2. Standardtherapie bei axialer Spondyloarthritis

Einsatz von NSAR bei axialer Spondyloarthritis

NSAR sind der erste Schritt in der Behandlung der axialen Spondyloarthritis. Wie diese Medikamente über unterschiedliche Mechanismen wirken, lernen Sie hier genauer kennen.

Unterschiede zwischen NSAR und anderen Schmerzmitteln

Im Gegensatz zu reinen Schmerzmitteln hemmen NSAR vorwiegend die Entzündung. Dadurch werden auch Schmerzen gemindert.

NSAR (kortisonfreie antirheumatische Entzündungshemmer)

  • Entzündungshemmend
  • Einsatz als erste Medikamentengruppe (Erstlinientherapie)

Analgetika (Schmerzmittel)

  • Schmerzlindernd
  • Einsatz erst nach NSAR (Zweitlinientherapie)

Meist können Schmerzen in Absprache mit den ÄrztInnen gut behandelt werden. Sehr starke Schmerzmittel wie morphinähnliche Präparate werden im Verlauf der Erkrankung nur notwendig, wenn NSAR, andere Schmerzmittel und Biologika nicht ausreichend wirken.

Anwendung der NSAR

Die Behandlung beginnt meist mit den NSAR. Da viele unterschiedliche Medikamente zur NSAR-Gruppe zählen, kann innerhalb dieser Medikamentengruppe in der Anfangsphase gewechselt werden. Das geschieht solange bis das für Sie wirksamste gefunden ist.

  • Falls sich nach 2-4 Wochen keine Besserung der Schmerzen zeigt, kann ein Wechsel des
    NSARs sinnvoll sein.
  • Wenn nach 8 Wochen oder mehrfachem NSAR-Wechsel keine Besserung der Schmerzen eintritt, bieten Biologika eine weitere Behandlungsmöglichkeit.
  • NSAR können zu Nebenwirkungen führen und sollten nicht dauerhaft eingenommen werden (siehe „Wirkungen der NSAR“).

Eine vorgefertigte Medikamentenliste, in die Sie alle Informationen zu Ihren Medikamenten bei axialer Spondyloarthritis eintragen können, finden Sie unten kostenlos zum Downloaden.

Helfen NSAR nur gegen die Schmerzen oder auch gegen die Erkrankung selbst?

NSAR sind drei Schlagworte:

  • entzündungshemmend,
  • schmerzlindernd,

Man sollte nicht vergessen, dass diese Präparate für diese Indikationen eingesetzt werden, sehr erfolgreich und sehr effektiv.

Die Entzündungskontrolle ist das, was vorne steht.

Es gibt auch die anderen Schmerzmittel, wo zum Beispiel nur schmerzhemmend ist, oder z.B. wo nur eine fiebersenkende Komponente dabei ist. Also da gibt es schon unterschiedliche Medikamentenklassen.

Aber die NSAR wirken ganz klar entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend.

Und in unserer Indikation der sogenannten Spondylorthopathien bedeuten, dass die NSAR die Entzündung an der Wirbelsäule und an Sehnen herabsetzen. Also sie helfen nicht nur, sondern sie wirken auch.

Die NSAR sind entzündungshemmend und wirken damit auch auf die weitere fortschreitende Entzündung der Spondylorthopathien. Also die NSAR sind entzündungshemmend und hemmen auch die radiologische fortschreitende Komponente an der Wirbelsäule, nur halt nicht in dem Ausmaß wie die Biologika. Aber oft reicht das aus.

Und wenn die NSAR nicht ausreichend die Entzündung kontrollieren können, dann haben wir in Österreich die Möglichkeit, hier auf die biologische Schiene zu wechseln, die sehr effektiv ist und sicherlich über denen der NSAR anzusetzen ist.

Wirken alle Schmerzmittel auch entzündungshemmend?

Nein, es wirken nicht alle Schmerzmittel entzündungshemmend.

Z.B. die NSAR, das ist ganz klar. Z.B. auch wirkt Cortison entzündungshemmend. Aber z.B. die Morphine wirken nicht entzündungshemmende. Auch Cannabis oder diese ganzen anderen Dinge, die wirken rein auf die Schmerzkomponente. Die Morphinmedikamente, die wirken nicht entzündungshemmend. Auch die gesamten, die nicht die Schmerzwahrnehmung betreffen, z.B. Antidepressiva-Präparate, die wirken nicht auf die Entzündung. Also es ist schon eine wichtige Definitionsfrage: Haben Sie eine Entzündung oder einen Schmerz durch eine Verletzung, durch eine Abnützung oder durch einen Tumor, um Gottes Wilen, aber es sind ganz anderen Schmerzklassen, die wir dann zu beeinflussen versuchen, und wir von unserer Seite her ist die Entzündung die führende Domäne.

Kann die Langzeiteinnahme von NSAR Auswirkungen auf den Körper haben?

NSAR-Langzeitschäden – das ist ein großes Thema. Fragen Sie mal einen Magen-Darm-Spezialist oder einen Kardiologen, was er von einer längerfristigen NSAR-Einnahme hält – nicht viel. Es ist eben so, dass Schlagworte wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Niereninsuffizienz, Leberschäden, undichter Darm durchwegs mit diesen Präparaten assoziiert sind.

Man muss jetzt nur aufpassen: Unsere Patienten sind jünger. Theoretisch sollten wir sie unter vierzig erwischen. Da spielt der Herzinfarkte, Nieren- und Leberschäden nicht so eine große Rolle. Ich möchte nicht sagen „nicht keine Rolle“. Nicht so eine große Rolle, wie Patienten die über 60 sind. Da habe ich schon ganz andere Voraussetzungen. Aber trotzdem: Die Langzeitanwendungen von erfahrenen Rheumatologen, so über mehrere Monate oder gar Jahre, ist klar zu hinterfragen und wird in der routinemäßig mit dem jetztigen im Hintergrund, wir kommen gleich zu dem Thema, der erfolgreichen Biologika, nicht mehr gegangen, dieser langfristige NSAR-Weg.

Wirkungen der NSAR bei axialer Spondyloarthritis

NSAR sind wirksam, können aber auch zu Nebenwirkungen führen.

Wirkungen und Nebenwirkungen der NSRA

Die NSAR haben folgende Wirkungen:

  • Entzündungshemmend
  • Schmerzlindernd
  • Fiebersenkend

NSAR können zu folgenden Nebenwirkungen führen:

  • Magenschädigungen
  • Nierenschäden
  • Leberschäden
  • Keine Einnahme während der Schwangerschaft
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (siehe „Überlegungen zur Therapie“)

Magen schützen

NSAR werden meist als Tabletten verabreicht. Essen Sie vorher etwas und nehmen Sie die Tablette mit einem großen Glas Wasser ein. Das schützt Ihren Magen!

Ansprechen auf NSAR

Nachdem Sie 4-8 Wochen NSAR eingenommen haben, sollten sich Ihre Schmerzen bessern. Wenn das nicht der Fall ist, wird Ihr/e Ärztin/Arzt andere Medikamente verschreiben. Meist handelt es sich dann um ein Biologikum (In Lektion 3 „Neue Behandlungsmöglichkeit – Biologika“ erfahren Sie Genaueres dazu).

Wirkung kontrollieren

4-8 Wochen nach Beginn der Therapie sollten Sie schmerzfrei genug sein, um nachts durchzuschlafen. Ihre Schuhe sollten sie auch schmerzlos anziehen können. Trifft dies nicht zu, zögern Sie nicht, Ihr/e Ärztin/Arzt darauf anzusprechen.

Können NSAR Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben?

Das ist das große Thema, dass NSAR und andere Medikamente immer interagieren.

Allein durch die Verstoffwechslung von der Leber, von der Niere und auch von der Resorption im Darm spielt eine große Rolle. Nehmen Sie blutverdünnende Medikamente ein, sind die NSAR eher etwas zu beachten, weil sie können die Blutgerinnung stark beeinflussen.

Auch das berühmte Thrombo ASS, da gibt’s Schmerz-NSAR, entzündungshemmende Präparate, die nicht gleichzeitig mit Thrombo ASS eingenommen werden, sonst hebt das die die Wirkung von Thrombo ASS auf. Das machen aber nicht alle. Das heißt: Ich muss wissen, was der Patient hat.

Auch die Ausscheidung über die Niere spielt eine sehr große Rolle, und auch die Leberinsuffizienz, oder bestand ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Also da sind dann die Medikamente doch einem großen Interaktionspotenzial ausgesetzt. Und es gibt klar eine Alternative: die Biologika.

Die haben alle diese Nebenwirkungen am Herz, Darm, Magen nicht. Die sind sogar gut gegen einen Herzinfarkt, sind sogar gut gegen die Magen-Darmentzündung, und sie machen keine Magengeschwüre, d.h. von der Nebenwirkungskaskade sind die modernen Biologika schon zu favorisieren gegenüber einer Langzeiteinnahme der NSAR.

Wie gesagt: Die NSAR sind nicht schlecht, wenn sie wirken. Ausreichend, ja, aber nicht eine monatelange Dauertherapie.

Wann und wie lässt sich sagen, ob ich auf NSAR anspreche?

Hier gibt’s ganz klare Konsensus, Übereinkunft, international und natürlich auch national: Wenn Sie nach vier bis acht Wochen nicht auf die NSAR ausreichend ansprechen, das heißt wirklich, dass es Ihnen gut geht, dass Sie nicht in der Nacht erwachen, nicht aufstehen können oder die Sehnen Ihnen das Schuheanziehen oder die Bewegung massiv einschränken.

Wenn wir internationale Übereinkunft nach vier bis acht Wochen nicht auf ein, zwei NSAR ansprechen, ist es der klare Weg zu den Biologika, der damit vorgezeichnet ist. Das wird auch vom Österreichischen Staat und der Gesundheitskasse so übernommen und ist auch klar zu unterstützen.

Muss er sich bedanken, dass wir es in Österreich so einsetzen können.

Ziel ist es, die Entzündung rasch zu kontrollieren und nicht nur die Beschwerden.

Gibt es Alternativen zu NSAR?

Die Alternativen zu den NSAR sind die modernen Biologika, die alle diese Nebenwirkungen nicht haben, und die Effektivität ist bei weitem über denen der NSAR.

Was passiert, wenn ich auf herkömmliche Medikation nicht anspreche?

Wenn Sie auf die aktuelle Medikation nicht ansprechen, wenn Sie auf die aktuelle Medikation Nebenwirkungen haben oder nach wie vor Entzündungen, nächtlicher Wirbelsäulenschmerz, Gelenksschwellungen, Sehnenschmerzen haben, dann ist ganz klar der Weg auf die biologische Therapie-Kaskade vorgezeichnet. Die Biologika sind hier dann unter entsprechenden Voraussetzungen die klassische Indikation, es einzuleiten.

Überlegungen zur Therapie bei axialer Spondyloarthritis

NSAR sind eine wissenschaftlich gut untersuchte, wirksame Behandlungsmöglichkeit. Es können aber mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen und auch Nebenwirkungen auftreten.

Mögliche Wechselwirkungen mit NSAR

NSAR werden über den Darm aufgenommen, in der Leber verwertet und mit Hilfe der Nieren ausgeschieden. Viele andere Medikamente durchlaufen denselben Weg und können mit NSAR wechselwirken. Bei der Einnahme von NSAR können unter anderem mit folgenden Medikamenten Wechselwirkungen auftreten:

  • Medikamente, die auf den Magen wirken.
  • Medikamente, die auf den Darm wirken.
  • Medikamente, die das Blut verdünnen.
  • Medikamente, die auf das Herz wirken.

Unter „Medikamentenliste zum Ausfüllen“ haben Sie die Möglichkeit Ihre aktuelle Medikation einzutragen. Ihr Behandlungsteam und Sie erhalten so einen schnellen Überblick über mögliche Wechselwirkungen.

Einsatzdauer der NSAR

NSAR vebessern das Wohlbefinden der PatientInnen und verlangsamen nachweislich das Fortschreiten der Krankheit. Sie eignen sich jedoch nicht als Dauertherapie, da Nebenwirkungen mit der Zeit wahrscheinlicher werden.

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Geprüft OA Dr. Raimund Lunzer: Stand Mai 2021 | Quellen und Bildnachweis

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