

Was kann ich tun, wenn meine Angehörige/mein Angehöriger sich herausfordernd oder unangenehm benimmt?

Bei herausforderndem oder/und rücksichtslosem Verhalten sollten Sie:

  • Das Verhalten nicht tolerieren
  • Respekt einfordern.

Auch wenn das Fehlverhalten im Zuge der Schizophrenie auftritt, ist es wichtig, dass Sie Ihre Grenzen aufzeigen.
Aggressivität, gewalttätiges Verhalten und/oder Beleidigungen sind nicht in Ordnung.

Kann es nötig werden, den Kontakt zur/zum Angehörigen abzubrechen?

Viele Angehörige fühlen sich schuldig, wenn sie überlastet sind und sich zurücknehmen müssen.
Zahlreiche Eltern machen sich Vorwürfe, dass in der Erziehung des Kindes etwas schiefgelaufen und deshalb die Schizophrenie entstanden ist.
An dieser Stelle ist zu sagen: Sie sind weder schuld noch verantwortlich für das Auftreten der Schizophrenie!

Kann es von Vorteil sein das Umfeld über die Erkrankung aufzuklären?

Die Aufklärung des Umfeldes über Schizophrenie kann eine sehr sinnvolle Maßnahme sein, wenn:

  • das Verhalten der/des Erkrankten auffällig ist
    und es deshalb zu Schwierigkeiten im Umfeld kommen kann

Tun Sie dies aber immer:

  • mit Fingerspitzengefühl
  • in Absprache mit der/dem Betroffenen

Wie kann ich Vorurteilen entgegenwirken und wer kann mir dabei helfen?

Es gibt sehr viele Vorurteile gegenüber psychisch Erkrankten. So glauben viele, dass die Betroffenen dumm oder selbst schuld an ihrer Krankheit seien, oder dass die Ursache in einer negativen Kindheitserfahrung liege.
Schizophrenie aber entsteht vermutlich durch das Zusammenwirken von:

  • Genetischen Faktoren
  • Umweltfaktoren

Das beste Mittel gegen Vorurteile ist Aufklärung.

Über die Erkrankung aufklären

Wenn Sie das Bedürfnis haben Außenstehende über die Krankheit zu informieren, dann tun Sie es. Oder verweisen Sie auf Informationsbroschüren oder Fachartikel.
Aber setzen Sie sich nicht unter Druck: Es ist nicht Ihre Aufgabe Aufklärungsarbeit zu leisten.
Machen Sie es so, wie es für Sie gut tut.

Ist es okay, wenn ich als Angehörige/r mit anderen über die Situation spreche?

Ein offener Umgang mit der Erkrankung kann helfen.
Was wichtig ist: Wenn Sie mit ihrem Umfeld über die Situation sprechen, dann achten Sie darauf, die/den Betroffene/n nicht bloßzustellen.
In geschützten Räumen wie beispielsweise während einer Psychotherapie können Sie hingegen ganz offen erzählen.

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  • Kommunikationsregeln Mit diesen Regeln erleichtern Sie Gespräche, vermeiden Konflikte und beugen Missverständnisse vor.

Geprüft Prim.a Dr.in Christa Radoš: Stand Juli 2022

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.