2. Pneumokokken-Erkrankung

Welche Erkrankungen können durch Pneumokokken ausgelöst werden?

Pneumokokken können verschiedene Infektionen verursachen. Besonders häufig sind Erkrankungen der Atemwege oder des Ohres. Bei Kindern und Kleinkindern führen Pneumokokken zum Beispiel häufig zu Mittelohrentzündungen. Bei Erwachsenen stehen vor allem Lungenentzündungen im Vordergrund.

Zu den möglichen Pneumokokken-Erkrankungen zählen unter anderem:

  • Mittelohrentzündung
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • Lungenentzündung
  • Gehirnhautentzündung
  • Blutvergiftung (Sepsis)

Nicht jede Pneumokokken-Infektion ist automatisch schwer. Einige Erkrankungen lassen sich gut behandeln. Wichtig ist aber, Warnzeichen ernst zu nehmen, da Pneumokokken bei bestimmten Menschen auch schwere und rasch fortschreitende Infektionen auslösen können. Pneumokokken gelten aufgrund der möglichen Schwere und Häufigkeit der Erkrankungen als ernstzunehmende Infektionskrankheit.

Welche Symptome können bei einer Pneumokokken-Infektion auftreten?

Die Beschwerden hängen davon ab, wo im Körper die Infektion entsteht. Pneumokokken können unterschiedliche Erkrankungen auslösen – entsprechend können auch die Symptome verschieden sein.

Pneumokokken-Lungenentzündung

Eine der häufigsten schweren Erkrankungen durch Pneumokokken ist die Lungenentzündung. Sie kann sich bemerkbar machen durch:

  • Fieber
  • Husten
  • starke Müdigkeit oder Abgeschlagenheit
  • Kurzatmigkeit oder Atemnot
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • weniger Appetit
  • Schmerzen beim Atmen
  • selten blutigen Auswurf

Eine Lungenentzündung durch Pneumokokken lässt sich nicht allein anhand der Beschwerden sicher erkennen. Husten, Fieber, Kurzatmigkeit und Abgeschlagenheit können zwar Hinweise geben, sie können aber auch bei anderen Infektionen auftreten. Wenn der Verdacht auf eine Lungenentzündung besteht, wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie untersuchen. Dabei können zum Beispiel die Lunge abgehört, die Sauerstoffsättigung gemessen und weitere Untersuchungen veranlasst werden. Häufig helfen Blutuntersuchungen, manchmal auch eine Harnuntersuchung oder ein Lungenröntgen, um die Diagnose zu sichern und den Schweregrad besser einzuschätzen.

Wird eine bakterielle Lungenentzündung festgestellt, ist meist eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. In vielen Fällen lässt sich eine Pneumokokken-Lungenentzündung damit gut behandeln. Wichtig ist, die Therapie wie ärztlich empfohlen einzunehmen und bei Verschlechterung erneut medizinische Hilfe zu suchen.

Pneumokokken bei Kindern

Bei Kindern können Pneumokokken auch eine Mittelohrentzündung verursachen. Typische Anzeichen sind Ohrenschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit und weniger Appetit.

Auch eine Nasennebenhöhlenentzündung ist möglich, zum Beispiel mit verstopfter Nase, Druckgefühl im Gesicht, Kopfschmerzen oder Fieber.

Weitere Erkrankungen durch Pneumokokken

In seltenen Fällen können Pneumokokken schwere Erkrankungen wie eine Blutvergiftung (Sepsis) oder eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) auslösen.

Gerade zu Beginn können die Beschwerden wie ein gewöhnlicher Atemwegsinfekt wirken. Achten Sie deshalb auf den Verlauf: Wenn Beschwerden stärker werden, Fieber anhält oder Atemnot dazukommt, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Wann sollte ich sofort ärztliche Hilfe suchen?

Eine Pneumokokken-Lungenentzündung kann gefährlich werden, wenn die Infektion sehr ausgeprägt ist oder sich über die Lunge hinaus ausbreitet. Bitte suchen Sie rasch ärztliche Hilfe, wenn Sie eines oder mehrere dieser Warnzeichen bemerken:

  • sehr hohes Fieber, zum Beispiel über 39 °C
  • Fieber, das über mehrere Tage anhält
  • zunehmende Atemnot oder Kurzatmigkeit
  • starke Schwäche oder ausgeprägte Abgeschlagenheit
  • Benommenheit, Verwirrtheit oder Bewusstseinseintrübung
  • schneller Puls, Schwindel oder Kreislaufprobleme
  • deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands

Bei älteren Menschen können schwere Infektionen manchmal auch durch Stürze, ungewöhnliche Erschöpfung oder plötzliche Verwirrtheit auffallen. In schweren Fällen können Pneumokokken in den Blutkreislauf gelangen oder eine Gehirnhautentzündung verursachen. Solche Verläufe sind medizinische Notfälle und sollten nicht abgewartet werden. Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu früh ärztlich nachfragen als zu spät.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für schwere Pneumokokken-Infektionen?

Bestimmte Menschen haben ein höheres Risiko, schwer an Pneumokokken zu erkranken. Dazu gehören vor allem Menschen ab 60 Jahren, weil die Abwehrkräfte mit zunehmendem Alter nachlassen können. Auch Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet. Ein erhöhtes Risiko besteht außerdem bei Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen oder Belastungsfaktoren. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus
  • Chronische Leber-, Nieren- oder Lungenerkrankungen
  • Ein geschwächtes Immunsystem (angeboren oder durch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken)
  • Langjähriges Rauchen
  • Regelmäßiger oder hoher Alkoholkonsum

Wenn Sie zu einer dieser Gruppen gehören, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie schwer krank werden. Es bedeutet aber, dass Sie besonders von vorbeugenden Maßnahmen profitieren können.  Dazu gehört auch die ärztliche Beratung zur Pneumokokken-Impfung.

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    Geprüft Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour: Stand August 2026 | Quellen und Bildnachweis