3. Medikamentöse Therapie bei malignem Melanom

Einsatz der medikamentösen Therapie

Während die chirurgische Therapie immer gleich abläuft, gibt es in der medikamentösen Therapie des malignen Melanoms viele unterschiedliche Optionen. Die unterschiedlichen Medikamentenklassen und deren Einsatzmöglichkeiten werden Ihnen in dieser Lektion vorgestellt.

Die medikamentösen Therapieoptionen

Die stetige Forschung im Bereich der Tumortherapie hat es geschafft, die medikamentöse Therapie des schwarzen Hautkrebses stark weiterzuentwickeln, sodass es heutzutage eine Vielzahl von individuellen Therapiemöglichkeiten gibt. Die zwei wichtigsten Medikamente werden im Folgenden beschrieben.

  • Check-point-Inhibitoren: Dies sind Antikörper, die das Immunsystem modulieren, sodass das eigene Immunsystem den Hautkrebs bekämpft.
  • B-RAF-MEK-Inhibitoren: Mittels dieser Medikamente wird das mutierte B-RAF-Protein, das auf einigen Melanomtypen zu finden ist, gehemmt. Diese Hemmung stoppt das weitere Wachstum des Tumors. Umfangreiche Information zum B-RAF-Gen und dessen Bedeutung finden Sie unter “Wahl der Therapie“.

Was bedeutet Systemtherapie?

Systemtherapie bedeutet, dass Medikamente im gesamten Körper wirken. Die Therapeutika können geschluckt oder mit einer Spritze verabreicht werden. Im Gegensatz dazu wirken lokale Therapien wie z.B. Salben hauptsächlich an den Stellen, wo diese aufgetragen werden.

Unterschied von zielgerichteter Therapie und Immuntherapie

Sowohl die zielgerichtete Therapie (B-RAF-MEK-Inhibitoren) als auch die Immuntherapie (Check-point-Inhibitoren) sind etablierte Behandlungen in der Therapie des schwarzen Hautkrebses. Diese unterscheiden sich in der Dauer bis zum Wirkeintritt und in einigen weiteren unten aufgeführten Aspekten. Daher wird auch hier die Wahl unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte getroffen. Gemein haben beide Therapieformen, dass auch bei einem bereits gestreuten Tumor eine vollständige Tumorfreiheit erzielt werden kann.

Zielgerichtete Therapie Immuntherapie
Wirkungsweise Zu Beginn wird das Wachstum der Tumorzellen gehemmt und danach wird das Tumorgewebe durch das Immunsystem abgebaut. Körpereigene Zellen des Immunsystems (T-Zellen) greifen selbst aktiv den Tumor an und lassen diesen verschwinden.
Einsatz Ausschließlich bei PatientInnen mit einem B-RAF positiven Tumor einsetzbar (etwa 50%) Bei allen Patienten mit schwarzen Hautkrebs einsetzbar
Einnahme Die zielgerichtete Therapie wird in Form von Tabletten eingenommen. Die Medikamentengabe erfolgt als Infusion im Krankenhaus unter ärztlicher Kontrolle.

Medikamentöse Therapie als adjuvante Möglichkeit

Bei schwarzem Hautkrebs kommt die ergänzende (adjuvante) medikamentöse Therapie zum Einsatz, wenn der Tumor bereits vollständig entfernt wurde und Sie tumorfrei sind. Auch wenn sich nach der ersten Therapie keine Tumorzellen in der Bildgebung wie dem CT, MRT, Ultraschall etc. zeigen, besteht ein Risiko, dass der Tumor im Laufe der Jahre zurückkommt. Um das zu vermeiden, kommt die medikamentöse Therapie zum Einsatz.

Ablauf und Ziele

Mittels der modernen Medikamente konnten in den letzten Jahren große Erfolgsraten in den unterschiedlichsten Krebstherapien erzielt werden. Dazu zählt auch die medikamentöse Therapie des malignen Melanoms.  Aber was kommt bei der Medikamentengabe auf mich als PatientIn zu, wie läuft diese ab und wie hoch sind die Heilungschancen dabei?

Wirksamkeit der medikamentösen Therapie

Die medikamentöse Therapie, die bei dem malignen Melanom zum Einsatz kommt, zeigt allgemein eine sehr gute Wirksamkeit. Auch PatientInnen in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien mit Metastasen in andere Organe konnten bereits mit Hilfe der eingesetzten Therapien geheilt werden.

Wird eine Immuntherapie eingesetzt und kann unter dieser eine Heilung erzielt werden, besteht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine langjährige Tumorfreiheit. Die zielgerichtete Therapie ist auch eine gute und erfolgsversprechende Therapie, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit bei dieser Therapieform einen Rückfall zu erleiden etwas höher. Dennoch bietet die Krebstherapie des malignen Melanoms in diesem Fall weitere Möglichkeiten und Optionen.

Die Medikamentengabe

Eine Gemeinsamkeit der Immuntherapie und der zielgerichteten Therapie ist, dass beide Medikamente ambulant gegeben werden könnten und somit im Regelfall keinen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt mit sich ziehen. Die Immuntherapie muss jedoch als Flüssigkeit in die Vene (intravenöse Infusion) gegeben werden, sodass diese Therapie in einer Ambulanz durchgeführt wird. Die zielgerichtete Therapie wird hingegen als Tabletten eingenommen und ist somit zu Hause ohne ärztliche Aufsicht möglich.

Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie

Was erwartet mich bei der medikamentösen Therapie? Was sind typische Nebenwirkungen? Das sind die Fragen vieler PatientInnen. Der folgende Kursabschnitt zählt die wichtigsten Fakten auf, sodass Sie informiert und ohne Ängste in die Behandlung starten können.

Nebenwirkungen der zielgerichteten Therapie

Eine Schwierigkeit bei der zielgerichteten Therapie ist die gleichzeitige Einnahme von anderen Medikamenten. Grund dafür ist, dass die zielgerichtete Therapie oftmals mit bereits eingenommen Medikamenten interagiert und deren Wirkung stört. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird sich vor Beginn der Therapie ein umfangreiches Bild Ihrer bisher eingenommenen Medikamente machen und im Anschluss bewerten, ob es in dieser Kombination zu Wechselwirkungen kommen kann.

Darüber hinaus ist gerade zu Beginn der Therapie Fieber eine häufige Nebenwirkung, die sich jedoch im Laufe der Therapie bessert. Im Fokus der Untersuchung bei Einnahme der zielgerichteten Therapie sollten zudem regelmäßige Untersuchungen Ihres Herzens bei Ihrer Kardiologin/Ihrem Kardiologen erfolgen, da die zielgerichtete Therapie auch Auswirkungen auf das Herz haben kann. Sollten bei Ihnen diese Nebenwirkungen auftreten, machen Sie sich keine Sorgen. Alle Nebenwirkungen lassen, nachdem Sie die Medikamente abgesetzt haben, wieder nach.

Berichten Sie Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt zeitnah von Ihren Beschwerden, aber setzten Sie die Medikamente nicht ohne ärztlichen Rat selbstständig ab. Ein plötzlicher Einnahmestopp kann in gewissen Fällen und bei einigen Medikamenten zu Komplikationen führen.

Nebenwirkungen der Immuntherapie

Die Wirkungsweise der Immuntherapie entsteht durch die Aktivierung des eigenen Immunsystems und dessen Reaktion auf die Tumorzellen. Diese starke Aktivierung des Immunsystems kann auch auf andere Zellen übergreifen, sodass Entzündungen anderer Organsysteme wie der Darmschleimhaut, Leber, Lunge und Schilddrüse vorkommen können. Auch hier kann die Therapie bei akuten Beschwerden jederzeit abgebrochen werden, wobei sich die Nebenwirkungen teilweise nicht vollständig zurückbilden. Die entstandenen Beschwerden können jedoch im Anschluss an die zielgerichtete Therapie gelindert werden.

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Geprüft Priv.-Doz.in Dr.in Christine Hafner: Stand Oktober 2022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.