5. Unsicherheit in der Langzeitbetreuung bei Brustkrebs

Warum sind Kontrolltermine oft belastend?

Eine bevorstehende Untersuchung oder das Warten auf einen Befund kann die Erkrankung plötzlich wieder stärker in den Vordergrund rücken. Manche Patientinnen schlafen dann schlechter, beobachten ihren Körper aufmerksamer oder denken häufiger an mögliche schlechte Nachrichten.

Nach frühem Brustkrebs kann dabei die Sorge entstehen, dass die Erkrankung zurückkehrt – die sogenannte Rezidivangst. Bei metastasiertem Brustkrebs steht häufig die Angst vor einem Fortschreiten der Erkrankung oder einer nachlassenden Wirkung der Therapie im Vordergrund. Fachleute sprechen von Progredienzangst. Dieser Begriff wird auch für die Angst nach einem frühen Brustkrebs verwendet.

Beide Ängste können auch dann auftreten, wenn aktuell kein konkreter Hinweis auf eine Verschlechterung besteht. Besonders vor Kontrolluntersuchungen, beim Warten auf Befunde oder bei neuen Beschwerden können sie stärker werden.

Tipp für den Umgang mit Unsicherheiten

Es kann helfen, den Ablauf möglichst gut zu kennen. Fragen Sie zum Beispiel:

  • Wann ist mit dem Ergebnis zu rechnen?
  • Wie werde ich darüber informiert?
  • Wann kann ich den Befund ärztlich besprechen?

Je klarer der Ablauf ist, desto weniger organisatorische Unsicherheit bleibt.

Was kann ich gegen Grübeln, Gedankenkreisen und Schlafprobleme tun?

Sorgen lassen sich meist nicht einfach abschalten. Der Versuch, bestimmte Gedanken mit aller Kraft zu vermeiden, kann sie sogar noch stärker in den Vordergrund rücken. Manchen Menschen hilft es deshalb, Sorgen bewusst wahrzunehmen und zu ordnen. Sie können sich beispielsweise fragen:

  • Was weiß ich im Moment tatsächlich?
  • Was befürchte ich, ohne es derzeit wissen zu können?
  • Gibt es etwas, das ich jetzt konkret tun kann?

Vielleicht lässt sich aus einer Sorge eine Handlung ableiten: eine Frage für den nächsten Termin notieren, eine Beschwerde abklären lassen oder Informationen beim Behandlungsteam einholen. Andere Fragen können im Moment nicht beantwortet werden. Auch diese Unterscheidung kann helfen, Gedankenkreisen etwas zu strukturieren.

Neben dem Ordnen der Gedanken kann es helfen, die körperliche Anspannung zu verringern. Bewegung, Entspannungsübungen, Atemübungen oder Meditation sind mögliche Strategien. Welche Methode Ihnen guttut, ist individuell. Sie müssen nicht jede davon ausprobieren oder hilfreich finden.

Gerade abends können Sorgen stärker werden und den Schlaf beeinträchtigen. Eine ruhige Abendroutine, regelmäßige Schlafzeiten, Bewegung am Tag und weniger Koffein am Abend können hilfreich sein. Wenn Gedanken nachts kreisen, kann es helfen, sie kurz aufzuschreiben und am nächsten Tag wieder aufzugreifen. Halten Schlafprobleme länger an, sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam darüber – auch körperliche Beschwerden oder Nebenwirkungen können eine Rolle spielen.

Wann sollte ich mir Unterstützung holen?

Entscheidend ist nicht, wie „viel“ Angst Sie haben, sondern wie stark sie Ihren Alltag beeinflusst. Unterstützung kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn Sie

  • häufig grübeln,
  • länger schlecht schlafen,
  • Kontrolltermine aus Angst vermeiden,
  • sich zurückziehen oder
  • sich dauerhaft überfordert fühlen.

Auch wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Belastung groß genug ist, dürfen Sie sie ansprechen.

Mögliche Anlaufstellen

  • Ihr Behandlungsteam
  • Ihre Breast Care Nurse
  • psychoonkologische Fachpersonen
  • Krebsberatungsstellen
  • Psychotherapeut:innen
  • Selbsthilfegruppen
  • Patientenorganisationen

In Österreich bietet beispielsweise die Österreichische Krebshilfe Beratung für Betroffene und Angehörige an.

Psychoonkolog:innen beschäftigen sich mit den seelischen und sozialen Belastungen, die mit einer Krebserkrankung verbunden sein können. Sie können Ihnen weiterhelfen. Sie müssen sich nicht in einer akuten Krise befinden, um psychoonkologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Psychoonkologische Begleitung kann während der Behandlung ebenso sinnvoll sein wie in der Nachsorge oder beim Leben mit metastasiertem Brustkrebs.

Gespräche können beispielsweise hilfreich sein, wenn Sie

  • Angst vor einem Rückfall oder Fortschreiten der Erkrankung haben,
  • mit der veränderten Lebenssituation schwer zurechtkommen,
  • medizinische Entscheidungen als belastend erleben,
  • Schwierigkeiten in Partnerschaft oder Familie erleben oder
  • Ihre Gedanken mit einer neutralen Person sortieren möchten.

Wenn Ängste sehr stark ausgeprägt sind, können neben psychotherapeutischen Verfahren in bestimmten Situationen auch Medikamente infrage kommen. Ob das für Sie sinnvoll ist, sollten Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.

Unterstützung durch und für Angehörige

So können Angehörige unterstützen

Partner:innen, Familie oder andere vertraute Personen können während der Langzeitbetreuung eine wichtige Unterstützung sein. Dabei müssen Angehörige nicht für jedes Problem eine Lösung finden. Hilfreich kann beispielsweise sein:

  • zuzuhören
  • bei einem Kontrolltermin mitzukommen
  • wichtige Informationen mitzuschreiben
  • bei organisatorischen Dingen zu unterstützen
  • gemeinsam Zeit zu verbringen, in der die Erkrankung einmal nicht im Mittelpunkt steht

Was Ihnen guttut, ist sehr persönlich. Manche Menschen möchten ausführlich über ihre Sorgen sprechen, andere nur zu bestimmten Zeiten. Deshalb kann es hilfreich sein, möglichst konkret zu sagen, was Sie gerade brauchen. Zum Beispiel: „Ich möchte gerade nur, dass du mir zuhörst.“ oder „Kannst du mich morgen zum Termin begleiten?“ Klare Wünsche können sowohl Ihnen als auch Ihren Angehörigen Orientierung geben.

So finden Angehörige Unterstützung

Eine Brustkrebserkrankung betrifft häufig auch Menschen im persönlichen Umfeld. Partner:innen oder Angehörige können selbst Angst, Hilflosigkeit oder Überforderung erleben. Sie müssen diese Belastung nicht ausschließlich innerhalb der Familie auffangen. Viele psychoonkologische oder psychosoziale Beratungsangebote stehen deshalb auch Angehörigen offen. Das kann besonders hilfreich sein, wenn unterschiedliche Bedürfnisse entstehen. Vielleicht möchten Sie gerade möglichst wenig über die Erkrankung sprechen, während eine nahestehende Person viele Sorgen hat – oder umgekehrt. Jede Person darf dafür eigene Unterstützung in Anspruch nehmen. Mehr zum Thema finden Sie hier: Unterstützung für Angehörige.

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    AT-18649; 10/2026 | Geprüft OÄ Dr.in Mira Sofie Witek und DGKP Elisabeth Wiedermann: Stand September 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Breast Care Nurse

    Speziell ausgebildete Pflegeexpert:innen, die Patientinnnnen mit Brustkrebs während der Diagnose, Behandlung und Nachsorge begleiten und beraten

    Psychoonkolog:innen
    Psychologische Unterstützung von Menschen, die an Krebs erkrankt sind. Hauptziel ist es, den Patienten bei der Bewältigung der emotionalen, sozialen und psychologischen Herausforderungen zu helfen, die mit der Krebsdiagnose und -behandlung verbunden sind.