Welche Untersuchungen können Teil der Nachsorge bei Brustkrebs sein?
Welche Untersuchungen im Rahmen der Nachsorge durchgeführt werden, hängt sehr stark von den individuellen Faktoren der Patientin ab. Einerseits von der Erkrankungssituation und andererseits natürlich auch von den Beschwerden der Patientin. Wenn wir jetzt wieder den frühen Brustkrebs mit der klassischen Nachsorge hernehmen, dann stehen hier mehr das ärztliche Gespräch und die klinische Untersuchung, also die körperliche Untersuchung, im Vordergrund. Wichtig ist uns wirklich, die Patientinnen zu ihrem Allgemeinbefinden, zu Nebenwirkungen und Ähnlichem zu befragen und uns auch die Brust genauer anzuschauen. Die Patientin selbst kennt ihren Körper allerdings am besten und kann uns so durch die Erlebnisse der letzten Monate seit der letzten Nachsorgeuntersuchung auch oft einen wichtigen Beitrag leisten, um auf etwaige Schwierigkeiten, Fragen oder Wünsche eingehen zu können.
Welche Rolle spielen Blutuntersuchungen und Tumormarker bei Verlaufskontrollen?
Also Routine-Blutuntersuchungen können uns natürlich einen allgemeinen Eindruck des Gesundheitszustandes der Patientin vermitteln. Sie sind aber nicht wirklich geeignet, um den Rückfall der Brustkrebserkrankung zuverlässig vorherzusehen oder vorherzusagen. Deshalb wird auch international immer mehr Abstand davon genommen, regelmäßige Blutuntersuchungen im Rahmen der Nachsorge bei Patientinnen mit durchgemachter Krebserkrankung durchzuführen. Anders sieht es bei Patientinnen mit einer metastasierten Brustkrebserkrankung aus. Hier werden Blutuntersuchungen als wichtiger Baustein der regelmäßigen Kontrollen und der medikamentösen Therapien gesehen. Das liegt daran, dass die Patientin natürlich einerseits durch ihre Krebserkrankung und je nachdem, wo die Metastasierung sich ausgebreitet hat, Organprobleme haben kann, die wir überwachen müssen und andererseits auch durch die Medikamente entsprechende Nebenwirkungen auftreten können, die auch verschiedene Organsysteme betreffen können. Daher ist es hier ein essenzieller Baustein der regelmäßigen Kontrollen, Blutuntersuchungen durchzuführen.
Bei Tumormarkern handelt es sich um Stoffe, die man im Blut messen kann. Jeder von uns hat einen ganz kleinen Anteil dieser Tumormarker in seinem Blut, ohne krank zu sein. Andererseits kann man sehr krank sein und ebenso niedrige Tumormarker haben. Das heißt, die Tumormarker sind in manchen Fällen hilfreiche Assistenten in der Verlaufskontrolle. Aber sehr oft führen sie uns nicht an das Ziel, das wir uns eigentlich gerne wünschen würden, nämlich, dass wir uns wirklich daran festhalten können und einen richtigen Verlauf beobachten können. Viele Patientinnen hoffen, dass man durch die Bestimmung von Tumormarkern bei Mammakarzinomen einen etwaigen Rückfall der Erkrankung sehr frühzeitig erkennen kann. Im Übrigen sind die zwei Tumormarker CEA und CA15-3 die wichtigsten, die wir zur Verfügung haben. Dies ist leider oft nicht der Fall. Dadurch, dass diese Stoffe bis zu einem gewissen Grad ständig vom Körper produziert werden und dass der Rückfall manchmal glücklicherweise nur an einer ganz lokalen Stelle stattfindet, sind diese Marker nicht immer geeignet, um diese Rückfälle wirklich gut nachzuweisen. Sie können auch aus ganz unterschiedlichen Gründen ansteigen. Daher ist das immer so ein zweischneidiges Schwert mit den regelmäßigen Tumormarker-Bestimmungen. Ein anderes Bild zeichnet sich bei den metastasierten Erkrankungen aus. Nicht jede Patientin mit einer metastasierten Krebserkrankung hat erhöhte Tumormarker, aber bei denen, die erhöhte Tumormarker haben, kann uns der Tumormarker durchaus helfen, ein Bild im Erkrankungsverlauf zu zeichnen, immer gemeinsam mit dem klinischen Erscheinungsbild. Das heißt: Wie geht es der Patientin? Hat sie zum Beispiel mehr Schmerzen? Fühlt sie sich schlapp? Das können alles Ausdrücke davon sein, dass die Erkrankung voranschreitet oder auch, dass die Medikamente mehr Nebenwirkungen verursachen. Das ist natürlich unsere Aufgabe, das auseinanderzufiltern.
Also wichtig ist mir zu erwähnen, dass es absolut seine Berechtigung haben kann, wenn nicht jedes Mal Blut abgenommen wird oder nicht empfohlen wird, eine Blutabnahme zur Nachsorge mitzubringen, und dass die Patientinnen sich dadurch nicht verunsichern lassen sollten.
Was versteht man unter einer Liquid Biopsy?
Zur Liquid Biopsy: Das ist eine sehr spannende Sache, die uns in den letzten Jahren immer mehr erreicht hat und immer mehr in die klinische Routine Einzug hält, auch wenn es noch viel Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen ist. Was bedeutet denn das, „Liquid Biopsy“? Also Liquid Biopsy ist was Tolles, weil man hier Teile von den Tumorzellen direkt durch eine Blutabnahme herausfiltern kann. Das funktioniert bei Patientinnen vor allem mit fortgeschrittenen Erkrankungen, das heißt vor allem bei metastasierten Patientinnen. Aber es wird jetzt auch diese zirkulierende Tumor-DNA untersucht. Grundlage hier ist, dass Bestandteile von Tumorzellen im Blut schwimmen, wenn man so will, und diese kann man herausfiltern und dadurch das Risiko für einen Erkrankungsrückfall zum Beispiel frühzeitiger vorhersagen oder Behandlungen dadurch optimieren. In der klinischen Routine wird aktuell die Liquid Biopsie vor allem im metastasierten Bereich eingesetzt. Hier kann man durch diese Blutabnahme bestimmte Mutationen , die sich an der Tumoroberfläche befinden, messen und dadurch individuellere Therapien für die Patientin zurechtschneidern.
Welche Rolle spielen bildgebende Untersuchungen wie Mammografie, Ultraschall, MRT oder CT bei Brustkrebs?
Also bildgebende Untersuchungen sind natürlich trotz allem ein wichtiger Bestandteil in der Betreuung von Patientinnen mit Brustkrebs. Einerseits die regelmäßigen Untersuchungen der Brust an sich in der Nachsorge. Wenn eine brusterhaltende Operation durchgeführt wurde, natürlich von der ursprünglich erkrankten Brust, aber natürlich auch von der gesunden Brust auf der anderen Seite. Dies wird vor allem mit Mammografien, das heißt mit Röntgenuntersuchungen der Brust, gemacht, aber auch oft ergänzt um einen Ultraschall, also eine Sonografie. Und in einigen Fällen, wenn die Radiologen, also die Röntgenärztinnen und Röntgenärzte, den Eindruck haben, dass das noch hilfreich wäre, wird auch eine Magnetresonanztomografie der Brust durchgeführt. Dies ist vor allem zum Beispiel bei sehr dichtem Gewebe oft eine hilfreiche Untersuchung, um fragliche Knoten oder auch Narbengewebe besser beurteilen zu können. Diese Untersuchungen werden in der Regel im Rahmen der Nachsorge einmal jährlich empfohlen. CT-Untersuchungen werden hauptsächlich nicht routinemäßig bei Nachsorge-Patientinnen angewendet. Das ist vor allem eine Untersuchungsmethode, die wir bei metastasierten Erkrankungen einsetzen, um den Verlauf von Metastasierungsmustern und die laufenden medikamentösen Therapien zu überwachen. Hier können wir beurteilen: Sind Metastasen hinzugekommen? Sind Metastasen größer oder kleiner geworden? Dies wird üblicherweise in sehr regelhaften Abständen von drei bis sechs Monaten je nach Erkrankung, Stabilität und Verlauf durchgeführt. Ergänzt werden diese Untersuchungen mitunter durch weitere Spezialuntersuchungen nach Maßgabe des Behandlungsteams. Das können einerseits sogenannte PET-CT-Untersuchungen sein. Das sind ganz spezielle nuklearmedizinische Untersuchungen, die aber glücklicherweise nicht in so häufigen Fällen erforderlich sind. Das können auch Untersuchungen mittels Magnetresonanztomografie oder Szintigrafien der Knochen sein. Also, da gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Wichtig ist auch noch in der Nachsorge – um jetzt wieder den Bogen zu spannen zu den Patientinnen, die die Erkrankung hoffentlich hinter sich gelassen haben –: Hier ist es wichtig, regelmäßige Knochendichtemessungen zu machen, vor allem bei Patientinnen, die eine antihormonelle Therapie erhalten, weil die antihormonelle Therapie die Knochendichte angreifen kann. Und um hier rechtzeitig eingreifen zu können, sind zumindest zweijährliche Knochendichtemessungen in bestimmten Fällen durchaus notwendig und sinnvoll. Ein häufiger Irrtum ist, dass bildgebende Untersuchungen, die regelmäßig stattfinden, auch im Nachsorgebereich Rückfälle früher detektieren können und somit eine Verbesserung der Sicherheit für die Patientinnen bedeuten. Diese Untersuchungen haben natürlich auch ihre Nachteile, weil viele davon mit Röntgenstrahlen arbeiten und regelmäßige Röntgenstrahlung für den Körper auch nicht gesund ist. Daher ist es wichtig, sich im Rahmen der Nachsorge auch hier auf das Behandlungsteam und dessen Empfehlungen zu verlassen und nicht zu viele Bildgebungen anzustreben.
Welche Kontrolluntersuchungen beeinflussen die Therapie bei metastasiertem Brustkrebs?
Wir haben so drei Säulen, auf denen unsere Behandlungsentscheidungen in der metastasierten Situation vor allem basieren. Das eine ist das klinische Erscheinungsbild. Für mich ist sehr wichtig: Wie geht es der Patientin? Wie geht es der Patientin mit ihrer Krebserkrankung? Wie geht es ihr mit den Medikamenten? Die zweite Säule ist die Bildgebung, das heißt regelmäßige computertomografische Untersuchungen. Vor allem liegt der Schwerpunkt momentan noch darauf, dass man schaut: Was machen die Metastasen? Werden sie größer? Werden sie kleiner? Verschwinden die vielleicht sogar oder verändern sie sich in ihrer Form oder Ausprägung? Und die dritte Säule sind die Blutbefunde, und da gehören auch die Tumormarker dazu. Und für mich ist immer wichtig, dass das ein Gesamtbild ergibt, dass diese drei Säulen, wenn alle in die eine oder in die andere Richtung ausschlagen, dann kann man vielleicht manchmal ein bisschen beruhigt sein. Oder wenn eine Säule wackelt, ist man noch eher beruhigt, als wenn zwei anfangen zu wackeln. Und so versuche ich das ein bisschen einzuordnen, dass ich eben die Tumormarker als Teil von drei Säulen sehe, ja, die auch wichtig sind in der Behandlung bei metastasierten Erkrankungen, um eben den Verlauf zu kontrollieren.
Hier geht es zum Video-Interview: „Untersuchungen in der Langzeitbetreuung bei Brustkrebs“