2. Umgang mit sexuellen Beschwerden

Behandlung von körperlichen Beschwerden beim Sex

Schmerzen, Müdigkeit und Depressionen hemmen die Lust. Gegen diese Beschwerden können Sie selbst etwas tun.

Behandlung von Schmerzen

Schmerzen an sich verringern die sexuelle Lust. Außerdem können sie an die Brustkrebserkrankung erinnern und so zusätzliche unangenehme Gefühle auslösen. Schmerzen erfolgreich zu behandeln ist deshalb auch für die Sexualität sehr wichtig.

Mehr Lust durch Beckenbodentraining

Beim Beckenbodentraining werden die Beckenbodenmuskeln trainiert. Der Beckenboden spannt sich unter anderem an, wenn wir trotz voller Blase nicht auf Toilette gehen. Er ist aber auch beim Sex beteiligt: Die Muskeln spannen sich beim Orgasmus an. Mit etwas Übung können Sie Ihren Beckenboden beim Sex bewusst an- und entspannen. Das Entspannen des Beckenbodens kann bei Schmerzen beim Sex helfen, die durch Anspannung zustande kommen. Die Anspannung ist nicht bewusst und oft merken Sie sie nicht. Sie können Ihren Beckenboden aber auch bewusst anspannen. Dadurch spüren Sie mehr beim Sex und viele Frauen kommen durch das Anspannen ihres Beckenbodens leichter zum Orgasmus.

Fatigue verringern

Das Lustempfinden kann durch Fatigue, einem chronischen Erschöpfungszustand als Folge der Erkrankung und Therapie, beeinträchtigt sein. Diese Erschöpfung wird nach der Therapie weniger. Dabei hilft es, wenn Sie sich regelmäßig bewegen.

Was kann ich gegen Scheidentrockenheit tun?

Trockene Schleimhäute können durch die Behandlung auftreten. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr entstehen oft durch Scheidentrockenheit. Es ist wichtig, sie aktiv zu behandeln und den Intimbereich regelmäßig zu pflegen.  Nutzen Sie regelmäßig Cremes gegen Scheidentrockenheit oder pflegenden Ölen wie z.B. Oliven-, Kokos-, Jojoba-, Sesam- oder Mandelöl ein. Sie können diese außen aber auch innerhalb Ihrer Scheide anwenden.

Wann können lokale Östrogene bei Scheidentrockenheit helfen?

Zuerst sollten Sie hormonfreie Hilfsmittel verwenden. Wenn sie nicht ausreichend helfen, können Sie Präparate mit Östrogenen lokal anwenden. Ihre/Ihr GynäkologIn und Ihre/Ihr OnkologIn können Sie ausführlich zu den Möglichkeiten beraten.

Das 1×1 der Intimpflege

Das Gewebsmilieu der Vagina ist sauer, das heißt es hat einen niedrigen pH-Wert. Das ist wichtig, damit es nicht zu Infektionen kommt. Sie sollten deshalb nur pH-neutrale Intimpflegeprodukte sowie pflanzliche Öle innerhalb Ihrer Scheide benutzen. Außen können Sie sich mit Wasser (ohne Seife) waschen und mit einer sanften Creme oder Ölen eincremen.

Lust empfinden trotz Brustkrebs

Viele Frauen empfinden durch die Erkrankung und die Behandlung weniger Lust. Sie können selbst Ihre Lust steigern, wenn Sie das möchten.

Stellt sich das Lustempfinden nach der Brustkrebstherapie von selbst wieder ein?

Je mehr Zeit vergeht, desto leichter wird der Umgang mit der Diagnose Brustkrebs. Nach der Diagnose können Sie sich überfordert zu fühlen. Die Brustkrebsbehandlung selbst kann zudem sehr belastend sein und den Fokus immer wieder auf die Erkrankung lenken. Wenn die Therapie abgeschlossen ist, stellt sich die Lust oft wieder ein. Wenn Sie Ihre Lust weiter steigern möchten, haben Sie viele Möglichkeiten.

Stress und andere Lustbremsen

Sexualität ist sehr individuell, ebenso wie das Lustempfinden. Während manche Menschen häufig Lust empfinden, ist das bei anderen seltener der Fall. Negative Gefühle wie Stress reduzieren die Lust stark. Lust ist also auch immer stark abhängig von Ihrer Lebenssituation und kann sich über die Zeit verändern. Wenn Sie im Moment keine Lust empfinden, wird das wahrscheinlich nicht für immer so bleiben.

Was kann ich tun, um meine Lust zu steigern?

Alles, was Ihnen hilft, sich sinnlich und zufrieden zu fühlen, steigert Ihre Lust. Auch die Behandlung von Beschwerden wie Schmerzen und Müdigkeit hilft dabei. Das Wichtigste ist jedoch, dass Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn Sie unbedingt Lust empfinden wollen, wird sich keine einstellen. Akzeptieren Sie deshalb Unlust. Ihr Körper zeigt Ihnen vielleicht einfach, dass Sie sich derzeit mehr auf sich selbst und die eigene Gesundheit fokussieren sollten. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und nehmen Sie sich die nötige Zeit. Mit der Zeit wird die Lust sich dann von selbst wieder einstellen.

Depressionen, Schlafstörungen und Sexualität

Brustkrebs beeinflusst nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Das kann auch zu Schlafstörungen oder Depressionen führen. Es braucht Zeit, sich an die veränderte Lebenssituation anzupassen. Dabei können Ihnen PsychoonkologInnen helfen. Sie sind ExpertInnen für Krebserkrankungen und auch für Sexualität bei Brustkrebs. Gemeinsam können Sie Ressourcen und Strategien erarbeiten. Manchmal werden auch stimmungsaufhellende Medikamente (Antidepressiva) verschrieben. Dabei ist zu beachten, dass sich manche dieser Medikamente wiederum negativ auf die Lust auswirken können.

Unterstützung durch BehandlerInnen bei sexuellen Beschwerden

Ihre BehandlerInnen unterstützen Sie bei allen Beschwerden. Dazu gehören auch sexuelle Beschwerden.

An wen kann ich mich wenden, wenn sich die Erkrankung auf meine Sexualität auswirkt?

Oft wird Sexualität von BehandlerInnen nicht aktiv zur Sprache gebracht. In diesem Fall können Sie Ihre BehandlerInnen oder das Pflegeteam ansprechen. Diese können Ihre Fragen zum Thema Sexualität beantworten oder Sie an SpezialistInnen weitervermitteln.

Wie kann ich Sexualität bei BehandlerInnen ansprechen?

Sexuelle Auswirkungen der Brustkrebsbehandlung sind Nebenwirkungen wie Haarverlust oder Verdauungsstörungen unter Chemotherapie auch ÄrztInnen und Pflegekräfte sind medizinische ExpertInnen und haben keine Berührungsängste mit dem Thema Sexualität im Rahmen einer Brustkrebsbehandlung. Diese werden versuchen, Sie bestmöglich zu unterstützen und zu beraten.

Die Auswirkungen der Erkrankung auf das Sexleben ins Gespräch bringen

Sie müssen zu Beginn des Gesprächs nicht ins Detail gehen. Es reicht eine einfache Frage wie „Meine Sexualität hat sich im Zuge der Diagnose und Behandlung verändert. Kann ich mit Ihnen darüber sprechen?“ zu stellen. Weitere Fragen können sich im Rahmen des Gesprächs ergeben und angesprochen werden.

Was kann ich tun, wenn ich mich intensiver mit meiner Sexualität auseinandersetzen will?

Einigen Patientinnen reichen einfache Ratschläge zum Umgang mit ihren belasteten Schleimhäuten im Intimbereich. Für andere ist die Diagnose ein Anlass, die eigene Sexualität intensiver zu überdenken. PsychoonkologInnen, SexualmedizinerInnen und SexualtherapeutInnen sind ExpertInnen für Sexualität im Rahmen einer Krebserkrankung. Wenn es Ihnen ein Bedürfnis ist, können Sie den neuen Lebensabschnitt als Anlass nehmen, um sich mit Ihrer Sexualität nochmals völlig neu auseinanderzusetzen. Vereinbaren Sie eine Sprechstunde bei einer/einem ExpertIn und sehen Sie, wohin die Reise geht.

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Geprüft Dr.in Eliane Sarasin Ricklin: September 2021 | Quellen und Bildnachweis

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