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Kurs Angina pectoris verstehen: Lektion 1 von 7

Was verbirgt sich hinter Angina pectoris?

Die meisten Menschen denken bei Schmerzen und einem Engegefühl in der Brust sofort an einen Herzinfarkt. Oftmals handelt es sich hierbei jedoch um einen Angina-pectoris-Anfall, der ähnliche Beschwerden auslösen kann, sich aber innerhalb weniger Minuten bessert oder ganz verschwindet. Diese Lektion vermittelt Ihnen allgemeines Wissen zur Angina pectoris einschließlich der Formen, der Stadien und der Prognose.

Was ist Angina pectoris?

Unter einer Angina pectoris verstehen MedizinerInnen ein mit Schmerz verbundenes Engegefühl in der Brust. Ursache hierfür ist meistens eine Durchblutungsstörung des Herzens, die aus einer durch Plaquebildung verursachten Veengung der Herzkranzgefäße resultiert.

Der medizinische Terminus Angina pectoris hat seinen Ursprung im Lateinischen. „Angor“ bedeutet übersetzt „Beklemmung“, während „pectus“ der lateinische Begriff für „Brust“ ist. Die Bezeichnung Angina pectoris steht nicht für eine eigenständige Krankheit, sondern dient als Sammelbegriff für Symptome, die im Zusammenhang mit Einschränkungen oder Erkrankungen des Herzens auftreten. In der Medizin wird die Angina pectoris auch Stenokardie genannt.

Wie viele Menschen haben Angina pectoris?

In Österreich leiden etwa zwei von 1000 Menschen an einer Angina pectoris, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Die meisten PatientInnen sind älter als 70 Jahre. Lediglich 8 Prozent sind jünger als 50. Für Deutschland und die Schweiz gelten ähnliche Werte.

Welche Formen der Angina pectoris gibt es?

Hinsichtlich ihres Verlaufs unterscheiden MedizinerInnen bei Angina pectoris zwei Formen: die stabile und die instabile Angina pectoris.

Wie äußert sich eine stabile Angina pectoris?

  • die Schmerzen und die Brustenge dauern relativ kurz an (circa 1 bis 20 Minuten),
  • die Symptome treten unter physischer oder psychischer Belastung (Stress) auf,
  • die Beschwerden bessern sich in Ruhe innerhalb von 5 bis 30 Minuten,
  • die Symptome nehmen nach Einnahme des Medikaments Nitroglycerin innerhalb von 5 bis 10 Minuten ab.

Wie äußert sich eine instabile Angina pectoris?

  • der/die PatientIn leidet erstmals unter einem Anfall,
  • die Anfälle treten in Ruhe oder bei geringster körperlicher Belastung auf,
  • die Anfälle häufen sich, werden zunehmend stärker oder dauern länger an.

Hinsichtlich ihres Auftretens wird die Angina pectoris in folgende Formen unterteilt:

  • Prinz-Metal Angina – durch Spasmen der Herzkranzgefäße ausgelöste Angina pectoris,
  • De-novo Anina – erstmalig auftretende Angina pectoris,
  • Angina decubitus – im Liegen auftretende Angina pectoris,
  • Ruhe Angina – in Ruhe auftretende Angina pectoris,
  • Angina nocturna – nächtliche Angina pectoris.

Darüber hinaus gibt es weitere Formen wie die Präinfarktangina oder die Belastungsangina.

Welche Stadien der Angina pectoris gibt es?

Die Angina pectoris tritt in unterschiedlichen Schweregraden in Erscheinung. Entscheidend für die Therapie der stabilen Angina pectoris ist die Unterteilung in vier Stadien nach der CCS-Klassifikation der Canadian Cardiovascular Society.

Schweregrade der stabilen Angina pectoris:

CCS I Keine Symptome bei Alltagsbelastungen wie Treppensteigen, aber bei größeren oder längeren Anstrengungen wie Joggen oder Schneeräumen
CCS II Symptome bei stärkerer körperlicher Anstrengung wie Treppensteigen oder Bergaufgehen sowie bei Wind, Kälte oder psychischen Belastungen
CCS III Symptome bei leichten körperlichen Belastungen wie Ankleiden, leichter Hausarbeit oder normalem Gehen
CCS IV Symptome nach wenigen Schritten oder sogar in Ruhe

Eine instabile Angina pectoris, also wenn sich das Beschwerdebild plötzlich verändert, ist immer als gefährlicher einzustufen, daher sollte sie möglichst rasch medizinisch abgeklärt werden.

Prognose der Angina pectoris

Mithilfe von Nitroglycerin-Präparaten können die Symptome der Angina pectoris in aller Regel gut behandelt werden. Für akute Anfälle gibt es spezielle, schnell wirkende Nitromedikamente. Allerdings haben die Arzneimittel keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf, sondern lindern lediglich die Beschwerden. Wird die eigentliche Ursache, z. B. eine koronare Herzerkrankung, erfolgreich therapiert, verschwinden die Angina-pectoris-Symptome von allein.

Wussten Sie schon

Wussten Sie, dass Ihr Herz im Laufe eines 75-jährigen Lebens so viel Flüssigkeit durch Ihren Körper pumpt, dass davon ein Supertanker nahezu voll werden würde? Ein Grund mehr, alles zu tun, damit dieses Organ über viele Jahre leistungsfähig bleibt.

Geprüft Univ.-Prof. Dr. Robert Zweiker: Stand Februar 2019

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