1. Behandlungsmöglichkeiten

Behandlungsnotwendigkeit von Immundefekten

Immundefekte haben verschiedene Ursachen und Auswirkungen. Sie unterscheiden sich im Schweregrad und somit auch hinsichtlich Notwendigkeit und Dringlichkeit einer Behandlung.

Alle Immundefekte sind behandelbar

Glücklicherweise ist jeder erkannte Immundefekt behandelbar. Je früher die Schwachstelle im Immunsystem erkannt wird, desto eher können die Therapien beginnen und schwere Infektionen vermieden werden. Da sich Immundefekte in ihrem Schweregrad unterscheiden, hängen Dringlichkeit und Notwendigkeit zur Behandlung stark von der Art des Immundefektes ab.

Wann Immundefekte behandelt werden müssen

Immundefekte, die schwere Infektionen bedingen und Beschwerden verursachen, müssen unbedingt behandelt werden. Eine frühzeitige Therapie von PatientInnen, die selbst keine Antikörper bilden können oder keine T-Zellen ausbilden, ist besonders wichtig.

Wann Immundefekte nicht sofort behandelt werden müssen

Manche Immundefekte, beispielsweise ein (leichter) IgA Mangel, haben nur geringe gesundheitliche Folgen und müssen nicht unbedingt behandelt werden. IgA Antikörper befinden sich vor allem auf Schleimhäuten, wie beispielsweise im Mund oder im Darm. Dort fangen sie Krankheitserreger ab, bevor diese tiefer in den Körper einwandern können. Mit einer Auftretenswahrscheinlichkeit von 1:700 ist der IgA-Mangel relativ häufig, Betroffene leiden aber nur sehr selten unter Infektanfälligkeit, da andere Abwehrmechanismen des Körpers den Mangel gut kompensieren können.

Antikörper

Der Mensch bildet bei Kontakt mit Krankheitserregern Antikörper aus. Antikörper sind Proteine (Eiweiße), die – gemeinsam mit anderen Teilen des Immunsystems – den Abwehrmechanismus des Körpers vermitteln. Wenn das Immunsystem einen Stoff als fremd erkennt (auch Antigen genannt), bilden sich spezielle Antikörper gegen genau dieses Antigen aus. Die Antikörper passen so präzise auf dieses Antigen wie ein Schlüssel ins Schloss. Weitere Begriffe zu Immundefekten und deren einfache Erklärungen finden Sie im Glossar.

Therapiemöglichkeiten bei Immundefekten

Es gibt über 430 verschiedene primäre Immundefekte und verschiedene Formen von sekundären Immundefekten. Auch die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig. Eine Therapie kann an vielen verschiedenen Stellen des Immunsystems ansetzen. Um Immundefekte zu behandeln, können Bestandteile des Immunsystems ersetzt werden oder sogar Zellen ausgetauscht und genetisch verändert werden. Auch Therapien, die vor Infektionen schützen, zählen zu den Möglichkeiten.

Immunglobulinersatztherapie

Die Immunglobulinersatztherapie (=Antikörperersatztherapie) ist die häufigste Therapie zur Behandlung von Immundefekten. Sie hat zum Ziel, fehlende Antikörper zu ersetzen. Hierbei werden Antikörper aus dem Blutplasma von SpenderInnen gewonnen. Diese werden PatientInnen mit einem Antikörpermangel unter die Haut gespritzt oder von medizinischem Pflegepersonal über die Vene verabreicht.
Die Therapie wird vor allem bei CVID (engl. common variable immunodeficiency) – also häufig auftretenden variablen Immundefekten – eingesetzt. Aber auch bei sekundären Immundefekten findet sie häufig Verwendung, um einen Antikörper-Mangel auszugleichen.

Antiinfektiöse Therapien

Antiinfektiöse Therapien arbeiten mit Medikamenten gegen Bakterien, Viren und Pilze. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Therapie von Immundefekten. Die Medikamente (z.B. Antibiotika) werden zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionen eingesetzt. In der zweiten Lektion können Sie mehr über Antiinfektiva und andere Maßnahmen erfahren, die Infektionen erfolgreich verhindern können.

Stammzelltherapie

Die Stammzelltherapie wird seltener angewandt, in der Regel nur in schweren Fällen eines T-Zell-Defekts. Die Stammzelltherapie (wie auch die Gentherapie) kommt nur bei der Behandlung primärer Immundefekte zum Einsatz, nicht aber bei sekundären Immundefekten. In der fünften Lektion erfahren Sie mehr über diesen Behandlungsansatz.

Können Therapien auch kombiniert werden?

Unterschiedliche Therapien können kombiniert werden. Oftmals wird neben der Immunglobulinersatztherapie parallel auch eine vorbeugende Therapie mit Antibiotika begonnen. Auf diese Art und Weise ist man besonders gut vor gefährlichen Infektionen geschützt.

Erwachsene und Kinder: Die gleiche Therapie?

Prinzipiell gibt es keine Unterscheidung in der Therapie für Kinder und Erwachsene. Da sich das Immunsystem des Kindes allerdings noch entwickelt, besteht die Chance, dass sich leichte Immundefekte mit dem Wachstum normalisieren. In diesem Fall muss lediglich der Zeitraum der geschwächten Immunabwehr überbrückt werden.

Therapiewahl bei Immundefekten

Es existieren verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung von Immundefekten. Die Auswahl der Therapie erfolgt anhand des Beschwerdebilds, der Schwere des Defekts und stets nach dem Wunsch der PatientInnen.

Therapie je nach Beschwerdebild

Die Wahl der Therapie wird anhand der Beschwerden und des Funktionsfehlers des Immunsystems ausgesucht. Entscheidend ist immer, wie sich ein Immundefekt äußert, also unter welchen Symptomen PatientInnen leiden. In vielen Fällen reicht die Immunglobulinersatztherapie gut aus, um Symptome zu lindern. Bei schwereren Formen eines Immundefekts können mehrere Therapieoptionen kombiniert werden, um die Gefahr einer Infektion möglichst breit abzuschirmen.

Mitentscheidung der PatientInnen

Die Mitsprache der PatientInnen ist bei der Wahl der Therapie ganz entscheidend. Ziel ist es, eine Therapie zu finden, die die Beschwerden lindert und gut in das Leben der PatientInnen integriert werden kann. Sprechen Sie daher unbedingt mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt über die Vor- und Nachteile der vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten. Überlegen Sie gemeinsam, welche Therapie Ihre Gesundheit bestmöglich fördert und gut in Ihren Alltag passt.

Downloads

  • Glossar - Immundefekte Begriffe, die häufig im Zusammenhang mit Immundefekten vorkommen, kurz und einfach erklärt

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Geprüft Prof. Dr. Hermann Wolf: Stand Juli 2021 | Quellen und Bildnachweis

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