4. Umgangsstrategien bei Psychosen

Wie äußert sich eine Psychose?

Häufige Symptome einer Psychose können sein:

  • Wahrnehmungsstörungen (Wahn)
  • (akustische) Halluzinationen
  • falsche Realität.
Psychosen und Positivsymptom

Psychosen zählen zu den sogenannten Positiv-oder Plussymptomen. Darunter fallen Symptome, die mit veränderten und unüblichen Erlebens-, Denk- und Verhaltensweisen einhergehen.

Den Gegensatz bilden die Negativ- oder Minussymptome, bei denen die PatientInnen vermindert reagieren. Darunter fallen beispielsweise depressives Verhalten und sozialer Rückzug.

Was passiert mit meiner/meinem Angehörigen während einer Psychose?

Während einer Psychose durchleben Betroffene die Realität ganz anders als gesunde Menschen. Das ist oft sehr belastend für die/den Erkrankten, aber auch für ihre/seine Angehörigen.

Oft hören die PatientInnen Stimmen, die sie beschimpfen oder auffordern etwas zu tun, oder sie fühlen sich verfolgt und beobachtet. Es kann aber auch vorkommen, dass Erkrankte plötzlich glauben alles zu durchschauen und die Welt verbessern zu können.

Wie lange dauert eine Psychose an?

Eine Psychose kann unterschiedlich lang anhalten. Wenn sie medikamentös therapiert wird, ist sie meistens kürzer.
Generell gilt: Je früher man eine Psychose behandelt, desto besser ist die Chance sie zu korrigieren.

Wie kann ich auf Halluzinationen und Wahnvorstellungen meiner/meines Angehörigen reagieren?

Folgende Tipps gibt es beim Umgang mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen:

Sie sollten nicht:

  • Überzeugungen ausreden
  • Wirklichkeit diskutieren

Besser ist:

  • Über Auswirkungen der veränderten Weltsicht reden:
    „Diese Weltsicht muss schwierig für dich sein. Wie kann ich dir damit helfen?“
  • Bei Problemen helfen, zum Beispiel Stress mildern.

Was kann ich tun, wenn meine Angehörige/mein Angehöriger sich weigert, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Folgende Möglichkeiten gibt es unter anderem:

  • Krisendienste, die PatientInnen in Notsituationen aufsuchen
  • Institutionen wie HPE (in Österreich), die Ihnen wertvolle Tipps geben können.

Generell gilt: Achten Sie auch auf sich! Der Umgang mit einer an Schizophrenie erkrankten Person kann sehr schwierig und nervenaufreibend sein. Nehmen Sie sich Auszeiten.

Was kann ich tun, wenn ich Angst habe, dass meine Angehörige/mein Angehöriger sich selbst oder andere in Gefahr bringt?

Wenn eine psychisch erkrankte Person sich selbst oder andere gefährdet, dann tritt das sogenannte Unterbringungsgesetz in Kraft. Dieses besagt, dass die/der Erkrankte auch gegen ihren/seinen  Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden kann/muss. Dort wird sie/er fachlich beurteilt und gegebenenfalls behandelt und stationär aufgenommen. Dieses Gesetz wird sehr streng kontrolliert, damit die Menschenrechte gewährleistet werden.

Die Folgen von Situationen, die gefährlich sein könnten, sind oft schwer einschätzbar, daher gilt: im Zweifel fachliche Hilfe holen!

Was passiert bei einem Aufenthalt in der Psychiatrie?

Während des Aufenthalts in einer Psychiatrie wird folgendes gemacht:

  • Untersuchungen und Diagnose
  • Linderung der Symptome durch Medikation und zusätzliche Therapien
  • Mittelfristige Behandlung mit verschiedenen Therapien
  • Entlassung mit einem ambulanten Behandlungsplan.
Welche Therapien kommen in der Psychiatrie zum Einsatz?

In der Psychiatrie werden neben der medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung unterschiedliche Therapieansätze angeboten:

  • Ergotherapie, Physiotherapie
  • Soziotherapie
  • Psychoedukation
  • Musik- und Kunsttherapie
  • Entspannungsverfahren etc.

Wie verhalten sich Menschen mit Schizophrenie in der Zeit nach der Psychose?

Eine Psychose ist unglaublich anstrengend für den gesamten Organismus. Deshalb sind PatientInnen nach einem akuten Schub sehr ruhebedürftig. Das Gehirn und der Körper müssen sich erst wieder erholen.

Es kann einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die Erkrankten wieder soziale Kontakte pflegen oder arbeiten können.

Tipp: Rückzug und Ruhe ermöglichen

Wenn Sie merken, dass sich die/der Betroffene nach einem akuten Schub zurückzieht, dann versuchen Sie dies zu akzeptieren. Diese Ruhebedürftigkeit kann ein paar Monate anhalten. Schritt für Schritt kann die/der Erkrankte wieder ins normale Leben zurückfinden.

Wie kann ich meine Angehörige/meinen Angehörigen in dieser Phase unterstützen?

Nach einem akuten Schub müssen oft zahlreiche Dinge organisiert werden:

  • Bereitstellung der Unterkunft der/des Betroffenen
  • Organisation und Durchführung von Behördengängen, Arztbesuchen
  • Gewährleistung der medizinischen und alltäglichen Versorgung
  • Strukturierung des Alltags (wichtiger Bestandteil!) etc.

Außerdem können Sie die/den Erkrankte/n auf dem Weg in die Normalität begleiten. Stellen Sie sich aber auf einen Weg der kleinen Schritte ein.

Downloads

  • Kommunikationsregeln Mit diesen Regeln erleichtern Sie Gespräche, vermeiden Konflikte und beugen Missverständnisse vor.

Geprüft Prim.a Dr.in Christa Radoš: Stand Juli 2022

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.