4. Sexuelle Beziehung

Sexualität und Partnerschaft bei Brustkrebs

Sexualität ist für viele Menschen ein wichtiger Teil der Partnerschaft. Die Brustkrebserkrankung kann ein Anlass sein, das gemeinsame Sexleben neu zu entdecken.

Gefühle der PartnerInnen und Auswirkungen auf die Sexualität

PartnerInnen verhalten sich oft sehr verständnisvoll und unterstützend. Viele stellen ihre eigenen Sorgen und Bedürfnisse zurück. Manche ziehen sich zurück, um ihre erkrankte Partnerin nicht zusätzlich zu belasten oder zu bedrängen. Das ist gut gemeint, kann aber von der erkrankten Partnerin als Distanzierung oder gar Ablehnung verstanden werden. Sprechen Sie deshalb offen über Ihre jeweiligen Bedürfnisse.

Belastet eine veränderte Sexualität die Beziehung?

Sexualität ist mehr als nur Geschlechtsverkehr. Sie fängt mit Blicken und kleinen Berührungen an. Je besser ein Paar weiß, was die andere Person möchte und nicht möchte, desto eher bleibt es in „sexuellem Kontakt“. Sorgen darum, ob Sie zusammenbleiben, sind verständlich. Glücklicherweise erhöht eine Brustkrebserkrankung nicht das Risiko für eine Trennung. Ob es zu Problemen mit der Sexualität kommt, ist vor allem davon abhängig, ob es vorher bereits Konflikte gab. Das können unausgesprochene Wünsche oder ungelebte Bedürfnisse sein. Wenn Sie vor der Erkrankung ein erfülltes Sexleben hatten, werden Sie es leicht wiederentdecken.

Kuscheln und sexuelle Zufriedenheit

Pärchen, die regelmäßig miteinander Kuscheln, sind im Schnitt sexuell zufriedener. Häufiges Kuscheln führt auch dazu, dass Männer in Beziehungen glücklicher sind.

Wie können wir zu einer neuen gemeinsamen Sexualität finden?

Die Krebserkrankung muss nicht das Ende der Sexualität bedeuten. Sie kann jedoch ein Anlass sein, die bisherige Sexualität zu zweit zu überdenken. Fragen Sie sich und einander:

  • Was möchten wir weiterhin?
  • Was möchten wir nicht mehr?
  • Was können wir Neues miteinander entwickeln?
Nicole Kultau
Durch den künstlichen Wechsel und Nebenwirkungen der Therapien hab ich heute nicht mehr soviel Lust auf Sex wie vor meiner Erkrankung. Auch hat sich die Art des Sex verändert. War er früher wild und fordernd, liebe ich es heute zu kuscheln und sich Zeit nehmen. Ich spreche auch hier viel mit meinem Mann, hab mir auch ein Gleitgel und „Erwachsenen-Spielzeug“ besorgt. Wir haben nicht soviel Sex wie früher, aber er ist intimer und inniger denn je.
Sonja Maras
Brustkrebs Patientin

Meine Partnerin hat Brustkrebs

Auch für PartnerInnen kann die Brustkrebserkrankung sehr belastend sein. Oft steht die Erkrankung im Vordergrund und es kann schwerfallen, die erkrankte Partnerin als erotische Frau mit sexuellen Bedürfnissen zu sehen.

Die Partnerin als sexuell aktive Frau und nicht nur als Patientin sehen

Durch die Brustkrebserkrankung erleben Sie Ihre Partnerin als verletzlich und wenig belastbar. Die Erkrankung steht in Ihrem gemeinsamen Leben meist im Vordergrund. Es kann deshalb schwer sein, sie als erotisches Wesen zu sehen. Dabei kann Ihnen folgendes helfen:

  • Legen Sie Ihren Fokus auf die gesunden Teile des Körpers Ihrer Partnerin. Vieles an Ihrer Partnerin hat sich durch die Erkrankung nicht verändert.
  • Konzentrieren Sie sich auf Ihr Lächeln, auf ihre Blicke und auf ihre Art.
  • Helfen Sie Ihrer Partnerin sich mit ihrer Sexualität wohlzufühlen: Zeigen Sie ihr, dass ihr Wohlbefinden das Wichtigste ist, und haben Sie Geduld.

Darf ich es meiner Partnerin offen sagen, falls ich sie weniger attraktiv finde?

Im Vergleich zum gemeinsamen Altwerden verändert sich der Körper durch die Erkrankung oftmals deutlich schneller. Diese körperlichen Veränderungen betreffen beide PartnerInnen. Gestehen Sie es sich selbst gegenüber offen ein, falls Sie Ihre Partnerin weniger attraktiv finden. Im Idealfall meistern Sie diese Paarkrise gemeinsam. Zum Beispiel indem Sie Ihrer Partnerin helfen, sich selbst attraktiver zu fühlen. Wenn sie sich in ihrem eigenen Körper wieder wohler fühlt, wirkt sich das auch auf die sexuelle Ausstrahlung aus.

Zuneigung zeigen ohne Druck zu machen

Möglicherweise ist sich Ihre erkrankte Partnerin unsicher, wie die körperlichen Veränderungen bei Ihnen ankommen. Sie wird sich wahrscheinlich freuen, wenn Sie ihr zeigen, dass Sie sie weiterhin attraktiv finden. Sie können es ihr mit Worten und mit kleinen Gesten zeigen, die nicht direkt Sex als Ziel haben müssen. Ihre Partnerin wird sich wahrscheinlich nicht unter Druck gesetzt fühlen, wenn sie spürt, dass Sex möglich, aber kein Muss ist.

Sex und metastasierter Brustkrebs

Auch im fortgeschrittenen Brustkrebsstadium ist Sexualität oft ein wichtiger Teil des Lebens. Sie auszuleben kann Ihnen guttun.

Kann Sex meine Prognose bei metastasiertem Brustkrebs verschlechtern?

Sexualität kann eine Quelle von Lebensfreude sein. Wenn Sex genussvoll und schmerzfrei ist, wird er Ihnen guttun und nicht schaden. Das gilt auch bei fortgeschrittener Erkrankung. Sex muss zudem keinen Geschlechtsverkehr beinhalten. Sexualität fängt schon bei Fantasien, Blicken und Berührungen an. Sexualität können Sie somit bis an Ihr Lebensende ausleben.

Sexstellungen bei metastasiertem Brustkrebs

Es sind alle Stellungen erlaubt, die Ihnen Spaß machen. Wenn eine Position unangenehm ist, kann es zum Beispiel helfen ein Kissen unterzulegen. Sprechen Sie gemeinsam offen darüber, was Ihnen gefällt. So finden Sie eine Position, die Sie beide genießen.

Auswirkungen von Angst auf Sexualität

Angst ist der größte Gegenspieler von Lust. Sprechen Sie darüber, was Ihnen Angst macht. So können Sie besser mit der Angst umgehen. Eine Angst verliert an Intensität, wenn sie ausgesprochen wurde. Wenn sie unbegründet ist, kann sie außerdem direkt aufgelöst werden. Ihnen fällt es schwer miteinander darüber zu sprechen? Eine/ein PsychoonkologIn kann Sie dabei unterstützen Ihrer/Ihrem PartnerIn gegenüber in Worte zu fassen, was sie beschäftigt.

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Geprüft Dr.in Eliane Sarasin Ricklin: September 2021 | Quellen und Bildnachweis

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