4. Mein Beitrag zur Therapie bei Brustkrebs

Welche Therapien können in der Nachsorge und Langzeitbetreuung bei Brustkrebs eingesetzt werden?

Auch nach der ersten intensiven Behandlung kann eine Brustkrebs-Therapie noch über längere Zeit weitergehen. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Art von Brustkrebs vorliegt und welche Eigenschaften die Krebszellen haben. Nicht jede Therapie ist für jede Patientin geeignet.

Langzeittherapie bei frühem Brustkrebs

Auch wenn Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie abgeschlossen sind, können noch weitere Medikamente notwendig sein. Sie sollen vor allem helfen, das Risiko für einen Rückfall zu senken. Welche Therapie notwendig ist und wie lange sie dauert, wird individuell festgelegt.

Bei bestimmten Formen von Brustkrebs können außerdem Behandlungen, die bereits vor der Operation begonnen wurden, nach der Operation noch für eine begrenzte Zeit weitergeführt werden. Dazu kann zum Beispiel eine Immuntherapie gehören.

Langzeittherapie bei metastasiertem Brustkrebs

Bei metastasiertem Brustkrebs wird die Erkrankung meist über längere Zeit behandelt. Ziel ist es, das Wachstum der Erkrankung möglichst lange zu bremsen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten. Welche Therapie eingesetzt wird, kann sich im Laufe der Zeit ändern. Ihr Behandlungsteam entscheidet gemeinsam mit Ihnen, welche Behandlung in Ihrer Situation am besten passt.

In der Schulung Behandlung von metastasiertem Brustkrebs finden Sie alles rund um die Therapien.

Warum kann die Behandlung über längere Zeit weitergehen?

Nach Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung haben viele Patient das Gefühl, den intensivsten Teil der Behandlung hinter sich zu haben. Je nach Art des Brustkrebses kann es jedoch wichtig sein, die Behandlung mit Medikamenten über Monate oder Jahre fortzuführen.

Bei frühem Brustkrebs geht es darum, das Risiko zu senken, dass die Erkrankung zurückkehrt. Auch wenn kein Tumor mehr sichtbar ist und Sie sich gut fühlen, können einzelne Krebszellen im Körper zurückgeblieben sein, die mit Untersuchungen nicht erkannt werden können. Medikamente können helfen, diese Zellen zu bekämpfen oder ihr Wachstum zu verhindern. Deshalb kann die Behandlung weiterhin wichtig sein, auch wenn Sie ihre Wirkung selbst nicht unmittelbar spüren.

Bei metastasiertem Brustkrebs soll die medikamentöse Behandlung die Erkrankung möglichst lange kontrollieren und ihr weiteres Wachstum bremsen. Auch hier gilt: Wenn Sie sich gut fühlen oder keine Beschwerden haben, bedeutet das nicht unbedingt, dass die Behandlung nicht mehr notwendig ist. Eine gut wirksame Therapie kann gerade dazu beitragen, dass Beschwerden möglichst lange ausbleiben und die Lebensqualität erhalten bleibt.

Wichtig: Wenn Nebenwirkungen, Sorgen oder Zweifel auftreten, sprechen Sie diese frühzeitig mit Ihrem Behandlungsteam an. Die Therapie sollte nicht eigenständig verändert oder beendet werden. Oft gibt es Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern oder die Behandlung an Ihre Situation anzupassen.

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Was ist für Sie am wichtigsten, damit Sie eine Therapie langfristig gut fortführen können?

Was bedeutet Therapietreue im Alltag?

Damit Medikamente wie vorgesehen wirken können, nehmen oder wenden Sie sie so an, wie es in Ihrem persönlichen Therapieplan steht. Dabei bedeutet „regelmäßig“ nicht bei jedem Medikament dasselbe. Manche Tabletten werden täglich eingenommen, andere Medikamente folgen bestimmten Behandlungszyklen. Auch geplante Pausen können ausdrücklich Teil einer Therapie sein. Entscheidend ist deshalb: Orientieren Sie sich an dem Einnahmeplan, der für Ihr Medikament vorgesehen ist.

Nebenwirkungen bei Langzeittherapien

Gerade bei längerfristigen Therapien ist die Wirkung im Alltag oft nicht direkt spürbar. Vielleicht bemerken Sie vor allem Nebenwirkungen, während der Nutzen der Behandlung für Sie nicht unmittelbar fühlbar ist. Trotzdem ist die regelmäßige Einnahme wichtig, weil die Therapie zum Beispiel dazu beitragen kann, das Risiko für einen Rückfall zu senken oder eine metastasierte Erkrankung möglichst gut zu kontrollieren.

Nebenwirkungen sollten Sie dabei nicht einfach hinnehmen. Bei antihormonellen Therapien können beispielsweise auftreten:

  • Hitzewallungen
  • Gelenk- oder Muskelschmerzen
  • Müdigkeit
  • Schlafprobleme
  • trockene Schleimhäute
  • Stimmungsschwankungen

Wie stark diese Beschwerden sind und welche auftreten, ist von Person zu Person unterschiedlich. Manche Beschwerden sollten Sie unabhängig davon rasch abklären lassen, zum Beispiel ungewohnte Blutungen aus der Vagina oder eine neu aufgetretene, einseitige Schwellung eines Beins. Wenden Sie sich dann rasch an Ihr Behandlungsteam. Wenn Beschwerden auftreten oder Sie die Therapie im Alltag stark belastet, sprechen Sie diese frühzeitig bei Ihrem Behandlungsteam an. Häufig gibt es Möglichkeiten, Beschwerden und Nebenwirkungen zu lindern, etwa durch Bewegung, physiotherapeutische Maßnahmen, Medikamente oder gegebenenfalls einen Wechsel des Präparats.

Wichtig: Verändern oder beenden Sie Ihre Krebstherapie nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Behandlungsteam.

Was kann ich selbst zum Therapieerfolg beitragen?

Auch wenn Ihre Brustkrebsbehandlung über Monate oder Jahre weitergeht, können Sie selbst dazu beitragen, dass sie möglichst gut in Ihren Alltag passt. Wichtig ist vor allem, Medikamente wie vereinbart anzuwenden und Nebenwirkungen, Beschwerden oder Schwierigkeiten offen anzusprechen. Dazu kommt Ihr Lebensstil: Regelmäßige körperliche Aktivität, ein für Sie gutes Körpergewicht, wenig Alkohol und Rauchstopp sind mit einem günstigeren Verlauf nach einer Brustkrebserkrankung verbunden. Sie müssen dabei nicht alles perfekt machen oder Belastungen einfach aushalten.

Je besser Ihr Behandlungsteam weiß, wie die Therapie für Sie im Alltag funktioniert, desto besser kann es Sie unterstützen und die Behandlung an Ihre Situation anpassen.

Welche Veränderungen sollte ich ansprechen?

Beobachten Sie Ihren Körper aufmerksam, ohne sich ständig selbst kontrollieren zu müssen. Hilfreich ist es, ein Gefühl dafür zu haben, was für Ihren Körper normalerweise üblich ist. So fallen neue oder deutliche Veränderungen eher auf.

An der Brust oder Brustwand sollten Sie beispielsweise diese Veränderungen ärztlich abklären lassen:

  • ein neuer Knoten
  • Veränderungen der Form oder der Haut
  • eine eingezogene Brustwarze
  • Flüssigkeit, die aus der Brustwarze austritt
  • Schwellungen in der Achselhöhle oder am Schlüsselbein

Wichtig sind aber auch neue oder anhaltende Beschwerden an anderen Körperstellen, zum Beispiel ungewohnte Schmerzen, Schwellungen, Atembeschwerden oder andere Veränderungen Ihres Allgemeinbefindens. Besonders wenn Beschwerden anhalten, stärker werden oder Sie beunruhigen, sollten Sie Ihr Behandlungsteam informieren. Achten Sie besonders auf Schwellungen, Spannungsgefühl oder Schweregefühl im Arm oder in der Hand auf der operierten Seite. Ein Lymphödem lässt sich besser behandeln, wenn es früh erkannt wird. Eine plötzliche Rötung mit Überwärmung an diesem Arm sollten Sie rasch ärztlich abklären lassen. Sie müssen nicht selbst beurteilen, ob eine Veränderung mit Ihrer Erkrankung oder Behandlung zusammenhängt. Diese Einordnung übernimmt Ihr Behandlungsteam.

Alle Medikamente angeben

Auch rezeptfreie Medikamente, pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel können Wechselwirkungen mit Ihrer Krebsbehandlung haben.

Informieren Sie Ihr Behandlungsteam deshalb über alles, was Sie regelmäßig oder gelegentlich einnehmen – auch über Präparate, die Sie als „natürlich“ oder harmlos empfinden. Eine aktuelle Medikamentenliste mit Name, Dosierung und Einnahmehäufigkeit kann dabei helfen, den Überblick zu behalten.

In der nächsten Lektion geht es darum, wie Sie mit Unsicherheit, Angst vor Kontrollterminen sowie Sorgen vor einem Rückfall oder Fortschreiten der Erkrankung umgehen können.

Weiter zu Unsicherheit in der Langzeitbetreuung bei Brustkrebs.

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    AT-18649; 10/2026 | Geprüft OÄ Dr.in Mira Sofie Witek und DGKP Elisabeth Wiedermann: Stand September 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Antikörper
    (Immunoglobuline)
    Eiweiße (Proteine), die von Zellen des Immunsystems gebildet werden, um Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Bei manchen Erkrankungen kann es zu einer fehlgeleiteten Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Zellen oder Strukturen kommen.
    Chemotherapie
    Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), die das Wachstum von Krebszellen hemmen sollen.
    Immuntherapie
    Therapie, die das Immunsystem beeinflusst und bei verschiedenen Erkrankungen, wie z.B. Krebs, eingesetzt wird. Je nach Krankheitsursache kann das Immunsystem gehemmt, stimuliert oder durch die Gabe von Antikörpern verändert werden.
    Metastase
    Absiedlungen von Krebszellen eines bösartigen Tumors an anderen Körperregionen.
    Östrogen
    Weibliches Geschlechtshormon, das auch in geringeren Mengen bei Männern vorkommt. Es steuert viele Prozesse im weiblichen Körper, von der Entwicklung in der Pubertät über den Menstruationszyklus bis hin zur Gesundheit von Knochen und Herz.
    Tumor
    („Geschwulst“)
    Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.
    zielgerichtete Therapie
    Behandlung, die spezifisch auf genetische Mutationen, Proteine oder das Gewebeumfeld abzielt, das das Krebswachstum fördert.