selpers
Zurück zur Kursübersicht

Kurs Angina pectoris verstehen: Lektion 6 von 7

Besonderheiten der Angina pectoris bei Frauen

Anders als im Allgemeinen angenommen, ist die Angina pectoris keine „Männerkrankheit“. Frauen sind ebenso häufig betroffen, allerdings haben sie zum Teil ganz andere Symptome und erkranken durchschnittlich etwa 10 Jahre später als Männer. In dieser Lektion erfahren Sie, wie sich die Angina pectoris bei Frauen bemerkbar macht, welche Risikofaktoren insbesondere beim weiblichen Geschlecht eine Rolle spielen und warum die Diagnostik eine besondere Herausforderung darstellt.

Symptome der Angina pectoris bei Frauen

Die typische Belastungsangina ist bei Frauen deutlich seltener anzutreffen als bei Männern und auch der klassische Brustschmerz betrifft nur eine Minderheit. Frauen beschreiben die Angina-pectoris-Symptome eher als diffuse Brustenge, die manchmal in den linken Arm oder den Magen ausstrahlt. Häufig wird der Schmerz auch als Wirbelsäulen- oder Magenschmerz fehlgedeutet. Manche Angina-pectoris-Patientinnen leiden unter länger anhaltender Atemnot, die teilweise dazu führt, dass sie nachts aufstehen, um durchatmen zu können.

Hinzu kommen in einigen Fällen schwer einzuordnende Symptome wie:

Symptome der Angina pectoris bei Frauen: Chronische Müdigkeit (Fatigue)chronische Müdigkeit (Fatigue)

Symptome der Angina pectoris bei Frauen: Herzstolpern (Extrasystolen)Extrasystolen (Herzstolpern)

Symptome der Angina pectoris bei Frauen: Benommenheit und BlackoutsBenommenheit und Blackouts

Symptome der Angina pectoris bei Frauen: Ödeme der unteren ExtremitätenÖdeme der unteren Extremitäten

Symptome der Angina pectoris bei Frauen: MagenbeschwerdenMagenbeschwerden

Da sich hinter jedem Angina-pectoris-Anfall auch ein Herzinfarkt verbergen kann, ist es wichtig, bei entsprechenden Symptomen sofort die Notärztin/den Notarzt herbeizurufen. Wenn Ihnen von Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt Nitropräparate verschrieben wurden, sollten Sie diese umgehend einnehmen, damit Ihr Herz schnell wieder ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Frauen, nehmt eure Herzen ernst.

Unterschiede bei den Risikofaktoren

Wie bei den Männern auch haben Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Übergewicht einen Einfluss auf das Angina-pectoris-Risiko bei Frauen. Allerdings gibt es Unterschiede bei der Bedeutung, die diese Faktoren für das Risiko haben. Außerdem ist bei Frauen auch der Einfluss der weiblichen Hormone von Wichtigkeit.

Angina pectoris Unterschiede bei den Risikofaktoren
Diabetes und Rauchen erhöhen bei Frauen das Risiko für die koronare Herzkrankheit deutlich stärker als bei Männern.

Wie unterscheiden sich die Risikofaktoren von Frauen und Männern?

Grundsätzlich kommen bei Frauen und Männern dieselben Risikofaktoren für die Angina pectoris zum Tragen. Sie unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Gewichtung der verschiedenen Einflussgrößen. Fast immer ist bei Angina-pectoris-Patientinnen mindestens einer der folgenden Risikofaktoren zu finden:

  • Rauchen,
  • Bluthochdruck,
  • Diabetes,
  • Fettstoffwechselstörung.

Diabetes und Rauchen erhöhen bei Frauen das Risiko für die koronare Herzkrankheit deutlich stärker als bei Männern.

Besonders häufig findet sich beim weiblichen Geschlecht das sogenannte metabolische Syndrom, das gemeinsame Auftreten von Bluthochdruck, Übergewicht, Störungen des Fettstoffwechsels und Insulinresistenz in Kombination mit Diabetes. Dieser Umstand beruht wahrscheinlich auf hormonellen Faktoren.

Welchen Einfluss haben psychosozialen Faktoren?

Frauen stehen im Alltag häufig anderen Problemen gegenüber als Männer. Bei Letzteren spielt oftmals der Beruf eine Hauptrolle, während beim weiblichen Geschlecht familiäre Belastungen in den Vordergrund rücken. Viele Frauen müssen auch Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Diese Beanspruchungsunterschiede führen in aller Regel zu geschlechtsspezifischen psychischen Belastungen, die wiederum kardiologische Erkrankungen in unterschiedlichem Maße beeinflussen.

Welchen Einfluss haben die weiblichen Hormone auf die Entstehung von Angina pectoris?

Bis zum Erreichen der Wechseljahre sind Frauen durch die körpereigenen Östrogene auf natürliche Weise gegen die Verengung der Herzkranzgefäße geschützt. Die koronare Herzkrankheit als eine der wichtigsten Ursachen von Angina pectoris trifft Frauen daher im Durchschnitt etwa 10 Jahre später als Männer. Nach der Menopause nimmt das Risiko für Angina pectoris und Herzinfarkt bei Frauen jedoch stark zu. Eine östrogenhaltige Ersatztherapie ist als vorbeugende Maßnahme allerdings nicht zu empfehlen, da Studien zufolge das Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen dadurch eher steigt.

Schwierigkeiten in der Diagnostik

Eine Angina pectoris bei Frauen zu diagnostizieren erweist sich oftmals als große Herausforderung. Das liegt jedoch nicht nur an der häufig unklaren Symptomatik.

Insbesondere bei älteren Frauen in schlechtem Trainingszustand ist die Aussagekraft des Belastungs-EKGs häufig eingeschränkt, da die für ein eindeutiges Ergebnis benötigte Herzfrequenz für eine entsprechende Ausbelastung nicht erreicht wird. Gleiches gilt für Patientinnen, die sich aus verschiedenen Gründen nicht ausreichend körperlich belasten können oder dürfen.

Effektiver ist bei Frauen meist die Stressechokardiografie, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, die Funktionsstörungen des Herzmuskels aufzeigen kann, welche auf einer schlechteren Durchblutung unter Belastung beruhen. Bei fehlender Belastbarkeit kann die pharmakologische Stressechokardiografie zur Anwendung kommen, bei der die Herzfrequenz mithilfe von Medikamenten erhöht wird.

Wussten Sie schon

Da Frauen deutlich später als Männern an Angina pectoris erkranken, ist ihre Sterblichkeitsrate bei einem Herzinfarkt höher. Umso wichtiger ist es, entsprechende Symptome nicht auf sich beruhen, sondern möglichst bald von einer Ärztin / einem Arzt abklären zu lassen.

Geprüft Prim.a Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Podczeck-Schweighofer: Stand Februar 2019

Angina pectoris verstehen
Bewerten

Ihr Feedback hilft anderen Nutzern die für sie passenden Kurse zu finden.

Würden Sie diesen Online-Kurs empfehlen?

Angina pectoris verstehen
4.8/5 (10)

Zur Kursübersicht
Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

selpers Gesundes Lernen

Immer informiert

Ja, ich möchte den Newsletter von selpers abonnieren und regelmäßig über Blogbeiträge, Online-Kurse und Veranstaltungen informiert werden.