3. Hyposensibilisierung verstehen

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Hyposensibilisierung gegen Insektengifte

Wie in der Lektion „Behandlungsmöglichkeiten“ erklärt wurde, ist die Hyposensibilisierung die langfristige Therapie einer Allergie. Dabei wird das Immunsystem langsam an das Insektengift gewöhnt.

Ablauf und Dauer der Hyposensibilisierung

  • Am Beginn Therapieeinheiten mit Verabreichung und Nachbeobachtung
  • Insektengift-Hyposensibilisierung erfolgt immer mit Spritze
  • Gesamtdauer über mehrere Jahre, mindestens 5 Jahre
  • Bei sehr schweren Allergien kann eine lebenslange Immuntherapie sinnvoll sein
  • Die Erhaltungsdosis ist meist nach Tagen (bei Aufdosierung im Krankenhaus) oder nach einigen Wochen (bei ambulanter Therapie) erreicht
  • Nach Erreichen der Erhaltungsdosis besteht ein Schutz vor schweren allergischen Reaktionen

Erhaltungsdosis

Die Erhaltungsdosis ist die Zieldosis des Insektengifts, also die Menge, an die der Körper langsam gewöhnt wird, damit er nicht mehr allergisch reagiert. Die Erhaltungsdosis wurde in Dosisfindungsstudien ermittelt. Während der Erhaltungsphase der Hyposensibilisierung wird diese Dosis weiter gegeben.

Vergleich Bienen- und Wespengift

Bienen- und Wespengift sind unterschiedliche Gifte, die teilweise verschiedene Stoffe enthalten. Während Bienengift viele für eine Allergie in Frage kommende Allergene beinhaltet, sind es bei Wespengift nur wenige verschiedene Allergene.

Es sind deutlich mehr Menschen allergisch auf einen Wespenstich als auf einen Bienenstich. Nebenwirkungen während der Hyposensibilisierung sind bei der Behandlung einer Wespenallergie seltener als bei der Behandlung einer Bienenstichallergie und auch die Erfolgsaussichten sind eine Spur besser. Aber bei beiden Insektengiftallergien ist eine langfristige Behandlung in der Regel mit guten Erfolgsaussichten und wenig Nebenwirkungen verbunden.

Meist lebenslanger Schutz

Die Hyposensibilisierung führt vor allem bei Wespengiftallergie meist zu einem lebenslangen Schutz vor einer erneuten Insektengiftallergie. Nur wenn Sie vorzeitig abbrechen, Sie häufig erneut gestochen werden oder in anderen seltenen Fällen kann eine erneute Therapie notwendig werden.

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Voraussetzungen für eine Hyposensibilisierung

Damit eine Hyposensibilisierung begonnen werden kann, müssen nur wenige Voraussetzungen erfüllt sein.

Alter

Ab welchem Alter eine Hyposensibilisierung bei Kindern angezeigt ist, ist eine individuelle Entscheidung. Empfohlen wird sie ab etwa 5 Jahren. Es gibt keine obere Altersgrenze für die Durchführung der Hyposensibilisierung.

Ausschlusskriterien

Eine Hyposensibilisierung soll in folgenden Fällen nicht durchgeführt werden:

  • Bestimmte Autoimmunerkrankungen
  • Aktive Krebserkrankung
  • Kein Beginn während Schwangerschaft

Auch bei Vorliegen von Ausschlusskriterien können Sie nach individueller Nutzen/Risiko-Abwägung gemeinsam mit der behandelnden Ärztin / dem behandelnden Arzt eine Entscheidung für die Hyposensibilisierung treffen.

Jahreszeit und andere Kriterien

Am besten beginnen Sie die Hyposensibilisierung im Winter, der Beginn ist aber zu jeder Jahreszeit möglich. Während des Beginns der Hyposensibilisierung ist eine Stichvermeidung besonders wichtig, vor allem da noch kein voller Schutz vor der Allergie besteht.

Außerdem ist zu empfehlen nicht während eines Infektes zu beginnen und beispielsweise ein Asthma bronchiale vor Beginn gut einzustellen. Bedenken Sie aber auch, dass eine Verzögerung der Hyposensibilisierung zu einem späteren Schutz vor der Allergie führt. Ihre Ärztin / Ihr Arzt wird Sie dazu beraten.

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Nebenwirkungen einer Hyposensibilisierung

Die Hyposensibilisierung wird meist sehr gut vertragen. Wenn Nebenwirkungen auftreten, sind diese meist leicht.

Mögliche Nebenwirkungen

Bei der Hyposensibilisierung können selten leichte Nebenwirkungen auftreten, die der allergischen Reaktion auf den Stich ähneln – sie sind aber sehr viel schwächer und in der sicheren Umgebung der Praxis oder Klinik. Die Nebenwirkungen sind zum Beispiel Juckreiz oder schnellerer Herzschlag.

Die Nebenwirkungen sind meist gut zu kontrollieren und selten: 2 – 3 % bei Wespengift, etwa 10 % bei Bienengift. Schwere Nebenwirkungen sind extrem selten.

Nebenwirkungen im Vergleich zu erneuter allergischer Reaktion

Nebenwirkungen sind möglich, diese sind aber meist gut behandelbar. Es ist daher wichtig, dass Sie nach jeder Injektion 30 Minuten zur Überwachung in der Praxis bleiben.

Tipps

Um Nebenwirkungen abzuschwächen ist für den Impftag zu empfehlen:

  • Keine körperliche Anstrengung
  • Kein Alkohol
  • Ausreichend Schlaf
  • Bei Infekten, Unwohlsein: eventuell Behandlung verschieben

Früher hat man gedacht, dass sich bestimmte Herzmedikamente oder Antidepressiva negativ auf Nebenwirkungen auswirken könnten, aber nach heutigem Wissen stimmt das nicht! Das heißt, Sie können und sollen alle Ihre üblichen Medikamente während der Therapie weiter einnehmen.

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Geprüft Assoz.-Prof. Dr. Gunter Sturm und Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Hemmer: Stand April 2022 | Quellen und Bildnachweis

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