7. Pneumokokken verstehen – Alle Fragen

Pneumokokken können schwere Infektionen verursachen – zum Beispiel eine Lungenentzündung, eine Gehirnhautentzündung oder eine Blutvergiftung. Viele Menschen tragen Pneumokokken unbemerkt im Nasen-Rachen-Raum, ohne krank zu sein. Bei bestimmten Personengruppen können die Bakterien jedoch ernsthafte Erkrankungen auslösen. Die Pneumokokken-Impfung kann helfen, das Risiko für schwere Krankheitsverläufe zu senken. Besonders wichtig ist sie für Menschen ab 60 Jahren sowie für Personen mit chronischen Erkrankungen, geschwächtem Immunsystem oder anderen Risikofaktoren.

In dieser Online-Schulung erfahren Sie,

  • was Pneumokokken sind,
  • welche Erkrankungen sie auslösen können,
  • wer ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe hat,
  • wie die Pneumokokken-Impfung schützt,
  • für wen die Impfung empfohlen ist,
  • und wo Sie die Impfung erhalten können.

Einleitung durch Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour

Hallo. Mein Name ist Arschang Valipour. Ich bin Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Internist, Intensivmediziner und Allgemeinmediziner. Ich darf Ihnen heute einiges zum Thema Pneumokokken, Pneumokokken-Infektionen und -impfungen erzählen und freue mich über Ihr Interesse.

Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „Pneumokokken-Impfung verstehen“

Pneumokokken verstehen

Was sind Pneumokokken?

Pneumokokken sind Bakterien, die Infektionen verursachen können. Sie gehören zu unserer normalen Flora. Das bedeutet, dass sie bereits von Geburt an in unseren Atemwegen zu finden sind. In den allermeisten Fällen verursachen sie keine Infektion. Allerdings können sie bei kleinen Kindern, vor allem bei den allerjüngsten, bei älteren Menschen und bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem Infektionen verursachen. Dazu zählt die Lungenentzündung, die Mittelohrentzündung, eine Gehirnhautentzündung, gelegentlich auch eine Blutvergiftung. Pneumokokken sind Bakterien, die jedoch in vielen Fällen auch ohne Beschwerden in unserem Körper wohnen und keine Probleme machen.

Wie steckt man sich mit Pneumokokken an und wie ansteckend sind Pneumokokken?

Pneumokokken können über eine sogenannte Tröpfcheninfektion weitergegeben werden. Das passiert in der Regel bei ganz einfachen Aktivitäten: Sprechen, Niesen; meist in engen Räumen. An Orten, wo mehrere Menschen zusammenkommen, beispielsweise in Kindergärten, in Schulen, aber auch in Betreuungseinrichtungen. Sollte es zu einer Infektion kommen, können sich die Bakterien, die in unserem Nasen-Rachenraum leben, auch über diesen Raum hinaus weiter ausbreiten, in unsere Lunge gelangen, in das Mittelohr, in die Gehirnhäute oder eben auch ins Blut und dort eine Blutvergiftung auslösen.

Warum haben viele Menschen Pneumokokken im Körper, ohne krank zu sein?

Viele Menschen haben Pneumokokken in ihrem Körper, ohne dabei krank zu sein, da Pneumokokken zu unserer normalen Flora gehören, wo unterschiedliche Bakterien sowohl im Darm als auch in den Atemwegen mehr oder weniger residieren. Das bedeutet, sie wohnen dort, ohne Infektionen zu verursachen. Zu einer Infektion kommt es meist nur bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem, also vor allem bei den ganz Kleinsten, unseren Säuglingen, oder bei Personen im höheren Lebensalter, wo das Immunsystem zunehmend schwächelt. Bzw. bei Personen, die aufgrund von gewissen Erkrankungen oder Medikamenten ein geschwächtes Immunsystem haben. Dort kann es zu einer Infektion kommen. In den allermeisten Fällen sind diese Bakterien jedoch für uns ungefährlich.

Hier geht es zum Video-Interview: „Pneumokokken verstehen“

Pneumokokken-Erkrankung

Welche Symptome können bei einer Pneumokokken-Infektion auftreten?

Infektionen mit Pneumokokken können sich unterschiedlich auswirken. Wir unterscheiden zwischen einer Mittelohrentzündung, die meist bei Kindern und Kleinkindern auftritt. Diese geht einher mit erhöhter Temperatur, Schmerzen im Ohrbereich, eventuell Abgeschlagenheit und Inappetenz. Eine der häufigsten Infektionen mit Pneumokokken sind jedoch Lungenentzündungen, die dadurch verursacht werden können. Eine Lungenentzündung äußert sich meistens mit Fieber, Abgeschlagenheit, Husten, eventuell Kurzatmigkeit. In seltenen Fällen auch Blutbeimengungen im Auswurf. Hier muss man vor allem darauf achten, dass das Fieber nicht über mehrere Tage anhält, weil das Kind bereits Warnzeichen, dass Bakterien über die Lungenentzündung hinaus womöglich auch den Blutkreislauf angegriffen haben und sich dort zu einer Blutvergiftung weiterentwickeln können.

Wie erkennt man eine Pneumokokken-Lungenentzündung und wann wird sie gefährlich?

Eine durch Pneumokokken ausgelöste Lungenentzündung geht in der Regel einher mit Beschwerden wie Husten, Fieber, Kurzatmigkeit, Abgeschlagenheit und gegebenenfalls auch Inappetenz. In der Regel führen diese Beschwerden meistens zu einer weiterführenden ärztlichen Untersuchung, wo man anhand einer Blutabnahme – meist ist auch eine Harnuntersuchung erforderlich – und vor allem durch die Anfertigung eines Lungenröntgens die Diagnose einer Lungenentzündung bestätigen kann. Sollte sich die Diagnose anhand dieser Untersuchungen bestätigen, ist in der Regel auch eine entsprechende Antibiotikabehandlung erforderlich, um die Infektion, die sich gut behandeln lässt, in Schach zu halten.

In den allermeisten Fällen ist eine Lungenentzündung mittels Antibiotika gut behandelbar. In manchen Fällen, vor allem bei älteren Personen oder jenen mit einem besonders geschwächten Immunsystem, kann es jedoch auch zu einer gefährlichen Ausprägung dieser Entzündung kommen. Man muss besonders dann daran denken, wenn das Fieber über 39 Grad liegt, über mehrere Tage hinweg anhält, es womöglich auch zu einer Beeinträchtigung des Appetits kommt, Bewusstseinseintrübungen, allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit, Blutdruckveränderungen oder ein erhöhter Puls auftreten. Das sind erste Warnzeichen, bei denen Sie darauf achten sollten, gegebenenfalls erneut oder spätestens dann ärztliche Hilfe aufzusuchen.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für schwere Pneumokokken-Infektionen?

Gewisse Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Pneumokokken-Infektionen. Dazu zählen allen voran Personen, die älter als 60 Jahre alt sind, weil das jene sind, bei denen das Immunsystem mit zunehmendem Lebensalter abnimmt. Aber auch jüngere Personen, gegebenenfalls jene, die ein längerjähriges Rauchverhalten haben, regelmäßig Alkohol konsumieren oder aber auch chronische Krankheiten haben. Dazu zählen Diabetes, also Stoffwechselerkrankungen, jene mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beispielsweise ein erhöhter Blutdruck, und vor allem auch Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma bzw. COPD. Darüber hinaus auch all jene Personen, die ein geschwächtes Immunsystem haben aufgrund einer angeborenen Immunschwäche bzw. aufgrund von Medikamenten, die das Immunsystem schwächen. All diese Personengruppen zählen zu jenen, bei denen das Risiko für eine schwere Pneumokokkeninfektion dann doch deutlich erhöht ist.

Hier geht es zum Video-Interview: „Pneumokokken-Erkrankung“

Pneumokokken-Impfung

Warum soll man sich gegen Pneumokokken impfen lassen?

Wir wissen heute, dass die Pneumokokken-Impfung sicher und wirksam ist.

Es ist wichtig, sich vor einer schweren Pneumokokken-Infektion zu schützen. Dazu gibt es eine Impfung. Die Impfung schützt vor schweren Verläufen. Dazu zählt einerseits die Lungenentzündung, aber auch ein Schutz gegenüber einer Gehirnhautentzündung bzw. Blutvergiftung. Da Pneumokokken doch zu den häufigsten Bakterien zählen, die Lungenentzündungen verursachen können, ist es vor allem bei Personen, die älter als 60 sind, aber auch bei Personen mit chronischen Krankheiten oder jenen mit einem geschwächten Immunsystem. Wichtig, hier eine entsprechende Impfung zu empfehlen.

Welche Art von Impfung ist die Pneumokokkenimpfung?

Die Pneumokokkenimpfung ist eine klassische Totimpfung. Das bedeutet, in der Impfung sind Bestandteile abgetöteter Proteine der Bakterien enthalten, die in der Regel an ein sogenanntes Trägerprotein gebunden sind, um das Immunsystem zu aktivieren, gegen die Bakterien einen guten Immunschutz aufzubauen und dadurch eine schwere Infektion zu verhindern.

Für wen ist die Pneumokokken-Impfung sinnvoll?

Die Pneumokokken-Impfung ist vor allem für Personen, die älter als 60 Jahre alt sind, sinnvoll, da mit zunehmendem Lebensalter das Risiko für schwere Pneumokokken-Infektionen steigt. Aber auch Personen, die jünger sind, beispielsweise jene, die chronische Krankheiten haben, wie chronische Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, bzw. aber auch Personen, die womöglich ein geschwächtes Immunsystem haben, genauso wie jene, die regelmäßig rauchen und oder Alkohol konsumieren, sollten eine Pneumokokkenimpfung erhalten, da auch in diesen Fällen ein etwas erhöhtes Risiko für eine schwere Infektion besteht.

Warum wird die Pneumokokkenimpfung ab 60 Jahren empfohlen?

Die Pneumokokkenimpfung wird vor allem bei Personen ab 60 Jahren empfohlen, weil hier das Risiko, mit zunehmendem Lebensalter eine schwere Infektion und damit eine Lungenentzündung zu entwickeln, doch deutlich erhöht ist. In einzelnen Fällen ist jedoch auch eine Impfung für Personen, die jünger als 60 Jahre alt sind, empfohlen, weil auch hier vor allem bei Personen mit chronischen Krankheiten, Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. auch Atemwegsleiden ein erhöhtes Risiko für eine Infektion besteht gänzlich unabhängig vom Alter.

Hier geht es zum Video-Interview: „Pneumokokken-Impfung“

Empfehlungen zur Pneumokokken-Impfung

Wann und wie oft muss man sich gegen Pneumokokken impfen lassen?

Auch in Österreich steht uns erfreulicherweise ein kostenfreies Impfprogramm zur Verfügung, das konkret dazu beiträgt, dass Personen, die älter als 60 Jahre alt sind, eine kostenfreie Impfung gegen Pneumokokken erhalten können.

Die Impfung gegen Pneumokokken ist zu jeder Jahreszeit möglich. Mit dem heute verfügbaren Impfstoff ist eine einmalige Impfung empfohlen, gänzlich unabhängig von vorhergehenden Impfungen oder stattgehabten Infektionen. Eine Auffrischung ist in den nächsten fünf Jahren nicht erforderlich. In weiterer Folge lassen Sie sich jedoch von Ihrem Hausarzt oder Hausärztin beraten, um sicherzustellen, dass Sie den richtigen Impfschutz haben.

Warum ist die Pneumokokken-Impfung auch sinnvoll, wenn man bereits eine Lungenentzündung hatte?

Eine Pneumokokken-Impfung kann auch dann durchgeführt werden, wenn man bereits eine Lungenentzündung durchgemacht hat. Da unterschiedliche Bakterienstämme von Pneumokokken existieren, ist ein breiter Schutz gegen die meisten Bakterienstämme anhand der derzeit neu verfügbaren Impfstoffe wichtig und sinnvoll. Daher zahlt es sich aus, unabhängig von der Saison, unabhängig von vorhergehenden Impfungen oder Infektionen, sich den aktuellen Impfstoff zu holen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Empfehlungen zur Pneumokokken-Impfung“

Fragen zur Pneumokokken-Impfung

Ist die Impfung für mich gratis? Und wo bekomme ich die Impfung?

Im österreichischen Impfprogramm ist die Pneumokokkenimpfung als kostenfreie Impfung für Personen, die älter als 60 Jahre alt sind, oder jene, die chronische Krankheiten haben, möglich. Sie erhalten diese Impfung bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin in den öffentlichen Impfstellen bzw. auch bei Ihren betreuenden Fachärztinnen und Fachärzten. Erkundigen Sie sich über die Möglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen. Die Impfung erhält man in der Apotheke. Eine entsprechende Beratung ist auch dort möglich und kann jederzeit in einer der Ordinationen, die Sie regelmäßig betreuen, verabreicht werden.

Ist die Pneumokokken Impfung das Gleiche wie die Impfung gegen RSV, Grippe oder Covid 19?

Es gibt vielfältige Impfungen gegen schwere Atemwegsinfektionen. Die Impfung gegen Pneumokokken, schützt gegen die Bakterienstämme, die für die häufigsten Lungenentzündungen verantwortlich sind. Das ist jedoch unabhängig von weiteren Impfungen, die vor schweren Atemwegsinfektionen schützen. Dazu zählt die RSV-Impfung, die Covid 19 Impfung oder auch die Impfung gegenüber Grippe. Diese sind unabhängig und müssen ebenso regelmäßig aufgefrischt werden, gemäß den derzeit gültigen Impfempfehlungen, sich vor einer Pneumokokken-Infektion zu schützen.

Welche Nebenwirkungen kann eine Impfung haben und wie sicher ist die Impfung?

Die Pneumokokkenimpfung ist in den allermeisten Fällen sicher und wirksam. Selbstverständlich kann es wie bei jeder anderen Impfung auch zu gewissen Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen Rötungen im Bereich der Einstichstelle eventuell erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit und gegebenenfalls auch Inappetenz. In seltenen Fällen können die lokalen Nebenwirkungen, das heißt die Rötung stärker sein. Es kann auch zu einer Schwellung im Bereich des Arms kommen und in ganz seltenen Fällen auch ein Fieber, das über mehrere Tage anhält. Sollten Sie Beschwerden über zwei, drei Tage hinaus haben, suchen Sie bitte entsprechende ärztliche Hilfe auf. In den allermeisten Fällen ist jedoch diese Impfung gut verträglich und sicher.

Hier geht es zum Video-Interview: „Fragen zur Pneumokokken-Impfung“

Meine Nachricht an Sie

Infektionen mit Pneumokokken können schwere Krankheiten verursachen, die auch in vielen Fällen zu einem Spitalsaufenthalt führen können. Erfreulicherweise steht uns heute mit einer Impfung ein hoher Schutz und eine gute Möglichkeit gegen solche schweren Infektionen zur Verfügung. Also nutzen Sie die Gelegenheit: Man kann Pneumokokken nicht nur gut behandeln, sondern sich im besten Fall auch gut davor schützen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Meine Nachricht an Sie“

Geprüft Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour: Stand August 2026 | Quellen und Bildnachweis
Eiweiße
(Proteine)
Eiweiße, auch bekannt als Proteine, sind Makromoleküle, die aus Ketten von Aminosäuren bestehen. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Aufbau und der Funktion von Zellen und Geweben im Körper.