2. Symptome erkennen und verstehen

Welche Beschwerden sind typisch und warum entstehen sie?

Typisch für die Sichelzellkrankheit sind vor allem Schmerzkrisen. Der Begriff „Sichelzellanämie“ ist dabei irreführend: Die Blutarmut ist nur ein Symptom der Erkrankung. Für Betroffene sind die Schmerzen meist belastender.

Schmerzkrisen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Kälte
  • starkes Schwitzen und Flüssigkeitsmangel, etwa im Sommer
  • Infektionen

Ein wichtiger Punkt ist die Milzfunktion. Bei vielen Menschen mit Sichelzellkrankheit arbeitet die Milz mit der Zeit kaum noch oder gar nicht mehr. Dadurch sind Infektionen nicht nur häufiger, sondern können auch lebensbedrohlich sein. Dieser Zustand ist vergleichbar mit Menschen, denen die Milz operativ entfernt wurde.

Die Beschwerden der Sichelzellkrankheit sind sehr vielfältig. Das liegt daran, dass die Erkrankung kleine Blutgefäße im ganzen Körper betrifft. Deshalb kann es zu unterschiedlichen Komplikationen kommen. Mehr dazu erfahren Sie in der Lektion Diagnose und Krankheitsverlauf.

Die Ursache all der Beschwerden ist dieser Mechanismus:
Wenn das Sichelzell-Hämoglobin Sauerstoff abgibt, lagern sich die Hämoglobinmoleküle aneinander. Die roten Blutkörperchen werden dadurch starr und verformt. Sie können kleine Blutgefäße schädigen, Entzündungen auslösen und den Blutfluss behindern. Hinter diesen Gefäßverschlüssen entsteht Sauerstoffmangel, der Schmerzen, Gewebeschäden und Organkomplikationen verursacht.

Was ist eine Sichelzellkrise und wie erkenne ich sie?

Eine Sichelzellkrise ist durch das plötzliche Auftreten sehr starker Schmerzen gekennzeichnet. Viele Betroffene beschreiben diese Schmerzen als extrem. Auf einer Schmerzskala werden häufig die höchsten Werte angegeben.

Solche Krisen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Besonders häufig spielen Infektionen eine Rolle. Deshalb ist es bei einer Sichelzellkrise wichtig, nicht nur die Schmerzen zu behandeln, sondern auch zu klären, ob eine Infektion vorliegt. In manchen Fällen ist neben der Schmerztherapie eine rasche antibiotische Behandlung notwendig.

Gerade bei Kindern gilt: Fieber ist immer ein Warnsignal. Bei kleinen Kindern sollte bei Fieber sofort eine ärztliche Abklärung erfolgen. Häufig ist eine stationäre Aufnahme notwendig, um eine schwere Infektion frühzeitig zu behandeln.

Weitere Warnzeichen, die ernst genommen werden müssen, sind:

  • Sehstörungen
  • Schwindel oder Veränderungen im Nervensystem, zum Beispiel beim Sprechen, Sehen oder Bewegen
  • plötzlich auftretende, ungewohnte Beschwerden

Diese Symptome können Anzeichen sein, zum Beispiel für Gefäßverschlüsse im Gehirn oder Veränderungen an der Netzhaut , die insbesondere bei bestimmten Varianten der Sichelzellkrankheit auftreten können.

Im Zweifel gilt: Lieber frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, damit schnell abgeklärt werden kann, welche Behandlung notwendig ist.

Wie wirkt sich die Erkrankung im Alltag aus?

Die Sichelzellkrankheit kann dazu führen, dass Betroffene im Alltag schneller müde werden oder weniger Energie haben. Durch die chronische Blutarmut fühlen sich viele Betroffene schneller erschöpft.

Auch bestimmte Situationen können Beschwerden verstärken, zum Beispiel:

  • zu wenig trinken
  • Kälte oder große Hitze
  • Flugreisen oder starke körperliche Belastung

Diesen Kurs bewerten

Ihr Feedback hilft anderen Nutzern die für sie passenden Kurse zu finden.

0 / 5 (0)

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Wir freuen uns über Ihr Feedback

Wir entwickeln fortlaufend neue Kurse und lernen dabei nie aus. Dabei berücksichtigen wir gerne Ihre Wünsche und Anregungen. Wir freuen uns daher sehr über Ihr Feedback. Bitte beachten Sie, dass wir keine personenbezogenen medizinischen Auskünfte geben können. Sollten Sie dazu Fragen haben, klären Sie diese bitte in einem persönlichen Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.


    (Optional - Sollten Sie eine Antwort wünschen)

    Geprüft Univ.-Prof. Dr. Leo Kager: Stand Juni 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Netzhaut
    Eine dünne Schicht im Inneren des Auges, die Licht aufnimmt und in Signale für das Gehirn umwandelt.