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Kurs Angina pectoris verstehen: Lektion 3 von 7

Symptome der Angina pectoris

Eine Angina pectoris kann sich auf unterschiedliche Weise äußern. Sowohl die Ausprägung der Schmerzen und des Druck- und Engegefühls als auch die Lokalisation und die Häufigkeit der Anfälle können von PatientIn zu PatientIn stark variieren. In dieser Lektion lernen Sie typische und atypische Symptome der Angina pectoris kennen und erfahren, worin sich die Brustenge und ein Herzinfarkt unterscheiden.

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Was sind typische Symptome einer Angina pectoris?

Das Fremdwort „Angina pectoris“ beschreibt ein Symptomenbild, das durch die Übersetzung eigentlich schon gut definiert ist, nämlich durch die „Brustkorbenge“. Das ist eigentlich der wesentliche Teil der Symptomatik, dass die Patienten einen eingeengten Brustkorb verspüren. Dies wird empfunden wie eine Klammer, die um den Brustkorb gelegt ist, oder wie ein Stein, der auf der Brust lastet. Und der Schmerz an sich ist oft gar nicht so im Vordergrund stehend. Dieses Gefühl ist ein inneres, vegetatives Organgefühl, das Beschwerdebilder zeigen kann. Es ist zwischen dem Kinn und dem Nabel lokalisiert. Es kann auch genauso in den Rücken ausstrahlen oder in der linken, aber auch in den rechten Arm. Typischerweise hat es einen sehr flächenhafte Charakter hat. Das heißt: Es ist nie ein punktförmiger, stechender Schmerz, sondern ein im Allgemeinen ausstrahlender Schmerz. Beim akuten Herzinfarkt kann er sogar dazu führen, dass der Patient eine ausgeprägte Lebensbedrohung empfindet. Er bekommt einen Schweißausbruch. Und er merkt, dass es potenziell seinem Ende zugeht, wenn nicht rasch eine entsprechende Hilfe kommt und eine entsprechende Maßnahme gesetzt wird. Und die Beschwerden sind also durchaus ernst zu nehmen und richtig gedeutet durch den Patienten, weil er der Herzinfarkt die häufigste Todesursache in der westlichen Welt darstellt. Dieses Empfinden täuscht immer mehr und mehr, weil wir sehr, sehr viel dagegen unternehmen können und sehr viele Menschen davor bewahren können, an diesem Herzinfarkt zu versterben.

Welche atypischen Symptome können bei einer Angina pectoris auftreten?

Also, „atypisch“ heißt immer, dass das Symptom nicht typisch ist. Und jedes Symptom, das nicht typisch ist, ist generell schwierig in der Interpretation. Es gibt Menschen, die eine andere Empfindung haben als üblicherweise. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Frauen haben häufiger sogenannte atypische Symptome: Sie haben häufiger Luftnot oder Palpitationen, das heißt unregelmäßigen Herzschlag oder auch Übelkeit, Brechreiz als Hintergrund in diesen Beschwerden und weniger häufig diesen typischen Brustkorbschmerz, der einengend und drückend empfunden wird. Aber jede Form von atypischer Symptomatik macht es uns Ärzten schwierig und das Leben schwerer. Wir kommen oft erst in weiteren Abklärungsmaßnahmen dann darauf, was wirklich hinter diesem Beschwerdebild steckt.

Wodurch kann ein Angina-pectoris-Anfall ausgelöst werden?

Angina-pectoris-Anfälle werden hauptsächlich durch Belastungen ausgelöst, dass also das Herz mehr Arbeit aufgebürdet bekommt als in Ruhe. Diese Belastung kann körperlich sein. Diese Belastung kann aber auch psychisch sein. Was häufig auch der Fall sein kann ist, dass Begleitumstände, die gar nicht so typisch empfunden werden, dazu beitragen können. Zum Beispiel wenn Sie aus dem warmen in ein kaltes Umfeld kommen oder wenn Sie ein besonders ausführliches Festtagsessen hinter sich haben, dann kann es auch zu so einem Angina-pectoris Anfall kommen, und das ist dann nicht immer so klar zuzuordnen. Aber die typische Form der Auslösung ist eine Belastung, die zu einem erhöhten Herzarbeitsvolumen führt, einer erhöhten Heizleistung führt. Die Engstellen in der Herzkranzgefäßversorgung führen dazu, dass das Herz zu wenig Sauerstoff bekommt. Und das wird dann auch bei der Belastung entsprechend merkbar.

Warum steigt nach einer fettigen Mahlzeit das Risiko für einen Angina-pectoris-Anfall?

Wenn Sie eine sehr reichhaltige Mahlzeit zu sich nehmen, dann ist der Darm das Organ, das für die Verarbeitung dieser reichhaltigen Mahlzeit erforderlich bzw. zuständig ist. Die vermehrte Arbeit, die der Darm zu leisten hat, kann er dann leisten, wenn er vermehrt durchblutet wird. Und ähnlich wie bei einer körperlichen Anstrengung die Muskulatur vermehrt durchblutet wird, so muss in dieser Situation der Darm vermehrt durchblutet werden. Und das kann dann dazu führen, dass man als Patient einen Angina pectoris-Anfall bekommt.

Warum werden meine Beschwerden bei Kälte stärker?

Bei Kälte können Angina pectoris-Beschwerden deshalb stärker werden, weil der Körper, um sich vor Kälte zu schützen, Gefäße zusammenzieht, und zwar vor allem

  • die Gefäße, die die Haut betreffen, und das ist ja das größte Organ des menschlichen Körpers,
  • und Gefäße, die Subcut sind, also die die unter der Oberhaut gelegenen Hautschichten betreffen.

Diese Gefäße ziehen sich stark zusammen. Damit steigt der Widerstand, gegen den das Herz arbeiten muss, an. Und das kann dazu führen, dass das Herz eben auch eine stärkere Belastung damit aufgebürdet bekommt. Und dadurch kann auch häufiger Angina pectoris auftreten kann, als es unter wärmeren Umgebungsbedingungen der Fall ist.

Wie lange dauern die Schmerzen bei einem typischen Angina-pectoris-Anfall?

Die Schmerzdauer des Angina-pectoris-Anfalls ist sehr, sehr unterschiedlich. Der übliche typische Anfall ist eigentlich während der Belastung nachzuweisen und tritt nach Ende der Belastung in seiner Intensität zurück, oder der Patient verspürt nach Ende der Belastung gar nichts mehr. Wenn der Patient allerdings eine dauerhafte Schmerzsymptomatik hat, die jetzt auch nicht mehr durch ein Ende der Belastung verbesserbar ist oder die überhaupt schon in Ruhe auftritt, dann ist das hohe Risiko auf das Vorliegen eines Myocard-Infarktes, also des Herzinfarktes gegeben. Und dann ist Feuer am Dach. Dann ist höchste Eisenbahn. Dann ist rasche medizinische Hilfe notwendig.

Stimmt es, dass Menschen mit Diabetes häufig keine Angina pectoris Symptome verspüren, sondern nur Atemnot?

Menschen mit Diabetes verspüren eigentlich nicht weniger häufig Angina-pectoris-Symptomatik als Patienten ohne Diabetes. Lange Zeit hat man davon gesprochen, dass dem so sei. Man hat das als ursächlich angesehen, dass die Innervation, d.h. die Möglichkeit von Nerven, die Schmerzübermittlung darzustellen und zu bewirken, dass diese Innervation geringer ausgeprägt ist. Der Hintergrund ist, dass Diabetiker häufiger auch einen Nervenschaden bekommen. Deshalb spüren sie auch weniger schnell einen Stein im Schuh als nicht Diabetiker, und deshalb übersehen sie dort auch leichter eine Verletzung, die dann auch zu einem Ulcus führen kann. Aber beim Herzen gibt es inzwischen eine sehr, sehr große Untersuchung bei über 10.000 Patienten, bei der man zeigen konnte, dass die Beschwerde-Intensität bei Diabetikern nicht geringer ist als bei Nicht-Diabetikern.

Auf den Punkt gebracht

  • Äußert sich meist durch ein brennendes, drückendes, einengendes Gefühl zwischen Kinn und Nabel.
  • Der Schmerz ist meist flächenhaft und kann auch in Rücken und Arme ausstrahlen.
  • Weitere mögliche Symptome können Luftnot, unregelmäßiger Herzschlag, Übelkeit oder Brechreiz sein.

Wie äußert sich eine Angina pectoris?

Typischerweise beginnen die Symptome einer Angina pectoris abrupt und dauern wenige Sekunden bis einige Minuten. Meist handelt es sich um einschnürende, drückende, oft brennende Schmerzen hinter dem Brustbein. Viele PatientInnen beschreiben die Beschwerden als Reißen, Sodbrennen oder einen krampfartigen Druck im Bereich des Herzens.

Häufig strahlen die Schmerzen in beide Brustkorbseiten aus. Seltener reichen sie bis in die Schultern und Oberarme. In einigen Fällen können auch Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch, Rückenschmerzen oder Schmerzen im gesamten linken Arm bis in die Hand oder über den Hals bis in den Unterkiefer auftreten. Manche PatientInnen beschreiben auch Luftnot als Symptom. Zum Teil treten die Schmerzen auch nur in der Magengegend, in der rechten Brustkorbhälfte oder zwischen den Schulterblättern auf.

Viele Betroffene leiden unter Angst oder Panik, weil diese Krankheitszeichen ebenso gut auf einen Herzinfarkt hinweisen könnten.

Atypische Symptome der Angina pectoris

Neben den bereits genannten Symptomen, die trotz ihrer Vielfalt als typisch für die Angina pectoris gelten können, gibt es einige atypische Krankheitszeichen. Beispielsweise gibt es Unterschiede bezüglich des Geschlechts und des Alters. Auch Diabetiker leiden zum Teil an anderen Symptomen.

Worin unterscheiden sich Symptome bei Männern und Frauen?

Während Männer in aller Regel typischen Krankheitszeichen zeigen, äußert sich die Angina pectoris bei Frauen häufig durch Kurzatmigkeit, Müdigkeit und Magenbeschwerden. Der klassische Brustschmerz betrifft hingegen nur wenige Frauen. Genaueres zu den Symptomen bei Frauen erfahren Sie in der Lektion „Besonderheiten der Angina pectoris bei Frauen“.

Welche Besonderheiten gibt es bei älteren Menschen?

Ältere PatientInnen, insbesondere über 75-Jährige, leiden häufig unter ähnlichen Symptomen wie Frauen. Oft äußert sich ein Anfall bei ihnen nur durch Atemnot und einen Leistungsknick

Worin unterscheiden sich Angina pectoris und Herzinfarkt?

Der mit der Angina pectoris verbundene Schmerz beruht auf einer Durchblutungsstörung und Sauerstoffunterversorgung des Herzens, die meist eine Folge verengter Herzkranzgefäße ist. Beim Herzinfarkt wird die Durchblutung und damit auch die Sauerstoffzufuhr in einem bestimmten Bereich des Herzens abrupt und dauerhaft unterbrochen, weil ein Herzkranzgefäß vollständig blockiert ist, z. B. durch ein Blutgerinnsel.

Die Symptome bei Angina pectoris bessern sich durch Ruhe oder Nitrate meist schon nach kurzer Zeit. Wenn die Schmerzen intensiver sind als bei bisherigen Anfällen und brennende, stechende oder dumpfe Schmerzen im Brustkorb, die auch in die Arme, den Rücken, den Hals oder den Oberbauch ausstrahlen können, länger als 20 Minuten anhalten, deutet dies auf einen Herzinfarkt hin. Hinzu kommen häufig ein Schwächegefühl, Übelkeit und Erbrechen, Ausbrüche von kaltem Schweiß und eine fahle Hautfarbe. Viele Betroffene leiden unter Todesangst, ältere Menschen oft unter akuter Verwirrtheit. Treten die genannten Leitsymptome auf, sollten Sie sofort einen Notarzt rufen.

Die häufigsten Auslöser-für Angina-pectoris-Anfälle

Ein akuter Angina-pectoris-Anfall kann auf verschiedenen Ursachen beruhen. Die wichtigsten sind:

Auslöser für Angina pectoris-Anfall: Körperliche Belastungkörperliche Belastungen

Auslöser für Angina pectoris-Anfall: KälteKälte

Auslöser für Angina pectoris-Anfall: Gehen gegen die WindrichtungGehen gegen die Windrichtung

Auslöser für Angina pectoris-Anfall: Gehen nach großen MahlzeitenGehen nach großen Mahlzeiten

Auslöser für Angina pectoris-Anfall: Stress, Ärger, AufregungenStress, Ärger, Aufregungen

Auslöser für Angina pectoris-Anfall: Arme über KopfArbeiten mit den Armen über dem Kopf

Auslöser für Angina pectoris-Anfall: GeschlechtsverkehrGeschlechtsverkehr

Auslöser für Angina pectoris-Anfall: Seelische BelastungenSeelische Belastungen

Angina-pectoris-Beschwerden wie Brustenge und Atemnot treten meist erst auf, wenn ein Herzkranzgefäß bereits zu mehr als 70 Prozent verengt ist. Deshalb sollten Sie entsprechende Beschwerden unbedingt rasch abklären lassen.

Wussten Sie schon

Wussten Sie, dass untypische Beschwerden der Angina pectoris bei Frauen bereits auf einen akuten Herzinfarkt hinweisen können? Bessern sich die Symptome auch nach Einnahme von Nitroglycerin nicht innerhalb kürzester Zeit, sollten Sie daher unbedingt eine/n Notärztin/Notarzt hinzuziehen.

Geprüft Univ.-Prof. Dr. Robert Zweiker: Stand Februar 2019

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