2. Medikamentöse Therapien

Welche Medikamente werden zur Behandlung eingesetzt?

Für viele Menschen mit Sichelzellkrankheit ist die medikamentöse Behandlung ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Ziel ist es, Schmerzkrisen zu reduzieren, Komplikationen vorzubeugen und die Lebensqualität zu verbessern.

Ein zentrales Medikament ist Hydroxyurea. Es wird regelmäßig eingenommen und kann helfen, Schmerzkrisen und Komplikationen zu verringern. Hydroyurea wird häufig früh eingesetzt und kann dazu beitragen, die Bildung von fetalem Hämoglobin zu erhöhen. Das ist eine besondere Form des roten Blutfarbstoffs. Babys haben es vor der Geburt und es schützt die roten Blutkörperchen davor, sichelförmig zu werden.

Gerade bei Hydroxyurea bestehen bei Patient:innen oder Eltern manchmal Unsicherheiten, etwa wegen möglicher Nebenwirkungen oder einer langfristigen Einnahme. Solche Sorgen sind verständlich. Studien zeigen jedoch, dass Hydroxyurea Schmerzkrisen, akute Komplikationen und Krankenhausaufenthalte deutlich reduzieren kann. Zudem gibt es Hinweise, dass die Therapie langfristig auch bestimmte Organschäden günstig beeinflussen kann. Ein offenes Gespräch mit dem Behandlungsteam kann helfen, individuelle Fragen besser einzuordnen.

Zusätzlich können – je nach individuellem Verlauf – weitere unterstützende Therapien zum Einsatz kommen, etwa:

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Krankheitsverlauf ab.

Therapie individuell anpassen

Nicht jede Therapie passt für jede Person gleich gut. Besprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Behandlungsteam, ob Ihre aktuelle Behandlung noch optimal zu Ihrer Situation passt.

Wie wirken diese Medikamente im Körper?

Hydroxyurea unterstützt die Bildung von fetalem Hämoglobin. Dadurch wird die Sichelung der roten Blutkörperchen reduziert und Gefäßverschlüsse treten seltener auf.

Das kann helfen:

  • Schmerzkrisen zu verringern
  • die Sauerstoffversorgung zu verbessern
  • Organschäden vorzubeugen

Auch unterstützende Medikamente wie Glutamin sollen dazu beitragen, die roten Blutkörperchen vor Schäden zu schützen.

Besonders bei kleinen Kindern gehört häufig auch eine vorbeugende Penicillin-Therapie zur Standardbehandlung. Diese Penicillin-Prophylaxe schützt vor schweren bakteriellen Infektionen, da Kinder mit Sichelzellkrankheit durch die eingeschränkte Milzfunktion besonders gefährdet sind. Denn bei Sichelzellkrankheit arbeitet die Milz oft nicht richtig. Dadurch kann sich der Körper schlechter gegen bestimmte Bakterien schützen.

Die Behandlung zielt also nicht nur auf akute Beschwerden ab, sondern soll langfristig den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Welche Nebenwirkungen und Kontrollen sind wichtig?

Wie bei vielen Medikamenten können auch bei der Behandlung der Sichelzellkrankheit Nebenwirkungen auftreten. Häufig handelt es sich um Magen-Darm-Beschwerden oder Veränderungen im Blutbild, zum Beispiel Veränderungen der roten und weißen Blutkörperchen.

Treten unter Therapie ungewöhnliche Beschwerden wie anhaltendes Fieber, starke Müdigkeit, neue Schmerzen oder auffällige Blutbildveränderungen auf, sollte rasch ärztliche Rücksprache erfolgen.

Schmerzen ernst nehmen

Beschreiben Sie Schmerzen möglichst genau und deutlich. Eine klare Kommunikation hilft, schnell die passende Schmerztherapie zu erhalten. 

Deshalb sind auch regelmäßige Kontrollen besonders wichtig. Dazu gehören vor allem:

  • Blutbildkontrollen
  • Überprüfung der Medikamentenwirkung
  • Anpassung der Dosierung bei Bedarf

Während Schwangerschaft und Stillzeit müssen bestimmte Medikamente besonders sorgfältig geprüft werden.

Eine gute Überwachung hilft dabei, die Therapie sicher und wirksam einzusetzen. Mehr dazu, warum regelmäßige Kontrollen wichtig sind und welche Komplikationen überwacht werden, erfahren Sie in der Schulung Sichelzellkrankheit verstehen, insbesondere in der Lektion „Diagnose und Krankheitsverlauf“.

Warum ist die regelmäßige Einnahme so wichtig?

Medikamente können nur dann zuverlässig wirken, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Eine möglichst konstante Einnahme hilft dabei, dass das Medikament dauerhaft gut im Körper wirken kann.

Hilfreich im Alltag können sein:

  • feste Einnahmezeiten
  • Smartphone-Erinnerungen
  • Medikamentenpläne

Wird eine Dosis einmal vergessen, ist das meist kein Problem. Bei längeren Unterbrechungen sollte jedoch das Behandlungsteam informiert werden.

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    Geprüft Dr.in Gabriele Kropshofer: Stand Juni 2026 | Quellen und Bildnachweis