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Kurs Behandlung des Lungenhochdrucks: Lektion 4 von 7

Operationen und Eingriffe

Wenn die Therapie mit Medikamenten nicht ausreicht, um die angestrebten Ziele zu erreichen, können in speziellen Situationen verschiedene Operationstechniken und Eingriffe infrage kommen. Speziell bei der CTEPH (chronisch-thromboembolischen pulmonalen Hypertonie) können diese Eingriffe sogar vor der Medikation veranlasst werden und manchmal diese Form des Lungenhochdruck heilen. In anderen Fällen der pulmonalen Hypertonie steht als weitere Möglichkeit die Lungentransplantation zur Verfügung.

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Was wird bei einer pulmonalen Endarterektomie gemacht?

Die pulmonale Endarterektomie ist eine chirurgische Technik, die darauf basiert, dass Verschlüsse der Lungenarterien durch eine Dissektion der mittleren Schicht des Gefäßes entfernt werden. Das heißt: Die Chirurgen tunnelieren aus dem Gefäß die intimalen Fibrosen und Stränge heraus und erzeugen letztlich einen negativen Ausguss des Lungengefäßbaums. Die Operationspräparate sehen aus wie Ausgusspräparate der Lungenarterien. Also ein ideales pulmonales Endarterektomie-Präparat hat alle Füßchen und feinsten Fortsätze des das Lungenstrombaums.

Wann kommt eine pulmonale Endarterektomie infrage?

Eine pulmonale Endarterektomie gilt als Goldstandard der Behandlung von chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertension (CTEPH) und ist immer die erste Frage nach der Diagnose: „Ist die pulmonale Endarterektomie machbar für den Patienten, der vor mir ist?“– Das ist immer die erste Frage.

Was wird bei einer Ballonangioplastie der Lungenarterien gemacht?

Die Ballonangioplastie der Lungenarterien ist eine interventionelle Therapieform, die darauf ausgerichtet ist, fibröse Stränge in den Lungenarterien als Spätfolge von Lungenembolien zu durchbrechen. Dadurch soll wieder ein normaler Fluss in die Lungenarterien hergestellt werden. Dieser normale Fluss führt dazu, dass große Areale der Lunge, die stillgelegt waren durch Verschlüsse, wieder zur Verfügung stehen für den Gasaustausch und als Kapillargebiet. Und damit wird die Nachlast des rechten Herzens reduziert.

Ballonpulmonale Angioplastie kommt aus Japan in ihrer raffinierten Form, ist auch jetzt in Europa übernommen und gelernt worden und strebt nach immer besseren Ergebnissen. Eigentlich strebt es nach der Normalisierung des Lungendrucks bzw. danach, den selben Mitteldruck zu erreichen, wie das die pulmonale Endarterektomie kann. Das ist der chirurgische Eingriff zur chronisch thromboembolischen Erkrankung. Dieser Mitteldruck liegt bei ungefähr 28 Millimetern Quecksilber.

Wann kommt eine Ballonangioplastie der Lungenarterien infrage?

Die Ballonangioplastie der Lungenarterien kommt in Frage für Patienten, die im interdisziplinären Team entweder als technisch inoperabel klassifiziert werden, das heißt die Gerinnsel, die der Chirurg und die Kardiologin bzw. die Pulmologin sieht, sind zu weit weg von Reichbarkat, oder die ein zu hohes Risiko haben, einem großen operativen Eingriff ausgesetzt zu werden.

Welche Transplantationsformen stehen zur Verfügung?

Die Lungentransplantation ist die Standard…, also Standard ist sie nicht, aber die in der Literatur und auch in der Praxis hauptsächlich durchgeführte Art der Transplantation wegen pulmonal-arterieller Hypertension.

Die einseitige Lungentransplantation hat sich nicht bewährt. Walter Klepetko führt in Wien eines von Europas größten Lungentransplantationszentren an mit über hundert Fällen pro Jahr und wirklich sehr, sehr guten Überlebensraten.

Die Lungentransplantation ist am Ende der medikamentösen Therapie zu sehen. Es ist nicht die erste Behandlung, die man wählt. Natürlich nicht, weil die richtige und zeitmäßig bestabgestimmte Technik ist, mit einer medikamentösen Therapie viele Jahre zu gewinnen und dann nicht zu spät die Organtransplantation anzustreben. Es gibt nicht viele Organe. Es ist ein Rieseneingriff. Sie bleiben lebenslang immunsupprimiert. Sie haben andere Komplikationen auf sich zukommen, die ganze andere Organe betreffen. Das muss man immer im Kontext sehen. Aber die Lungentransplantation ist eine der Stärken des Zentrums in Wien.

Was wird bei einer Lungentransplantation gemacht?

Bei einer Lungentransplantation werden die Patientenlungen entnommen und an derselben Stelle die Donarlungen (Spenderlungen) eingenäht, und zwar an den Pulmonararterien angenäht und durch die Zirkulation perfundiert, also durchblutet.

Für welche PatientInnen kommt eine Lungentransplantation infrage?

Die Lungentransplantation ist eine der Techniken, die am Ende der medikamentösen Therapien steht — nicht bei Patienten mit Venenverschlusskrankheit, wo die Lungentransplantation eigentlich die einzige Lösung ist. Aber Venenverschlusskrankheit ist natürlich sehr selten.

Mit welchen Chancen und Risiken ist eine Lungentransplantation verbunden?

Die Lungentransplantation ermöglicht Patienten mit End-stage-Lungenhochdruck, wieder normal zu werden. Der rechte Ventrikel wird völlig normal, das heißt er nimmt an Größe ab, die Verdickung der Wand geht zurück, die Klappen werden wieder dicht, und der Patient hat eine völlig normale Leistungsfähigkeit.

Die Gefahren, die auf den Patienten dabei zukommen, sind Komplikationen der Operation selbst. Das ist zu vernachlässigen nahezu. Dann die Nebenwirkungen der verschiedensten Therapien, vor allem derer der Immunsuppression, und die Gefahr der Infektionen.

Pulmonale Endarterektomie (Chirurgischer Eingriff zur Behandlung der chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie CTEPH)

CTEPH entsteht als Folge von Lungenembolien, die einen Teil der Lunge geschädigt haben. Unter guten Bedingungen lässt sich die Erkrankung teilweise oder vollständig rückgängig machen. Die pulmonale Endarterektomie ist eine Operationstechnik, bei der Gefäßverschlüsse aus den Lungenarterien entfernt werden. Dadurch verbessert sich die Durchblutung der Lunge und das Blut kann wieder in davor von der Zirkulation abgetrennte Lungenbereiche fließen. Im Idealfall kann auf diese Weise der Lungendruck deutlich gesenkt werden, teilweise bis in den Normalbereich.

Ballonangioplastie der Lungenarterien (Eingriff bei CTEPH)

PatientInnen, die unter CTEPH leiden, aber aus verschiedenen Gründen nicht operiert werden können, kommen für diesen Eingriff infrage.

Hierbei wird ein Ballon in das verengte Gefäß geschoben und dort aufgeblasen, um die Verengung zu reduzieren.

Die Lungenarterie wird so geweitet und der Blutfluss verbessert.

Letzter Ausweg: die Transplantation

Sind Lunge und/oder Herz durch Lungenhochdruck schon stark geschädigt, kann eine Lungentransplantation lebensrettend sein.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu dieser Operation:

Welche Organe werden transplantiert?

Üblicherweise werden bei PAH (pulmonal-arterieller Hypertonie) beide Lungenflügel transplantiert.  Selten werden sowohl Lunge als auch Herz transplantiert, da sich das Herz in den meisten Fällen nach der Lungentransplantation komplett erholt.

Wann kommt eine Transplantation infrage?

Eine Organtransplantation ist ein sehr großer Eingriff mit entsprechenden Folgen für den/die PatientIn. Deshalb wird sie erst dann in Erwägung gezogen, wenn die Medikamente nicht mehr ausreichen. Da die Wartezeit für ein Spenderorgan lang ist, sollte  die Listung für die Lungentransplantation gut geplant werden.

Wie läuft die Transplantation ab?

Bei der Doppellungen-Transplantation entnehmen die behandelnden ÄrztInnen beide Lungenflügel (und eventuell das Herz) des/der PatientIn und ersetzen diese durch das Spenderorgan. Nach erfolgreicher Operation versorgt der Körper das neue Organ mit Blut und es kann seine Funktion aufnehmen.

Was bringt die Transplantation für PatientInnen mit PAH?

Im Idealfall schenkt die Transplantation den Lungenhochdruck-PatientInnen wieder eine ganz neue Lebensqualität mit meist guter Belastbarkeit.

Welche Folgen und Risiken birgt die Transplantation bei Lungenhochdruck?

Eine Organtransplantation ist ein sehr schwerer Eingriff, der natürlich mit gewissen Risiken verbunden ist. Eine große Belastung für die PatientInnen ist die Immunsuppression: Das Immunsystem muss lebenslang mit Medikamenten unterdrückt werden, um eine Abstoßung des transplantierten Organs zu vermeiden. Diese medikamentöse Behandlung birgt allerdings die Gefahr von Infektionen und anderen Erkrankungen.

Wussten Sie schon

Neben den körperlichen Schwierigkeiten kann eine Organtransplantation auch eine große psychische Belastung sein. Gleiches gilt für das Warten auf ein passendes Organ. Hilfe durch Familie/Umfeld und eine/n PsychologIn ist wichtig.

Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Irene Lang: Stand April 2019

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