4. Saisonale und regionale Impfungen

Transkript

Was sind Grippewellen und warum können sie für KrebspatienInnen gefährlich sein?

Grippewellen im Sinne der echten Influenza, der Echte Grippe oder Influenza sind sogenannte saisonal auftretende Erkrankungen. Immer in den kalten Monaten, Wintermonaten kommt es zum Auftreten von Influenza-Viren in den der Hemisphäre der Welt, wo gerade Winter vorherrscht. Das ist eine Situation, die uns jedes Jahr einholt. Die Influenza-Viren sind eigentlich Viren, mit denen wir leben müssen und wo man sicher sagen kann, dass sie jedes Jahr kommen werden.

Daher bereitet man sich auch jedes Jahr vor auf so eine Influenza-Welle, indem die Impfungen durchgeführt werden.

Und für die Krebspatienten gilt, dass sie unbedingt eine der wichtigsten Impfungen sind, die routinemäßig durchgeführt werden sollen, auch bei Patienten, die schon eine Krebstherapie machen.

Die Influenza Impfung ist Tot-Impfstoff. Also es kann sich nicht vermehren. Für Krebspatienten liegen noch dazu verbesserte Impfstoffe, die auch wirkstoffverstärkt sind, zur Verfügung, damit bei einem schwächeren Immunsystem trotzdem eine gute Immunantwort aufgebaut werden kann.

Und wichtig zu sagen ist: Auch wenn der Schutz nicht optimal bei Patienten bei Krebspatienten mit Therapien entsteht, ist doch vor allem vordergründig, dass Komplikationen vermindert werden, dass der Ablauf von einer schweren Influenza minimiert wird und abgeschwächt wird. Und das steht ganz im Vordergrund.

Das heißt: Die Influenza Impfung gilt für jeden Krebspatienten, aber auch für dessen Umgebung zu einer Standard-Impfung, die jährlich durchgeführt werden soll.

Wann und wie häufig sollte man sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Influenza-Impfung ist eine Impfung, die jedes Jahr gemacht wird. Wieso ist das der Fall? Das ist deshalb der Fall, weil die Influenza-Viren leider ein bisschen mutationsfreudig sind. Das heißt, die können ihre Oberflächenmoleküle, ihr äußeres Erscheinungsbild, jedes Jahr ein bisschen modifizieren. Und das bedeutet, dass jedes Jahr auch der Impfstoff, der uns schützen soll, angepasst werden muss an diese Modifikationen.

Daher ist es notwendig, jedes Jahr zu impfen, solange wir keinen anderen Impfstoff gefunden haben, der uns eine Immunität gegen verschiedene Influenzastämme bereiten kann. Das haben wir momentan nicht. Und daher ist es das Hauptziel, dass man jedes Jahr mit dem für die Saison geänderten Impfstoff sich impfen lässt.

Warum sollte man sich mit einer akuten myeloischen Leukämie nicht gegen Grippe impfen lassen?

In einer akuten Erkrankung ist es schwer, dass man am hier überhaupt Impfungen durchführen sollte, weil hier vor allem das Entzündungsgeschehen und die Immunzellen sehr der Situation, dass sie sich sehr vermehren können bestehen, und da soll man nicht zusätzlich auch noch mit Impfungen in dieses Akutgeschehen hinein impfen.

Das gilt ganz prinzipiell für jede Erkrankung, die eine akute Erkrankung ist. Auch eine akute Infektion ist ein Zustand, wo man nicht hinein impfen darf, weil ganz einfach sonst der Erkrankungsprozess deutlich verstärkt werden kann und hier Komplikationen auftreten können.

Also auch das ist eine Grundregel: Akuter Zustand eine Erkrankung, einer hämatologischen Erkrankung ist immer ein Zustand, wo man nicht hinein impfen darf und vor allem auch nicht gegen Influenza impfen darf.

Was soll ich tun, wenn ich während meiner Therapie an einer Grippe erkranke?

Auch da muss der behandelnde Arzt die Patienten vorbereiten. Es gibt ja Gott sei Dank bei der Influenza auch Medikamente, die den Verlauf einer Influenza reduzieren können. Das sind sogenannte Neuramidasehemmer. Das sind Medikamente, die verhindern, dass das Virus über bestimmte Eintrittspforten in die menschliche Zelle eintreten kann. Diese Medikamente sind allerdings nur wirklich wirksam, wenn sie in den ersten 24 Stunden bei Erkrankungsbeginn gegeben werden. Dann können sie den ganzen Krankheitsverlauf sehr minimieren. Und es ist ganz wichtig, dass das geschieht.

Das heißt: Zur Gesamtbetreuung wird es auch vernünftig sein, dass man, kaum hat die Influenzawelle begonnen, dass man Krebspatienten entsprechende Rezepte verschreibt, damit sie auch zu Hause so ein Medikament haben können und im Notfall, oft kommen solche Situationen bevorzugt am Wochenende vor, dass man als Arzt dann auch mal reagieren kann und die Empfehlung geben kann, sofort ein Medikament einzunehmen, wenn die entsprechende Symptomatik vorliegt.

Grippe und Krebs

Der Schutz vor der Grippe kann für KrebspatientInnen, welche unter einem geschwächten Immunsystem leiden, von wichtiger Bedeutung sein.

Grippe bei KrebspatientInnen

KrebspatientInnen haben aufgrund der Therapie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs, wenn sie an Grippe erkranken. Grund dafür ist ein schwächeres Immunsystem als bei gesunden Menschen, welches durch die Krankheit an sich, aber auch die Therapie, beeinflusst wird.

Grippeimpfung als Schutz

Die Grippeimpfung bietet zwar keinen hundertprozentigen Schutz, hat jedoch einen Wirkungsgrad von bis zu 75%. Dies liegt daran, dass jedes Jahr neue Formen von Grippeviren auftreten und die den Impfungen zugefügten Viren oftmals nicht vollständig mit den umlaufenden Influenzaviren übereinstimmen.

Trotz alledem ist die Grippeimpfung für KrebspatientInnen sehr dringend empfohlen, da hierdurch das Risiko zu erkranken deutlich gesenkt wird.

Weitere Schutzmaßnahmen

  • Regelmäßiges Händewaschen
  • Vermeiden von Berührungen im Gesicht
  • Vermeiden von großen Menschenansammlungen und stark frequentierten Orten
  • Impfung von Angehörigen
Transkript

Kann ich mich als KrebspatientIn mit einer Impfung vor FSME schützen?

Die FSME-Impfung gehört s zu den Impfungen, die man in der Regel ja schon in Österreich zumindest in der Kindheit begonnen hat, und daher sind Auffrischungs-Impfungen für Krebspatienten auch bei einer laufenden Chemotherapie ohne weiteres möglich.

Hier haben wir den Vorteil, dass wir auch durch bestimmte Tests sogar überprüfen können, ob da entsprechende schützende Antikörper gebildet wurden. Das heißt: Man kann hier überprüfen: Ist der Schutz da? Muss noch einmal geimpft werden? Und das ist eine gute Vorgehensweise, die man hier durchführen kann, wenn man sich nicht sicher ist, ob diese Impfung auch tatsächlich die Wirkung erreicht, die man haben möchte und braucht.

Wann sollte man die FSME Impfung bekommen?

Die FSME-Impfungen gehört zu den Impfungen, die im Erwachsenenalter alle fünf Jahre wiederholt werden sollten. Diese Regel gilt bis zum 60. Lebensjahr. Ab dem 60. Lebensjahr sollen die Impfabstände drei Jahre betreffen.

Das gilt für jeden Erwachsenen, so auch für den Erwachsenen, der eine Krebserkrankung hat.

Das heißt, dieses Impfintervall soll eingehalten werden mit zusätzlich der Möglichkeit, dass man nach Impfung auch den sogenannten Titer überprüft, also das Angehen, ob die Impfung gut angegangen ist, durch eine Blutabnahme überprüfen kann.

Kann man sich gegen alle von Zecken übertragenen Krankheitserreger impfen lassen?

Leider kann man sich nicht gegen alle durch Zecken übertragbaren Erkrankungen impfen lassen. In Österreich beschäftigen uns zwei solche:

  • Auf der einen Seite diese Viruserkrankung, die Frühsommer Meningo Enzephalitis (FSME), gegen die wir impfen können.
  • Die zweite, die alle kennen ist, ist die sogenannte Borreliose. Das sind allerdings Bakterien, die durch Zecken übertragen werden können, durch den Zeckenstich übertragen werden können. Der Vorteil bei Borrelien ist allerdings, dass man sie durch Antibiotika behandeln kann im Unterschied zu einer Virus-Enzephalitis durch die FSME-Viren. Hier, auch wenngleich die Behandlung oftmals mühsam ist und Erkrankungsverläufe auch langwierig sein können, können wir bei der Borreliose zumindest bei Erkrankungsbeginnen eine Behandlung mit Antibiotika durchführen.

FSME und Krebs

In einigen Gebieten Europas ist die Übertragung der Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) durch Zecken erhöht. Daher gilt auch für Krebserkrankte, sich bestmöglich davor zu schützen. Eine gute Möglichkeit ist die Impfung gegen FSME.

Kann man während der Krebstherapie die FSME-Impfung auffrischen?

Abhängig von der Therapieart, kann die Möglichkeit bestehen, während der Behandlung gegen FSME zu impfen.

  • Möglich ist dies während einer Chemotherapie, da es sich bei der FSME-Impfung um einen Totimpfstoff handelt – dabei muss jedoch mit einer reduzierten Wirksamkeit gerechnet werden.
  • Während Stammzelltransplantationen oder der Behandlung von hämatologischen Erkrankungen durch Antikörpertherapien ist es nicht möglich sich impfen zu lassen.

Gibt es noch andere Möglichkeiten mich vor von Zecken übertragenen Krankheiten zu schützen?

Da es nicht eine Impfung gegen jede von Zecken übertragene Krankheit gibt, sollten Sie auf ausreichenden weiteren Schutz achten.

Hierzu zählt:

  • Tragen von heller, langer Kleidung
  • Auftragen von Anti-Zecken-Mittel (z.B. Repellentien-Spray)
  • Vermeiden von Unternehmungen in hohen Gräsern und im Unterholz
  • Untersuchen des Körpers auf Zecken nach Spaziergängen im Wald oder auf dem Feld

Informationen zu Risikogebieten

Im Vorfeld jeder Reise sollten Sie sich informieren, ob das Reisegebiet als Risikogebiet ausgeschrieben ist. Dies können Sie online einsehen, z.B. auf der Website des Robert-Koch-Instituts oder auf der Website des Österreichischen Sozialministeriums.

Transkript

Wie können sich KrebspatientInnen im Urlaub vor Infektionskrankheiten schützen?

Ganz wichtig ist, wenn Reisen geplant sind, ist, dass das auch mit dem einerseits Onkologen und auf der anderen Seite mit dem behandelnden Impfarzt genau besprochen wird.

Es gibt sicherlich die Möglichkeit zu reisen. Das ist auch gut so. Es ist gut für die Seele, es ist gut für den Geist.

Aber es gibt bestimmte Länder, die nicht so günstig sind aufgrund der hohen Infektionsgefahren, die dort herrschen, und auch der Situation, dass manche Lebend-Impfungen gegeben werden müssen, wenn man in diese Länder einreist.

Stichwort Gelbfieber-Impfung: Das ist eine Impfung, die kontraindiziert ist bei Krebserkrankungen, vor allem unter Chemotherapien und laufenden Therapien und ist auch eine Impfung, die bei Immunsuppression wirklich zu Komplikationen führen könnte.

Das heißt, hier muss man sich genau anschauen: Welche Länder haben sogar als Voraussetzung für die Einreise so eine Geldfieber-Impfung vorgegeben? Und wo sind Länder, wo die Infektionsgefahr gegeben ist? Die fallen für den Krebspatienten eigentlich flach, und davon rate ich eigentlich ab, dass man solche Länder besucht.

Es gibt aber sicherlich genügend andere, wo man durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen, auch Hygienemaßnahmen vor Ort, das Verwenden von Mückensprays solche Reisen machen kann.

Wichtig ist nur, dass solche Reisen eben wirklich mit dem Onkologen abgesprochen werden: Ob das in das Behandlungsschema hineinfällt, dass man Möglichkeiten hat, wenn es zur Verschlechterung des Zustandes kommt, wie kann man hier seinen Arzt des Vertrauens kontaktieren?

Und die andere Seite ist eben wirklich die Betreuung von Seiten der Impfungen, des Reisemediziners bzw. des Impfspezialisten, hier entsprechend nicht nur Impfungen, sondern auch alle anderen Maßnahmen, die notwendig sind, zu besprechen und gemeinsam abzuklären: Ist das Risiko zu hoch oder kann so eine Reise während einer Krebserkrankung durchgeführt werden?

Wie lange vor der Reise sollte ich mit den Impfungen beginnen?

Ganz wichtig ist, wenn man so einen Urlaub plant, dass man sich genügend Zeit dafür nimmt. Der übliche Zeitpunkt von 4 Wochen vor einer Reise ist für den Krebspatienten fast zu kurz. Es gibt manche Impfungen, die bei immunsupprimierten Krebspatienten dann besser wirken, wenn sie auf jeden Fall zweimal gegeben werden.

Stichwort: die Hepatitis A Impfung: Da brauche ich auf jeden Fall ein halbes Jahr, bevor ich die Reise antrete, Zeit, um diese Impfung entsprechend durchzuführen. Das heißt: Mehrere Monate bis maximal ein halbes Jahr würde ich anraten, um solche Reisen gut vorzubereiten und abschätzen zu können: Ist es möglich zu impfen? Und dann hätte man noch genügend Zeit, alle Impfungen in Ruhe durchzuführen.

Ein Ad hoc-Reisen würde ich immer abraten, bei Krebspatienten durchzuführen.

Welche Impfungen sind für welche Reisen wichtig und wo kann ich mich informieren?

Es gibt eine ganze Vielzahl von unterschiedlichen Impfungen, die abhängig sind von den verschiedenen Reiseländern.

Sie sind sicherlich am besten bedient, wenn Sie einen Reisemediziner, der sich hauptberuflich damit beschäftigt, kontaktieren bzw. viele Impfstellen so wie unsere z.B. ist auch damit beschäftigt, dass Sie nicht nur die üblichen Impfungen, die wir auch in Österreich brauchen, sondern auch die im Ausland notwendig sind, kennt und auch eine entsprechende Empfehlung abgibt. Auch hier empfehle ich sehr, den Spezialisten auf dem Gebiet zu beraten. Oftmals sind solche Impfprogramme komplexer für Krebspatienten, und nicht jeder Arzt im niedergelassenen Bereich ist routinemäßig damit beschäftigt.

Das kann natürlich auch im Vorfeld mit dem Hausarzt besprochen werden. Aber prinzipiell: Gehen Sie ins Internet, schauen Sie unter „Reisemedizin“, schauen Sie, welche Spezialisten Sie hier finden, damit man für dieses Thema eine gute Beratung auch wirklich bekommt.

Gibt es Reisegebiete, die ich aufgrund meiner Krebserkrankung vermeiden sollte?

Es gibt schon verschiedene Länder, die ein erhöhtes Risiko haben, z.B. auch durch Stechmücken übertragbare Erkrankungen zu bekommen. Das Stichwort ist Denguefieber und der südostasiatische Bereich. Hier haben wir in den letzten Jahren einen massiven Anstieg gehabt an vermehrten Dengue-Fieber und das, muss ich sagen, kann unter Umständen eine Erkrankung sein, die sehr schwerwiegend verlaufen kann.

Wir haben gegen Denguefieber zur Zeit oder bis dato noch keine Impfung zur Verfügung. Das heißt: Der einzige Schutz sind hier vor allem Mückenspray zu verwenden bzw. auch entsprechenden Schutz von der Kleidung her bzw. Moskitonetze zu verwenden.

Ich würde in Abhängigkeit von der Krebserkrankung, von den bestehenden Therapien diese Reiseziele genau besprechen, ob das Infektionsrisiko zu hoch ist für die Situation oder ob das möglicherweise ein geringeres ist und daher bedenkenlos das Land bereist werden kann.

Reisen und Krebs

Reisen sind für viele Menschen eine Möglichkeit, Abstand zu gewinnen und Energie zu tanken. Dabei sollten vor allem Krebserkrankte einige Sicherheitsvorkehrungen treffen.

Was muss ich bei grenzüberschreitenden Reisen mit einer Krebserkrankung beachten?

Grundsätzlich sind alle Formen des Reisens erlaubt, wenn Sie sich gesund genug fühlen, diese anzutreten und nicht als Belastung, sondern als Form der Erholung sehen. Bevorzugt werden sollten jedoch Ländern, die einen guten medizinischen Standard aufweisen. Zu bedenken ist, dass in Schwellen- und Entwicklungsländern die Gesundheitsversorgung oft nicht so gut ausgebaut ist wie das in Industrienationen der Fall ist.

Von Reisen in Länder, für die eine Gelbfieberimpfung erforderlich ist, wie in manchen Gebieten Afrikas und Südamerikas, ist jedoch abzuraten. Auch Länder mit erhöhtem Risiko für parasitäre Erkrankungen oder Infektionen mit Bakterien sind zu vermeiden.

Wo finde ich heraus, welche Impfungen ich für meine Reise ins Ausland brauche?

Um auch im Ausland sicher vor Infektionskrankheiten geschützt zu sein, bietet es sich an mit einer Ärztin/einem Arzt, welche/welcher sich auf Reisemedizin spezialisiert hat in Kontakt zu treten.

Diese/diesen können Sie online ausfindig machen. Oftmals haben vor allem Universitätskliniken Spezialambulanzen oder Impfzentren an die man sich wenden kann.

Diesen Kurs bewerten

Ihr Feedback hilft anderen Nutzern die für sie passenden Kurse zu finden.
4.6/5 (90)

Geprüft von Univ.-Prof.in Dr.in Ursula Wiedermann-Schmidt: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

selpers Gesundes Lernen

Immer informiert

Ja, ich möchte den Newsletter von selpers abonnieren und regelmäßig über Blogbeiträge, Online-Kurse und Veranstaltungen informiert werden.