5. Individuelle Impfungen

Personalisierter Impfplan

Jeder Mensch ist anders und auch gerade bei Krebserkrankungen gibt es nicht nur einen vorgegebenen, richtigen Weg. Um die Therapie bestmöglich zu unterstützen, bietet es sich an, einen personalisierten Impfplan erstellen zu lassen.

Wo kann ich mir meinen Impfplan erstellen lassen?

Die Entscheidung, welche Impfungen bei Ihnen durchgeführt werden sollten, ergibt sich aus dem Gesamtbild Ihrer Gesundheitsituation. Dazu zählen Faktoren wie der allgemeine Zustand, aber auch welche Impfungen wie lange zurückliegen, Ihre Blutwerte und die Funktionsfähigkeit des Immunsystems.

Dies wird Ihre behandelnde Onkologin/Ihr behandelnder Onkologe mit Ihnen besprechen und Sie gegebenenfalls weiter an eine Ärztin/einen Arzt verweisen, die/der sich auf Immunologie und das Impfen bei Krebs im Besonderen spezialisiert hat. Nachdem Sie Ihren Impfplan erhalten haben, können Sie Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt kontaktieren, damit dieser die Impfungen durchführt.

Was ist eine Titerbestimmung und wo kann ich das machen lassen?

Mit einer Titerkontrolle kann festgestellt werden, wie viele Antikörper das Immunsystem nach einer Impfung gebildet hat. Dies ist allerdings nicht bei allen Impfstoffen möglich. Die Titerbestimmung erfolgt über eine Blutentnahme, die bei der Hausärztin/dem Hausarzt oder in einem Labor durchgeführt werden kann. Es ist vor allem bei KrebspatientInnen sinnvoll festzustellen, ob der Immunschutz ausreicht oder ob nachgeimpft werden muss.

Kosten für Impfungen

Die Übernahme von Impfkosten für KrebspatientInnen ist für jede Patientin/jeden Patienten unterschiedlich und wird individuell geprüft. Die folgenden Informationen können für alle KrebspatientInnen hilfreich sein, wenn Sie bei der Krankenkasse die Übernahme von Kosten für Impfungen beantragen.

Kostenübernahme bei Impfungen durch die Krankenkasse

Grundsätzlich können erkrankte PatientInnen ihre Impfungen erstattet bekommen, wenn die Datenlage zeigt, dass durch eine Infektionskrankheit die Erkrankung verschlechtert werden kann. Impfungen, die die Patientin/der Patient vor diesen Krankheiten schützen, heißen“ indizierte Impfungen“ und können als vorgezogene Heilbehandlung eingereicht werden. Nicht alle, aber ein Großteil dieser Impfungen werden von der Krankenkasse übernommen. Weitere allgemeine Informationen zu Kassenleistungen finden Sie in unserem Kurs Mehr Durchblick bei Sozialversicherungen.

Rückerstattung – im Vorfeld oder erst im Nachhinein abklären?

Im Idealfall sollten sich PatientInnen im Vorfeld über Rückerstattungen informieren. Zwar ist es möglich, im Nachhinein die Erstattung mit einem „Refundierungsschreiben“ der Ärztin/des Arztes anzufordern. Davon wird jedoch abgeraten, da durch eine im Vorfeld abgeklärte Kostenübernahme die PatientInnen mehr Planungssicherheit haben.

Unterstützung durch die Spezialambulanz

Manchmal besteht in Arztpraxen nicht viel Erfahrung im Umgang mit der Kostenübernahme bei Impfungen von KrebspatientInnen. Im Zweifel können Sie sich an Spezialambulanzen wenden, die Sie beim Vorgehen unterstützen können.

Dies kann beispielsweise so ablaufen, dass nach einem Erstgespräch der personalisierte Impfplan erstellt wird, welcher im Anschluss bei der Kasse eingereicht wird. Nach Bewilligung des Rezeptes können die Impfstoffe in der Apotheke abgeholt werden. Danach bekommen Sie diese von Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt verabreicht.

Neben- und Wechselwirkungen

Impfungen führen zu einer Aktivierung des Immunsystems. Dies kann sich in körperlichen Symptomen zeigen, die meist jedoch schnell wieder abklingen. Hier finden Sie einige Tipps für einen besseren Umgang mit den häufigsten Nebenwirkungen von Impfungen.

Häufige Nebenwirkungen von Impfungen

Reaktionen des Körpers auf eine Impfung können ein positives Zeichen sein. Dies zeigt, dass Abwehrzellen gebildet und aktiviert werden. Die damit verbundenen Symptome vergehen im Regelfall nach einigen Tagen.

Zu möglichen Symptomen zählen:

  • Allgemeines Unwohlsein
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Fieber
  • Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle

Falls Sie das Gefühl haben, dass die Symptome stärker werden und sich Ihr Gesundheitszustand deutlich verschlechtert, suchen Sie bitte Ihre Ärztin/Ihren Arzt auf.

Tipps für den Umgang mit den häufigsten Nebenwirkungen

Hier erfahren Sie was Sie im ersten Moment selbst tun können:

Kühlen

Um eine Entzündung um die Einstichstelle zu behandeln, bietet es sich an, die betroffene Stelle zu kühlen und dadurch die Schwellung zu reduzieren. Auch Umschläge mit schmerzstillenden pflanzlichen Mitteln (z.B. Arnika oder Kamille) können helfen.

Ruhe

Grundsätzlich sollten Sie es die Tage nach einer Impfung „ruhiger angehen“. Dazu gehört der Verzicht auf Alkohol und das Vermeiden von Sport und anderen körperlich fordernden Aktivitäten.

Medikamente (bei Bedarf)

Für den Bedarfsfall sollten Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt klären, welche Medikamente Sie einnehmen können. Eine Studie hat gezeigt, dass manche Medikamente, wie z.B. Paracetamol, den Impferfolg beeinträchtigen können.

Was tun bei Wechselwirkungen?

Wenn Sie andere Medikamente einnehmen, können diese eventuell zu Wechselwirkungen mit der Impfung führen. Informieren Sie sich bei Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt, diese/r kann Ihnen genauere Auskunft erteilen.

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Geprüft von Univ.-Prof.in Dr.in Ursula Wiedermann-Schmidt: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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