2. Impfungen und Krebs

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KrebspatientInnen & Impfungen: Was zu beachten ist

Eines der wichtigsten Dinge bei einer Diagnose der Krebserkrankung ist, dass schon der Arzt, aber auch der Patient mitdenkt, dass die Impfungen ein ganz wichtiger Bestandteil sind vom gesamten Behandlungskonzept. Wieso? Weil bei einer Krebserkrankung entweder durch die Krebserkrankung selbst oder durch die folgenden Therapien das Immunsystem in der Regel doch ziemlich geschwächt oder gedämpft wird. Das hat zur Folge, dass man in dieser Zeit dann auch anfälliger ist für Infektionskrankheiten und eine höhere Empfänglichkeit für Infektionskrankheiten hat.

Und daher ist es ganz, ganz wichtig, dass man wie gesagt bei Diagnosestellung der Erkrankung sofort achtet, sich diesen sogenannten Impfstatus anschaut mit dem Patienten und so früh wie möglich Impfungen nachholt, bevor nämlich Therapien, Operationen, Strahlentherapien begonnen haben, damit dieser Immunstatus noch vor weiteren Immunsuppressionen wieder in einem einen guten Zustand gebracht worden ist.

Können Impfungen eine Überforderung des Immunsystems bei KrebspatientInnen bewirken?

Ganz wichtig ist zu erklären, dass Impfungen nicht schlecht sind bei Krebserkrankungen, ganz im Gegenteil. Es gibt viele Untersuchungen, die erst in den letzten Jahren gemacht wurden, wo gezeigt wurde, dass Impfungen bei Krebserkrankungen sehr gut sind, sehr förderlich sind. Denn das bedeutet, dass das Immunsystem wieder aktiv wird. Und wenn ein aktives Immunsystem vorhanden ist, ist auch die Abwehr gegen den Krebs sehr günstig. Früher hat man immer gedacht: Gar nicht impfen während Krebstherapien. Das ist aber nicht richtig.

Man schädigt gar nicht das Immunsystem, man schwächt das Immunsystem gar nicht. Man muss nur wissen, dass bestimmte Impfungen während einer Chemotherapie nicht gegeben werden dürfen und man vorsichtig sein muss oder selektieren muss: Welche Impfungen darf ich geben? Welche soll ich nicht geben?

Aber prinzipiell: Das Thema Impfen während Krebserkrankungen ist sogar ein ganz, ganz wichtiges, um auch die Abwehr gegen den Krebs zu verbessern.

Sollen Immunsupprimierte PatientInnen vor einer Impfung einen B-Zell-Test machen?

Ganz wichtig ist, dass man hier Bescheid weiß, was man sich anschauen muss.

Es ist wichtig, dass Patienten wissen, aber es ist wichtig, dass auch der Arzt das weiß, dass in Abhängigkeit von der Therapie das Immunsystem auf unterschiedliche Art und Weise gedämpft werden kann.

Ganz prinzipiell kann die allgemeine Zellzahl reduziert sein, oder bestimmte Therapien können nur bestimmte Zellen reduzieren.

Die Frage, die jetzt gestellt wurde, ob generell B-Zellen angeschaut werden sollen, ist mit Nein zu beantworten. Sondern nur bei Patienten, die eine bestimmte Therapie bekommen, z.B. Rituximab, das ist ein monoklonaler Antikörper, der besonders B-Zellen bei Myelom-Patienten eliminiert, da ist es dann in der Folge sinnvoll zu schauen: Habe ich noch B Zellen vorhanden? Wie hoch ist der Prozentsatz? Macht es Sinn, dass ich impfe?

Bei anderen Chemotherapien, wo die B-Zellen nicht so sehr angegriffen sind, ist so eine Untersuchung nicht sinnvoll.

Das heißt: Der Arzt muss hier ganz klar unterscheiden zwischen den Therapien, die durchgeführt werden, auch der Grunderkrankung — Krebserkrankung ist nicht gleich Krebserkrankung — , um hier sinnvolle Tests zu machen über die Aktivität des Immunsystems.

Ab welchem Prozentsatz von aktiven B-Zellen ist eine Impfung wieder möglich?

In der Regel kann man sagen, dass Rituximab wie gesagt kann innerhalb von einem halben Jahr doch bewirken, dass der Großteil der B-Zellen entfernt wird.

  • Wir sagen immer: Wenn die B-Zellen bei 2 Prozent wieder liegen oder auf jeden Fall über einem Prozent sind, gibt es die Chance, dass Auffrischungs-Impfungen sehr wohl gemacht werden können.
  • Bei einer geringen am B-Zell-Anzahl von nur einem Prozent oder 2 Prozent können Grundimmunisierungen unter Umständen nicht sehr gut angehen.
  • Alles, was unter einem Prozent vom B-Zellen ist, ist eigentlichem hier nicht sinnvoll zu impfen. Und da müsste man sich z.B. überlegen bei solchen Patienten, auf Immunglobuline zurückzugreifen, wie wir am Anfang gesagt haben. Das Geben von bereits vorgefertigten Antikörpern im Sinne von Immunglobulinen kann einen Schutz, einen guten Schutz hier bereitstellen bei diesen Patienten.

Welche Ärztin/welcher Arzt sollte den Impfplan für mich als Krebspatienten erstellen?

Ich glaube, es ist wichtig, dass bei Impfkonzepten, die erstellt werden sollen, speziell für Krebspatienten, eine ganz enge Zusammenarbeit, einerseits vom Onkologen mit einem Impfarzt, der sich spezialisiert hat auch auf das Immunsystem und das Impfen von Risikopatienten. Denn diese Ärzte sind in der Regel vorbereitet und geschult hinsichtlich des Immunsystems. Die können sehr gut überlegen: Welche immunologischen Untersuchungen sind sinnvoll, um überlegen zu können, welche Impfung darf gegeben werden, welche darf nicht gegeben werden?

Da sollte man sich als Patient wirklich an die Ärzte wenden, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Wenn ein routinemäßiger Impfplan schon aufgestellt worden ist, spricht nichts dagegen, dass man mit diesem vorgefassten Impfplan dann auch zu seinem praktischen oder zum Hausarzt geht, den man vielleicht gewöhnt ist. Der bekommt sozusagen dann ein Schema am schon überreicht, und es geht dann hauptsächlich um die Impfung, die Applikation der Impfung. Das mag für viele Patienten angenehmer sein. Vielleicht kommen Hausärzte auch nach Hause und können das machen.

Aber gerade für das Erstgespräch, für die Erstbetreuung, die Aufstellung eines solchen Impfplanes appelliere ich wirklich, dass man sagt: Man geht zum Facharzt, der sich mit diesem Thema hauptberuflich beschäftigt.

Immunsystem bei Krebs

Das Immunsystem von Krebserkrankten unterscheidet sich von dem eines Gesunden. Diese Erkenntnis wird heutzutage in die Therapieentscheidung mit einbezogen. Hier bekommen Sie Informationen, an wen Sie sich zur Beratung wenden können und warum Ihr Allgemeinzustand ein Faktor bei einer Impfentscheidung ist.

Geschwächtes Immunsystem bei KrebspatientInnen

Durch eine Krebserkrankung haben PatientInnen im Vergleich mit Gesunden einen schwächeren Schutz durch das Immunsystem.

Hierfür gibt es zwei Gründe:

  1. Der Tumor kann das Immunsystem aktiv schwächen, indem er über Botenstoffe die Aktivierung von Immunzellen hemmt oder umprogrammiert.
  2. Die Therapiemaßnahmen können ebenfalls auf das Immunsystem wirken, da dieses unterdrückt wird, um den Tumor bestmöglich behandeln zu können.

Daher haben Krebserkrankte eine höhere Anfälligkeit für Infektionskrankheiten. Diese Erkenntnis hat heute einen festen Platz in der Therapie, die darauf angepasst wird, um mögliche Komplikationen zu verhindern.

Entscheidend ist der aktuelle Allgemeinzustand

Ein wichtiger Faktor dabei ist das Impfen vor und nach Beginn der Krebstherapie. Im Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt sollten Sie Ihren aktuellen Allgemeinzustand abklären. Das Immunsystem benötigt Kraft für eine Impfung. Wenn diese nicht vorhanden ist, kann keine Immunantwort auf den Impfstoff erfolgen. Wenn der aktuelle gesundheitliche Zustand sehr geschwächt ist, kann es sinnvoll sein, den Impfzeitpunkt zu verschieben. Es ist von Vorteil, wenn die Beratung durch einen speziell geschulten Impfarzt erfolgt.

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Welche Impfungen werden für mich als KrebspatientIn unbedingt empfohlen?

In der Regel sind die Impfungen, die ganz wichtig sind und die man auch während der Chemotherapie impfen kann, eben

  • Diphtherie,
  • Tetanus und
  • Keuchhusten.

Keuchhusten deshalb auch ganz wichtig, weil das eine Erkrankung ist, die in den letzten Jahren enorm angestiegen ist in Österreich, nicht nur in Österreich in der ganzen Welt.

Dann sollte sofort überprüft werden, ob ein Schutz gegen

  • Masern und
  • Feuchtblattern

vorliegt. Wenn nicht, ist das ein gewisses Problem, wenn nicht geimpft werden kann. Da kommen wir dann später noch einmal dazu.

  • Es soll in der Influenza-Saison jeder Krebspatient routinemäßig immer gegen Influenza geimpft werden. Da gibt es Impfstoffe, die auch stärker wirksam sind, besonders wenn das Immunsystem nicht so gut funktioniert.
  • Die Pneumkokken-Impfung ist eine ganz wichtige Impfung, die routinemäßig bei Krebspatienten gegeben werden soll zur Verhinderung der Lungenentzündungen und auch von Blutvergiftung mit diesen Keimen.
  • Und dann gibt es die mögliche Impfung auch gegen Gürtelrose, dem sogenannten Herpes Zoster. Der Herpes Zoster ist eigentlich eine Reaktivierung von einer in der Kindheit stattgefundenen Windpocken Erkrankung oder Feuchtblattern. Das Virus bleibt ein Leben lang im Körper und kann dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist, wieder neu herausbrechen. Viele Leute kennen den Begriff der Gürtelrose, eine sehr unangenehme, schmerzhafte Erkrankung, wo die Bläschen sich in den Hautarealen oftmals wie ein Gürtel sozusagen darstellen. Und es kann sehr viele Monate zu sehr schmerzhaften Situationen kommen. Man nennt das eine postherpetische Neuralgie, also lange Empfindungsstörungen oder auch die Gefahr einer bakteriellen Superinfektion. Das ist eine Impfung, da gibt es mittlerweile auch einen Tot-Impfstoff gegen diese Gürtelrose. Und das ist sicherlich auch eine Impfung, die empfohlen wird.

Welche Impfungen sollte ich vor der Therapie bekommen?

Es gilt eine Grundregel einzuhalten, nämlich: Das Beste ist immer, dass man alle Auffrischungs-Impfungen vor Therapiebeginn macht. Im Idealfall ist es so, dass man einen Monat, bevor die Therapie begonnen wird, alle notwendigen Impfungen abgeschlossen hat. Der Minimalabstand zum Beginn einer Therapie sind 14 Tage, was Totimpfstoffe betrifft. Das ist der Idealzustand.

Das heißt also, wenn jemand mit der Diagnose Krebs konfrontiert ist, dann ist es wichtig, dass der Onkologe auch schon sofort darauf hinweist, dass man sagt: Bitte gehen Sie zu Ihrem Impfarzt und schauen Sie noch nach, ob alle Impfungen in Ordnung sind, und danach wird die Chemotherapie begonnen.

Wenn diese Zeit nicht da ist, dürfen natürlich nicht durchgeführte Impfungen kein Grund sein, eine Chemotherapie oder eine notwendige Behandlung aufzuschieben. Das darf nicht der Fall sein.

Im Idealfall, wie gesagt, ist die Planung so, dass man es vorher tut.

Wenn dann eine Therapie schon im Laufen ist, viele Patienten bekommen eigentlich dauerhaft dann eine Chemotherapie, ist es möglich, auch unter Chemotherapie zu impfen. Aber da ist es dann ganz wichtig, dass man sich anschaut: Welche Impfungen sind sinnvoll? Wann können sie getätigt werden? Welche Impfungen dürfen nicht gegeben werden? Auch da wieder ist dann das Gespräch mit dem Impfarzt, mit dem Spezialisten ein ganz wichtiges.

Ist eine Impfung grundsätzlich auch während der Krebstherapie möglich?

Es ist möglich, dass man während der Krebstherapie impft. Eine der wichtigsten Impfungen, die man während der Krebstherapie durchführt, ist die Influenza-Impfung Wir wissen, dass onkologische Patienten sehr profitieren von der Influenza-Impfung, weil vor allem die schweren Verläufe und die Komplikationen minimiert werden können, hinten angehalten werden können.

Im Idealfall ist es so, wenn jemand einen Chemotherapie-Zyklus hat, dass die Influenza-Impfung, die ja in den Monaten Oktober oder November bevorzugt gegeben werden soll, am Anfang eines Chemotherapie-Zyklus gegeben wird, weil hier die Impfung besser angehen kann.

Wenn das nicht möglich ist, dann wird die die Influenza-Impfung zwischen den Zyklen gegeben. Das ist auch immer ein guter Zeitpunkt, um die Wirksamkeit zu verbessern.

Das ist eine klassische Impfung, die neben der oder während der Chemotherapie gegeben wird.

Kann man sich gegen Herpes Zoster impfen lassen, wenn man Krebs hat?

Ich habe es schon erwähnt, dass der Herpes Zoster eine ganz unangenehme Erkrankung ist und ganz besonders häufig Krebspatienten betrifft. Wieso? Weil dieses Virus, das Herpes-Zoster-Virus, ja in unserem Körper ein Leben lang erhalten bleibt. Es zieht sich zurück in die Nervenzellen. Und wenn das Immunsystem geschwächt ist, was bei Krebspatienten der Fall ist, vor allem durch die Therapien, dann kann dieses Virus wieder Oberwasser gewinnen und kann diese schmerzhaften Herpes-Zoster-Episoden hervorrufen.

Wir haben seit einigen Jahren einen inaktivierten Impfstoff zur Verfügung, der auch während Therapien gegeben werden kann. Der einzige Nachteil zurzeit ist leider Gottes, dass die Verfügbarkeit in Österreich nicht gegeben ist und dass wir uns als besondere Impfstellen bemühen, dass wir diese Impfstoffe dann aus den umliegenden Ländern importieren können. Aber das ist eine sehr mühsame Angelegenheit. Routinemäßig ist derzeit aufgrund der mangelnden Erhältlichkeit die Zoster-Impfung nicht empfohlen, wird sie aber und sollte auch gemacht werden, sobald der Impfstoff zur Verfügung steht.

Worauf achten ÄrztInnen beim Impfen von KrebspatientInnen?

Ich glaube, das Allerwichtigste ist wirklich, dass die Ärzte, die sich mit dem Thema Krebs und Impfen beschäftigen, sind fit auf der Basis, welche Therapien es gibt, welche Möglichkeiten hier vorliegen, um abschätzen zu können, wann welche Impfung notwendig ist.

Es gibt keine Kochrezepte, was das Impfen betrifft bei diesem Patientenkollektiv. Es gibt Impfpläne, die aufgestellt worden sind für die allgemeine, gesunde Bevölkerung. Und diese hier gelten uns nur als Hilfe, um überlegen zu können: Ist das anwendbar bei Risikopatienten, bei Patienten, die Grunderkrankungen haben. Also hier steht ganz im Vordergrund das individuelle Vorgehen, das personalisierte Vorgehen, die personalisiere Medizin, die in der Krebsbehandlung ja sowieso Einzug genommen hat. Das ist auch ein Faktum, was das Impfwesen betrifft.

Grundlegende Impfungen bei Krebs

Vor Beginn einer Krebstherapie wird der Impfstatus überprüft und gegebenenfalls durch die beratende Ärztin/den beratenden Arzt aufgefrischt. PatientInnen mit Krebserkrankungen sollten über grundlegende Impfungen verfügen, allerdings sind auch einige Impfungen besonders angeraten.

Impfungen vor Therapiebeginn

Grundregel ist: Alle Auffrischungsimpfungen sollten vor Therapiebeginn abgeschlossen sein – im Idealfall einen Monat vorher. Die Impfungen mit Totimpfstoffen sollten spätestens vierzehn Tage vor Beginn der Therapie beendet sein.

Wichtigste Impfungen vor der Therapie

Hier bekommen Sie einen Überblick über die wichtigsten Tot- und Lebendimpfstoffe, welche bei KrebspatientInnen überprüft und auf dem aktuellen Stand sein sollten.

Totimpfstoffe:

  • Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis (als Kombinationsimpfung)
  • Hepatitis B
  • Pneumokokken
  • Influenza
  • Herpes-Zoster

Lebendimpfstoffe:

  • Masern, Mumps, Röteln (als Kombinationsimpfung)
  • Varizellen/Windpocken

Impfungen während der Therapie

Ob Totimpfstoffe während und kurz nach der Therapie verabreicht werden dürfen, hängt von der Art der Krebstherapie ab. Bei Chemotherapien beispielsweise können manche Totimpfstoffe, wie z.B. die Grippeimpfung, auch während der Therapie verabreicht werden. Genaueres dazu erfahren Sie unter Impfungen und Krebstherapie.

Impfungen nach der Therapie

Grundsätzlich gilt: Drei Monate nach Beendigung der Therapie ist das Immunsystem meist wieder fit genug, dass Totimpfstoffe gegeben werden können. Mit der Gabe von Lebendimpfstoffen sollte mindestens sechs Monate gewartet werden.

Vorsicht bei unseriösen Anbietern

Von Impfungen unseriöser Anbieter, die eine Heilung von Krebs versprechen, ist eindeutig abzuraten. Die dort angewandten Methoden entsprechen in keiner Weise wissenschaftlichen Standards in Sicherheit und Wirkung.

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Warum sollen sich Angehörige von KrebspatientInnen impfen lassen?

Eine der wichtigsten Maßnahmen bei der Impfversorgung von Krebspatienten ist auch die Impfversorgung des Umfelds, der Familie, der Kontaktpersonen, Haushaltsmitglieder, auch der Berufskollegen. Wieso? Aus zwei Gründen.

  • Nämlich einerseits, dass die umliegenden Personen sich ebenso vor Erkrankung schützen.
  • Aber viel wichtiger ist in diesem Fall, dass jeder, der geimpft ist, nicht ansteckend für einen Krebspatienten sein kann. Und das ist deshalb so wichtig, weil wir ja nicht wissen, ob alle Impfungen bei Krebspatienten sehr gut angehen aufgrund der Schwächung des Immunsystems. Also ist die Umgebungsprophylaxe, wie wir das nennen, ein ganz wichtiger Bestandteil der gesamten Impfversorgung von Krebspatienten.

Im Idealfall sollten eben bei einem Krebspatienten immer die Familienmitglieder mitkommen, der Ehepartner mitkommen, die Kinder, Großeltern, je nachdem, in welchen Alter sich die Krebserkrankung befindet, um diese komplexe Behandlung der gesamten Familie hinsichtlich Impfversorgung durchführen zu können.

Welche Impfungen sollten Angehörige von KrebspatientInnen impfen lassen?

Für die Angehörigen gilt ganz besonders, dass sie nicht ansteckend sein dürfen mit sehr hoch ansteckenden Erkrankungen. Das heißt: Man muss bei allen Angehörigen schauen, ob ein ausreichender Schutz gegen

  • Masern,
  • Mumps,
  • Röteln und
  • Feuchtblattern

vorliegt.

Das sind Erkrankungen, die durch Tröpfcheninfektion sehr leicht übertragen werden, und daher ist im Vordergrund, dass man überprüft ist: Sind die Angehörigen immun?

Wenn nicht, sollten sie sofort geimpft werden. Sie können im Unterschied zu den Krebspatienten mit Lebend-Impfstoffen geimpft werden. Und das ist eine der ersten Maßnahmen.

  • Natürlich gehört bei dem Umfeld genauso gut dazu die Influenza-Impfung. Auch hier gilt dasselbe: Je mehr geimpft werden, desto weniger können Personen ansteckend für die Krebspatienten sein.
  • Dasselbe gilt aber auch für andere Erkrankungen wie Keuchhusten z.B.. Auch hier muss man unbedingt achten, dass diese Kombination Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten vom Umfeld getätigt  wird, damit man nicht so ansteckend ist.
  • Und unter Umständen kann auch vernünftig sein, Impfungen zu machen wie Pneumokokken, wenn das Umfeld, die Umgebung im entsprechenden im Alter Pneumokokken-Erkrankungen steht.

Sollten sich auch ArbeitskollegInnen und FreundInnen impfen lassen?

Ich glaube, beim Umgang mit einer Krebskrankheit gehört dazu, dass man das Thema auch im Freundeskreis und am Arbeitsplatz anspricht. Deshalb eigentlich, um einen vermehrten Selbstschutz zu haben.

Hier soll man das Thema Impfen ansprechen. Hier ist oft den Mitmenschen, den Kollegen nicht bewusst, dass sie selber ja eigentlich eine Infektionsschleuder durchaus darstellen und man daher wirklich bittet und informiert, dass es wichtig wäre, dass z.B. gegen die Influenza auch die Arbeitskollegen geimpft sind, damit sie nicht ansteckend für mich als Krebspatient sein können. Diese Info kann proaktiv von jedem Krebspatienten in den Freundeskreis oder die Arbeitskollegenschaft gebracht werden.

Kann man im Anschluss an die Impfung die Impfviren an andere übertragen?

In der Regel ist es so, dass auch Lebend-Impfstoffe nicht ansteckend sind für das Umfeld. Wir wissen z.B., dass eine Masernimpfung nicht zu einer Ausscheidung von Impfmasernviren führt, und daher ist das Umfeld nicht gefährdet, wenn es im Umfeld ein immunsupprimiertes ist.

Es gibt eine einzige Lebend-Impfung, wo man vorsichtig sein sollte. Das ist bei den Varizellen. Manches Mal, ganz selten, kann es dazu kommen, dass der Geimpfte sogenannte Impfvarizellen, Impfwindpocken entwickelt. Und wenn dann solche Bläschen sich ausbilden, auch wenn es nur ganz wenige sind, ist der Inhalt dieser Bläschen mit Viren gefüllt. Und hier soll kein Kontakt dieser Personen mit Immunsupprimierten sein. Denn rein theoretisch könnte durch den Bläscheninnhalt eine Infektionsübertragung stattfinden.

Für alle anderen Impfungen gilt, dass es hier keine Sorge ist, dass diese Impfung übertragen werden kann. Einziger Unterschied ist heuer vielleicht, dass Kinder, die gegen Influenza mit dem Lebend-Impfstoff, mit dem nasalen Impfstoff geimpft werden, die können sehr wohl über die Nase diese Impfviren ausscheiden und sollten nicht unbedingt bis zu einer Woche nach der Impfung Kontakt haben mit immunsupprimierten Krebspatienten. Wenn es z.B. die Omi oder die Eltern sind, dann sollte hier vorsichtig umgegangen werden.

Impfungen für Angehörige

Menschen mit Krebserkrankung können nicht nur durch die eigene aktive Impfsituation geschützt werden, auch ein vollständiger Impfstatus Angehöriger, enger FreundInnen oder ArbeitskollegInnen kann hierzu beitragen.

Müssen sich meine Angehörigen impfen lassen?

Die Impfung von nahestehenden Personen ist eine einfache, aber sehr wirksame Möglichkeit, Krebserkrankte vor Infektionskrankheiten zu schützen. Das bedeutet, dass auch Angehörige und enge FreundInnen von KrebspatientInnen über einen guten Impfschutz verfügen und diesen gegebenenfalls erneuern sollten. Indem Menschen im näheren Umfeld diesen Schutz erweitern, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Viren verbreiten und die Krebspatientin/der Krebspatient angesteckt wird. Geimpfte Personen haben in der Regel ein hohes Maß an Schutz vor Erregern, eine hundertprozentige Sicherheit ist aber nicht gegeben.

Wichtige Impfungen für Angehörige von KrebspatientInnen

Für Angehörige und FreundInnen gilt: Grundsätzlich sollte der Impfschutz auf dem neuesten Stand entsprechend des nationalen Impfplans sein. Hinzu kommt die Grippeimpfung, welche nicht nur für KrebspatientInnen, sondern auch für nahestehende Personen empfohlen wird, da die Influenza bei Menschen mit Krebserkrankungen schwerwiegender verlaufen kann. Auch die Pneumokokken-Impfung zählt zu einer sehr wirksamen Vorbeugungsmaßnahme mit der das Risiko für Lungenentzündungen für PatientInnen mit Krebs deutlich gesenkt werden kann.

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Geprüft von Univ.-Prof.in Dr.in Ursula Wiedermann-Schmidt: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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