8. COVID und RisikopatientInnen – Alle Fragen

Das Coronavirus und seine weitreichenden Folgen halten die Welt auf Trab. Was aber bedeutet das Virus für Sie als RisikopatientIn? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem Kurs “COVID und RisikopatientInnen” übersichtlich zusammengefasst.

COVID einfach erklärt

Was versteht man unter COVID?

COVID-19 ist die Erkrankung, die durch das SARS-Corona-2-Virus ausgelöst wird und die bei unterschiedlichen Patienten sich mit unterschiedlichen Symptomen präsentieren kann, sei es jetzt Symptome der oberen Atemwege wie Schnupfen oder Halsschmerzen, bis hin zu tieferen Atemwegen wie Husten bis hin zu Atemnot. Und manche PatientInnen haben dann auch Sauerstoffbedarf und müssen unter Umständen sogar im Krankenhaus behandelt werden.

Wie kann ich COVID bekommen?

COVID-19 bekommt man, indem man sich mit dem SARS-Corona-2- Virus infiziert. Wie kann man sich mit dem Virus infizieren? Das ist eine Tröpfcheninfektion, also über Tröpfchen oder Sekrete aus den Atemwegen. Das bedeutet: Wenn man mit jemanden Kontakt hat, der gerade infektiös ist und der hustet oder niest und man atmet diese infektiösen Tröpfchen, Aerosole genannt, ein, kann man sich damit infizieren.

Welche interschiedlichen Formen (Mutationen) der Krankheitserreger gibt es und wie entstehen diese?

Bei dem SARS-Corona-2-Virus gibt es mittlerweile verschiedene Typen. Das Virus ist ein sogenanntes RNA-Virus. Und in jedem Zyklus, wenn es sich vermehrt, häuft es Mutationen an. Und wenn sich dann manche Stämme mit gewissen Mutationen in der Bevölkerung weiter verbreiten, die werden dann dominant, die setzen sich durch gegenüber anderen Stämmen, dann kann eine neue Linie oder ein neuer Subtyp entstehen.

Zum Beispiel am Anfang hatten wir den Wildtyp, der zuerst da war, dann gab es Alpha, der sehr dominant war, Delta, und mittlerweile sind wir, Stand Juni 2022, bei Omikron angelangt. Und auch innerhalb von Omikron haben sich durch verschiedene Mutationen verschiedene Subtypen entwickelt. Wie Sie vielleicht wissen, gibt es ja BA.1, BA.2, und mittlerweile auch schon 4 und 5. Und es wird auch weitere Formen geben in Zukunft.

Kann ich mehrmals an COVID erkranken?

Ja, man kann mehrmals an COVID erkranken. Es gibt Leute, die sind in der ersten Welle krank geworden, haben sich mit dem Wildtyp infiziert, oder die haben sich mit Delta infiziert. Oder auch man kann sich mit unterschiedlichen Omikron-Varianten infizieren.

Also ja, man kann sich mehrmals mit dem Corona-Virus infizieren. Und wir werden uns vermutlich auch alle im Laufe unseres Lebens mehrmals mit dem Corona-Virus infizieren, wie es auch bei der Grippe, also bei dem Influenza-Virus oder anderen Viren in den Atemwegen der Fall ist.

Hier geht es zum Video-Interview: „COVID einfach erklärt”

RisikopatientIn einfach erklärt

Was bedeutet COVID-RisikopatientIn zu sein?

Es gibt gewisse Risikofaktoren für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. Dazu zählen verschiedene internistische Erkrankungen, wie zum Beispiel

  • Bluthochdruck,
  • Diabetes,
  • chronische Nierenerkrankungen,
  • chronische Herzerkrankungen oder auch
  • Lungenerkrankungen wie COPD oder Lungengerüst-Erkrankungen.

Gleichzeitig ist auch noch ein erhöhtes Alter ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf. Was ein erhöhtes Alter ist, sei jetzt dahingestellt. In verschiedenen Studien wurde das anders definiert. Aber wer älter als 65 ist, ist auf jeden Fall eine Risikopatientin, ein Risikopatient. Eigentlich auch schon ab Größe 55 Jahren.

Darüber hinaus ist auch noch ein Übergewicht ein Risikofaktor. Hier gibt es den Body Mass Index, den man sich ausrechnen kann. Und in vielen Studien hat sich gezeigt, dass ein Body Mass Index von Größe 30 ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf ist.

Dann gibt es auch noch Patientinnen und Patienten, die auf Grund von Autoimmunerkrankungen oder auch Krebserkrankungen Medikamente benötigen, das Immunsystem hemmen. Und solche Patientinnen und Patienten zählen auch zur Risikogruppe. Zum Beispiel ein Patient mit einem Lupus oder Rheuma, der Hochdosis Cortisol bekommt, oder auch langfristig niedrigere Dosen Cortisol bekommt, oder gewisse Medikamente, die das Immunsystem hemmen, die man alle 2 bis 4 Wochen vielleicht subkutan, also in die Haut gespritzt bekommt, in die Vene gespritzt bekommt. Das sind alles Risikogruppen.

Woher weiß ich, dass ich COVID-RisikopatientIn bin?

Als COVID-Risikopatientin oder -Patient gilt man, wenn man eine Grunderkrankung hat, die mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf einhergeht. Das bedeutet,

  • wenn man zum Beispiel Bluthochdruck hat,
  • übergewichtig ist mit einem BMI von > 30,
  • wenn man eine chronische Nieren- oder Herzerkrankung hat oder Lungenerkrankung,
  • oder wenn man Medikamente nimmt, die das Immunsystem hemmen.

Wenn man eines oder mehrere von diesen Krankheiten hat, gilt man als Risikopatientin oder Risikopatient.

Bin ich als Schwangere Risikopatientin?

Ja, als schwangere Frau sind Sie eine Risikopatientin. Das bedeutet hier: Im Vorfeld ist es schon sinnvoll, dass man sich, wenn man die Schwangerschaft plant, dass man schaut, dass man einen ausreichenden Impfschutz hat. Denn die Antikörper, die die Mutter im Körper hat, die zirkulieren, die herumschwimmen im Blutstrom, die werden über die Plazenta an das ungeborene Kind weitergegeben, und das Kind kommt dann schon mit dem Impfschutz auf die Welt.

Und falls Sie noch nicht geimpft sind und schwanger werden, dann kann man sich auch im zweiten oder dritten Teil der Schwangerschaft impfen lassen. Und auch dann hat das ungeborene Kind oder das Kind, wenn es auf die Welt kommt, bereits den Impfschutz der Mutter.

Hier geht es zum Video-Interview: „RisikopatientIn einfach erklärt”

RisikopatientIn und COVID

Welche Rolle spielt COVID für mich als RisikopatientIn?

Als Risikopatientin oder Risikopatient hat man ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, wenn man sich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert und die COVID-19-Erkrankung bekommt.

Was bedeutet es jetzt, einen schweren Verlauf zu haben? Ein schwerer Verlauf würde bedeuten, dass man ins Krankenhaus muss, dass man Sauerstoff braucht. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Da gibt es die Möglichkeit über einen Nasenring, dass man ein bisschen Sauerstoff bekommt, oder auch mit anderen Verfahren, dass man einen höheren Fluss Sauerstoff bekommt. Und unter Umständen kann es bei manchen Patienten so weit gehen, dass sie sogar auf die Intensivstation müssen und künstlich beatmet werden müssen.

Nicht jeder Patient mit Risikofaktoren landet auf der Intensivstation. Aber je mehr Risikofaktoren man hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man einen schweren Verlauf hat.

Glücklicherweise ist es so, dass mittlerweile, Stand Juni 2022, auf dem Boden einer guten Grund-Immunisierung durch die Impfung oder wenn man schon gehabt hat oder beides und den aktuell zirkulierenden Varianten, Omikron, sinkt das Risiko für einen schweren Verlauf.

Welche Maßnahmen kann ich ergreifen, um mich zu schützen?

Um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung zu reduzieren, kann man die klassischen Hygienemaßnahmen ergreifen:

Abstand halten,

Maske tragen,

Hände waschen.

Um die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf zu reduzieren, ist die Impfung das optimale Mittel, weil sich in vielen Studien gezeigt hat, dass eine Impfung die Wahrscheinlichkeit reduziert. Wenn man sich mit dem Virus infiziert hat, reduziert die Impfung die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf.

Kann meine Grunderkrankung den Impfschutz beeinträchtigen?

Ja, Ihre Grunderkrankung kann den Impfschutz beeinträchtigen. Es kann sein, dass bei Patientinnen oder Patienten, die Medikamente nehmen, die das Immunsystem hemmen, im Rahmen einer Autoimmunerkrankung oder einer Krebserkrankung, dass hier das im Impf-Ansprechen reduziert ist. Das bedeutet, dass weniger Antikörper gebildet werden oder dass vielleicht überhaupt keine Antikörper gebildet werden.

Bei welchen Symptomen sollte ich als RisikopatientIn aufmerksam sein?

Symptome wie

  • Kurzatmigkeit,
  • Stechen in der Brust,
  • ausgeprägte Atemnot bzw.
  • wenn Sie zu Hause ein Sauerstoffsättigungsgerät, ein Pulsoximeter haben und hier eine Sättigung von kleiner 94 %,

das sind Zeichen, die auf jeden Fall darauf hindeuten, dass Sie von einem Arzt, einer Ärztin begutachtet werden sollten.

Hier geht es zum Video-Interview: „RisikopatientIn und COVID”

COVID-Diagnose bei RisikopatientInnen

Bei welchen Beschwerden sollte ich als RisikopatientIn einen Corona-Test durchführen lassen?

Einen COVID-Test sollte man durchführen, wenn man Symptome hat, die auf eine COVID-19-Erkrankung hindeuten können.

Was sind das für Symptome? Das ist ganz vielfältig. Manche Patienten sind vollkommen symptomlos. Manche haben leichte, mittlere, schwere Symptome. Klassischerweise kann man Fieber haben, man kann Schnupfen haben, Halsschmerzen, Husten bis hin zu Atemnot.

Und vor allem, wenn man gerade kürzlich Kontakt hatte mit jemandem, der an COVID erkrankt ist oder positiv auf COVID getestet wurde, dann soll man auf jeden Fall beim Auftreten von solchen Symptomen einen Test machen.

An wen wende ich mich als RisikopatientIn bei einem positiven Corona-Test?

Mit einem positiven COVID-Test wenden Sie sich am besten zuerst mal an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin, wenn Sie Fragen haben. Am Anfang besser telefonisch, weil man ja in der Quarantäne ist und das Haus nicht verlassen darf und auch niemanden anstecken will.

Wenn man aber so schwere Symptome hat, dass man akut medizinisch beurteilt werden muss, kann man natürlich jederzeit die Rettung rufen, die dann einen vor Ort begutachtet und unter Umständen sogar in ein Krankenhaus bringt.

Was ist für mich als RisikopatientIn mit positivem Corona-Test besonders zu beachten?

Risikopatientinnen oder Risikopatienten haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer COVID-19-Erkrankung.

Man kann am Anfang nicht wirklich gut vorhersagen, welche Patientin, welcher Patient einen leichten, mittleren oder schweren Verlauf hat.

Für einen selber ist es wichtig zu wissen, dass die zweite Phase der Erkrankung diese Phase ist, die mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf einhergeht. Die zweite Phase der Erkrankung ist so circa am Ende der ersten Krankheitswoche oder am Beginn der zweiten Krankheitswoche. Hier ist es wichtig, dass man auf sich selber achtet, auf die Symptome wie

  • Atemnot,
  • Kurzatmigkeit,
  • ein Druck auf der Brust.

Und darüber hinaus kann man sich noch ein Sauerstoffsättigungsgerät kaufen, ein Pulsoximeter, und damit quasi regelmäßig seine Sauerstoffsättigung zu Hause messen. Und wenn man bemerkt, dass die Sauerstoffsättigung unter 94 % fällt, dann sollte man auf jeden Fall einen Arzt/eine Ärztin oder sogar die Rettung kontaktieren.

Hier geht es zum Video-Interview: „COVID-Diagnose bei RisikopatientInnen”

Verlauf

Gibt es unterschiedliche Verläufe bei COVID-19-RisikopatientInnen?

Die Erkrankung kann sich bei verschiedenen Menschen unterschiedlich zeigen. Manche haben überhaupt keine Symptome, manche haben leichte Symptome wie

  • leichtes Fieber,
  • Kopfschmerzen,

Manche haben ein bisschen stärkere Symptome wie

  • hohes Fieber über 39 Grad,
  • starke Halsschmerzen,
  • schweren Husten.

Und manche Leute haben so schwere Verläufe, dass sie unter Umständen Atemnot verspüren und ins Krankenhaus aufgenommen werden müssen und dann dort weiter betreut werden müssen.

Als RisikopatientIn hat man ein erhöhtes Basisrisiko für einen schweren Verlauf. Aber das bedeutet nicht, dass jeder Patient, jede Patientin mit Risikofaktoren einen schweren Verlauf bekommt. Nur das Risiko dafür ist etwas höher.

Was bedeutet ein schwerer Verlauf bei einer COVID-19-Erkrankung?

Ein schwerer Verlauf bei einer COVID-19-Erkrankung bedeutet, dass man ins Krankenhaus aufgenommen werden muss und dass man Sauerstoffbedarf hat. Dieser Sauerstoffbedarf kann unterschiedlich hoch sein. Manche Leute brauchen ein bisschen, manche brauchen ein bisschen mehr. Und bei manchen Patientinnen und Patienten geht sogar so weit, dass sie auf einer Intensivstation aufgenommen werden müssen und dass sie künstlich beatmet werden müssen.

Bei welchen Beschwerden ist eine Krankenhausaufnahme notwendig?

Eine Krankenhausaufnahme ist erforderlich bei Patientinnen und Patienten, die Atemnot verspüren, die kurzatmig sind bzw. wenn man zu Hause ein Sauerstoffmessgerät, ein Pulsoximeter hat und damit eine Sättigung von kleiner 94 % misst.

Das können Hinweise sein, dass man eine Krankenhausaufnahme benötigt.

Bzw. wenn man aufgrund der Schwere der Symptome, es kann sein, dass Patienten hohes Fieber haben, starke Schmerzen haben und deswegen zu wenig trinken, zu wenig essen, kann es natürlich auch ein Grund sein, dass Leute ins Krankenhaus aufgenommen werden müssen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Verlauf”

Therapiemöglichkeiten

Welche Behandlungsansätze gibt es bei COVID?

Die Behandlungsansätze bei COVID-19 richten sich nach der jeweiligen Phase der Erkrankung.

  • Befindet man sich in der Anfangsphase der Erkrankung und ist zu Hause, also ambulant betreut, dann bieten sich Medikamente an, die das Virus in seiner Vermehrungsfähigkeit hemmen und die man zum Schlucken einnehmen kann.
  • Befindet man sich allerdings bereits im Krankenhaus mit einer COVID-19-Erkrankung, ist sogar sauerstoffpflichtig, dann gibt es Medikamente, die die Virusvermehrung hemmen, die man intravenös, also in die Vene geben kann, bzw. muss man dann unter Umständen auch Medikamente geben, die das Immunsystem hemmen, um einen schweren Verlauf, einen weiteren schweren Verlauf zu reduzieren.

Welche Behandlungsansätze gibt es für mich als RisikopatientIn bei COVID?

Für Risikopatienten bei COVID gibt es unterschiedliche Therapie-Optionen:

  • Es gibt einerseits die Möglichkeit, solange man ambulant behandelt wird, also außerhalb des Krankenhauses, dass man antiviral wirksame Substanzen zum Schlucken einnimmt. Diese Medikamente hemmen das Virus in seiner Vermehrungsfähigkeit hemmen.
  • Und dann gibt es manche Patientinnen und Patienten, die aufgrund von gewissen Grunderkrankungen, seien es jetzt Autoimmunerkrankungen oder gewissen Krebserkrankungen, keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen. Und solche PatientInnen haben die Option, dass man ihnen Antikörper geben kann. Die kann man intravenös geben, also in die Vene, oder man kann sie auch in den Muskel gespritzt bekommen in regelmäßigen Abständen.

Aber normalerweise werden Patientinnen und Patienten, die solchen Risikogruppen angehören, von ihren hochspezialisierten Zentren oder betreuenden Ärztinnen und Ärzten darüber in Kenntnis gesetzt.

Welche Kriterien müssen für die antivirale Therapie erfüllt sein?

Besonders Patientinnen und Patienten mit Risikofaktoren profitieren von einer frühen antiviralen Therapie. Das bedeutet: Habe ich Risikofaktoren und befinde mich innerhalb der ersten fünf Tage meiner Erkrankung, dann ist es durchaus sinnvoll, eines von diesen neuen Medikamenten gegen das Corona-Virus, die man zum Schlucken einnimmt, zu nehmen. Warum? Weil sich in Studien gezeigt hat, dass dadurch deutlich die Wahrscheinlichkeit für eine Krankenhausaufnahme und Tod reduziert ist.

Hier geht es zum Video-Interview: „Therapiemöglichkeiten”

Geprüft Mag. Dr. Mario Karolyi: Stand Okt. 2022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.