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Kurs Angina pectoris verstehen: Lektion 5 von 7

Verlauf der Angina pectoris

Der Verlauf einer Angina pectoris hängt primär vom Fortschreiten der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Da dieser Vorgang von PatientIn zu PatientIn sehr individuell abläuft, kann die Angina pectoris hinsichtlich ihres zeitlichen Fortgangs sehr variieren. Informieren Sie sich in dieser Lektion über die möglichen Folgen der Erkrankung.

Video Transkript

Ist Angina pectoris heilbar?

Die Angina pectoris ist auf jeden Fall verbesserbar, also vonseiten der Symptomatik sicherlich einmal auch so weit verbesserbar, dass Sie gar keine Beschwerden mehr haben. Das Vorliegen der Koronarerkrankung ist nicht reversibel. Das heißt also: Wenn einmal eine Verengung an Herzkranzgefäßen da ist, dann können wir Sie nicht wieder so gesund machen, als ob nie etwas gewesen wäre. Wir können die Folgen vermindern. Wir können die Durchblutungsstörung vermindern. Wir können die Durchblutung wiederherstellen, wieder verbessern. Aber so, als ob Sie nie etwas gehabt hätten, so wird es nicht mehr sein.

Gibt es dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen durch die Angina pectoris?

Es gibt, wenn tatsächlich eine Durchblutungsstörung des Herzens die Ursache Angina pectoris ist, eine dauerhafte Veränderung des Lebens allein dadurch, dass Sie davon wissen, dass Sie eine Veränderung Ihrer Gesundheit in dem Sinne, wie Sie es vorher vielleicht nicht wussten, haben und in dem Sinne, dass eine Erkrankung diagnostiziert ist. Das, was wir in so einer Situation machen ist, dass wir eben Ihre Symptomatik verbessern und auch Ihre Lebenserwartung verbessern wollen. Dafür sind Medikamente erforderlich. Und natürlich ist die Einnahmenotwendigkeit eines Medikaments ein Unterschied im Vergleich zur Situation davor, wo Sie noch keine Medikamente gebraucht haben.

Welchen Einfluss hat mein Lebensstil auf den Verlauf der Angina pectoris?

Das subjektive Empfinden ist extrem individuell. Die Menschen, die ich mit solcher Beschwerdesymptomatik betreue, haben zum Teil einen ganz, ganz ausgeprägten Befund an den Herzkranzgefäßen und oft überhaupt keine oder nur sehr geringe Beschwerden. Und andere Patienten haben wiederum einen relativ geringen oder gering ausgeprägten Befund und trotzdem ziemlich ausgeprägte Beschwerden. Das heißt: Zwischen dem Beschwerdebild einerseits und der Gefährdung andererseits besteht nicht immer ein direkter Zusammenhang.

Das heißt: Das Wichtige ist, dass die Menschen, die eine Angina pectoris haben, selber lernen, mit diesem Beschwerdebild umzugehen, sich mit ihm anzufreunden und sich mit ihm zurechtzufinden. Wir können Ihnen natürlich schon empfehlen, dass Sie über Ihren Lebensstil eine Verhinderung einer fortschreitenden Verschlechterung bewirken können. Wir können den Lebensstil alleine nicht dazu nutzen, Sie völlig beschwerdefrei zu machen. Aber wir können vielleicht Ihnen helfen, im Zugang zu den Beschwerden ein etwas entspannteres, gelasseneres Verhältnis zu bekommen und die Beschwerden so zu tolerieren, dass Sie in Ihrem Leben tagtäglich weniger beeinträchtigt sind, als Sie es vorher waren.

Wirkt sich die Angina pectoris auch auf andere Organe aus?

Die Angina pectoris wirkt sich insofern auf andere Organe aus, als dass die ursächlich zugrunde liegende Durchblutungsbeeinträchtigung nicht nur das Herz betrifft, sondern das ist eine systemische Erkrankung. Die Risikofaktoren, die zu dieser Herzdurchblutungsstörung führen, sind nicht auf das Herz alleine beschränkt, sondern sie betreffen prinzipiell das gesamte Gefäßgebiet des Menschen. Und das kann bei einem mehr, beim anderen weniger sein. Aber das kann zum Beispiel die Hirndurchblutung betreffen. Das kann zum Beispiel die Durchblutung der peripheren Gefäße, vor allem der Beine betreffen. Es ist auch abhängig vom Risikoprofil. Es ist durchaus häufig, dass dann auch Beschwerden beim Gehen, Muskelschmerzen bei Belastung oder Beschwerden im Sinne von Durchblutungsstörungen des Gehirns eine Rolle spielen können.

Erhöht sich durch die Angina pectoris das Herzinfarktrisiko?

Die Angina pectoris ist, wenn sie durch eine Herzdurchblutungsstörung hervorgerufen ist, immer ein Warnsymptom bezüglich eines potenziell im Raum stehenden erhöhten Risikos, einen Herzinfarkt zu erleiden. Wenn der Patient oder wenn Sie hohe Beschwerden haben, dann ist die Möglichkeit des Vorliegens eines Herzinfarktes ganz gewaltig, ganz hoch. Und das sollte also unbedingt ausgeschlossen werden. Aber auch wenn Sie stabile Angina-Beschwerden haben, ist Ihr Risiko höher, als wenn Sie nie etwas mit dem Herz zu tun hatten. Wichtig ist, die Medikamente, die die Risikosituation verbessern, und die Lebensstilfaktoren, die potenziell verbesserbar sind, entsprechend umzusetzen, die Medikamente einzunehmen, die Lebensstilfaktoren umzusetzen, damit dieses Risiko nicht schlagend wird.

Versprechen, dass es nie kommt, kann ich Ihnen nicht. Ausschließen, dass es kommen wird, auch wenn Sie alle Risikofaktoren im Griff haben und alle Lebenszielfaktoren im Griff haben, kann es auch niemand. Aber es kann auch niemand sagen, dass Sie es auf jeden Fall kriegen werden. Wir haben immer nur Wahrscheinlichkeiten. Dass Sie sicher einen Herzinfarkt kriegen, kann Ihnen niemand sagen. Dass Sie aber sicher keinen kriegen, kann Ihnen auch niemand sagen. Wir können aber es wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen. Und das ist, glaube ich, das Ziel der Medizin, es unwahrscheinlicher zu machen.

Kann ich mit Angina pectoris weiter meiner beruflichen Tätigkeit nachgehen?

Ihre berufliche Tätigkeit können Sie im Allgemeinen weiterführen. Es hängt aber natürlich von Ihrer Berufssituation ab. Wenn Sie eine starke körperliche Beanspruchung bei Ihrem Beruf haben oder eine starke Belastung im Stressbereich, die nicht positiv veränderbar ist, und weiterhin Beschwerden haben, dann wird sich der Beruf nicht in demselben Ausmaß weiterführen lassen, wie wenn das nicht der Fall ist. Und für die berufliche Beanspruchung haben wir Gott sei Dank, so wie auch für nicht-berufliche Beanspruchungen, genug Medikamente oder genug technische Möglichkeiten im Portfolio, um Ihre Beschwerden seltener oder geringer werden zu lassen, sodass Sie sehr wohl Ihren beruflichen Anforderungen weiterhin entsprechen können.

Was kann ich tun, um Folgeerkrankungen zu vermeiden?

Folgeerkrankungen der Angina pectoris zu vermeiden — wesentlich ist, Risikofaktoren gut zu beeinflussen und Medikamente so einzunehmen, wie es der Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens Ihnen empfiehlt.

Auf den Punkt gebracht

  • Wenn auch in Ruhe Angina-pectoris-Beschwerden auftreten, ist das Herzinfarktrisiko deutlich erhöht.
  • Die Angina pectoris ist durch eine medikamentöse Behandlung und technische Maßnahmen sehr gut stabilisierbar, aber nicht heilbar.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Herzinfarkt auftritt?

Oft verläuft die Angina pectoris über Jahre hinweg unkompliziert. Früher oder später kann sich jedoch bei fehlender Behandlung aus einer stabilen eine instabile Verlaufsform entwickeln oder es kommt zu einem Myokardinfarkt (Herzinfarkt, Myokard = Herzmuskel), der kompletten Verstopfung eines Herzkranzgefäßes, welche das Risiko eines plötzlichen Herztodes birgt. Insgesamt wird die Sterblichkeitsrate bei der stabilen Angina pectoris mit drei bis acht Prozent pro Jahr beziffert.

Bei der instabilen Angina pectoris liegt die Sterblichkeit während des ersten Jahres bei circa 15 Prozent. 15 bis 25 Prozent der PatientInnen entwickeln innerhalb von drei Monaten einen Myokardinfarkt. In diesem Fall sind die ersten Stunden entscheidend. Zu wissen, wie Sie bei einem Herzinfarkt richtig reagieren und wann Sie eine Ärztin / einen Arzt aufsuchen sollten, kann im Ernstfall Ihr Leben retten. Bei einem Großteil der PatientInnen geht das instabile Krankheitsbild durch geeignete medikamentöse Behandlungsmaßnahmen und die Umstellung auf einen gesunden Lebensstil in eine stabile Angina pectoris über. Rund fünf bis zehn Prozent versterben infolge von Kammerflimmern, das aus einer elektrischen Instabilität resultiert.

Gibt es bei der Angina pectoris spezielle Risikogruppen?

Einem besonderen Risiko unterliegen PatientInnen, bei denen eine linke Hauptstammstenose als Ursache der instabilen Angina pectoris vorliegt. Die Verkalkung dieses Gefäßabschnittes ist deshalb besonders problematisch, weil dadurch ein großer Teil des Herzens unterversorgt ist. Das Einsetzen eines Stents oder eine Bypass-Operation sind in diesem Fall zusätzlich zu Medikamenten notwendig.

Herzschwäche als Folge der koronaren Herzkrankheit

Die koronare Herzkrankheit als Auslöser der Angina pectoris kann im Laufe der Zeit zu einer Leistungsminderung des Herzens führen. Abhängig davon, welcher Teil des Organs betroffen ist, kann sich die Herzschwäche unterschiedlich äußern. Bei einigen PatientInnen treten die Rechts- und die Linksherzschwäche gleichzeitig in Erscheinung.

Worin unterscheiden sich die Rechts- und die Linksherzschwäche?

Eine Schwächung der rechten Herzhälfte führt dazu, dass sich das Blut in den Körpervenen staut. Daraus resultiert ein höherer Druck, durch den Wasser in das umliegende Gewebe gepresst werden kann. Die mögliche Folge sind Wassereinlagerungen in den Beinen, im späteren Verlauf auch in der Bauchhöhle oder im Brustkorb.

Handelt es sich um die linke Herzhälfte, staut sich das Blut in den Lungenvenen. Hierdurch kann es zu Atemnot, insbesondere bei körperlichen Anstrengungen kommen.

Herzrhythmusstörungen als Folge der koronaren Herzkrankheit

Leidet das Herz unter einem Sauerstoffmangel, kann dies auch das für den Herzschlag verantwortliche Gewebe schädigen. Dadurch kann der Puls langsamer, schneller oder unregelmäßig werden. Hieraus können Herzklopfen, Herzrasen, Schwindelgefühle oder Müdigkeit resultieren.

Wirken sich Herzrhythmusstörungen negativ auf die Pumpfunktion des Herzens aus, können sie eine Herzschwäche hervorrufen oder verstärken. Kommt es zum Vorhofflimmern, können sich Blutgerinnsel im Herzen bilden, die sich ablösen und zum Beispiel einen Schlaganfall auslösen.

Folgeerkrankungen vermeiden

Angina pectoris kann zwar bislang nicht geheilt werden, durch Lebensstiländerungen und die konsequente Einnahme Ihrer Medikamente können Sie aber Folgeerkrankungen verhindern. Nehmen Sie die Medikamente unbedingt auch dann ein, wenn Sie momentan keine Symptome haben. Nur so können Sie vermeiden, dass die Erkrankung unbemerkt weiter fortschreitet.

Wussten Sie schon

Haben Sie gewusst, dass das Herzinfarkt-Risiko bei vollkommen therapietreuen Arteriosklerose-PatientInnen deutlich niedriger liegt als bei PatientInnen, die sich nur teilweise oder gar nicht an die Verordnungen halten? Das wurde in einer US-amerikanischen Studie nachgewiesen, die über 10.000 PatientInnen verglichen hat, die Statin- und ACE-Hemmer verschrieben bekommen haben. Ein Grund mehr, Ihre Medikamente regelmäßig einzunehmen.

Geprüft Univ.-Prof. Dr. Robert Zweiker: Stand Februar 2019

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