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Helfende Pfoten – So arbeitet ein Therapiebegleithundeteam

Therapiebegleithunde sind mehr als treue Begleiter – sie eröffnen neue Kommunikationswege und helfen, Ängste zu überwinden, Selbstvertrauen aufzubauen und emotionale Verbindungen zu stärken. Doch was macht ein gutes Therapiebegleithundeteam aus? Wie sieht ihr Alltag aus, und welche Herausforderungen und besonderen Momente prägen diese Arbeit? Mag. (FH) Petra Sallaba gibt spannende Einblicke in ihre Tätigkeit als Therapiebegleithundeführerin. Gemeinsam mit ihrer Australian-Shepherd-Hündin Holly ist sie in sozialen und pädagogischen Bereichen im Einsatz. Erfahre, wie die Ausbildung eines Therapiehundeteams abläuft, welche Eigenschaften ein Hund mitbringen sollte und warum tiergestützte Arbeit so wertvoll ist.

 

selpers: Können Sie sich und Ihren Hund bitte kurz vorstellen? Wie lange arbeiten Sie bereits als Therapiebegleithundeteam zusammen?

Petra Sallaba: Mein Name ist Mag. (FH) Petra Sallaba, Sozialarbeiterin, zertifizierte Fachkraft für tiergestützte Intervention, Therapiebegleithundeführerin, Vortragende am FH Campus Wien Soziale Arbeit – tiergestützte Intervention in der Sozialen Arbeit, Gründungsmitglied des Vereins dogs4kids. Als Therapiebegleithundeführerin bin ich seit 14 Jahren im Einsatz. Meine erste Hündin Suki war eine Australian-Shepherd-Hündin. Meine derzeitige Arbeitskollegin ist die neunjährige Australian-Shepherd-Hündin Holly.

selpers: Welche Ausbildung haben Sie und Ihr Hund durchlaufen/durchlaufen Sie, um ein Therapiebegelithundeteam zu werden, und was hat Sie dazu inspiriert?

Petra Sallaba: Vor 16 Jahren wurde der Wunsch immer größer, mir einen Vierbeiner in mein Leben zu holen. Nicht nur als Familienmitglied, sondern auch als Arbeitspartnerin. Tiergestützte Intervention mit meiner Grundausbildung der Sozialen Arbeit zu verknüpfen, war und ist der Antriebsmotor für meine Ausbildung als Fachkraft für tiergestützte Intervention und meine dadurch entstandene Tätigkeit. Seit 2008 bin ich sozusagen „auf den Hund“ gekommen. Mit meiner ersten Hündin Suki absolvierte ich die Therapiebegleithundeausbildung und hatte wunderbare Einsätze mit ihr im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Jugendzentren, Kindergärten und arbeitsmarktpolitischen Projekten mit Jugendlichen, aber auch in Gruppen- und Einzelsettings mit fremduntergebrachten Kindern und Jugendlichen. Durch meine vierbeinige Kollegin eröffnen sich mir und der Zielgruppe neue Zugänge!

Wir haben eine Ausbildung als Therapiebegleithundeteam mit abschließender Prüfung durch das Messerli-Institut, Prüf- und Koordinationsstelle für Therapiebegleithunde in Österreich, absolviert. Ebenso wird durch gezielte Fort- und Weiterbildungen im hündischen Bereich das Wissen immer wieder auf den letzten Stand gebracht. Ein geprüfter Therapiebegleithund ist immer im Training, d. h., Erlerntes muss immer wieder trainiert, gefestigt und verfeinert werden. Da wir mit einem Lebewesen als Partner arbeiten, werden die Therapiebegleithundeteams über die Prüf- und Koordinationsstelle Messerli-Institut jährlich neuerlich überprüft!

selpers: Was macht Holly als Therapiebegleithund besonders geeignet? Gibt es besondere Eigenschaften, die ihr helfen?

Petra Sallaba: Wie bei jeder Berufswahl ist es wichtig, dass die Ausübung der Tätigkeit einem Spaß und Freude bereitet. Das steht auch bei den Vierbeinern im Vordergrund. Es gibt nicht die spezielle Hunderasse, die für den Therapiebegleithund am geeignetsten wäre. Bei den Erstgesprächen mit den auszubildenden Teams wird die individuelle Persönlichkeit des Hundes auf ihr/sein Interesse und auf die Kontaktfreudigkeit mit Dritten genauer angesehen. Macht es dem Hund Spaß, in die Interaktion mit Fremden zu gehen? Ebenso ist es auch wichtig, welche Grundausbildung der Zweibeiner mitbringt und in welchem Arbeitssetting der Hund später im Einsatz sein wird.

Anforderungsprofil wäre: Kontaktfreudig und große Lernbereitschaft.

selpers: In welchen Bereichen sind Sie mit Ihrem Hund tätig und bei welchen Krankheitsbildern werden Therapiebegleithunde eingesetzt?

Petra Sallaba: Die Einsatzgebiete von Therapiebegleithundeteams reichen vom Einsatz in Kindergärten, Schulen und Offener Kinder- und Jugendarbeit über Kinderhospize bis zu Erwachsenen mit Beeinträchtigungen und Senior:innen in betreuten Settings. Ich selbst bin mit meiner Hündin Holly derzeit im Bereich der Gruppenarbeit in Kindergärten, Schulen und in der Einzelbetreuung eines Kindes im Einsatz.

selpers: Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie und Ihren Hund aus?

Petra Sallaba: Als zertifizierte Therapiebegleithündin ist Holly maximal 8 Stunden im Monat im Einsatz bei den unterschiedlichen Zielgruppen. Arbeitstage können sehr unterschiedlich ablaufen. Bei unserem Projekt „Kunst & Hund“ im Rahmen der Bildungschance Wien sind Holly und ich gemeinsam mit einer Kunst- und Maltherapeutin in Volks- und Mittelschulen unterwegs. Vor jedem Einsatz wird ein ausgiebiger Spaziergang im grünen Prater unternommen, um dann konzentriert bei den Schüler:innen in der Klasse eine Schulstunde lang interaktiv die Hundesprache zu vermitteln. Nach dem kreativen, abwechslungsreichen Einsatz heißt es anschließend: Ab in die Hundezone, Artgenossen treffen und anschließend ausgiebig chillen!

selpers: Wie kommen Klient:innen zu einer Therapie mit Hund, wie läuft der erste Kontakt zwischen Klient:innen und Hund ab und wie geht es danach weiter?

Petra Sallaba: Über unsere Homepage dogs4kids kommen Anfragen zu hundegestützten Interventionen herein. Die Anfragen reichen vom Kindergarten- und Schulbesuch für die Themenstellung „Die Hundesprache besser verstehen lernen“ bis zur Anfrage, Kinder und Jugendliche in Fremdunterbringung im Einzelsetting mit ihren Fragestellungen zu begleiten. Ebenso gibt es Anfragen für Kindergeburtstage rund um das Thema Hund. Auch Institutionen, die alte Menschen begleiten und betreuen, melden sich bei uns für Gruppen- oder Einzelsettings. Je nach inhaltlicher Fragestellung wird ein passendes dogs4kids-Team gesucht und die erste Kontaktaufnahme mit oder ohne Hund findet statt. Der zeitliche Rahmen reicht von einer einmaligen Stunde bis zu einer längeren Begleitung der Zielgruppe.

Da die dogs4kids-Teams ihre Vierbeiner in ihren Grundberufen mit einbauen, sind dogs4kids-Hunde in Kindergärten, Schulen, in Praxen von Psychotherapeut:innen, Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen, geriatrischen Tageszentren für Menschen mit Demenzerkrankung, aber auch in der Kinderarztpraxis im Einsatz.

selpers: Was sind die häufigsten Herausforderungen in Ihrer Arbeit, und wie gehen Sie damit um (z. B. Angst vor Hunden)?

Petra Sallaba: In meiner 14-jährigen Tätigkeit im Bereich der hundegestützten Arbeit habe ich selbst noch nie eine:n Klient:in erlebt, der:die panisch Angst vor Hunden hatte. Meistens haben Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene nie richtig gelernt, mit Hunden zu kommunizieren, und daraus entstand eine Unsicherheit, die meist als „Angst“ bezeichnet wird. Innerhalb einer Einheit kann man sehr schön sehen, wie Kinder, die vorab „Angst“ hatten, am Schluss selbstsicher in die direkte Interaktion mit dem Vierbeiner gehen. Wichtig dabei anzumerken ist, dass bei keinem Setting die Zielgruppe/die Klient:innen direkten Kontakt mit dem Hund aufnehmen müssen. Die Freiwilligkeit steht im Vordergrund. Beobachten, rund um den Hund Spiele spielen, über den Hund sprechen etc. steht ebenso im Mittelpunkt der hundegestützten Arbeit. Ein guter Respekt zu einem Lebewesen soll den Zielgruppen ebenso vermittelt werden.

In der hundegestützten Arbeit steht das Beziehungsdreieck zwischen Therapiebegleithundeführer, Therapiebegleithund und Klienten im Mittelpunkt. Eine Herausforderung bei dem Einsatz im Gruppensetting ist sicherlich der geschulte Umgang mit den Zielgruppen und mit dem Hund. Flexibilität, Erfahrung und Fingerspitzengefühl gegenüber den Klient:innen und dem Hund stehen im Vordergrund. Stresssignale des Hundes müssen gelesen und danach gehandelt werden. Ebenso muss auf die Bedürfnisse der Zweibeiner eingegangen werden. Daher ist es dogs4kids wichtig, dass die Kolleg:innen durch ihre Quellenberufe eine große Erfahrung auf der Seite der Zielgruppen mitbringen.

Schulungsreihe Chronische Erkrankungen bei Kindern

selpers: Gibt es einen Moment in Ihrer Arbeit, der Ihnen besonders zeigt, warum die Arbeit mit einem Therapiebegleithund so wichtig ist? Fällt Ihnen dazu eine besonders einprägsame Geschichte aus Ihrer Arbeit ein, die Sie teilen können?

Petra Sallaba: Ein sehr schönes Beispiel dafür ist das Projekt „Hund und Du generationenübergreifend“ – 2024. In Kooperation mit JUVIVO 15, dogs4kids, Makrela – Mal- & Kreativlabor und dem Haus Leodolter wurde ein Generationenprojekt umgesetzt. Ziel war die Annäherung zwischen Kindern/Jugendlichen und älteren Menschen des 15. Bezirks. Durch die Medien Therapiebegleithund und kreatives Gestalten stand das gemeinsame Erleben und Kreative im Mittelpunkt der Begegnung. Durch diese Art der Begegnung wurden Vorurteile und Ängste abgebaut, Wissen weitergegeben und neue Vernetzungen geschaffen. Die anwesenden Pflegekräfte konnten teils ihre Betreuungsrolle verlassen und in eine partnerschaftliche Rolle beim gemeinsamen Kreieren von Kunstwerken schlüpfen. So konnten sie eine neue Perspektive in der Arbeit mit älteren Menschen einnehmen. Ebenso waren die anwesenden Zu- und Angehörigen begeistert dabei. Die Kinder, die an den Workshops teilnahmen, legten ihre Scheu im Umgang mit älteren Menschen ab. Gemeinsam mit den Bewohner:innen gestalteten sie kreative Werke und interagierten mit den Hunden.

selpers: Wie verändert der Kontakt zu einem Therapiebegleithund die Menschen, beispielsweise Kinder oder Senior:innen?

Petra Sallaba: Die Verbindung von Therapiebegleithunden und kreativem Gestalten im Projekt „Hund und Du generationenübergreifend“ hat eindrucksvoll gezeigt, welche positiven Effekte der Kontakt mit einem Therapiehund bewirken kann:

  • Freude, Spaß und Neugierde wurden bei allen Beteiligten geweckt.
  • Geschichten aus der eigenen Biografie wurden erzählt und Erfahrungen ausgetauscht.
  • Viele strahlende Augen beim Anblick der Hunde und stolze Gesichter beim Präsentieren der Kunstwerke zeigten, dass Ziele wie das Entdecken von Gemeinsamkeiten, der Austausch und die Selbstwertsteigerung erreicht wurden.

Durch Workshops mit den Therapiebegleithundeteams, die vorab stattfanden, konnten die Basics der Hundesprache vermittelt werden. Diese wurden dann bei den kreativen Workshops gefestigt und erweitert. Die wahren Stars waren die Therapiebegleithunde, die freudig erwartet wurden. Mit ihnen wurden Kunstwerke kreiert, Fingerfertigkeiten geübt und Teamworkaufgaben gemeistert. Manchmal waren sie einfach nur anwesend, was bereits positive Gespräche anregte und Erinnerungen an eigene Familienhunde aufleben ließ. Auch mehrere Personen aus der Demenzstation nahmen regelmäßig teil, arbeiteten rege mit, hatten Spaß und produzierten Zeichnungen und Malereien, die man ihnen auf den ersten Blick gar nicht zugetraut hätte. Hier wurde sichtbar, wie viele Ressourcen der Senior:innen durch die Kombination von Kunst, Hund und Kindern mobilisiert werden können. Das gemeinsame Arbeiten an einem Kunstwerk, das gegenseitige Unterstützen, der Umgang mit Farben und das aktive Tun mit den Therapiebegleithunden verbindet Alt und Jung.

Insgesamt war das Projekt für die Senior:innen und deren Pflegekräfte nicht nur eine wunderbare Abwechslung im Alltag. Es ergaben sich neue Sichtweisen und kreative Ideen, die übernommen wurden. Ein Beispiel dafür sind die Murmelbilder, die nach der gemeinsamen Durchführung im Projekt von den Pflegekräften weitergeführt wurden und nun ein fester Bestandteil des kreativen Arbeitens auf der Pflegestation sind.

selpers: Gibt es eine Botschaft, die Sie den Menschen über die Arbeit mit Therapiebegleithunden mitgeben möchten?

Petra Sallaba: Hundegestützte Intervention benötigt:

  • qualifizierte Zwei- und Vierbeiner
  • Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung
  • Viel Engagement der Therapiebegleithundeteams
  • Freude, Spaß, Flexibilität auf Seiten der Zwei- und Vierbeiner

Tiergestützte Arbeit „tiergestützt UND tiergeschützt“. Denn die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist das wohl empfindlichste Gut auf Erden, was die Arbeit zwischen Mensch und Tier zu einem besonders wertvollen Projekt macht.

Herzlichen Dank für das Interview.

Mag. (FH) Petra Sallaba ist Sozialarbeiterin und zertifizierte Fachkraft für tiergestützte Intervention. Seit 14 Jahren ist sie als Therapiebegleithundeführerin im Einsatz. Ihre erste Begleiterin war die Australian-Shepherd-Hündin Suki, aktuell arbeitet sie mit der 9-jährigen Australian-Shepherd-Hündin Holly. Petra Sallaba ist zudem Vortragende am FH Campus Wien im Bereich Soziale Arbeit mit Schwerpunkt tiergestützte Intervention und Gründungsmitglied des Vereins dogs4kids.

 

Der Verein dogs4kids wurde am 21.12.2012 mit dem Ziel gegründet, die Qualität hundegestützter Interventionen zu sichern. Ein zentraler Schwerpunkt liegt in der Ausbildung fachkompetenter, zertifizierter Therapiebegleithundeteams, die durch die Prüf- und Koordinationsstelle des Messerli Instituts geprüft werden. Zudem setzt der Verein Therapiebegleithundeteams gezielt in pädagogischen, sozialen und therapeutischen Arbeitsfeldern ein, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene individuell zu fördern und zu unterstützen. Alle Teams verfügen über eine fundierte Ausbildung in einem sozialpädagogischen, pflegerischen oder therapeutischen Beruf und setzen ihre Therapiebegleithunde gezielt in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich ein.

 

Interview wurde geführt von: selpers Redaktion

Bildnachweis: Petra Sallaba | dogs4kids