3. Präventive Operation

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Was ist vor der Operation zu bedenken?

Vor einer risikoreduzierenden Operation sollten Vor- und Nachteile des Eingriffs natürlich genau besprochen werden. Wir sind hier bei der genetischen Beratung. Es ist unsere Aufgabe, dass wir nicht direktiv beraten. Das heißt, wie sollen die betroffene Frau nicht beeinflussen, in welche Richtung sie sich entscheidet, sondern wir sollen als Ärzte die Daten liefern, damit die Betroffene diese Entscheidung selbst informiert treffen kann.

Die Brustoperation sollte an einem Zentrum durchgeführt werden, das sich mit diesem Eingriff routinemäßig beschäftigt. Einerseits bedarf es einer genauen Operationsplanung, die individuell auf die Patientin abgestimmt sein muss. Außerdem muss die Untersuchung des Gewebes speziell erfolgen.

Für die risikoreduzierende Eierstock- und Eileiterentfernung gilt dem Prinzip, dass dieser Eingriff auch an einem Zentrum durchgeführt werden soll, wo das minimalinvasiv durchgeführt werden kann mit einer sogenannten Schlüsselloch-Operation oder Laparoskopie.

Auch hier ist es wichtig, dass das Gewebe nach Entfernung genau untersucht wird. Vor allem schaut man sich hier die Eileiter sehr genau an, um eben hier auch versteckte Krebserkrankungen oder gegebenenfalls auch Krebsvorstufen schon zu diesem Zeitpunkt zu finden.

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Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Operationen?

Bei der risikoreduzierenden beidseitigen Entfernung von Eierstöcken und Eileitern werden üblicherweise über eine Schlüsselloch-Operation die Eierstöcke und Eileiter komplett entfernt. Das ist eine Operation, die in kurzer Vollnarkose durchgeführt wird.

Bei der reinen Eileiterentfernung, die man bei sehr jungen Frauen zwischenzeitlich als Übergangslösung besprechen kann, werden nur die Eileiter entfernt, also nicht die hormonproduzierenden Eierstöcke, und dadurch kommt man nicht in den Wechsel nach der Operation.

Die risikoreduzierende oder auch prophylaktische Mastektomie, die Entfernung von Brustdrüsengewebe, kann auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden. Hier gibt es mittlerweile Methoden, wo man hautsparende Verfahren anwendet und auch brustwarzenerhaltende Maßnahmen durchführt.

Es wird der Großteil des Brustdrüsengewebes durch die Operation entfernt. Und da kann es im Rahmen dieser Operation auch gleich ein plastischer Wiederaufbau durchgeführt werden.

Wahl der präventiven Operation

Eine risikoreduzierende Operation kann an Brustdrüsengewebe oder Eierstöcken und Eileitern durchgeführt und kann auch nur als teilweise Entfernung stattfinden. Welche Methode bei Ihnen angewandt wird, hängt von Ihrer individuellen Situation ab.

Welche präventiven Operationen gibt es?

Eine wirksame Möglichkeit, das Erkrankungsrisiko um mehr als 90 Prozent zu senken, ist eine Entfernung des Drüsengewebes beider Brüste. Dieser Eingriff sollte nach Möglichkeit schon stattfinden, bevor eine Brustkrebserkrankung auftritt.
Zusätzlich kann die vorbeugende Entfernung der Eierstöcke und Eileiter das Brustkrebsrisiko verringern. Das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, sinkt durch die Eierstock-/Eileiter-Entfernung um mehr als 95 Prozent.

Welche Faktoren sind für die Wahl der Operationsart entscheidend?

Alter und Kinderwunsch können bei der Entscheidung eine Rolle spielen. So kann bei nicht abgeschlossener Familienplanung eine Entfernung der Eierstöcke überdacht oder eine Brustentfernung so durchgeführt werden, dass weiterhin gestillt werden kann. Andere Einflussfaktoren werden durch die Erhebung der eigenen Krankengeschichte (Eigenanamnese) und der der Familie (Familienanamnese) bei der individuellen Beratung berücksichtigt. Darüber hinaus ist wie bei jeder Operation der allgemeine Gesundheitszustand zu berücksichtigen.

Für mich begann ein knapp einjähriger Ärztemarathon, in dem ich mich über eine prophylaktische Mastektomie (Rekonstruktion, Silikon, Eigengeweben, Narbenführung, Ablatio,…) informierte. Nach vielen Höhen und Tiefen, nach unzähligen Gesprächen, nach Nächten voller Tränen, nach stundenlangen Internetrecherchen und nach einem ganz individuellen Abwägen meiner Situation entschied ich mich für den Weg, der mir für mich bis heute der richtige war: eine beidseitige prophylaktische Mastektomie und Direktaufbau mit tropfenförmigen Silikonimplantaten über den Muskel.
@fraeulein_brca
Betroffene
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Wie stark kann durch eine Operation das Krebsrisiko verringert werden?

Das Risiko, an Ovarialkarzinom zu erkranken, kann bei Frauen mit einer BRCA-Mutation von etwa 25 bis 50 Prozent durch eine prophylaktische Entfernung von Eileitern und Eierstöcken auf unter ein Prozent gesenkt werden.

Durch eine prophylaktische Entfernung des Brustdrüsengewebes, der prophylaktischen Mastektomie, kann das Brustkrebsrisiko, das bei Mutationsträgerinnen bei 85 Prozent liegt, auf unter zehn Prozent gesenkt werden, also unterhalb des Risikos der Gesamtbevölkerung.

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Welche Vor- und Nachteile hat die Entfernung der Brustdrüsen?

Die prophylaktische Mastektomie, also die vorsorgende, risikoreduzierende Entfernung von Brustdrüsengewebe, kann das Brustkrebsrisiko, das bei Frauen mit einer BRCA-Mutation bei etwa 85 Prozent Lebenszeitrisiko liegt, auf unter fünf Prozent reduzieren.

Dadurch ist das Risiko, nach so einer Operation für eine Hochrisikopatientin niedriger als in der Gesamtbevölkerung.

Die Operation kann mit unterschiedlichen Techniken durchgeführt werden. In der Regel wird dann nach so einer Operation auch ein Brustwiederaufbau durchgeführt. Daraus können sich mögliche Nachteile ergeben, da man einfach hier gewisse kurzzeitige und auch langfristige Nebenwirkungen wie bei jedem operativen Eingriff haben kann.

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Welche Vor- und Nachteile hat die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter?

Die Entfernung von Eierstöcken und Eileitern, die sogenannte risikoreduzierende beidseitige Adnexexstirpation, kann das Krebsrisiko, das bei Frauen mit einer BRCA-Mutation für das Ovarialkarzinom bei zwischen 25 und 50 Prozent liegt, auf unter fünf Prozent reduzieren.

Die Operation wird üblicherweise mit einem minimalinvasiven Zugang, also so einer Schlüsselloch-Operation durchgeführt und kann eigentlich sehr komplikationsarm mit einem kurzen stationären Aufenthalt durchgeführt werden.

Bei Frauen, die vor dem Wechsel sind, vor der Menopause sind, ergibt sich durch die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter, dass sie dann in den Wechsel kommen, dass sie in die Menopause kommen.

Das sind die möglichen Nachteile. Das heißt, durch den Hormonmangel können auch Beschwerden entstehen, wie zum Beispiel Menopausen-Symptome, Hitzewallungen, Depressionen, Schlafstörungen, aber auch Probleme wie Osteoporose oder auch ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Bei Frauen, die nicht an Brustkrebs erkrankt sind, kann man die Hormone prinzipiell unterstützen. Das heiß, man kann das Östrogen und Progesteron weiter einnehmen und hier diese Symptome beherrschen.

Den Nachteilen steht halt gegenüber die Vermeidung, die deutliche Senkung des Risikos für Ovarialkarzinom und auch eine Verlängerung des Überlebens, weil das Ovarialkarzinom im Gegensatz zum Brustkrebs sehr schlecht früh erkannt werden kann. Die Früherkennungsmöglichkeiten mit dem transvaginalen Ultraschall und der Tumormarker-Bestimmung sind nicht so gut wie beim Mammakarzinom. Das heißt, in den meisten Fällen wird ein Ovarialkarzinom erst in einem fortgeschrittenen Tumorstadium diagnostiziert und bedarf immer dann einer sehr intensiven operativen Behandlung mit Chemotherapie. Und das kann man eben vermeiden, wenn man prophylaktisch diese Operation durchführen lässt.

Was auch empfohlen ist, ist bei jüngeren Frauen zum Beispiel, die auch keinen Kinderwunsch mehr haben, aber diese Eierstockentfernung noch nicht durchführen lassen möchten, dass man die Eileiter entfernt. Wir wissen nämlich mittlerweile, dass ein Großteil der sogenannten Krebserkrankungen in Wirklichkeit vom Eileiter ausgehen.

Vor- und Nachteile einer präventiven Operation

Da eine Operation ein Eingriff in den Körper ist, bestehen immer auch gewisse Risiken und mögliche unerwünschte Folgen. Die Vor- und Nachteile sollten Sie deshalb zusammen mit Ihren behandelnden ÄrztInnen besprechen um die für Sie passendste Möglichkeit zu wählen.

Kann auch nur ein Teil der Brust entfernt werden?

Wenn das medizinisch möglich und sinnvoll ist, bevorzugen manche Frauen, die Brust „erhaltend“ zu operieren – also das Gewebe nur teilweise zu entfernen. Vor allem bei Frauen mit kleinen oder mittelgroßen Brüsten kann ein Erhalt der Brustwarzen samt Brustwarzenvorhof überlegt werden, auch eine hautsparende Technik kann durchgeführt werden. Ob diese Methode empfehlenswert ist, hängt vom individuellen Fall ab.

brca.2018.hamburg.de
3 Wochen nach dem Ergebnis fand meine beidseitige Mastektomie statt. Die Operation dauerte etwa eine Stunde. Als ich meine Augen öffnete spürte ich keine Schmerzen in meiner Brust, denn wo nichts ist, kann auch nichts wehtun. Am dritten Tag wurden die Drainageschläuche entfernt und am vierten Tag wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen.
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Welche Langzeitfolgen kann die Operation haben?

Wenn man von den Langzeitfolgen der risikoreduzierenden Operationen spricht, dann ist hier bei der prophylaktischen Eierstock- und Eileiter-Entfernung vor allem darauf hinzuweisen, dass man eben in die Menopause gelangt nach der Operation. Daraus können sich eben die vorher schon genannten Konsequenzen durch den Wegfall der Hormone ergeben.

Bei der prophylaktischen Brustoperation können einerseits kurze, aber auch langfristige Probleme selten auftreten.

  • Hier ist die häufigste Komplikation die sogenannte Kapselfibrose. Das heißt, wenn man Implantate zum Wiederaufbau einsetzt, dass diese einwachsen, dass die zu einer Verhärtung der Brust führen und hier gegebenenfalls auch ein zweiter Eingriff durchgeführt werden muss.
  • Auch Kapselrupturen sind eine Komplikation.
  • Generell ist es so, dass bei Implantaten diese nach einer gewissen Zeit gewechselt werden sollten.

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Welche Nachsorge ist erforderlich?

Nach einer präventiven Operation wird dennoch eine Früherkennung empfohlen.

  • In Bezug auf das Ovarialkarzinomrisiko werden jährliche gynäkologische Untersuchungen mit einem transvaginalen Ultraschall empfohlen.
  • In Bezug auf das Brustkrebsrisiko wird nach einer risikoreduzierenden Operation mit Wiederaufbau eine Brust-MRT empfohlen.

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Was ist bei der Planung einer Brustrekonstruktion zu beachten?

Die Brustrekonstruktion kann auf unterschiedliche Art und Weise durchgeführt werden, hier gibt es verschiedene Techniken:

  • Einerseits wird sehr häufig der Wiederaufbau mittels Implantaten durchgeführt.
  • Es gibt aber auch Möglichkeiten, mit körpereigenem Gewebe den Wiederaufbau durchzuführen.

Was bei einer präventiven Operation zu beachten ist

Die Entscheidung zu einer Maßnahme bei positivem Ergebnis ist schwierig und sollte informiert nach ausreichender Bedenkzeit gefasst werden. Sollte eine Operation die passende Wahl für Sie darstellen ist es wichtig, dass Sie sich über die Vorbereitung, den Ablauf und die Nachsorge informieren. Wichtig ist es, Folgen und mögliche Komplikationen der Operation zu erfragen.

Was muss man vor einer Operation beachten?

Vor der Operation werden gründliche Voruntersuchungen durchgeführt. Dazu zählen etwa Mammografie, Ultraschall und gegebenenfalls auch ein MRT der Brust. Vor einer Entfernung von Eierstöcken und Eileitern wird eine gynäkologische Untersuchung mit transvaginalem Ultraschall durchgeführt. Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt wird alle Details noch einmal mit Ihnen besprechen, sollten Sie noch Fragen haben, können Sie sie in diesem Gespräch stellen.

Was muss man nach einer Operation beachten?

Nach der Operation erhalten Sie Schmerzmedikamente. Ein Ziehen der Fäden ist aufgrund der Verwendung von sich selbst auflösendem Nahtmaterial meistens nicht nötig. Wurde die Brust mit einem Implantat aufgebaut, ist eine Mammographie möglich. Die Prothese selbst kann dadurch aber nicht beurteilt werden. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen nötig und es wird die Durchführung einer MR-Mammographie empfohlen.
Nach einer Entfernung der Eierstöcke kommt der Körper üblicherweise in den Wechsel. Dadurch können die typischen Menopausen-Beschwerden auftreten. Wenn Sie nicht an Brustkrebs erkrankt sind, könnten Sie die Durchführung einer Hormonersatztherapie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt besprechen.

Wer übernimmt die Kosten für Brustrekonstruktion?

Für die Wiederherstellung fallen für Frauen, die in Österreich versichert sind, keine Kosten an.

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  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "BRCA-Gentest" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Stephan Polterauer: Stand 15.10.2020 | AT-4007 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.