1. Grenzen und Bedürfnisse

Auswirkungen der Erkrankung und Therapie auf die Sexualität bei Brustkrebs

Die Diagnose Brustkrebs hat oft einen großen Einfluss auf die Sexualität. Ängste und körperliche Veränderungen durch die Therapie können Auswirkungen auf die sexuelle Lust von betroffenen Personen und deren PartnerInnen haben.

Körperliche Auswirkungen in Bezug auf die Sexualität

Bei der Brustkrebstherapie kommen viele Behandlungsansätze zum Einsatz. Diese haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Sexualität.

  • Brustentfernung: Sie kann die Sexualität besonders beeinflussen. Wenn eine Brust entfernt oder rekonstruiert wird, kann das die Sensibilität in der Brust und das Körperbild verändern.
  • Entfernung von Lymphknoten: Das kann zu Lymphödemen führen. Es handelt sich dabei um Schwellungen im Bereich des Armes auf der Seite der betroffenen Brust, wenn die Lymphflüssigkeit schlechter abfließen kann.
  • Chemotherapie: Manche Chemotherapien können dazu führen, dass die Haare ausfallen und sich das Körpergewicht verändert.
  • Chemo- und Hormontherapie: Beide Behandlungsansätze können dazu führen, dass die Schleimhäute im Intimbereich austrocknen. Dies wirkt sich auf die Empfindlichkeit der Vagina aus.

Sind die Auswirkungen der Erkrankung und Therapie auf den Körper dauerhaft?

Die Mastektomie (Brustentfernung) verhindert bei vielen Arten von Brustkrebs das Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) effektiver als andere Therapieansätze. Sowohl die teilweise als auch die vollständige Mastektomie kann zu Schmerzen, Lymphödemen und Narben führen. Manche Beschwerden können längerfristig dauern. Auch eine verminderte Sensibilität und ein Taubheitsgefühl können dauerhaft sein. Dies kann die Sexualität durchaus beeinflussen.

Andere Auswirkungen können zeitlich begrenzt auftreten. Während der Chemotherapie kann es zu Scheidentrockenheit kommen. Während und nach der Chemotherapie sollten Sie Ihre Schleimhäute daher besonders pflegen. Sie können pH-neutrale Waschlotionen und Feuchtigkeitscremes verwenden. Dadurch wird Ihre Vagina wieder feuchter und Sex genussvoller. In den nachfolgenden Lektionen erfahren Sie, was Sie gegen Scheidentrockenheit tun können.

Auswirkung der psychischen Belastung auf die Sexualität

Neben den körperlichen Ursachen können auch psychische Faktoren eine Rolle spielen. Um sexuelle Lust zu empfinden, braucht es einen sicheren Raum. Die Diagnose Brustkrebs macht vielen Frauen Angst. Diese Angst verringert die Lust.

Zudem ist die Brust für viele Frauen ein Symbol ihrer Sexualität und Weiblichkeit. Wer sich im eigenen Körper nicht wohl und sexuell attraktiv fühlt, tut sich häufig schwer, Lust zu empfinden.

Die eigenen sexuellen Grenzen kennen

Sexualität ist eine sehr intime Erfahrung. Gleichzeitig kann Brustkrebs die Sexualität und sexuelle Bedürfnisse verändern. Auf die eigenen Grenzen zu achten ist deshalb besonders wichtig und gleichzeitig manchmal besonders herausfordernd.

Erkennen, was (keine) Lust macht

Viele Frauen empfinden nach der Diagnose und während der Therapie wenig Lust. Erkennen und akzeptieren Sie Ihre Unlust. Gerade nach einer Krebsdiagnose ist es völlig in Ordnung, wenig oder keine Lust zu verspüren.

Wie kann ich besser zu einem „Nein“ stehen, wenn ich keine Lust auf Sex habe?

Viele Frauen sind daran gewöhnt, andere zu umsorgen und sind sehr aufmerksam gegenüber den Bedürfnissen Ihres Umfelds. Einigen Frauen fällt es schwer, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu diesen zu stehen.

  • Achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen.
  • Machen Sie sich bewusst, dass ein klares „Nein“ eine Form der Selbstfürsorge ist.
  • Überlegen Sie, was Ihnen erschwert, selbstbewusst „Nein“ zu sagen.
    Es kann verschiedene Gründe geben. Manchmal kann dahinter die Angst stehen, die andere Person zu verletzen. Sprechen Sie diese Angst offen an, oft ist sie unbegründet. So können Sie die Angst auflösen und sorgenfreier „Nein“ sagen.

Sollte ich der Beziehung zuliebe Sex haben?

Sex kann und darf auch einmal ein Geschenk für die andere Person sein. Das kann Freude und sogar Lust machen. Wenn das wiederholt passiert, kann es jedoch dazu führen, dass sich Ihre Lust verringert. Ihre/Ihr PartnerIn freut sich wahrscheinlich mehr, wenn Sie zu Ihren Bedürfnissen stehen, als wenn Sie sich auf etwas einlassen, was Sie nicht möchten. Wenn der Gedanke an Sex Sie nicht freut, ist es deshalb oft besser „Nein“ zu sagen als etwas nur aus Liebe zu Ihrer Partnerin/Ihrem Partner zu machen.

Sexuelle Grenzen kommunizieren

Die eigenen Grenzen zu kennen, ist sehr wichtig. Damit Ihr Gegenüber Ihre Grenzen beachten kann, ist es notwendig, dass Sie diese offen kommunizieren.

Über sexuelle Grenzen reden

Sexuelle Grenzen sind verschieden und können sich ändern.

  • Achten Sie bewusst darauf, was sich für Sie gut anfühlt und was nicht. Sie können Ihre Grenzen auch ausloten. Dabei dürfen Sie jederzeit Stopp sagen.
  • Sprechen Sie vorher mit Ihrer/Ihrem PartnerIn, dass Sie währenddessen eventuell abbrechen möchten. So können Sie das Vertrauen haben, dass Ihre Entscheidung respektiert wird und die gemeinsame Sexualität besser genießen.
Sonja Maras
Nach meiner Brustoperation hatte ich Schwierigkeiten mich selbst anzufassen. Ich habe viel mit meinem Mann gesprochen. Er war sehr einfühlsam und hat sich meine „Brust“ langsam und nach meinem Tempo wiedererobert. Heute kann ich es genießen wenn er meine Narben berührt.
Sonja Maras
Brustkrebs Patientin

Sexuelle Hemmungen nach der Diagnose Brustkrebs erkennen

Wenn Sie oder Ihre/Ihr PartnerIn das Ausleben von Sexualität nach der Diagnose Brustkrebs unangemessen finden, sollten Sie offen darüber sprechen. Bei Sex gilt: Alles kann, nichts muss. Nur Sie und Ihre/Ihr PartnerIn können entscheiden, was sich für Sie beide richtig anfühlt. Wenn einer/eine von Ihnen gerade keine Sexualität möchten, ist das völlig in Ordnung. Stehen Sie dazu, damit Ihre/Ihr PartnerIn Ihre Wünsche respektieren kann.

Einige Patientinnen möchten nicht, dass sie ihre/ihr PartnerIn nackt sieht oder bestimmte Bereiche ihres Körpers anfasst. Was Sie tun können hängt davon ab, warum Sie sich unwohl fühlen.

Wie finde ich raus, was für mich okay ist und was nicht?

Diese Fragen können Ihnen helfen, dies herauszufinden:

– Was hemmt mich?
– Kann ich mich selbst anschauen/anfassen?
– Was würde ich mir stattdessen wünschen?
– Habe ich selbst meinen veränderten Körper bereits angenommen? Möchte ich das?
– Was wünsche ich mir von meiner/meinem PartnerIn?

Viele Patientinnen sind sich noch unsicher, wie sie diese Fragen für sich persönlich beantworten.

Sexuelle Hemmungen überwinden

  • Lassen Sie sich dabei von Ihrem Bauchgefühl leiten.
  • Teilen Sie dabei Ihre Gedanken und Unsicherheiten mit Ihrer/Ihrem PartnerIn.
  • Teilen Sie ihr/ihm mit, dass Ihre Unlust nicht an ihr/ihm liegt, sondern dass Sie sich selbst erst in Ihrem veränderten Körper zurechtfinden müssen. Dadurch kann sie/er sich besser in Sie hineinfühlen und Sie besser unterstützen.

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Geprüft Dr.in Eliane Sarasin Ricklin: September 2021 | Quellen und Bildnachweis

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